Klingelschild mit Romeo und Julia - Foto: Imago

Dating & Corona: „Ze.tt“ – ein Kind der Zeit

Der „Spiegel“ und die „Zeit“ sind zwei Presseerzeugnisse aus Hamburg, die stolz dem menschengemachten Klimawandel trotzen. Wäre es anders, müssten beide Verlagshäuser bereits meterhoch unter Wasser stehen und alle „Mitarbeitenden“ wären ersoffen. Legendär ist das Titelbild des „Spiegel“, das den Kölner Dom bis auf halbe Turmhöhe im angestiegenen Meeresspiegel zeigte. Und die „Zeit“ dokumentiert, was aus einem Blatt werden kann, das ohne vernünftige Herausgeber auskommen muß. Seit Gerd Bucerius und Helmut Schmidt verstorben sind, erinnert einen die Zeitgeistpostille an eine halb erwachsen gewordene „BRAVO“. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Es ist sicherlich nur ein Zufall, daß sowohl der „Spiegel“ als auch die „Zeit“ zu den bravsten Panikverbreitern im deutschen Blätterwald zählen. Beide Publikationen strotzen derartig vor Integrität und Unabhängigkeit, daß es für einen wie Bill Gates völlig unmöglich sein dürfte, sich mit einer paar lächerlichen Milliönchen die Blattlinie im Zusammenhang mit der ganz und gar erschröcklichen „Pandemie“ zu kaufen. Nein, auch ein Bill Gates würde vom kritischen Scharfsinn bei „Spiegel“ und „Zeit“ nicht verschont bleiben, wenn es da etwas zu kritisieren gäbe. Milliönchen hin oder her. Auch, daß die überaus seriöse Bundesampel sich für eine „Spiegel“-Redakteurin namens Christiane Hoffmann als Vize-Regierungssprecherin entschieden hat, beweist, daß es sich bei Fehl & Tadel um eine Dichotomie handelt, die bei dieser Entscheidung der überaus seriösen Bundesampel keine Rolle gespielt haben kann. Vielleicht hatte Claas Relotius einfach keine Lust auf einen Job. Oder er hat schon wieder einen, z.B. als Verkäufer im Kiesplatz-Gebrauchtwagenhandel.

Das Kind der Zeit

Jedenfalls hat die „Zeit“ ein „Kind“ namens „ze.tt“. Das ist so etwas wie die „BRAVO“ für dumme Kinder, die sich für schlau halten wollen, obwohl ihr Gehirn fast vollständig vom Triebstau der Pubertätshormone blockiert ist. „Ze.tt“ ist also ein Bringer, der so zuverlässig funktioniert wie der Lebensmittelhandel oder das Bestattungsgewerbe. In der aktuellen Ausgabe von „Ze.tt“ geht es um ein Thema, das den jugendlichen Triebgestauten besonders unter den Nägeln brennt, wenn es denn die Nägel sind, worunter es brennt. In der Rubrik „Dating & Corona“ gibt es in der aktuellen Ausgabe von „Ze.tt“ die folgende Schlagzeile: „Obwohl er Impfgegner war, traf ich ihn heimlich weiter.“ So ist es richtig, so ist es feministisch korrekt: Er ist der böse Bube, das Problem, der Stifter seelischen Unfriedens – und sie ist das hilflose Opfer ihrer missionarischen Triebhaftigkeit, die eigentlich nicht ihre, sondern seine ist. In diesem Stil sind eine Menge dramatischer Schlagzeilen denkbar in Deutschland 2021. „Obwohl sein Vater AfD wählte, rief ich den Notarzt, als er von einer Cobra gebissen worden war.“ Oder die hier: „Obwohl er eine Bratwurst aß, ohne sich vorher impfen zu lassen, spendierte ich ihm ein Löffelchen Senf“. Das ist schon aufwühlend. Menschliche Schicksale eben. Also, weibliche Schicksale mehr so. Auch der Bekenntnischarakter einer solchen Schlagzeile ist ergreifend, diese Art erschütternden Schuldeingeständnisses. Vor achtzig Jahren hätte das wahrscheinlich so geklungen: „Obwohl er beschnitten war, traf ich ihn heimlich weiter“. Schlechtes Späßchen. Vor achtzig Jahren hätte sich keine junge Frau getraut, öffentlich zu machen, daß sie sich mit einem Beschnittenen heimlich weiter getroffen hat. Das wäre vielleicht diskret in einer Gestapo-Akte zu lesen gewesen.

Öffentliche Heimlichkeit

Obwohl: Allerweil kann man sich schlecht des Eindrucks erwehren, der Unterschied zu damals könnte darin bestehen, daß die vormals diskreten Gestapo-Akten heute in der Zeitung abgedruckt – oder online veröffentlicht werden, was ja im Sinne der volkspädagogischen Selbstherrlichkeit heutiger Rechthaber auch sinnvoll wäre. Was nützt heutzutage eine Gestapo-Akte, von der niemand etwas weiß, obwohl sie einen volkserzieherischen Wert haben könnte? Es heißt ja nicht umsonst nicht mehr „Sie müssen dies und das“ sondern „Wir müssen dies und das“. Das Reichssicherheitshauptamt residiert heutzutage wahrscheinlich nicht mehr in einem zentralen Gebäude, sondern verteilt seine „Mitarbeitenden“ in den Redaktionen des ganzen Landes. Das hat den Effekt, daß niemand mehr sagen kann, dort sei das Reichssicherheitshauptamt und er selbst sei woanders. Das heutige Reichssicherheitshauptamt ist schlau geworden und sagt nicht mehr „Sie müssen“, sondern „wir müssen“ – und kalkuliert über das „wir“ damit, daß es von niemandem mehr als Reichssicherheitshauptamt identifiziert werden wird. Über das Thema der schleichenden Volksverdummung habe ich schon einmal geschrieben, glaube ich. Wir müssen, wir brauchen und wir dürfen nicht …

Sprechende Lippen

Den Dating-Artikel für „Ze.tt“ hat übrigens ein Frollein Sophia Hubel geschrieben. Ihr Teaser geht so: „Mehr Matches, mehr Dates: Der Impfstatus wird immer wichtiger – auch beim Dating. Suchende wollen moralische und gesundheitliche Klarheit. Die Portale passen sich an.“ – Moralisch hochwertiges Gesundficken also. Da fällt mir ein: Eine anderes Frollein, das auf einer ähnlichen Wellenlänge wie das Frollein Hubel im Meer der östrogenalen Befindlichkeiten umherdümpelt, heißt Madita Oeming. Bei Twitter schrieb Frollein Oeming, Madita am 14.12.21 um 21:31 Uhr: „Meine Vulva sagt: brennt das fucking Patriarchat nieder, das mich unsichtbar & namenlos & passiv gemacht hat. ok, genau genommen schreit sie´s. LiGrü von ihr„.

Madita Oeming bei Twitter – Foto: Screenshot Facebook

Das war schon aufschlußreich, weil man jetzt weiß, mit welchen Lippen Frollein Oeming spricht. Man muß nur noch herausfinden, mit welchem Loch sie denkt. Jedenfalls schreibt das andere Frollein, das Frollein Hubel bei „Ze.tt“: „In einer Umfrage wollten wir von unseren Leser:innen wissen, inwiefern der Impfstatus für sie beim Dating eine Rolle spielt. Was, wenn der neue Crush ungeimpft ist? Und wie gewährleisten Dating-Plattformen die Sicherheit der Nutzer:innen?“ – aha. Das Beitragsbild zeigt eine junge Frau und einen jungen Mann, die zusammen irgendwo sitzen, wo es nach chinesischem „Bordell & Fledermausrestaurant“ aussieht. Sie hat keine Maske auf, aber eine Wolldecke über den Schultern, was wohl symbolisieren soll, daß es ihr etwas an Wärme fehlt. Wahrscheinlich menschliche Wärme. Schließlich leben „wir“ in der „menschlichen Gesellschaft“. Der junge Mann friert nicht, hat aber eine Maske auf und stiert auf sein Smartphone. Ein kalter und gefühlloser Klotz, der auf die schutzsuchenden Signale der jungen Frierefrau nichts zu geben scheint. Man schaut sich das Beitragsbild an und sofort sind die Sympathien feministisch korrekt verteilt.

Querdenker töten Menschen

„Querdenker töten Menschen“ ist ein Satz, der einem wieder in den Sinn kommt. Vor wenigen Tagen hatte ihn eine regenbogenfarbige Fühletrulla in den sozialen Netzwerken hinterlassen und muß sich mordsmäßig menschlich dabei vorgekommen sein. „Menschlich“ ist das zeitgeistige Synonym für „clever“. Die Schlagzeile bei „Ze.tt“ lautet: „Obwohl er Impfgegner war, traf ich ihn heimlich weiter„. Die Frage allerdings lautet: „Und wie gewährleisten die Dating-Plattformen die Sicherheit der Nutzer:innen?“ Da fragt man sich schon, warum „er“ in der Schlagzeile kein „Impfgegner:in“ gewesen ist und warum „sie“ ihn heimlich weiterhin traf statt einer „Heimlichtuer:in“. Also, wenn man einen Verstand hat, dann fragt man sich das. Sonst nicht. „Ze.tt“-Leser fragen sich das wahrscheinlich nicht. „Ze.tt“-geistig korrekt hätte die Schlagzeile eigentlich lauten müssen: „Zwei Impfinkompatíble treffen sich weiterhin heimlich.“

„Neuer Crush“ ist übrigens Jugendsprache für „neuer Schwarm“, was impliziert, daß es vorher einen „alten Crush“ gegeben haben muß, der hoffentlich geimpft war, und daß der „neue Crush“ auch wieder zum „alten Crush“ werden wird. Mit den „neuen Crushs“ ist es so wie mit der Impfung. Die Vulva erzählt der verunsicherten Fühlfrau nicht, wieviele es noch geben wird. Und mit einem Loch selbst entscheiden wird sie es nicht, weil sie viel zu sehr auf Ratschläge vom verteilten Reichssicherheitshauptamt angewiesen ist. Oder auf die der Reichsschriftumskammer. Egal. Wenn die Reichsschrifttumskammer nicht so funktioniert wie sie soll, bekommt sie es ebenfalls mit dem Reichssicherheitshauptamt zu tun.

Dystopie 2021

Ach so, ja: Selbst in George Orwells weltberühmter Dystopie „1984“ hießen Datierende und Crushs nicht nur „Impfgegner“ und „Sicherheitsplattform“, sondern sie hatten menschliche Namen. Julia und Winston hießen sie und trafen sich heimlich. Wegen des „großen Bruders“. Der war das personifizierte Reichssicherheitshauptamt, Propagandabteilung. Der Orwell war halt ein bißchen altmodisch und hatte von der „menschlichen Gesellschaft“ keine Ahnung. Schöne Neue Welt (Aldous Huxley). Und mit der Ent****fizierung verhält es sich in Deutschland ebenfalls so wie mit der Impfung. Kein Mensch kann heute sagen, wieviele man noch brauchen wird, bis die Deutschen endlich immun sind gegen die Vielfalt, in der es die bunten Faschisten gibt. Hierzulande läuft die Katze wieder auf den alten Füßen. Nur eine andere Farbe haben sie, die Füße.

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