Dem Heinerhofbauern sein Knecht: Beim Bergdoktor

Dem Heinerhofbauern sein Knecht... Von Max Erdinger
Dem Heinerhofbauern sein Knecht... Von Max Erdinger

Es war ein trüber, diesiger Weihnachtstag. Der Sprühregen wollte nicht aufhören und ein Weihnachtsgefühl wollte sich partout nicht einstellen. Die meisten derer, die mit der Bedeutung von Weihnachten noch hätten etwas anfangen können, waren schon gestorben. Die meisten Kirchen waren zu Prostituierten des Zeitgeistes und der Regierung geworden, und so saß ich da wie an den meisten anderen Tagen und durchstreifte die Pressemeldungen, wohlwissend, daß auch der größte Teil der Presse zu Prostituierten der irdischen Macht geworden war. Entweder das, oder die Redakteure waren zu blöd für irgendetwas geworden. Ein Artikel des „Spiegel“ fiel mir auf. Es ging um Hans Sigl, einen populären Schauspieler, der die Hauptrolle in einer dieser Heile-Welt-Serien im Fernsehen spielte, mit denen die Leuten für eine knappe Stunde vom Selberdenken abgehalten wurden. Sie hieß „Der Bergdoktor“. Im „Spiegel„, einem vom Herrn der Impfstoffe gekauften, ehemals respektablen Blatt, stand also: „In seiner Rolle als »Bergdoktor« Martin Gruber ist Hans Sigl der Fernseharzt der Nation. Privat hat der 52-Jährige eine klare Haltung zum Thema Impfen in Zeiten von Corona – und teilt diese auch im Internet. Die zunehmende Aggressivität von Coronaleugnern, Verschwörungstheoretikern und Impfgegnern findet er allerdings besorgniserregend. Immer häufiger werde er in den sozialen Netzwerken angegangen, berichtet der Darsteller. »Der Gegenwind wird härter und stärker. Das nimmt man gerade im Moment wahr.« Impfgegner empörten sich, dass er als »Bergdoktor« so nett sei und dann aber auf Facebook für das Impfen werbe, sagte Sigl der Nachrichtenagentur dpa. »So schnell kann es gehen, dass man erkennt, dass ein Schauspieler ein Schauspieler ist, und kein Bergdoktor«. In die ZDF-Serie wurde die Pandemie nicht eingebaut, dort gibt es kein Corona. Aber, so sagte Sigl: »Der Bergdoktor würde rund um die Uhr impfen.«

Wenn einer den Bergdoktor in Wirklichkeit kannte, dann war es dem Heinerhofbauern sein Knecht. Es war Zeit geworden, ihm wieder einmal einen Besuch abzustatten. So fuhr ich also den Computer herunter und machte mich auf den beschwerlichen Weg in die Garage, um die steile Bergstrecke hinauf zum Heinerhof zu bewältigen. Auf der Fahrt zum Heinerhofbauern seinem Knecht hing ich jenen Gedanken nach, die mir als einem Geschichtenschreiber in diesen Zeiten ständig durch den Kopf gingen. Ich hatte ein Grundthema, um das sie sich allesamt rankten, seit Jahren schon. Es ging um das Verschwinden der Realität, genauer: Um ihre Verdrängung durch das absichtsvoll installierte Narrativ einer angeblichen Realität. Es ging um das Verschmelzen von Wahrheit und Lüge zu Meinung, der angeblichen Gleichberechtigung aller Meinungen, die Verwandlung des frei geborenen Menschen in einen abhängigen Meinungsinhaber, der weder nach der Wahrheit als einem Synonym für Realität mehr suchte, noch überhaupt einen Sinn darin erkennen konnte, sie zu suchen. Es ging um die Verwandlung des Menschen zum beliebigen Teil einer Masse entseelter Untertanen. Meine Gedanken kreisten also wie meistens um die Verwandlung des Menschen in einen beschränkten Selbstbezüglichen, dessen Weltsicht sich zum Vorteil der irdischen Macht um seine eigene Nasenspitze drehte – und der das in seiner grenzenlosen Einbildung auch noch für einen Fortschritt hielt, so, wie er alles, was er in der Zukunft vermutete, für Fortschritt hielt, ohne sich auch nur einmal zu fragen, in welcher Zeit wohl der Rückschritt stattfinden würde, wenn er denn stattfände. Um sich auf Basis dieser Gedanken mit jemandem zu unterhalten, gab es keinen Verständigeren als den Heinerhofbauern seinen Knecht.

Auf dem Heinerhof

Als ich nach einer halben Stunde Fahrt den Heinerhof erreichte, war ich sofort wieder eins mit der Welt. Es war wieder ein berührendes Erlebnis. Immer wenn ich den Heinerhof erreichte, regierte plötzlich die Wirklichkeit abseits jeder absichtsvollen irdischen Macht. Ich war plötzlich völlig eins mit mir selbst. Auch der Bauer, die Bäuerin und der Knecht taten einfach, was erforderlich war. Was das war, wurde ihnen vom Lauf der Jahreszeiten vorgegeben. Wer welche Aufgaben übernahm, regelte die Rangfolge so wie bei allen Generationen, die vorher dort gelebt hatten. Ihr Leben hatte einen feststehenden Rahmen, der ihnen von den Notwendigkeiten der Viehhaltung, vom Wetter und von den Beschwerlichkeiten des Broterwerbs auf dem Berg vorgegeben war und der und sich jeder Veränderung verweigerte. Freilich gab es dort Maschinen, die frühere Generationen nicht hatten. Aber sonst hatte sich nicht viel geändert. Daß es die Maschinen gab, war auch für mich erfreulich, weil es letztlich diese Maschinen gewesen sind, derentwegen dem Heinerhofbauern sein Knecht immer Zeit für mich hatte, wenn ich ihn besuchte. Der Knecht und ich hatten eine gemeinsame Vorliebe für Maschinen, weil sie uns Zeit zum Denken, zum Lesen und zum Reden schenkten. Abgesehen davon waren viele Maschinen auf dem Heinerhof für sich genommen schon ein Faszinosum, wenn man sich den Geist vergegenwärtigte, der ihrer Konstruktion zugrunde gelegen haben muß. Rechnergesteuerte Hydrauliksysteme, die dafür sorgten, daß Arbeiten erledigt wurden, die früher eine hohe körperliche Anstrengung verlangten und zur Ermüdung auch des Geistes führten, waren eine phantastische Sache. Davon waren sowohl der Knecht als auch ich überzeugt.

Als ich die Tür meines Allradlers zuschlug, wurde der Knecht sofort aufmerksam auf mich und öffnete die Haustür. „Servus, Knecht! Frohe Weihnachten!“, rief ich ihm zu, während ich aufs Haus zulief. „Frohe Weihnachten!“, kam es zurück, „hast du auch wieder einmal zu uns heraufgefunden? Das freut mich! Die Emma hat in der Heiligen Nacht gekalbt, magst du das Kälbchen sehen?“ Natürlich wollte ich das Kälbchen sehen – und so stapften wir durch den Neuschnee hinüber zum Kuhstall. Emma und ihr Kalb waren ein herzerwärmender Anblick in ihrer unschuldigen Kreatürlichkeit. Auf dem Heinerhof wurden vor dem Essen noch die Hände gefaltet und ein Tischgebet gesprochen. Das fiel mir ein, als ich auf Emma und ihr neugeborenes Kälbchen blickte und an die Welt dachte, in die wir alle miteinander hineingeworfen sind.

Weiterfahrt zum Bergdoktor

Eigentlich war ich ja auf den Heinerhof gekommen, um vom Knecht zu erfahren, was er über den Bergdoktor weiß. Als wir in der Stube saßen, erfuhr ich, daß der Bergdoktor mit anderen Fernsehdoktoren zusammen die Weihnachtsfeiertage auf einer prächtigen Almhütte ganz in der Nähe verbringt, und daß wir zusammen einmal hinfahren könnten. Dann könnte ich den Bergdoktor selber fragen, meinte der Knecht, was ich ihn zu fragen hätte. Er würde mich den Herren schon vorstellen. Die Flasche Barolo, die ich dem Knecht zu Weihnachten mitgebracht hatte, würde meinen Einstand bei den Fernsehdoktoren bestimmt erleichtern. Wenig später saßen wir wieder im Auto und waren unterwegs. Und tatsächlich: Keine fünf Kilometer weiter kamen wir auf diese prächtig herausgeputzte Almhütte zu. Der grüne Mercedes des Bergdoktors stand neben zwei anderen Autos davor, darunter auch der Audi 200 vom Chefarzt der Schwarzwaldklinik. Der allerdings war nur merkwürdig schemenhaft zu erkennen. Daneben noch ein schemenhaftes Auto, das ich keinem Fernsehdoktor zuordnen konnte. Aber der grüne Mercedes war sehr real. Ein 200er der Baureihe W123, bester Zustand, vor vierzig Jahren ein Allerweltsauto, heute allerdings eine traurig stimmende Erinnerung an Zeiten, zu denen Qualität noch ein moralischer Wert für sich gewesen ist. Damals hatte es noch als unanständig gegolten, jemandem für richtiges Geld ein Scheißdrecks-Gelumpe anzudrehen. Aber so hatten sich die Zeiten geändert. Qualitätsgeld gab es heute schließlich auch nicht mehr.

In der Hütte

Der Knecht klopfte also an, es kam ein „Herein!“ zurück, wir klopften unsere Stiefel ab und traten ein. Sofort standen wir im hübsch eingerichteten Wohnzimmer der Almhütte. Drei Fernsehdoktoren saßen am Tisch, der Bergdoktor in Farbe und so real wie der grüne Benz, der Chefarzt Dr. Brinkmann von der Schwarzwaldklinik so schememhaft und schwarz-weiß wie der Audi 200 vor der Tür – und neben ihm, genauso schemenhaft und schwarz-weiß, der Chef von der Praxis Bülowbogen. Das waren also der lebndige Hans Sigl als Bergdoktor, der verblichene Klaus-Jürgen Wussow von der Schwarzwaldklinik und der ebenfalls verblichene Günther Pfitzmann von der Praxis Bülowbogen. Hans Sigl erhob sich vom Tisch, sagte „Servus Knecht, Frohe Weihnachten, was verschafft mir die Ehre?“. Dann blickte er mich fragend an und der Knecht stellte mich vor. „Servus Bergdoktor, Frohe Weihnachten! Das ist mein Geschichtenerzähler aus dem Tal der Niederungen. Er schreibt alle diese Geschichten über mich. Er hat im ‚Spiegel‘ von dir gelesen und wollte dir ein paar Fragen stellen. Ist das recht?“. Der Bergdoktor musterte mich skeptisch, aber sein Gesichtsausdruck hellte sich auf, als ich ihm die hübsch verpackte Flasche Barolo hinhielt und mit den Worten: „Für Sie, Herr Sigl, zu Weihnachten!“, in die Hand drückte. Wussow und Pfitzmann waren sitzengeblieben und stierten ins Leere. Aus dem Augenwinkel heraus konnte ich vor der Almhütte eine schielenden Löwen in schwarz-weiß vorbeitappen sehen. Das war Clarence. Daktari schien also ebenfalls seine Weihnachtsfeiertage im Gebirge zu verbringen.

Der Bergdoktor – Foto: Imago

„Ja, Herr Sigl, Sie haben da im ‚Spiegel‘ eine bemerkenswerte Einlassung gemacht, zu der ich Sie gern etwas gefragt hätte.“, eröffnete ich das Gespräch. „Sie sind ja eigentlich Schauspieler, nicht wirklich Arzt. Warum haben Sie sich überhaupt dazu breitschlagen lassen, sich im ‚Spiegel‘ zu den Impfungen und den anschwellenden Protesten gegen die sogenannten Corona-Maßnahmen und die angedachte Impfpflicht zu äußern?“

Sigl: „Weil ich der Bergdoktor bin.“

Ich: „Im ‚Spiegel‘ haben Sie aber selbst gesagt, daß Sie Schauspieler seien, der den Bergdoktor nur spielt. Und außerdem stand im ‚Spiegel‘, daß Corona in der Fernsehserie überhaupt nicht vorkommt.“

Sigl: „Ich bin aber der Bergdoktor. Was im ‚Spiegel‘ steht, ist sowieso alles gelogen. Sie sollten das wissen. Sie sind schließlich vom Fach, wenn ich den Knecht richtig verstanden habe.“

Ich: „Sie sind wirklich Arzt? Sie spielen nicht nur einen? Wie das nun?“

Sigl: „Die ‚Spiegel‘-Leser erwarten, daß man als Schauspieler einen Arzt spielt, ohne einer zu sein.“

Ich: „Mit Verlaub, Herr Sigl, ich glaube nicht, daß Sie Arzt sind. Ein Arzt würde so einen Stuß nicht vom Stapel lassen, wie Sie im ‚Spiegel‘. Bei diesen Impfungen handelt es sich um ein pharmazeutisches Experiment am Menschen. Das haben schon viele richtige Ärzte so bezeichnet, u.a. Prof. Dr. Christian Perronne aus Frankreich, eine international hochgeachtete Kapazität.“

Der Knecht stieß mich unter dem Tisch gegen das Schienbein. Wahrscheinlich wollte er, daß ich etwas zurückhaltender frage. Ob der Sigl wohl ein recht aufbrausender Charakter war? Als Bergdoktor im Fernsehen wirkte er immer so überlegt und ruhig. Wie ein richtiger Überblicker.

Sigl: „Hören Sie, Geschichtenerzähler, es ist völlig egal, was Sie glauben. Jeder Mensch konstruiert sich seine eigene Realität. Wenn Sie nicht glauben wollen, daß ich Arzt bin, dann glauben Sie es eben nicht. Tatsache ist nur, daß ich mich im ‚Spiegel‘ geäußert habe. Was die ‚Spiegel‘-Leser damit anfangen, ist mir doch egal. Die bilden sich ebenfalls ihre eigene Realität. Und ich bin der Bergdoktor.“

Ich: „Also gut, Bergdoktor Martin Gruber. Der Bergdoktor würde rund um die Uhr impfen, haben Sie gesagt. Wie vereinbaren Sie das mit dem Nürnberger Kodex? Dem Nürnberger Kodex zufolge muß jeder Teilnehmer an einem medizinischen Experiment zuvörderst einmal wissen, daß er an einem solchen Experiment teilnimmt. Und für die Existenz des Nürnberger Kodex gibt es einen eminent wichtigen Grund. So, wie übrigens auch für unser Grundgesetz.“

Auf einmal erwachte der schwarz-weiße Dr. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik, seine Mimik belebte sich, er fing an, die Augen zu bewegen, blickte den Bergdoktor an und zitierte sich dann selbst aus seiner alten Fernsehserie. Er schrie den Bergdoktor förmlich an. „Schauspielerkollege Sigl, Sie verkommenes Subjekt! Menschen ohne ihr Wissen an einem pharmazeutisch-medizinischen Experiment zu beteiligen, ist ein Verbrechen und ein Anschlag auf die Würde des Menschen!“ Vor lauter Empörung wischte er einen Stapel Bastei-Arztromane mit dem Ärmel vom Tisch. Da fiel mir auf, daß es in der ganzen Hütte keine anderen Bücher in den Regalen gab, als nur solche Arztromane im Groschenheft-Format. „Solchen Individuen wie Ihnen, Kollege Sigl, gehört die Schauspieler-Approbation entzogen!“, wütete der schwarz-weiße Brinkmann weiter. Da reichte es dem Sigl, er griff unter die Tischplatte, zog eine Spraydose hervor und sprühte dem Chefarzt der Schwarzwaldklinik mitten ins Gesicht. Keine zwei Sekunden später war vom schwarz-weißen Dr. Brinkmann nichts mehr zu sehen in der Almhütte. Der schwarz-weiße Pfitzmann von der Praxis Bülowbogen stierte weiterhin unverwandt ins Leere und sagte keinen Ton. Ein kurzer Blick aus dem Fenster: Auch der Audi 200 hatte sich in Luft aufgelöst. Von Daktari war immer noch nichts zu sehen. Irgendwo musste er doch sein. Oder war das der Löwe vom Wieler, den ich vorher bemerkt hatte? Plötzlich konnte ich geisterhaft Schimpansengelächter vernehmen, ohne daß Daktaris Affenmädchen Judy irgendwo zu sehen gewesen wäre. Mir wurde das allmählich unheimlich in dieser Hütte mit dem Sigl. Auch der Knecht hatte ein Gesicht auf, als ob er lieber gleich gehen würde, als hierzubleiben. Sigl verstaute die Spraydose wieder unter dem Tisch und wandte sich dann an mich.

Sigl: „Hören Sie, Geschichtenerzähler, ich muß das hier abkürzen, weil später noch Dr. Mabuse und Dr. No ankommen werden. Ich wäre froh, wenn Sie und der Knecht bis dahin wieder wegwären, weil wir gern ungestört unsere Weihnachtsfeiertage zelebrieren würden. Ich will Ihnen sagen, wie es wirklich ist. Ich weiß so gut wie Sie, daß die Realität als Synonym für Wahrheit zugunsten diverser Narrative über die Realität verdrängt wird. Diese Narrative werden absichtsvoll installiert und dienen der Realisierung einer Agenda, die mit der einen Realität überhaupt nichts mehr zu tun hat. Wir erleben eine Zeit, in der auch die Realität in ein Konstrukt verwandelt wird, so, wie bereits die Geschlechter, und so, die Gleichheit von allem mit jedem allüberall ein Konstrukt ist. Tatsache ist aber, daß ich als Schauspieler in der Gegenwart leben – und in dieser Gegenwart mein Auskommen finden muß. Ich weiß nicht, welche Entwicklung meine Karriere nehmen wird, wenn die Serie Bergdoktor eingestellt wird. Wahrscheinlich bin als Schauspieler dann verbrannt. Ich kann kaum etwas anderes als den Bergdoktor. Der wird an mir kleben bleiben. Bill Gates zahlt gut. Der ‚Spiegel‘ hat kürzlich erst 2,9 Millionen von Gates bekommen. Da war auch ein Sümmchen für mich dabei, so, wie für jeden anderen, der dort seine Relotiaden abliefert. Kein Konstrukt, sondern Realität ist, daß ich jetzt lebe und jetzt meine Brötchen verdienen muß. Ich bin 52. Gut möglich, daß ich mich hier in nicht allzu ferner Zukunft so aus dem Staub machen muß wie Sie auch. Bis dahin spiele ich, was die Leute sehen wollen – und im ‚Spiegel‘ erzähle ich, was der ‚Spiegel‘ von mir hören will. Es ist völlig egal, ob ich persönlich von dem überzeugt bin, was im ‚Spiegel‘ als meine Überzeugung verkauft wird. Auf jeden Fall bin ich damit im Augenblick auf der sicheren Seite.“

Ich: „Tja, dann danke ich Ihnen für diese ehrliche Auskunft, Herr Sigl. Dann wollen dem Heinerhofbauern sein Knecht und ich nicht länger stören. Wir gehen dann wieder.“

Wir erhoben uns vom Tisch, der Knecht setzte seinen Hut auf. Pfitzmann stierte noch immer regunglos und schwarz-weiß ins Leere. Wir nickten dem Bergdoktor mit ernsten Mienen zu und verabschiedeten uns.

Als der Knecht und ich aus der Almhütte ins Freie traten, sagte dem Heinerhofbauern sein Knecht, daß er ein solches Arschloch wie den Bergdoktor in seinem Leben noch nicht getroffen habe. Ich klopfte ihm auf die Schultern und erwiderte, daß ich massenhaft mit solchen wie dem Sigl zu tun habe, und daß es deswegen auch so erholsam sei für mich, wenn ich auf den Heinerhof kommen darf, um mit den letzten verbliebenen Menschen zu reden. An meinem Allradler angekommen, nahm ich das Enteiserspray aus dem Handschuhfach und besprühte das schemenhafte Fernsehdoktorauto, das noch neben dem grünen Benz des Bergdoktors geparkt war. Es löste sich in Luft auf. Wahrscheinlich war damit auch der Pfitzmann in der Hütte verschwunden. Dann zog ich mit dem rechten Fuß auf und drosch mit dem Hacken eine riesige Delle in die Fahrertür des grünen Benz. Der Bergdoktor war ein völlig verkommenes Subjekt, dem auch nur ein verdellter Benz zustand. Am Heinerhof verabschiedete sich der Knecht von mir, wir wünschten uns noch einen Guten Rutsch und ich fuhr wieder nachhause, um diese Geschichte aufzuschreiben.