Provinz & „taz“: Wie Jonas der Schwurbler einmal die Provinzler bekehren wollte

Von einem Stadtmenschen, der auszog, um den Provinzlern zu Weihnachten die Wahrheit zu bringen. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Jonas Wahmkow ist freier Journalist, publiziert in der „taz“, und versucht nach Angaben des Blattes, nebenher noch seinen Master in Europäischer Ethnologie an der Humboldt-Universität zu finden … zu machen. Seine Lieblingsthemen sind Protestbewegungen, Digitalpolitik und Kapitalismuskritik. Vor langer Zeit schon ist der protestbewegte Jonas von der Provinz nach Berlin umgezogen. Berlin ist ein riesiges Ghetto, wo solche „die Menschen“ wohnen müssen, denen kein vernünftiger Provinzler ein Zimmer vermieten würde. In der Stadt infizieren sie sich untereinander mit dem urbanen Größenwahn, was für den Provinzler kein Problem wäre, wenn es die Größenwahnsinnigen zu Weihnachten nicht dorthin zurückzöge, von wo sie einst aufgebrochen waren, um in der Stadt ihrem gräßlichen Schicksal anheim zu fallen.

Kurz vor Weihnachten legte sich der urbane Jonas jedenfalls eine Strategie zurecht, von welcher er annahm, daß sie ihm dabei helfen würde, die ländlichen Weihnachtstage zu überstehen, ohne am eigenen Größenwahn zu verzweifeln. In der „taz“ hinterließ Jonas Wahmkow erschütternde Einblicke in seine Expeditionsplanung.

Schwurblige Weihnacht‘ überall„, titelte er, was schon ein Indiz dafür ist, daß er vorhatte, viel zu reden in der Provinz. Das war auch gleich sein erster Fehler. In der Provinz gibt man nicht viel auf Geschwurbel. „Konfliktbehaftete Diskussionen gehören für viele zu Weihnachten wie Tannenbaum und Rotkohl. Ein paar Tipps für den Besuch zu Hause.„, schrieb er dann im Teaser, was ein deutlicher Hinweis darauf ist, daß es ihm selbst im Wahn nicht möglich gewesen war, das urbane Ghetto als sein Zuhause zu begreifen, und daß er diejenigen, denen er mit Tipps helfen wollte, ebenfalls als entwurzelte Seelen voller Heimweh identifizierte. Wegen der Konfliktbehaftetheit seines Geschwurbels definierte er selbiges als nächstes zielgerichtet in „Diskussionen“ um. Das war geschickt, weil er sich auf diese Weise einreden konnte, es bestünde so etwas wie Augenhöhe zwischen dem Ghettobewohner in seinem Wahn und dem geistig gesunden Provinzler. Tief im Inneren ahnte er nämlich schon, daß ihm die Landmenschen einfach derbe übers Maul fahren würden. Natürlich wollte er sich da lieber als einen Diskutanten begreifen. Eine Art rhetorisches Pfeifen im Walde also. In der Provinz denkt tatsächlich niemand daran, einem verpeilten Ghettobewohner zuliebe „Diskussion“ zu simulieren.

Zeit also mal herunterzufahren, tiefenzuentspannen und Kraft für die kommenden Kämpfe sammeln.„, steht in der „taz“. An der Stelle muß man Jonas dem Schwurbler  einmal Respekt zollen. Er wusste, daß er es schwierig haben würde in den kommenden Tagen und wollte seiner Niederlage dennoch nicht kampflos aus dem Wege gehen. Eine Kämpferseele vor dem Herrn. Ein tragischer Held. So kniete er also vor seiner Abreise nieder und sammelte Kraft im Gebet an seine beiden Charlies, Karl Marx und Karl Lauterbach. Danach war es dann so weit. Jonas der Schwurbler brach auf, um das Geschwurbel in die Provinz zu tragen.

Die liebe Verwandtschaft auf dem Lande

Der „zum Archetyp hochstilisierte rassistische Onkel, die esoterische Tante, die impfkritischen Cousins oder sogar die eigenen Eltern, die seit neuestem ihre Leidenschaft für montägliches Demonstrieren entdeckt haben“ erwarteten die Ankunft von Jonas dem Schwurbler derweil in stoischer Schicksalsergebenheit. Sie wussten, daß sie dem Ankömmling aus dem urbanen Ghetto dessen „Aussichten, Weihnachten ohne ermüdende Diskussionen zu verbringen“ handgreiflich zur Realität werden lassen mussten und daß das wieder „ähnlich düster“ werden würde „wie die herannahende Omikron-Welle“ in seiner Einbildung. Denn Jonas der Schwurbler hatte sich trotz der Aussichtlosigkeit seines Kampfes gut vorbereitet, wie in der „taz“ zu lesen ist. Sich „wegducken“ und „schweigend“ hinzunehmen, daß er derbe korrigiert werden würde, hatte Jonas der Schwurbler nicht im Sinn. „Bedenken … sich impfen zu lassen“ hatten die „echsengläubigen“ Impf- „Nazis“ aus dem Ghetto erfahrungsgemäß ebenfalls keine.

Jonas der Schwurbler sah das freilich anders. In der „taz“ hinterließ er der Nachwelt Erschütterndes: „In jedem Fall lohnt es sich gut informiert zu sein. Impf­skep­ti­ke­r:in­nen und Maß­nah­men­geg­ne­r:in­nen verbringen oft sehr viel Zeit damit ihre Argumente vorzubereiten, von daher ist es ratsam sich mit den gängigsten Behauptungen auseinanderzusetzen, um sie mit harten Zahlen und Fakten entkräften zu können. Mittlerweile gibt es viele gute Argumentationsleitfäden, zum Beispiel der Faktenfuchs vom Bayrischen Rundfunk.“ Der Leser ahnt bereits, wie der Ausflug von Jonas dem Schwurbler in die Provinz ausgegangen sein muß. Er hatte viele gute Argumentationsleitfäden wieder einmal mit vielen albernen Platzpatronen verwechselt. Kein Mensch von ländlich unverbogenem Verstand hielt den Faktenfuchs vom Bayerischen Rundfunk für das, was er vorgab zu sein. Auf dem Land war der Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks nämlich längst als ein mit Platzpatronen bewaffnetes Wiesel identifiziert worden, von dem keinerlei Argumentationsgefahr ausging.

Jonas der Schwurbler jedoch: „Oftmals prägt das soziale Umfeld die politischen Einstellung einer Person erheblich mit – von daher, ein Versuch ist es allemal wert, auch wenn es anstrengend ist.“ Das jedoch war eine Binsenweisheit, weil die Provinzler bereits bestens darüber Bescheid wussten, daß es das soziale Umfeld von Jonas dem Schwurbler gewesen ist, welches seine politische Einstellung prägte. Schon wenn er zu Weihnachten in der Provinz ankam, hatte er klebrige Argumentationsleitfäden rund um den Mund und bis zur Nasenspitze hinauf im Gesicht picken, als ob ihm die Argumentationsblase geplatzt wäre wie ein Kaugummi. Jedes Jahr dasselbe würdelose Schauspiel mit Jonas dem Schwurbler aus dem Ghetto. Kaum dem Überlandbus entstiegen, fuhrwerkte er sich im Gesicht umeinander, und nur, um seine Argumentationsleitfäden genau in dem Moment an den Fingern kleben zu haben, in dem er den Provinzbewohnern die Hand zur Begrüßung schütteln wollte. Seit Jahren hatte Jonas dem Schwurbler niemand mehr die Hand geschüttelt. Der Kerl war einfach komplett lernresistent. Aber zumindest dafür hatten die geistig Gesunden in der Provinz trauriges Verständnis. Sie waren eben keine Linken.

Das Grundproblem von Jonas dem Schwurbler

In der „taz“ kann man heute nachlesen, was das Grundproblem von Jonas dem Schwurbler seit jeher gewesen ist und weshalb er vor Jahren von der Provinz ins urbane Ghetto umgezogen war. Vor seiner Weihnachtsabreise aus Berlin hatte er Auskunft darüber gegeben. In der „taz“ ist es dokumentiert. „Für linke Menschen bürgen solche Diskussionen zusätzlich die Gefahr, in eine Rolle gedrängt zu werden, in der man unfreiwillig zur Ver­tei­di­ge­r*in der Regierungspolitk wird. Um nicht als Ja-Sager abgestempelt zu werden, sollte man nicht vergessen zwischendurch mal zu erwähnen, was man selbst am aktuellen Pandemiemanagement scheiße findet, zum Beispiel dass Impfstoffpatente schon längst global freigegeben und Pharmaunternehmen am besten enteignet werden sollten„. Jonas der Schwurbler meinte natürlich nicht „bürgen“, sondern „bergen“. Es gibt keine Bürgepanzer. Das sind Bergepanzer. Das ändert freilich nichts daran, daß sich ein geistig gesunder Landmensch nicht dafür interessiert, was Jonas der Schwurbler scheiße findet. So etwas weiß der Landmensch schon, bevor Jonas der Schwurbler anfängt zu überlegen, was es wohl sein könnte. Er kommt auch zu einem anderen Ergebnis. Er findet blitzschnell heraus, daß Jonas der Schwurbler scheiße ist.

Jonas der Schwurbler ahnte aber noch nicht, welche Lektion ihn auf dem Lande dieses Jahr zu Weihnachten erwartete, als er seine Expeditionsplanung der „taz“ anvertraute. Zwar steht es nicht in der „taz“, aber von seiner Enteignungsobsession ist Jonas der Schwurbler bereits einen Tag nach Weihnachten geheilt. Landluft ist gesund. Als er mit seinen klebrigen Fingern, frisch aus dem Ghetto in der Provinz angekommen noch an der Bushaltestelle stand, kamen schon die ersten Provinzler, hielten dem linken Stadtmenschen Jonas eine Mistgabel drohend vors Gesicht und forderten ihn auf, die Hände hochzunehmen. Als nächstes enteigneten sie ihn. Seither fehlt Jonas dem Schwurbler der Geldbeutel und – viel schlimmer noch – sein Impfpass und das Smartphone mit dem QR-Impfcode. Nur die Rückfahrkarte ins linke Ghetto haben sie ihm gelassen. Seither hält Jonas der Schwurbler generell nicht mehr viel von Enteignungen. Gut möglich, daß ihn deswegen im Ghetto ebenfalls niemand mehr liebhat.

Die Provinz bleibt unbeeindruckt

Einer wie Jonas der Schwurbler ist der Landbevölkerung längst bekannt als Verschwörungstheoretiker, der verschwörerische Ansichten zu solchen Verschwörungstheorien hat, denen angeblich immer die anderen anhängen, nur er selbst nicht. Deshalb wissen sie, wie schlimm es um Jonas den Schwurbler steht, ihren bemitleidenswerten Angehörigen aus der Stadt. Auf dem Lande ist es eine Binsenweisheit: „Stecken die Angehörigen“ – aus dem Ghetto – „zu tief im Sumpf der Verschwörungstheorien“ – über die angeblichen Verschwörungstheorien der Landbewohner -, „helfen oft auch die besten Argumente nicht mehr weiter„. Daß Jonas der Schwurbler außer mit seinen Verschwörungstheorien über angebliche Verschwörungstheoretiker auf dem Land auch noch einer Verschwörung gegen die Groß- und Kleinschreibung anhängt, wollte auch die „taz“ nicht verheimlichen: „Eine Schmerzhafte Erfahrung, besonders wenn es Menschen betrifft, die einem Nahe sind. Für diese Fälle gibt mittlerweile professionelle Beratung, zum Beispiel von der Berliner Beratungsstelle Veritas oder von dem Projekt Entschwört der mobilen Beratungsstelle für Rechtsextremismus (Beratungen kostenlos, Terminvereinbarungen per Telefon / Mail erforderlich)„.

Selbst an Weihnachten sind die Landbewohner jedoch Realisten und wissen deshalb, daß keine noch so professionelle Beratung den linken Argumentationsleitfäden von Jonas dem Schwurbler die Klebrigkeit nimmt. Deswegen gehen sie an Weihnachten auch alle in die Provinzkirche und beten zu Gott, daß der Bus keine Verspätung hat, mit dem Jonas der Schwurbler zwei Tage später zurück ins urbane Ghetto fährt.

Wenn er dann weg ist, erheben sie ihre Gläser, prosten sich mit einem freundlichen „Wahmkow“ freundlich zu und versichern sich gegenseitig der Großartigkeit hinter der Tatsache, daß Jonas der Schwurbler erst nächstes Jahr wieder zum Klugscheißen auftauchen wird. Seine Angehörigen auf dem Land entschuldigen sich artig für ihren Angehörigen aus dem urbanen Ghetto, sagen, daß sie auch nicht wüssten, weshalb sie der Herr mit Jonas dem Schwurbler gestraft habe, die anderen vergeben ihnen – und noch vor dem Neujahrstag herrschen wieder eitel Grundgesetzfreude, Spritzenfeindlichkeit & Impfverachtung auf dem Land.

Nur Jonas der Schwurbler hat es derweil schwer nach seiner pünktlichen Rückkehr ins Ghetto, weil er keine Argumentationsleitfäden findet, mit denen er seine neugewonnene Ablehnung von Enteignungen untermauern könnte. Hoffentlich wird er von den anderen Ghettoschwurblern nicht verprügelt.

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