Handel klagt mal wieder: Katastrophales Weihnachtsgeschäft und wütende Kunden

Handel und Gastronomie beklagen nicht nur ein „katastrophales Weihnachtsgeschäft“ wegen der 2G-Kontrollen, sondern auch die steigende Aggressivität gegenüber den meist weiblichen Beschäftigen. Doch statt sich ein „Jeder ist willkommen“-Schild an die Tür zu kleben, möchte man der Situation mit „stichprobenartigen Kontrollen“ wie in Bahn und Bus Herr werden.

Regelrecht „aufgebracht“ sei der Chef des Berliner Handelsverbandes (HBB), Nils Busch-Petersen, angesichts der Aggressivität und Genervtheit vieler (geimpfter) Kunden, so die Welt. „Die Mitarbeiterinnen kriegen nicht mehr nur wüste Beleidigungen an den Kopf geschmissen, sondern wortwörtlich auch Gegenstände – Kleiderbügel beispielsweise“, klagt der Vollstrecker der staatlich verordneten Maßnahmen Busch-Petersen. „Diese Belastung ist unzumutbar“, findet er. „Ein Ladeneingang darf nicht wie ein Grenzübertritt gestaltet sein“, meint Busch-Petersen weiter und schlägt „verpflichtende Stichprobenkontrollen unter zehn bis 15 Prozent der Kundschaft“ als Lösung vor, um die gegängelte Kundschaft zu beruhigen.

Neben der schlechten Kundenstimmung hat auch die Kasse nicht so geklingelt wie sonst. Das Weihnachtsgeschäft sei in diesem Jahr „dramatisch schlecht“ verlaufen, verkündet Stefan Genth, Chef des Handelsverband Deutschland (HDE).

Offenbar gefällt den Kunden die 2G-Regel nicht: Laut einer HDE-Umfrage blieben die Umsätze im Handel unter 2G in der Weihnachtswoche durchschnittlich 35 Prozent hinter dem Vor-der-Pandemie-Zeit zurück. Die Zahl der Kunden war um 44 Prozent niedriger als im Jahr 2019.

Ebenfalls – oh Wunder- betroffen ist das Gastgewerbe. Jeder zweite Unternehmer meldete bei einer Mitgliederumfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Umsatzeinbrüche von 70 Prozent und mehr, seit die 2G- und 2G-Plus-Regeln gelten. Viele Betriebe könnten nicht mehr rentabel arbeiten, klagt DEHOGA-Präsident Guido Zöllick und fordert weitere Milliarden Schadensausgleich vom Steuerzahler und zwar „schnell“.

Schon ohne die neu aufgetauchte Omikron-Virus-Variante beträgt der BIP-Verlust im ersten Quartal des kommenden Jahres 35 Milliarden Euro, dies hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ausgerechnet. „Die neue Welle und die damit verbundenen Einschränkungen erhöhen den Verlust noch einmal um fünf bis 15 Milliarden Euro“, so die weitere Vorhersage der Ökonomen.

Bitter sei, den IW-Zahlen zufolge, die Lage vor allem für den Handel und das Gastgewerbe. Schon jetzt würden rund sechs Milliarden Euro pro Monat in den Geschäften vor Ort verloren gehen. Ein Großteil des Umsatzes wandere in den Online-Handel ab. „Und wenn es für die Gastronomie so schlimm kommen sollte wie Anfang 2021, könnten sich auch hier die Umsatzverluste auf über zehn Milliarden Euro gegenüber einem normalen Jahr summieren“, so die IW-Forscher.

Das sich die Regelungen an den Eingängen zu Geschäften und Restaurants in Zukunft grundlegend ändern, ist trotz des Urteils des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg unwahrscheinlich. Das Gericht hatte die 2G-Regelung im Handel Mitte Dezember gekippt doch in Berlin scheiterte die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht.

2G-Vollstrecker Busch-Petersen dämmert es langsam: Die Zeiten des gemütlichen – und umsatzträchtigen – Einkaufsbummel sind endgültig vorbei. Die Menschen würden nur noch sehr gezielt einkaufen gehen. Für Busch-Petersen ist klar: Handel, Gastgewerbe und  Kultur dürften bei der Pandemiebekämpfung nicht mehr länger in „Geiselhaft genommen werden“. Schlangen vor der Ladentür wegen der Einlasskontrollen, die strenger gehandhabt werden, als jeder Grenzübertritt, würden viele Kunden nicht in Kauf nehmen.

Stattdessen sollen Stichprobenkontrollen und bunte Bändchen, die Kunden bei der Erstkontrolle um das Handgelenk bekommen, die Gemüter beruhigen und die Portemonnaies der Kundschaft wieder öffnen. Das die Heerscharen dadurch wieder Lust auf Shopping-Touren bekommen ist eher unwahrscheinlich. Viele, die sich jetzt verweigern haben ein gutes Gedächtnis und werden auch in Zukunft Restaurants und Geschäfte meiden, die bereit waren, ihre langjährige Kundschaft so zu behandeln. Daran werden auch erneut ausgeschüttete Steuermilliarden für die „Geplagten“ nichts ändern. (MS)

Themen

Nicole Höchst MdB; Bild: Nicole Höchst
AfD
Brisant
Corona
Aktuelles
Gender
Deutschland
Islam
Justiz
Frankreich und seine Patexkiddies (Bild: Screenshot Twitter)
Klima
Linke Nummern
Medienkritik
Migration
Erdingers Absacker; Bild: Collage
Deutschland
Analyse
Wahlkampf
Wirtschaft
Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.