Corona Demo (Bild: shutterstock.com/Von Jaz_Online)
Corona Demo (Bild: shutterstock.com/Von Jaz_Online)

Proteste in München: Der süddeutsche René sorgt sich strebsam in die Diktatur

Der erste Preis für das schönste Vakuum im Text geht diese Woche an René Hofmann von der Alpen-Prawda, bekannt auch unter dem Handelsnamen „Süddeutsche Zeitung“. Das Versagen der Polizei bei den Protesten gegen die Coronapolitik sei grob fahrlässig, meint er in einem Kommentar. Empath, der meinereiner ist, versteht er die Panik des süddeutschen René natürlich. Der süddeutsche René ist nämlich Angehöriger einer Kaste, die wahrlich Grund hat, sich zu fürchten, sollte die Polizei sich entschließen, auf die richtige Seite zu wechseln. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

René Hofmann wäre in diesen Tagen vermutlich lieber Polizeichef von München, als Kommentator bei der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). Dann könnte er die Befehle zu seiner eigenen Sicherheit auch selbst herausgeben, die Polizei gegen die Demonstranten aufhetzen, und wäre nicht darauf angewiesen, sich jeden Gedanken mit einer solchen Kraft aus dem Hirn bis in die Tippfinger zu saugen, daß der Leser nach Lektüre seines Kommentars fürchtet, Hofmanns Schädel könnte wegen des entstandenen Vakuums im nächsten Moment implodieren.

Die Raumergreifung

Ohne Masken, ohne Abstand zeigen Menschen ihre Wut über Corona-Maßnahmen. Sie greifen sich dafür prominenten Raum. Und die Schutzmacht des Staates setzt dem zu wenig entgegen„. – so sieht Panik aus. Da kann es einem wie dem süddeutschen René schon passieren, daß er die Polizei mit einer ominösen „Schutzmacht des Staates“ verwechselt, weil ihm die Vorstellung gefällt. Es ändert aber nichts daran, daß die Polizei die „Schutzmacht der Bürger“ ist, und daß das schon deswegen so ist, weil der süddeutsche René in entspannteren Zeiten einer der ersten wäre, der behauptet, der Staat sei „wir alle“. Es gibt da diese Videos von der jüngsten Demonstration in der Münchner Ludwigstraße, einer der Prachtstraßen der Stadt, auf denen zu sehen ist, daß die polizeiliche Absperrkette zwar da war, weil eine dazusein hatte, daß sie aber von vornherein nicht dazu gedacht gewesen sein konnte, irgendwen aufzuhalten. Das waren geschätzt dreißig Polizisten in dem Videoausschnitt, die sich einem Demonstrationszug von 5.000 hätten entgegenstellen sollen. Pro forma haben sie das auch getan. Sie wurden aber einfach zur Seite gedrängt und traten dann auch zur Seite, um den Dingen vernünftigerweise ihren Lauf zu lassen. Meine ganze Sympathie gilt diesen Polizisten. Ganz besonders gilt sie denjenigen in der Polizei, die schwere Zeiten durchzumachen haben, weil es sie fast zerreißt angesichts des Dilemmas, vor dem sie stehen. Auch Polizisten sind Menschen, die sich fragen, ob sie noch das Richtige tun, anstatt ihr je persönliches Gewissen einfach nach oben durchzureichen. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen und wünsche ihnen viel Erfolg bei der innerpolizeilichen Überzeugungsarbeit.

Die utilitaristische Gefühligkeit

Die Bilder sind verstörend, ja schockierend: Mitten auf der Ludwigstraße, einer der zentralen Lebensadern von München, werden Polizisten überrannt.„, schreibt jedoch der süddeutsche René. Das glaube ich, daß er das gern schockierend finden will. Mir machen diese Bilder Hoffnung. Die Polizisten wurden übrigens nicht „überrannt“. Niemand ist über auf dem Boden liegende Polizisten gestiegen. Verstört ist lediglich der süddeutsche René. Schließlich sind „geordnete Verhältnisse“ erste Voraussetzung für ihn und seinesgleichen, um in Sicherheit ihre hanebüchenen Narrative unters Volk streuen zu können. Die Bilder aus der Ludwigstraße waren nicht „verstörend, ja schockierend“, sondern herzerwärmend. Schließlich beweisen sie, daß es noch nicht jedem egal ist, ob er von seiner Regierung Länge mal Breite angelogen, getäuscht, verraten und an die Pharmaindustrie verkauft wird. Diese Bilder beweisen, daß es noch Leute gibt, die wissen, wer Gustav Heinemann gewesen ist und was der dritte Bundespräsident über die staatbürgerlichen Rechte und Pflichten zu sagen hatte.

Einfach überrannt

Vom wem wurden aber die Polizisten „überrannt“, wenn es nach dem süddeutschen René und seiner bevorzugten Sichtweise geht? Von solchen „die Menschen“ hier: „Von Menschen, die wegen der Corona-Maßnahmen aufgebracht sind und sich über Mindestabstände und Masken kein bisschen scheren. Eine Szene mit vielschichtiger Symbolik: Die Wut schwillt an. Sie greift sich prominenten Raum. Und die Schutzmacht des Staates setzt dem zu wenig entgegen.“ – vernagelt, vernagelter, am vernageltsten … ist René Hofmann. Die Bürger in München sind auf die Straße gegangen, weil die Regierung auf ihre Grundrechte scheißt, das Grundgesetz ignoriert, sie schikaniert und drangsaliert – und das alles erneut wieder nur aufgrund eines installierten Narrativs. Realiter gab und gibt es kein Infektionsgeschehen, das mit dem Begriff „Pandemie“ zutreffend beschrieben wäre. Realiter läßt sich eben nicht das ganze Volk wie eine Schafsherde die Hucke volllügen mit Schwachsinnsbegriffen wie „Inzidenzwert“, „Neuinfektion“ und „Schutzmaßnahmen“. Realiter ist es so, daß es einer wie René Hofmann ist, der eine Schutzmacht für seine ignoranten Sichtweisen haben möchte, und daß er selbst die nicht weiter rhetorisch aufhübschen kann, als eben bis zu einer „Schutzmacht des Staates“. Wenn also etwas mit „vielschichtiger Symbolik“ zu tun hat, dann sind es Kommentare wie der seine in der „Süddeutschen Zeitung“. Die Vielschichtigkeit: Im vergangenen halben Jahrhundert wurde hierzulande ein veritables Antidemokratenvolk herangezüchtet, das in dem Wahn lebt, erstens gehöre ihm alles (mein gmx, meine Sparkasse, meine Regierung, meine Apotheke usw.usf.), zweitens, daß jeder sich seine eigene Realität konstruiere und daß das so hinzunehmen sei – und drittens, daß sich jeder dahergelaufene Lügengriffel begreifen dürfe als das Gewissen der Nation, und nur, weil er glaubt, das sei die Rolle, die ihm am besten zu Gesicht steht, und daß er deswegen permanent Zeichen zu setzen habe. Wenn es sein muß, auch vermittels eines Kommentars in einem dieser inzwischen epidemisch vorhandenen Volkspädagogenblättchen wie der „Süddeutschen Zeitung“.

Erschütternd zielgerichtete Lügen

Und weil der einfache Bürger nicht weiß, was erschütternd ist, wenn es ihm die René Hofmanns dieser degenerierten Republik nicht lügenfingerdick auf die Pupillen schmieren: „Das wirklich erschütternde aber: All das geschieht keineswegs zum ersten Mal. Und auch nicht überraschend. Im März tanzten Tausende, für die die Corona-Pandemie nichts als ein großer Spaß zu sein scheint, hinter einer großen Puppe her direkt vor dem Rathaus maskenlos eine fröhliche Polonaise über den Marienplatz. Die Polizei ließ sie gewähren.“ – yeah, genauso, wie die Polizei alle gewähren ließ, die ganz so, als sei die „Corona-Pandemie nichts als ein großer Spaß“, am Christopher-Street-Day hinter ihren sexuellen Präferenzen hertanzten, um mit dem anschließend ausbleibenden Sensenmann, der, wäre es nach den Prognosen gegangen, alle hätte niedermähen müssen, unter Beweis zu stellen, daß diese „Corona-Pandemie“ zwar kein „großer Spaß“, aber eine riesengroße Volksverarschung ist. Evident geht es den René Hofmanns dieser grundverlogenen Republik nicht darum, daß jemand protestiert, sondern einzig und allein um die Frage, wer protestiert. Bewiesen ist das dadurch, daß sie am liebsten selber definieren wollen, welche Demonstrationen als verantwortungslos zu begreifen seien und welche nicht. Ganz so, als ob man ihnen ernsthaft glauben solle, das Virus mache einen anlaßbezogenen Unterschied bei Demonstrationen. Es sind die René Hofmanns dieser Republik, die aus keinem anderen Grund als dem ihrer persönlichen Präferenzen glauben, erwachsene Bürger hätten sich dafür zu intreressieren, wie sie die Dinge sehen wollen, anstatt dafür, wie die Dinge sind. Aus diesem Grund denken die René Hofmanns dieser Republik auch gar nicht daran, nach den Gründen für eine Übersterblichkeit im Monat November 2021 zu fragen, die eine ist, nachdem die Impfkampagne bereits seit etwa einem Jahr gelaufen ist – und weshalb es diese Übersterblichkeit ein Jahr zuvor noch nicht gegeben hat. Sie haben keine Lust, sich zu fragen, weshalb die Grippezahlen des RKI im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr so extrem niedrig sind. Sich mit dem Kommentar von René Hofmann den Hintern abzuwischen, bedeutet, hinterher mit einem präferenzutilitarisierten Lügenarsch in der Hose durch die Gegend laufen zu müssen. Und zwar irgendwo, nur nicht in der Ludwigstraße zu München.

Der Staat und seine Institutionen

Folglich schreibt René Hofmann auch: „Hinter dem, was sich da am Mittwoch ereignete, gibt es eine Organisationsstruktur, die ein klares Ziel verfolgt: den Staat und seine Institutionen zu schwächen.“ – und tut dabei so, als ob „Staat und Institution“ unabhängig von der Frage nach „welcher Staat und seine Institutionen“ schon deswegen sakrosankt seien, weil sie eben „Staat und Institutionen“ sind. Mit dieser Pseudoargumentation hätte er beim „Neuen Deutschland“ zur Wendezeit auch „punkten“ können. Die „Süddeutsche Zeitung“ war einmal ein Blatt im freien Westen.

Als nächstes beklagt er sich, daß die Polizei doch bei den Protesten gegen die IAA bewiesen habe, wozu sie fähig sei, und unterschlägt absichtsvoll, daß sich dieser Protest in keiner Weise mit dem aus der Ludwigstraße in München vergleichen läßt, um dann rotzfrech zu behaupten, es sei „ein fatales Zeichen, weil es gerade in den Zeiten, in denen Gesetze und Vorschriften sich wegen der Pandemie-Lage häufig ändern, keinen Zweifel an denen geben sollte, die für Recht und Ordnung stehen.“ – was, wäre es nicht der Zusammenhang, in den es Hofmann stellt, direkt richtig wäre. Es sollte tatsächlich keine Zweifel geben an denen, die der Mahnung von Gustav Heinemann folgen, und für „Recht und Ordnung“ einstehen. Das wären nämlich die Demonstranten. Eine Polizei, die mit aller Härte gegen diese pflichtbewußten Bürger vorgeht, stünde nicht mehr für „Recht und Ordnung“, sondern für Notstandsgesetz und Unterordnung. Sie würde eine Bande von notorischen Lügnern und Wortbrüchigen schützen, so, wie man das aus totalitären Unrechtsregimen kennt. Froh und dankbar muß der pflichtbewußte Bürger im Geiste Heinemanns sein, wenn er eine Polizei hat, die wenigstens zum Teil noch den Unterschied zwischen herbeidefiniertem Notstand und tatsächlichem Notstand, „Notstandsgesetzen und Unterordnung“ einerseits sowie „Recht und Ordnung“ andererseits erkennt und deshalb die richtigen Schlüsse zieht. Weswegen es auch wichtig wäre, diejenigen Teile der Polizei zu unterstützen, die lieber Recht und Ordnung schützen wollen, als sich von einer Bande von Lügnern, Täuschern und Wortbrüchigen gegen den pflichtbewußten Bürger verheizen zu lassen.

Hofmanns Relationserzählungen

Und dann diese Hofmannsche Engstirnigkeit noch in ihrer ganzen Absichtsgeladenheit: „Um die Relation zu wahren: 5000, die auf die Straße gehen, sind in einer Millionenstadt eine kleine Minderheit. Umso wichtiger ist es, dass keine Bilder entstehen, die diesen Eindruck verzerren.“ – richtig hingegen ist, daß es in Deutschland noch nie eine Demonstration der Mehrheit gegeben hat, und daß das völlig normal ist für Demonstrationen aller Art. Ebenso normal ist, daß das noch nie von einem Schriftgriffel zum Thema gemacht worden wäre, so profan wie eine solche Binsenweisheit ist. Mehrheit ist außerdem kein Faktor von Wahrheit. Wahr ist allerdings, daß logische Stringenz und Aufrichtigkeit auch keine Faktoren von Hofmann und der SZ sind, und daß sich das drastisch zu ändern haben wird, wenn jemals wieder eine funktionierende vierte Gewalt abseits der alternativen Medien reetabliert werden soll. Gerade die Tatsache, daß ein René Hofmann schon auf solche Nichtigkeiten wie „Mehrheit“ und „Demonstration“ zurückgreifen muß, um  überhaupt einen vermeintlichen Punkt zu machen, zeigt schon den argumentativen Notstand, der unter ihm und seinesgleichen ausgebrochen ist. „Relotius“ steht nicht mehr nur für eine Einzelperson, sondern für ein allgemeineres Medienphänomen.

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