An- und Aussprache: Der verehrte Genosse Bundespräsident zu Weihnachten 2021

Der Weihnachtsredner - Foto: Collage

Spätestens seit dem Sturm auf die Reichstagstreppen zu Berlin Ende August 2020, der von drei heldenhaften Polizisten ganz alleine beendet wurde, ist der gütige Genosse Bundespräsident in schwerer Sorge um das Land und die Seinen. Seine Rede zu Weihnachten 2021 legt beredt Zeugnis davon ab. Sie wurde vorab veröffentlicht.

Liebe Landsleute, …“ – wer? Landsleute? Muß das nicht „liebe Menschen“ heißen?

… zu Weihnachten grüßen meine Frau und ich Sie alle sehr herzlich!“ – das mit dem Gruß glaube ich, das mit dem „herzlich“ eher nicht.

Ob Sie diese Stunden alleine verbringen oder in der Familie, ob in einer festlich geschmückten Wohnung oder auf Nachtschicht, ob im Zimmer eines Seniorenheims, als Pfleger oder Ärztin auf Station oder als Diensthabender auf der Wache, wo auch immer Sie gerade sind: Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Fest!“ – Krankenpflegerin und Arzt wäre auch gegangen. Habemus Dienstam. Und statt „wo auch immer Sie gerade sind“ wäre „wer auch immer Sie gerade sind“ zeitgemäßer gewesen, weil man sich selber konstruieren darf, wer man gerade sein will. Solange man nicht gerade „Landsleute“ sein will. Außer an Weihnachten, wahrscheinlich. Wo man gerade sein will, darf man sich hingegen nicht mehr selber konstruieren. Wegen Pandemie & Maßnahme. Also: Wer statt wo.

Wenn wir auf dieses Jahr zurückschauen, sehen wir vieles, das uns Kummer bereitet, vieles auch, was uns Angst gemacht hat. Wir denken an die schreckliche Flutkatastrophe im Sommer. Wir denken an unsere Soldatinnen und Soldaten, die aus Afghanistan heimgekehrt sind, und auch an die Menschen, die dort in Not und Hunger zurückgeblieben sind. Wir machen uns Sorgen über das, was wir aus vielen Teilen unserer unruhigen Welt hören, gerade auch aus Osteuropa.“ – na ja, wir denken an die Soldatinnen, die heimgekehrt sind. Bei den Soldaten denken wir eher an die, die in Afghanistan geblieben sind. Auf dem Feld der Ehre. Soldatinnen waren keine darunter. Und die größten Sorgen machen die Landsleute sich um die Rückentwicklung des eigenen Landes. Die ist schließlich auch eine Entwicklung „nach vorne“. Weil da die Zukunft ist. Immer ist die Zukunft vorne. Deswegen heißt es ja auch „Vorwärts, Genossen!“. Schauen wir lieber nicht zurück auf dieses Jahr. Sonst würden wir auch noch einen Genossen Bundespräsident sehen, der uns Kummer bereitet hat. Auch während der Flutkatastrophe im Sommer.

Zugleich war da vieles in diesem Jahr, was uns Hoffnung macht: Ich denke an die riesige Solidarität mit den Flutopfern, an Spenden und vor allem ganz viel tatkräftige Hilfe.“ – tadellos. Endlich dankt der Genosse Bundespräsident einmal den ganzen Rechten, die den Flutopfern mit „ganz viel tatkräftiger Hilfe“ zur Seite gestanden haben, so daß die damalige Kanzlerin sich auf die Rede vom Kampf gegen den Weltklimawandel und die Rechten konzentrieren – und die Landratsämter informative Briefe schreiben konnten, in denen die Flutopfer vollsolidarisch darüber aufgeklärt wurden, daß sie wegen der weggeschwemmten Weinberge ihre Flächenberechnungen neu durchführen müssten, da sie sich sonst eines landwirtschaftlichen Subventionsbetrugs schuldig machen würden. Das war schon alles sehr gut organisiert. Wenn man vom Wasser einmal absieht, ist da kaum etwas schiefgelaufen. Aber es ist Weihnachten. Da wollen wir in der kummervollen Rückschau nicht auch noch nachtragend sein.

Ich denke an die vielen – jungen und nicht so jungen – Menschen, die sich für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen.“ – an die denke ich auch. Ganz arme Menschen. Besonders die nicht mehr so jungen. Weil die nicht mehr so viel Zeit übrig haben, um noch zu Verstand zu kommen.

Und ich denke an Sie alle, die ihre Stimme abgegeben haben in wichtigen Wahlen, und an die Art und Weise eines demokratischen Übergangs in gegenseitigem Respekt “ – es ist Weihnachten. Da will freilich niemand so pingelig sein und nachhaken, ob es sich beim stillschweigenden Übergang von der Demokratie in die Diktatur wirklich um gegenseitigen Respekt gehandelt hat, oder ob es einfach sagenhafte Schlafmützigkeit gewesen ist.

Viele Menschen schauen jetzt mit Neugier, auch mit Hoffnung auf eine neue Bundesregierung, die sich viel vorgenommen hat für unser Land„. – so ist es. Und alle, die von „viel“ auf „alle“ noch fehlen, schauen mit Ekel und Abscheu auf die neue Bundesregierung, weil sie schon wissen, was sie sich vorgenommen hat.

Vor allem aber denke ich an das ehrenamtliche Engagement in allen Winkeln unserer Gesellschaft. So vieles geschieht ja Tag für Tag im Stillen, so viele packen ganz selbstverständlich mit an.“ – und meinereiner denkt auch an den Genossen Bundespräsident, dessen Amt aus verständlichen Gründen kein Ehrenamt im Winkel der Gesellschaft ist, weswegen er ja auch das ganze Jahr über mit Weihnachtsansprachen jedweder Intensitätsstufe auf die lieben Landsleute – also „die Menschen“ – einwirken darf. Wer für solche Reden nicht fürstlich entlohnt werden würde, der würde sie gar nicht halten wollen, sondern sich lieber ein Ehrenamt im stillen Winkel suchen. Aber was macht man nicht alles für Geld?

Sie alle knüpfen Tag für Tag das Netz, das unsere Gesellschaft im Guten verbindet und zusammenhält.“ – wie wahr, wie wahr. Trotzdem: Für den Export würde ich die Netze, die in Deutschland heutzutage geknüpft werden, lieber nicht mit dem Gütesiegel „Made in Germany“ versehen. Das könnte dem Ansehen der lieben Landsleute schaden. Das können sich die lieben Landsleute wegen der neuen Regierung nicht auch noch leisten.

Ja, und dann ist da Corona. Seit bald zwei Jahren bestimmt die Pandemie unser Leben, hier und auf der ganzen Welt.“ – und das ist ja nun nicht schon deswegen richtig, weil Weihnachten ist. Weihnachten ist für die Ungläubigen auch so schon eine ganz unglaubliche Geschichte. Da brauchen sie nicht noch eine zweite. Auch an Weihnachten ist es so, daß Politiker den lieben Landsleuten seit bald zwei Jahren mit dem Pandemieinstrument vor der Nase herumfuchteln, fürchterliche Drohungen ausstoßen und komplett abseitige Verfügungen wie am Fließband raushauen. Das ist das, was seit bald zwei Jahren das Leben der lieben Landsleute bestimmt. Die Pandemie ist nichts weiter als der herbeidefinierte Knüppel, den die Politiker verwenden, um den Gehorsam beim respektvollen Übergang von der Demokratie zur Diktatur zu erzwingen. Könnte der Genosse Bundespräsident wenigstens an Weihnachten einmal damit aufhören, völlig phantastische Realitätsinterpretationen abzuliefern? Das wäre mein Wunsch im gegenseitigen Respekt.

Selten haben wir so hautnah erfahren, wie gefährdet unser menschliches Leben und wie unvorhersehbar die Zukunft ist – der nächste Monat, die nächste Woche, ja der nächste Tag.“ – da ist es direkt tröstlich, daß wenigstens die Weihnachtsansprachen des Genossen Bundespräsident so vorhersehbar geblieben sind wie eh und je. Auf irgendetwas müssen sich der liebe Landsmann und die noch liebere Landsfrau schließlich verlassen können. Ganz ohne Kalkulierbarkeit geht’s ja auch nicht. Gerade eben erleben es die lieben Landsleute hautnah und voller Dankbarkeit.

Auch ganz aktuell müssen wir uns wieder stärker einschränken zum Schutz vor einer neuen Virusvariante. Aber wir haben doch auch erfahren, dass wir nicht machtlos sind. Wir können uns selbst und andere schützen!“ – ja, natürlich können wir das. Aber es wird häßlich. Weil die Regierung nicht akzeptieren will, daß die lieben Landsleute die souveräne Macht haben, sich selbst, andere, ihr Eigentum und ihre Freiheit vor der Regierung und deren Pandemieknüppel zu schützen. Immer öfter entpuppt sich die Regierung als die jeweils neueste Virusvariante. Keine Macht den Viren!

Ich bin froh, dass die allermeisten die Chance erkannt haben, die in der Impfung liegt.“ – das ist aber kein Grund zur Freude, weil es im Grunde genommen ein alter Hut ist, daß die allermeisten immer daneben liegen. Die Chance der Impfung liegt hauptsächlich darin, der Regierung ihren Pandemieknüppel zu erhalten. Wäre ich der Genosse Bundespräsident, würde ich mich aber auch über das freuen, was die lieben Landsleute als Chance begreifen.

Wie viel schweres Leid, wie viele Todesfälle konnten dadurch bis heute schon verhindert werden.“ – gar nicht zu reden von dem ganzen schweren Leid und den vielen Todesfällen, die durch den impertinenten Maßnahmenwahn in der völligen Verkennung von Leben, Krankheit, Viren und Tod bis heute schon geschaffen werden konnten. Das ist alles kein Pappenstiel mehr.

Unser Staat war selten so gefordert, Leib und Leben seiner Bürger zu schützen.“ – so hat das Herodes der Große im Matthäusevangelium auch gesehen, als er den Kindermord von Betlehem befohlen hat, damit niemand einen Konkurrenzkönig großzieht. Der konnte bloß noch nicht auf einen Kinderimpfstoff zurückgreifen. Die meisten Bibelforscher halten diese Geschichte zwar für fiktiv, aber das paßt auch. Daß irgendjemand gefordert hätte, der Staat solle die Entmündigung seiner „Bürger“ (realiter: seiner unzurechnungsfähigen Menschlein) ebendiesen als deren „Schutz“ andrehen, ist genauso fiktiv. Tatsache ist bloß, daß Weihnachten ist.

Er braucht dazu die kompetenten Wissenschaftler, die Ärztinnen und Pfleger, verantwortungsvolle Ordnungskräfte und Mitarbeiter in den Ämtern.“ – und das ist ja nun nicht einmal mehr fiktiv, sondern komplett falsch. Der mündige Bürger rechnet sich die Überlebenschancen bis zu seinem unvorhersehbaren Todesdatum selber aus („mors certa, hora incerta“), stellt fest, daß der statistische Durchschnittswert bei 99,8 Prozent Wahrscheinlichkeit liegt, nicht an einer Virusinfektion zu verbleichen, kalkuliert dann seine persönlichen Chancen anhand der Komorbidität, die er mit sich herumschleppt, (Alter, Vorerkrankungen, Übergewicht, Raucherlunge, Diabetes etc.) – und wenn er dann noch der Ansicht ist, daß er damit selbst nicht umgehen kann, dann bräuchte er kompetente Wissenschaftler, Ärzte, Krankenschwestern und Krankenbrüder. „Bräuchte“ – Konjunktiv. Was er jedoch mitbekäme, wäre, daß die Kompetenten mundtot gemacht werden und daß ihm die Zweifelhaften als kompetent angedreht werden sollen. Zweifelhaft sind sie wegen der Finanzierungskonstrukte und der Abhängigkeitsverhältnisse, denen sie ihre angebliche Kompetenz verdanken. Drosten und Lauterbach – um nur zwei zu nennen – sind ja in der Vergangenheit, was die Zuverlässigkeit ihrer Prognosen angeht, nicht gerade durch große Kompetenz aufgefallen. Retrospektiv hätten aber genau diejenigen richtig gelegen, die mit aller Macht mundtot gemacht wurden. Daran ändert auch die Tatsache herzlich wenig für die lieben Landsleute, daß Weihnachten ist, und daß der Genosse Bundespräsident eine seiner berüchtigten Ansprachen halten muß.

Sie alle tun ihr Bestes“ – um den Mißfallen und den Zorn der Regierung nicht auf sich zu ziehen.

Und sie alle gewinnen neue Erkenntnisse, korrigieren Annahmen, die sich als falsch erwiesen haben, und passen Maßnahmen an.“ – ganz wie es gewünscht wird.

Menschen können irren, sie lernen aber auch.“ – im günstigsten Fall ist das so. Im ungünstigsten Fall – und das ist der weitaus häufigere – ist es so, daß die Menschen sich irren und daß kaum jemand etwas daraus lernt. Besonders in geschichtlichen Zusammenhängen beweist sich das zu Weihnachten 2021 sehr eindrücklich.

Der Staat also ist gefordert, er muss handeln, aber nicht er allein.“ – der Staat fordert sich selbst, weil das seinem anmaßenden Kompetenzenzuwachs förderlich ist, Genosse Bundespräsident.

Der Staat kann sich nicht für uns die Schutzmaske aufsetzen, er kann sich auch nicht für uns impfen lassen.“ – und wie denn das nun? Wieso auf einmal der Staat hier – und „wir“ dort? Hieß es denn nicht, der Staat, das seien bereits „wir“? Woher auf einmal diese Unterscheidung zwischen Staat und „wir“? Ändert sich da an Weihnachten etwas?

Nein, es kommt auf uns an, auf jeden Einzelnen!“ – sensationell, Genosse Bundespräsident. Inwiefern aber nun jeder Einzelne zugleich auch „uns“ oder „wir“ sein könnte, ist wohl das allergrößte Mysterium an Weihnachten.

Ich möchte aus vollem Herzen der großen, oft stillen Mehrheit in unserem Lande danken, die seit Monaten umsichtig und verantwortungsvoll handelt.“ – der Realist unterstellt zweierlei Dinge nicht, Genosse Bundespräsident. Erstens unterstellt er nicht, daß eine Mehrheit – ob still oder nicht – richtig liegen könnte, weil es dafür kein historisches Beispiel gibt. Zweitens unterstellt er nicht, daß ein Genosse erkennen kann, was kollektives Verantwortungsbewußtsein sein könnte, weil es wegen des fehlenden historischen Beispiels hinsichtlich einer Mehrheit keinen Anlaß gibt, zu unterstellen, daß jemand – jene Mehrheit also -, die zuverlässig immer danebenliegt, jemals einem „kollektiven Verantwortungsbewußtsein“ gerecht geworden sein könnte. Verantwortung ist immer Sache des Einzelnen. Tatsache ist, daß der Genosse Bundespräsident eine Weihnachtsansprache hält.

Weil sie erkannt hat: Mehr denn je sind wir aufeinander angewiesen – ich auf andere und andere auf mich.“ – die Wahrheit, Genosse Bundespräsident, ist, daß Sie auf alle anderen angewiesen sind, alle anderen aber nicht auf Sie.

Natürlich gibt es dabei auch Streit.“ – Streit? Daß ich nicht lache! „Hass & Hetze“ gibt es! Es sei denn, das Weihnachtswunder bestünde auch darin, daß aus „Hass & Hetze“ plötzlich „Streit“ wird um des lieben Weihnachtsfriedens Willen. Oder weil der Genosse Bundespräsident eine Rede halten muß.

Natürlich gibt es Unsicherheiten und Ängste, und es ist wichtig, sie auszusprechen. Daran wird bei uns niemand gehindert.“ – so schaut’s tatsächlich aus im impertinenten Nannystaat. Unsicherheit und Angst darf es schon haben, das Mündel, das früher noch Bürger, und im Kollektiv „liebe Landsleute“ gewesen ist. Unsicher und ängstlich, – so hat ihn die Regierung gern. So nimmt sie ihn ernst, den deutschen Michel und die Michaela. Aber wehe, er wäre sich sicher und wäre furchtlos! Das geht natürlich nicht. Das kratzt an der Staatsmacht über das Mündel. Das bedeutet Machtverlust. Und Machtverlust wäre für einen Genossen schlimmer als jede herbeidefinierte Pandemie.

Entscheidend ist, wie wir darüber sprechen – in der Familie, im Freundeskreis, in der Öffentlichkeit“ – sehr richtig. Und weil sich nicht bewährt hat, wie wir das machen, werden wir das künftig wohl anders machen müssen.

Wir spüren: Nach zwei Jahren macht sich Frust breit, Gereiztheit, Entfremdung und leider auch offene Aggression.“ – was ja noch nicht heißt, daß das alles keine Berechtigung hätte. Inwiefern aber die Vertreter ein Recht darauf haben sollen, dem Souverän gegenüber aggressiv aufzutreten und ihn zu behandeln, als sei er ein Kleinkind und der Vertreter sein Erziehungsberechtigter, darüber werden sich die lieben Landsleute nicht mehr lange unterhalten, sondern sie werden diesen unwürdigen Zustand tatkräftig abstellen. Offen ist noch, wer danach dann die Weihnachtsansprachen hält, die unerläßlichen.

Es stimmt: In der Demokratie müssen wir nicht alle einer Meinung sein. Aber bitte denken wir daran: Wir sind ein Land!“ – ach ne? Ein Land wären wir auf einmal wieder? Kein europäisches Bundesland mehr? Keine ungewählte Zentralregierung in Brüssel mehr? Ein Land? Ein richtiges Land? An Weihnachten scheinen tatsächlich Wünsche wahr zu werden. Offenbar haben sich die lieben Landsleute eine Weihnachtsansprache des Genossen Bundespräsident gewünscht und auch bekommen.

Wir müssen uns auch nach der Pandemie noch in die Augen schauen können.“ – wieso „auch nach noch“? Geht doch jetzt schon nicht mehr, ohne daß der blanke Hass hochkocht, Genosse Bundespräsident. Ich wüsste nicht, wie jemand, der „Ungeimpfte sind hier nicht erwünscht“ an seine Schaufensterscheiben gepinselt hatte, jemals wieder jemandem in die Augen schauen können soll.

Und wir wollen auch nach der Pandemie noch miteinander leben.“ – nope. Wollen wir nicht. Es sei denn, die Verantwortlichen für dieses Politmassaker an Demokratie & Rechtsstaat säßen dort, wo sie hingehören. Und die Regierungsbank ist das nicht.

Die Pandemie wird nicht eines Tages plötzlich vorbei sein. Sie wird uns noch lange beschäftigen.“ – doch, die wird sehr schnell vorbei sein. Beschäftigen wird sie uns zwar noch lange, aber nur noch retrospektiv. Und es werden ganz Andere sein als heute, die dabei die Stichworte liefern. „Spritze“ wird dann kein „Stichwort“ mehr sein. „Putsch von oben“ wird eines sein. Nicht zu verwechseln mit „Punsch“, auch nicht an Weihnachten.

Und sie verändert uns schon heute, bis in unsere alltägliche Sprache hinein. Da sind nicht nur neue Begriffe hinzugekommen, von Inzidenz bis 2G+. Auch unsere alten, kostbaren Worte erhalten ein neues, dringliches Gewicht: Was, zum Beispiel, bedeutet Vertrauen? Natürlich nicht blindes Vertrauen. Aber heißt Vertrauen nicht womöglich auch, dass ich mich auf kompetenten Rat verlasse, selbst wenn meine eigenen Zweifel nicht gänzlich besiegt sind?“ – absolut vertrauen der kluge Landsmann und die kluge Landsfrau auf kompetenten Rat, Betonung auf „kompetent“. Das heißt, auf Lauterbach vertrauen sie nicht.

Oder Freiheit: Ist Freiheit der laute Protest gegen jede Vorschrift? Oder bedeutet Freiheit manchmal nicht auch, mich selbst einzuschränken, um die Freiheit anderer zu schützen?“ – es gibt keine Freiheit anderer auf Hysterie und Panik, welche der Realist als „Freiheit“ zu begreifen hat, derentwegen er die seine einzuschränken hätte. Irrationale, regierungsamtlich massiv geschürte Ängste sind keine Freiheit, Genosse Bundespräsident, sondern Resultat des Mißbrauchs demokratisch verliehener Macht.

Was bedeutet Verantwortung? Sagen wir einfach: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Oder betrifft meine Entscheidung nicht in Wahrheit viele andere mit? Freiheit, Vertrauen, Verantwortung: Darüber, was das bedeutet, werden wir uns verständigen müssen – auch in Zukunft und auch in anderen großen Fragen wie etwa dem Klimaschutz.“ – aus die Weihnachtsmaus. Mit diesem grundverlogenen „wir“ geht es nämlich schon los, Genosse Bundespräsident. Dieses ubiquitäre „wir“, das sich die „lieben Landsleute“ (sonst: die Menschen) dauernd wie güldenen Seim in die Gehörgänge schmieren lassen sollen, wird gerade entlarvt als das, was es ist: Ein Versteck für diejenigen, die immer „Ihr“ meinen, wenn sie „wir“ sagen, um ihre Macht zum „Ihrsagen“ unsichtbar werden zu lassen. Wahr ist, Genosse Bundespräsident: Es gibt kein „wir“ mehr, das sowohl Regierung als auch Volk umfaßt. „Wir“ haben auch keine Journalisten mehr, sondern selbsternannte Volkspädagogen, die im Nannystaat wirken wie ein Narkosemittel mit dem Handelsnamen „Wir“. Streng genommen haben wir eine „Wir-Epidemie“, keine „Virenpandemie“.

Auch da wird es nicht nur die eine richtige Antwort geben, die alle überzeugt.“ – aber es wird eine geben, die mehr liebe Landsleute überzeugt, als die Antworten, die allerweil en vogue sind.

Sondern immer wieder werden wir uns neu verständigen müssen. Und ich bin sicher: Wir können uns verständigen.“ – zu spät ist zu spät. Wer bisher keinen Wert auf Verständigung gelegt hat, weil er einem immer größer werdenden Teil seiner lieben Landsleute lieber diffamierende Etiketten auf die Stirn klebte, um so jeder Verständigung aus dem Weg zu gehen, und wer die Opposition im Bundestag schikanierte und drangsalierte, der hat jedes Recht auf Verständigung in der Zukunft selbst verspielt. Und wer sich einen Funken Selbstachtung bewahrt hat, der wird sich nicht ausgerechnet von den Verächtern jeder Verständigung den Wunsch nach Verständigung in der Zukunft andrehen lassen, ganz egal, ob gerade Weihnachtsansprache ist oder nicht. Vielmehr wird er dafür sorgen, daß zukünftige Weihnachtsansprachen gehalten werden von Leuten, die moralisch dazu qualifiziert sind, Genosse Bundespräsident.

Das haben wir doch in Wahrheit schon oft miteinander bewiesen. Liebe Landsleute, es war an Weihnachten vor mehr als fünfzig Jahren, als zum ersten Mal Menschen den Mond umkreisten. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an die Bilder: Da oben im All, in diesem Moment des größten menschlichen Fortschritts, gerade da wurde unsere kleine, verwundbare Erde sichtbar wie nie zuvor. Von ihr hatte all der Fortschritt seinen Anfang genommen – und auf ihr leben wir alle, mit unseren Sorgen und Hoffnungen, mit unserem Leid und unserem Glück. Damals lasen die drei Astronauten von Apollo 8 den Anfang der biblischen Schöpfungsgeschichte vor, und sie beschlossen ihre weihnachtliche Botschaft mit den Worten: Gott segne euch alle auf der guten Erde. Liebe Landsleute: Dass es für uns alle die gute Erde bleibe, dass es für uns alle eine gute Zukunft gebe, das wünschen meine Frau und ich Ihnen und uns heute Abend. Frohe Weihnachten!“ – wundervoll herausgearbeitet, den ganzen Irrtum in seinem Größenwahn. Genosse Bundespräsident, Sie sind nicht Bundespräsident der lieben Erde, der kleinen, nicht der Bundespräsident von „alle“, und Sie residieren auch nicht im Weltall, sondern im Schloß Bellevue. Das steht in Berlin. Sie sind Bundespräsident der Deutschen, nicht Bundespräsident der „die Menschen auf der lieben kleinen und verwundbaren blauen Erde“. Diese kleine Erde befand sich im riesigen Universum etwa 4,5 Milliarden Jahren lang, ehe vor fünfzig Jahren jemand um den Mond herumkreiste und voll der subjektivistischen Rührung schilderte, wie ihm die Erde vorkommt. Diese blaue Murmel, die da durch Raum und Zeit „floatet“ – eine von Zigmilliarden Kugeln – braucht keine Menschen, um zu sein, was sie ist. Der erste Mensch auf dieser Kugel war zu Beginn des bislang letzten 13.500stels ihrer eigenen Existenz zu bemerken. Das ist der Maßstab, nicht Apollo 8 oder die Schöpfungsgeschichte. Anthropozentrismus ist die größte Vermessenheit, an der man überhaupt laborieren kann. Sie führt dazu, daß sich sogar ein Genosse Bundespräsident für befähigt hält, die Welt zu begreifen. Was die Welt ist, hängt nicht daran, was der Mensch begreifen kann. Die liebe blaue Kugel, die ach-so-schützenwerte, ist nicht der Freund von „wir“ – und sie gibt nichts auf „wir“. Vulkanausbrüche, Seebeben, Tsunamis, verheerende Stürme, Erdbeben, Meteoriteneinschläge, Änderungen des Magnetfeldes und der Rotationsachse – alles das entzieht sich dem Einfluß des Menschen völlig. Es ist dieser Wahn, alles unter Kontrolle haben zu müssen, der einen Genossen überhaupt erst hervorbringt. Der Genosse als solcher ist das Resultat einer wahnsinnigen Verblendung. In derselben hält er dann Weihnachtsansprachen. Auf dieser kleinen blauen Erde gibt es nichts von existentieller Wichtigkeit für den Menschen, das er selbst unter Kontrolle hätte oder unter seine Kontrolle bringen könnte. Meine Güte! Etwa 4.500 Millionen Jahre alt ist diese Kugel. Und sie war etwa 4.499,5 Millionen Jahre alt, als der erste Mensch kam. Wer kann sich angesichts dieses zeitlichen Größenverhältnisses noch dafür interessieren, wie einem Menschen die blaue Kugel vorkommt? Diese Kugel hat schon ganz andere Dinge überstanden als die schon rein zeitlich winzige Menschheit. Zumal Zeit überhaupt eine menschliche Begriffskategorie ist. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das zu seinen Lebzeiten schon weiß, daß es einmal sterben wird. Genau das ist auch sein größtes Problem. Es führt zu seinen Ansichten über die Welt. Weil er nicht sterben will. Ohne daß er schlüssig erklären könnte, warum er nicht sterben will. Was er will, spielt überhaupt keine Rolle! Er muß! Live with it! Den Planeten retten, das Weltklima retten, die Menschheit retten, Menschen das Leben vergällen, das sie in der Gegenwart haben oder eben nicht, Viren kontrollieren, ein „Wir“ behaupten und dabei ein „Ihr“ meinen, mit einer „besseren Zukunft“ im Schädel Weihnachtsansprachen halten, die dem menschlichen Verstand trotz dessen natürlicher Beschränktheit bereits spotten … – und dann noch erwarten, daß einen jemand ernstnimmt, weil man schließlich der Genosse Bundespräsident ist, qua Amt schlau geworden, sozusagen, – das alles ist eine Weihnachtslästerung allererster Güte. Im Rahmen aller natürlichen menschlichen Beschränktheit, der auch meinereiner unterliegt, – in Gottes Namen also: Auch Ihnen Frohe Weihnachten, Genosse Bundespräsident. Gott hat uns seinen Sohn geschickt, damit wir keinen Genossen Bundespräsidenten mehr brauchen, der uns „die Welt“ erklärt.

P.S.: Und mit diesem albernen Pandemie-Scheiß ist deswegen auch Schluß jetzt. Weil die lieben Landsleute sonst noch richtig wütend werden, Weihnachten hin oder her. Die lieben Landsleute haben nämlich allesamt ebenfalls eine begrenzte Lebenszeit auf der lieben blauen Kugel und können es sich nicht leisten, sich anders zu verhalten als das Christkind, nachdem es größer geworden war. Jesus hatte keine Angst vor Infektionen, berührte und heilte die Aussätzigen, und hätte demütig hingenommen, wenn er trotz aller statistischen Unwahrscheinlichkeit an einer Infektion verstorben wäre, bevor er hätte ans Kreuz genagelt werden können. Das Risiko ist kalkulierbar. Und das Sterben an einer Virusinfektion ist menschlich. Jemandem seine Lebenszeit zu klauen – das ist unmenschlich! Viren dürfen das, weil sie keine Menschen sind. Politiker hingegen dürfen das nicht. Schon deswegen nicht, weil es absolut kleingeistig ist. Und Kleingeister sind das letzte, was der Mensch auf der lieben blauen Kugel braucht, Genosse Bundespräsident. Besonders an Weihnachten. Freiheit!