Ecuadorianischer Regenwald stirbt für deutsche Windräder

Für das gute Klimagewissen der Europäer zahlen die Menschen in Südamerika einen hohen Preis. In Ecuador wird der Regenwald für deutsche Windräder abgeholzt, in Brasilien entstehen gigantische Staudämme zur Gewinnung „erneuerbarer Energie“ und auf der Suche nach Lithium für die E-Mobilität werden auf dem Kontinent riesige Flächen zerstört.

Für die immer größer werdenden 80 bis 100 Meter langen Rotorblätter von Windkraftanlagen werden rund 15 Kubikmeter Balsa-Holz benötigt. Es ist bei Rotorenblatt-Herstellern wie Siemens beliebt, weil es eine geringe Dichte hat und besonders biegsam ist. Es stammt überwiegend aus Ecuador, das einen Holz-Export-Rekord nach dem anderen bricht. Bereits 2019 exportierte Ecuador Balsaholz im Wert von 195 Millionen Euro, ein Jahr später verdreifachte sich der Wert auf rund 700 Millionen Euro.

Die Holznutzung geschehe im Einklang mit den Umweltgesetzen vor Ort, behaupten die internationalen Windkraftanlagen-Hersteller. Ein Argument das bei Umweltschützern nicht verfängt, da sie es bereits aus Brasilien kennen. Vor gut 15 Jahren feierten deutsche grüne Politiker den damals neuesten Trend: Biosprit aus Soja und Zuckerrohr. „Der Acker wird das Bohrloch des 21. Jahrhunderts“, verlautbarte der damalige Umweltpolitiker Jürgen Trittin. Die Bilanz heute: verheerend. Die Produktion von Biosprit habe in Brasilien eigentlich nur einen Sieger hervorgebracht, nämlich die Agrarindustrie, erklärt Professor Guilherme Ferreira, gegenüber der Welt. „Verloren hat der Regenwald, weil in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv abgeholzt wurde“, so der Geograf und Umweltblogger aus Recife. Im Bundesstaat Maranhão etwa wurden im Jahr 2000 noch auf 19.912 Hektar Fläche Zuckerrohr angebaut. Im Jahr 2019 waren es laut dem Brasilianischen Institut für Geografie und Statistik 47.405 Hektar, also zweieinhalbmal so viel.

Die massive Abholzung der ecuadorianischen Wälder führt zu massiven ökologischen Schäden. Besonders Tiere, die auf Nektar als Nahrungsquelle angewiesen sind, seien in der Region betroffen, berichtet laut Welt der Biologe Álvaro Pérez von der Universität PUCE. Einwohner fürchten den Verlust des ökologische Gleichgewichts. Der Indigenen-Verbandes NAE fordert einen Export-Stopp des begehrten Balsaholzes und streitet sich mit der Gegnern, die in der Abholzung eine wirtschaftliche Chance sehen.

Die im Westen vorangetriebene Wende hin zu sogenannten erneuerbaren Energien führt nicht nur im kleinen Küstenland mit seiner vielfältigen Landschaft, die Amazonasdschungel, das Andenhochland und die Galapagosinseln mit einer artenreichen Tierwelt umfasst, zu schweren ökologischen und sozialen Verwerfungen.

Auch für Lithium, das für Akkus von E-Autos und Handys verwendet wird, nehmen die Klimawende-Verliebten Deutschen die Zerstörung der Natur am anderen Ende der Welt offenbar gerne in Kauf. Der wasserintensive Abbau von Lithiumgefährdet ökologisch wichtige Landschaften wie südamerikanische Salzwüsten und Salzseen.

„Zuerst sind Argentinien, Brasilien und Paraguay von multinationalen Konzernen als ‚Soja-Republiken‘ betrachtet und benutzt worden, die große Gebiete für die Produktion unter anderem von Biokraftstoffen verändert und zerstört haben. Jetzt werden Argentinien, Chile und Bolivien als ‚Lithium-Dreieck‘ angesehen“, erklärt die Lateinamerika-Referentin Guadalupe Rodriguez von „Rettet den Regenwald“ auf Anfrage der Welt.

Sie nennt das „eine kolonialistische Logik“, um metallische Rohstoffe – wie Lithium – gewinnen zu können, ohne jeden Respekt vor der Natur, den lokalen Lebensweisen, Territorien und Menschenrechten.

Im November veröffentlichte die  einen Atlas der „Umweltgerechtigkeit“, der dokumentiert, welche sozialen und ökologischen Folgen der sogenannte grüne Bergbau unter anderem in Lateinamerika nach sich zieht.

Der als „grüne Bergbau“ bezeichnete Abbau von Rohstoffen, die benötigt werden, um die weltweit angestrebte Energiewende zu realisieren, werde in den nächsten 30 Jahren rund drei Milliarden Tonnen Metalle und Minerale wie Lithium oder Kupfer benötigen, rechneten Experten der Autonomen Universität Barcelona gemeinsam mit der bergbaukritischen NGO Mining Watch Canada aus.

In ihrer Studie warnen sie davor, dass der „grüne Bergbau“ Ökosysteme mit lebenswichtiger Bedeutung für die Wasserversorgung, die Erhaltung des Lebens und die Regulierung des globalen Klimas bedroht. Der starke Anstieg des Extraktionsdrucks von Metallen und Mineralien werde nicht nur die Umwelt-, sondern auch die Sozialkrise weiter verschärfen, so ihr Fazit. (MS)

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