Wenn Ärzte ihren Job nicht mehr machen wollen: Ohne Maske keine Behandlung

Ärzte werden von eigener Kammer bedroht (Symbolbild: shutterstock.com/Von Halfpoint)

Vor der Pandemie haben ja die Leute noch gedacht, es ginge den Ärzten um die Gesundheit ihrer Patienten. Doch dann kam das Virus und alles wurde anders. Was man heutzutage in den Praxen erleben muss, ist ein Skandal sondergleichen und man muss sich fragen, auf welcher Seite die Ärzte jetzt, wo es darum geht, mit Corona viel Geld zu verdienen, stehen.

Ein Horror-Erlebnisbericht von Karen Fischer

Obwohl meine Erlebnisse mittlerweile etwas mehr als eine Woche zurück liegen, sie mich jedoch nach wie vor beschäftigen, habe ich mich entscheiden, diese aufzuschreiben und somit der Öffentlichkeit zugänglich machen. Vielleicht gibt es den Einen oder Anderen, der ein ähnliches Erlebnis wie ich gemacht hat.

Als die Pandemie ausgerufen wurde, hielt ich mich nicht an meinem Wohnort auf. Ich war gerade operiert worden. Der bis jetzt gute Heilungsverlauf nach meiner Operation schien nicht mehr optimal zu verlaufen, weshalb ich an einem Wochenende in die Notaufnahme eines Krankenhauses musste. Hierbei wurde festgestellt, dass ein Blutwert nach ca. einer Woche nochmals kontrolliert werden muss. Da mein Hausarzt jedoch in den Urlaub ging, konnte er die medizinisch indizierte Blutuntersuchung nicht vornehmen, weshalb ich zu dem Arzt ging, welcher mich operiert hatte. Hier bekam ich dann die Adresse vom Arzt Nummer eins.

Bei der telefonischen Terminvereinbarung meinte die Sprechstundenhilfe, dass die Blutuntersuchung so schnell wie möglich gemacht werden muss. So fuhr ich zum Termin und stellte mich in der Praxis, leicht angespannt, vor die Anmeldung.

Zwischen mir und der Sprechstundenhilfe, die eine Maske trug, befand sich eine Plexiglasscheibe, welche eine kleine Durchreiche über der Ablagefläche hat. Um die ganze Prozedur der Anmeldung zu beschleunigen, hatte ich noch im Treppenhaus meine benötigten Unterlagen samt der Maskenbefreiung in die Hand genommen. Dabei stellte ich fest, dass sich die Überweisung und meine Ersatzkrankenversicherungskarte noch in der umgeräumten Tasche zu Hause befindet. Das war kein Problem, da nach einem Telefonat meine Krankenkasse die Ersatzkrankenversicherungskarte an die Praxis gefaxt hat. Meine reguläre war auf dem Postweg von meinem Frauenarzt nicht bei mir angekommen.

So stand ich also vor der Plexiglasscheibe und konnte gerade sagen, dass ich jetzt einen Termin habe, als ich mit monotoner Stimme aufgefordert wurde, meine Maske auf zu setzen. Das muss jeder, der die Praxis betritt. Ich bin maskenbefreit, entgegnete ich freundlich, wobei meine innere Anspannung wuchs. Atteste werden in der Praxis nicht anerkannt. Dieser Satz ist entlarvend, und damit wird die ärztliche Kompetenz meiner Hausärztin sowie die Richtigkeit meines Attests infrage gestellt.

Die Anspannung wich einer Ohnmacht, wobei ich gleichzeitig merkte, wie Panik in mir aufstieg. Ich darf nicht weggeschickt werden. Er muss mich behandeln, schoss es mir durch den Kopf. So wiederholte ich meinen Satz, dass ich maskenbefreit bin und das fast von Anfang an der Pandemie. Ich habe sie nicht aus Gefälligkeit. Doch das Hin-und-Her- Spiel ging mit der Aufforderung einher, ich solle die Maske anziehen, welche die Helferin mir in die kleine Durchreiche legte. Sehr hygienisch dachte ich, weshalb ich sie ignorierte und ein weiteres Mal meinen Satz wiederholte. An dieser Stelle wurde mir bewusst, dass ich bisher meine volle Aufmerksamkeit auf das Gespräch gerichtet hatte und dass alle umstehenden Patienten das nicht zielführende Hin und Her mithörten.

Ich musste aus diesem Hin-und-Her-Gespräch raus, weshalb ich sagte, dass ich im Treppenhaus warten würde. Die Sprechstundenhilfe kam daraufhin zu mir und bot an, dass der Arzt rauskommen könne, um mir das selber zu sagen. Die Frage, ob ich das möchte, bejahte ich. Hoffnung keimte auf, dass das Gespräch mit dem Arzt doch noch eine Wende nehmen wird. Es könnte eine Lösung, wie ich behandelt werden kann, gefunden werden. Weiß man es? Dass meine Hoffnung umsonst war, merkte ich gleich, denn als der Arzt mir gegenüberstand, wirkte er auf mich seltsam, monoton, fast wie gesteuert. Er wiederholte den Satz seiner Sprechstundenhilfe mit dem Zusatz, dass im Wartezimmer alte Menschen sitzen und diese geschützt werden müssten.

Eine Achterbahn, die sich aus Ohnmacht, Ärger und Panik zusammensetzte, kam in mir auf. Meine Maskenbefreiung habe ich nicht im Lotto gewonnen, sagte ich. Da hörte ich leichten Ärger in seiner Stimme, woraufhin ich sagte, es sei eine Verbildlichung. Ich hörte mich sagen, dass die Blutuntersuchung sehr wichtig sei. Dann hatte ich DEN Blitzgedanken und fragte ihn: Wenn ich eine Maske aufsetze und mir etwas passiert, übernehmen Sie die Haftung? Zu meinem großen Erstaunen hörte ich ein „ja“, was mich jedoch nicht beruhigte. Schnell schob ich den Satz „können Sie mir das schriftlich geben“ hinterher. Woraufhin er sich umdrehte und in der Praxis verschwand. Nach kurzer Wartezeit kam die Helferin und gab mir das Schreiben, auf dem stand, dass er es nicht zulassen wird, Erwägungen … von politischer Zugehörigkeit … oder jeglicher anderer Faktoren zwischen den Pflichten und seiner Patienten zu treten. (Genfer Deklaration 2017)

Unverrichteter Dinge überlegte ich auf dem Weg zum Auto, zu welchem Arzt ich als nächstes gehe. Die medizinisch indizierte Blutuntersuchung – sie stand immer noch aus. Ich konnte/kann es nicht fassen, was gerade passiert ist.

Beim Arzt Nummer zwei angekommen, reihte ich mich mit entsprechendem Abstand hinter die bereits wartenden Patienten ein. Als ich an der Reihe war, befand sich zwischen der Helferin und mir wieder eine Plexiglasscheibe. Auch hier wurde ich genötigt, meine Maske auf zu setzen. Ich habe eine Maskenbefreiung, sagte ich freundlich. Niemand darf die Praxis ohne eine Maske betreten. Nochmals sagte ich meinen allzu bekannten Satz, dass ich maskenbefreit bin.

Ich spürte, wie Ohnmacht in mir aufstieg. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen. Die Patienten um mich herum nahm ich nur schemenhaft wahr, sie bekamen das Gespräch mit. Ich hätte mir nicht ausdenken können, so direkt und mit monotoner Stimme ausgesondert zu werden. Vor Verzweiflung musste ich mich sehr zusammennehmen, denn am liebsten hätte ich meine Stimme um ein Vielfaches erhoben. Doch es gelang mir freundlich und nicht laut zu werden. Meinen Mut zusammengenommen, sagte ich mittlerweile verärgert, dann holen Sie den Arzt. Wieder mit monotoner Stimme wurde ich aufgefordert, bis dahin im Treppenhaus zu warten. Dem kam ich nach. Abgesondert, ausgemustert wartete ich. Wer nicht in der Herde läuft, dem ergeht es wie mir, er wird aussortiert und abgesondert. Ich musste nicht lange warten, bis der Arzt zu mir kam. Er sagte mir, dass ich ohne Maske nicht in die Praxis komme. Ich bin maskenbefreit, sagte ich. Setze ich eine Maske auf, haften Sie dann? Geben Sie mir das schriftlich? Er drehte sich auf dem Absatz um und verschwand in der Praxis.
Eine Sprechstundenhilfe kam ins in das Treppenhaus. Ich fragte sie, zu welchem Arzt ich noch gehen könnte. Hier bekam ich eine Adresse. Diese Sprechstundenhilfe würde, wenn sie könnte anders handeln.

So machte ich mich zu Arzt Nummer drei auf. Immer noch die Anspannung spürend und mit nicht gerade den besten Nerven, öffnete ich die Tür zur Praxis. Der Empfang befand sich ein paar Schritte von ihr entfernt. Bei diesem Arzt war es das selbe Hin-und-Her-Spiel. Doch diesmal sehr verkürzt. Alles in allem dauerte es maximal gefühlte drei Minuten, bis ich aus der Praxistür wieder auf der Straße war.

Nach all diesen Erlebnissen frage ich mich, wie wird sich die Lage in punkto Ärzte entwickeln? Werden sie nicht nur Patienten mit Maskenbefreiung aussondern? Es waren gleich drei erniedrigende und schockierende Erlebnisse. Sollten die Ärzte die Latte für das Betreten ihrer Praxis noch höher hängen, muss ich mich dann in einem angrenzenden Land, wie zum Beispiel Polen behandeln lassen?