Krankenhäuser haben kein Interesse, über die Intensivstationslage aufzuklären

Warum bekommt man von Krankenhäusern keine klaren Antworten? (Bild: shutterstock.com/Von Sandu Herta)
Warum bekommt man von Krankenhäusern keine klaren Antworten? (Bild: shutterstock.com/Von Sandu Herta)

Täglich Horrormeldungen über die den bevorstehenden Kollaps auf den Intensivstationen. Fragt man jedoch konkret nach, erhält man keine konkreten Antworten. Klar ist: Krankenhäuser haben keinerlei Interesse daran, über die Lage auf ihren Stationen aufzuklären.

In einer Dauerschleife werden die Deutschen mit Berichten darüber terrorisiert, dass das Gesundheitssystem wegen der steigenden Zahl der Covid-Patienten kurz vor dem Kollaps stehe und und zunehmend weniger Pflegekräfte vorhanden seien. Die dort liegenden Patienten würden zudem immer jünger. Allein: Die Horrormeldungen werden so gut wie nie belastbares Zahlenmaterial untermauert. Warum eigentlich nicht?

Gunnar Schuppelius wollte in Erfahrung bringen, wie die Lage tatsächlich auf den Intensivstationen, zum Beispiel in Berlin ist und fragte bei den beiden städtischen Versorgern Charité und Vivantes nach, die etwa zwei Drittel der Corona-Patienten behandeln.

Die Auskunft der beiden Häuser ist nicht nur „erstaunlich“ – sie ist skandalös:

Auf die Frage, wie viele Intensivpflegekräfte im Vergleich zum letzten Herbst zur Verfügung stehen, heißt es: „An der Charité haben wir auch im Jahr 2021 erfolgreich Personal gewinnen und ausbilden können.“ Und bei Vivantes (Sawsan Cheblis Ehemann Nizar Maarouf arbeitete für Berlins Vivantes-Kliniken und war dort in „sittenwidrige“ Krankenhausgeschäfte verwickelt): „Viele unserer Beschäftigten sind erschöpft, manche haben sogar den Beruf verlassen. Die Intensivkapazitäten sind deshalb im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert.“ Zahlen jedoch nannten beide Häuser wieder nicht.

Wie ist die Lage also tatsächlich auf den Intensivstationen, zum Beispiel in Berlin?

Das wollte ich von den beiden städtischen Versorgern Charité und Vivantes wissen, die etwa zwei Drittel der Corona-Patienten behandeln. Die Auskunft, die mir die beiden Häuser gaben, ist erstaunlich ungenau.

Auf die Frage, wie viele Intensivpflegekräfte im Vergleich zum letzten Herbst zur Verfügung stehen, heißt es: „An der Charité haben wir auch im Jahr 2021 erfolgreich Personal gewinnen und ausbilden können.“ Und bei Vivantes: „Viele unserer Beschäftigten sind erschöpft, manche haben sogar den Beruf verlassen. Die Intensivkapazitäten sind deshalb im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert.“ Zahlen nannten beide Häuser nicht.

Was antworten Charité und Vivantes auf die Frage über die Intensivpatienten? Die Charité gibt darauf (mit Verweis auf den Datenschutz) schon mal gar keine Auskunft. Bei Vivantes sind sie „in der Regel über 50 Jahre alt, die meisten zwischen 70 und 90“.

Genauso unkonkret bleiben die Krankenhäuser bei der Frage, wie viele Intensivbetten im Vergleich zum Vorjahr betrieben werden können.

Schwammige Antwort der Charité: „Wir haben (…) die Zahl weiterer Intensivbetten steigern können. Das Betreiben der Betten ist möglich, weil wir elektive Eingriffe reduziert haben.“ Vivantes: „In einzelnen Vivantes-Kliniken können zeitweilig nicht alle (Intensiv-)Betten betrieben werden.“

Elektive Eingriffe (ohne Dringlichkeit) werden aber auch in jeder Grippewelle reduziert. Und dass ein Krankenhaus zeitweilig nicht alle Intensivbetten betreiben kann, ist auch nicht ganz ungewöhnlich. Steht nun also das System vor dem Kollaps oder nicht?

Nicht nur Schuppelius interessiert die ausstehende, klare Antwort auf diese Frage. Schuppelius stellt fest: „Die beiden großen Krankenhausgesellschaften haben aber offenbar kein Interesse daran, zur Aufklärung beizutragen. Zwei Jahre nach Beginn der Pandemie müssten die entsprechenden Daten vorliegen. Stattdessen wird weiter Panik verbreitet – und das hilft keinem weiter.“ (SB)