Wie ist die Lage also tatsächlich auf den Intensivstationen, zum Beispiel in Berlin?

Das wollte ich von den beiden städtischen Versorgern Charité und Vivantes wissen, die etwa zwei Drittel der Corona-Patienten behandeln. Die Auskunft, die mir die beiden Häuser gaben, ist erstaunlich ungenau.

Auf die Frage, wie viele Intensivpflegekräfte im Vergleich zum letzten Herbst zur Verfügung stehen, heißt es: „An der Charité haben wir auch im Jahr 2021 erfolgreich Personal gewinnen und ausbilden können.“ Und bei Vivantes: „Viele unserer Beschäftigten sind erschöpft, manche haben sogar den Beruf verlassen. Die Intensivkapazitäten sind deshalb im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert.“ Zahlen nannten beide Häuser nicht.

Was antworten Charité und Vivantes auf die Frage über die Intensivpatienten? Die Charité gibt darauf (mit Verweis auf den Datenschutz) schon mal gar keine Auskunft. Bei Vivantes sind sie „in der Regel über 50 Jahre alt, die meisten zwischen 70 und 90“.

Genauso unkonkret bleiben die Krankenhäuser bei der Frage, wie viele Intensivbetten im Vergleich zum Vorjahr betrieben werden können.

Schwammige Antwort der Charité: „Wir haben (…) die Zahl weiterer Intensivbetten steigern können. Das Betreiben der Betten ist möglich, weil wir elektive Eingriffe reduziert haben.“ Vivantes: „In einzelnen Vivantes-Kliniken können zeitweilig nicht alle (Intensiv-)Betten betrieben werden.“

Elektive Eingriffe (ohne Dringlichkeit) werden aber auch in jeder Grippewelle reduziert. Und dass ein Krankenhaus zeitweilig nicht alle Intensivbetten betreiben kann, ist auch nicht ganz ungewöhnlich. Steht nun also das System vor dem Kollaps oder nicht?

Nicht nur Schuppelius interessiert die ausstehende, klare Antwort auf diese Frage. Schuppelius stellt fest: „Die beiden großen Krankenhausgesellschaften haben aber offenbar kein Interesse daran, zur Aufklärung beizutragen. Zwei Jahre nach Beginn der Pandemie müssten die entsprechenden Daten vorliegen. Stattdessen wird weiter Panik verbreitet – und das hilft keinem weiter.“ (SB)