Demnächst überall? Leere Regale wie im Sozialismus (Foto:Imago/IPA)

Wegen Blackouts oder Omikron? Transportbranche fürchtet schwere Verwerfungen

Berlin – Immer mehr Bürger befürchten zurecht, dass ihnen wegen der katastrophalen Energiepolitik im Januar der Saft abgedreht wird und sie mit leerem Magen frieren müssen und im Dunkeln stehen. Da kommt die neue Corona-Variante wie gerufen (wenn sie nicht genau deswegen „erfunden“ wurde). Jetzt hat man einen „Schuldigen“, kann also die Verantwortung für dieses selbst produzierte Desaster jemand anderem in die Schuhe schieben:

Der Transport- und Logistikbranche drohen womöglich schwere Einbußen durch die erwartete Omikron-Infektionswelle, so zumindest die „Ausrede“. „Wenn durch Omikron tatsächlich große Teile der Bevölkerung infiziert werden, dann wird es große Probleme geben, die Versorgungsketten aufrecht zu erhalten“, sagte Dirk Engelhardt, Aufsichtsrat und Vorstandssprecher des Logistikverbandes BGL, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwochausgaben). Er hält deshalb einen „Transportpakt“ mit der Bundesregierung für notwendig: Die Politik müsse gegebenenfalls Prioritäten festlegen, was vordringlich transportiert werden soll.

„Solche Notfallpläne benötigen wir, um ein Chaos wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal zu verhindern“, sagte Engelhardt, der eine Hauptaufgabe darin sieht, bei einer weiteren Verschärfung der Lage Lkw-Kapazitäten so zu steuern, dass Engpässe vermieden werden. „Wenn es beispielsweise eine Infektionswelle bei Fahrern gibt, die für eine Supermarktkette arbeiten, dann muss schnell Ersatz bei anderen Speditionen gefunden werden, damit die Versorgung der Märkte gewährleistet bleibt.“ Aus Sicht des BGL-Chefs muss die Bundesregierung zudem schon jetzt alles gesetzlich Notwendige vorbereiten, „um im Falle einer Omikron-Welle im Transportsektor die Lenk- und Ruhezeiten und die Sonntagsfahrverbote zu flexibilisieren“.

Wichtig sei ferner, mehr Testzentren für Berufskraftfahrer zu errichten. Sie müssten mit einem 40-Tonnen-Lkw angefahren werden können. Es sei aber auch wichtig, das Impfangebot für Lkw-Fahrer hochzufahren.

Die neuerliche Ausbreitung der Pandemie macht auch der zunehmend der Lufthansa zu schaffen. „Aktuell gibt es einen massiven Anstieg an Krankmeldungen“, sagte Konzernsprecher Michael Lamberty dem RND. Zwar habe die Lufthansa „mit einem sehr großen Puffer für die Urlaubszeit“ geplant. Dieser reiche aber für die hohe Krankenquote derzeit nicht aus.

„Daher haben wir einzelne Flüge auf dem Nordatlantik gestrichen, Passagiere werden umgebucht.“ Lamberty machte darauf aufmerksam, dass bei den Lufthansa-Streichungen darauf geachtet werde, dass die Fluggäste dennoch an ihr Ziel gelangen können – mit Umbuchungen bevorzugt auf andere Airlines des Konzerns oder auf die Flieger von Star-Alliance-Partnern. Massive Einschränkungen im Flugverkehr gibt es bereits in den USA, wo Omikron schon die dominierende Covid-Variante ist.

Auch am Dienstag sind wieder Hunderte Flüge ausgefallen und Tausende Reisende gestrandet, vor allem weil es an Crews für Cockpit und Kabine fehlt – die Beschäftigten haben sich infiziert und müssen mehrere Tage in Quarantäne.

Allerdings sinken die Neuinfektionszahlen immer weiter, aber schon jetzt läuft der Streit über eine mögliche Änderung der Quarantäne-Regeln für die erwartete Omikron-Welle heiß. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerhard Gaß, rät in der Debatte um eine Verkürzung zur Vorsicht: „Wir brauchen deutlich mehr Daten über Omikron, um wirklich Entscheidungen treffen zu können, ob durch ein frühzeitiges Freitesten eine Verkürzung möglich ist“, sagte Gaß dem „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe). Wegen der Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante wird eine hohe Zahl von Quarantänefällen befürchtet, die zu Personalengpässen in Kliniken oder Pflegeheimen, aber auch in der Wirtschaft führen könnte.

Politiker hatten deshalb eine Verkürzung der geltenden Quarantänezeiten angeregt. Auch die Gesundheitsexperten von SPD und Grünen zeigten sich skeptisch: Die Politik sollte nicht versuchen, wissenschaftlichen Ratgebern vorgreifen zu wollen, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Heike Baehrens dem „Handelsblatt“. „Die Quarantänefristen müssen sich daran orientieren, wie das Infektionsgeschehen am wirkungsvollsten eingedämmt werden kann.“

Ihr Grünen-Kollege Janosch Dahmen sagte, er halte eine Anpassung der Quarantänereglung „derzeit für kontraproduktiv“. Die Pandemie habe aber gelehrt, dass man bereit sein müsse, kurzfristig auf neue Entwicklungen zu reagieren. „Sollte es durch die Ausbreitung der Omikron-Variante zu einer Extremsituation kommen, in der die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur gefährdet ist, werden wir die Quarantänereglungen für bestimmtes, systemrelevantes Personal anpassen müssen“, sagte Dahmen.

So oder so, es wird zum Zusammenbruch der Infrastruktur kommen und man wird auch in diesem Fall den Ungeimpften dafür an den Pranger stellen – wenn nicht immer mehr Bürger aufwachen und wenigstens einmal in der Woche, zum Beispiel am Montag etwas für ihr Immunsystem tun und spazieren gehen. (Mit Material von dts)

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