Ukraine-Krieg: Nach Rückschlag für die Globalsten – droht jetzt die Hungerkatastrophe?

Stellen wir uns mal vor, die Chinesen würden Taiwan überfallen. Ob dann die ganzen freimütigen Heuchler im Westen ebenfalls zum totalen Boykott aufrufen würden, wenn sie dann dafür ihre Handys und Computer ausschalten müssten? Wohl kaum, oder? Der Fern-Krieg gegen Russland – vom bequemen Sofa aus – macht da doch viel mehr Spaß, da ist der Feind ja schließlich nicht so mächtig.

Doch für die Globalsten könnte die Urkaine-Krise tatsächlich einen Rückschlag bedeuten, den dann die Verbraucher und Konsumenten, also der „Normalbürger“ ausbaden darf:

Angesichts des Ukraine-Krieges müssen sich die Autofahrer in Deutschland auf weiter stark steigende Kosten für Benzin und Diesel einstellen. Das sagte die Energieexpertin des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe). „Der Krieg treibt die Ölpreise.“

Da in dem Konflikt keine Entspannung in Sicht sei, sei auch nicht mit einer Entspannung beim Ölpreis zu rechnen, so die DIW-Expertin. „Die Preise werden weiter steigen und mit ihnen auch Benzin- und Spritpreise.“…

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt derweil vor langfristigen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die globalisierte Weltwirtschaft. „Die weltwirtschaftliche Verflechtung ist ein wichtiger Wohlstandsmotor, weil sie allen Beteiligten Spezialisierungsgewinne bietet“, sagte IfW-Vizepräsident Stefan Kooths der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstagausgabe). „Rückschritte bei der Globalisierung bedeuten Wachstumseinbußen.“

Eine solche Entkoppelung der Wirtschaftsräume wird nach den Worten von Kooths nicht unbedingt Beschäftigung kosten. „Aber der Arbeitseinsatz ist dann weniger produktiv, sodass man sich vom Arbeitslohn einer Stunde weniger Konsumgüter leisten kann.“ Der Wissenschaftler fügte hinzu, ob dieser Kaufkraftverlust aufgrund niedriger Nominallöhne oder höherer Preise eintrete, entscheide sich an der Geldpolitik.

„Die Notenbanken bleiben auch in einem Szenario der De-Globalisierung verantwortlich für die Preisstabilität.“

Doch Hunger droht!

Angesichts steigender Getreidepreise infolge des Kriegs im wichtigen Anbauland Ukraine haben Landwirtschaftsvertreter und Hilfsorganisationen vor einer globalen Krise und wachsendem Hunger auf der Welt gewarnt. Das berichtet das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). „Die Getreidepreise am Weltmarkt sind bereits im vergangenen Herbst im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung nach den Corona-Lockdowns stark angestiegen. Dies setzt sich mit Putins Krieg weiter fort“, sagte Udo Hemmerling, Vize-Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, dem RND. Durch die Kriegshandlungen sei in den Schwarzmeerhäfen die Schiffsverladung unterbrochen, betroffen seien vor allem die Verbraucherländer im arabischen Raum, der Türkei, Nordafrika und Asien, so Hemmerling weiter. „In der Ukraine scheint eine reguläre Frühjahrsbestellung der Äcker wegen des Krieges nicht mehr möglich. Landwirte gehen in den Militärdienst, ebenso werden Diesel und Traktoren dorthin abgegeben“, fügte der Vertreter der Landwirte in Deutschland hinzu.

„Die mit dem Krieg in der Ukraine einhergehende Beeinträchtigung des Handels treffen vor allem Länder im Nahen Osten und Afrika, die teilweise 70 Prozent ihres Weizens importieren“, warnte Rafaël Schneider von der Welthungerhilfe. Auch arme Menschen in westlichen Ländern könnten steigende Lebensmittelpreise zu spüren bekommen. „Der Krieg führt nicht nur in der Ukraine, sondern weltweit zu Menschenrechtsverletzungen. Das Menschenrecht auf angemessene Ernährung wird für Millionen Menschen in fahrlässiger Weise bedroht“, sagte Schneider. „Länder wie Deutschland sind gefordert, ihre Unterstützung für Hungerbekämpfung und ländliche Entwicklung auszubauen“, appellierte er. Die höheren Preise für Weizen und Mais träfen im globalen Süden auf Gesellschaften, die durch die Coronakrise bereits arg in Mitleidenschaft gezogen seien, sagte Marita Wiggerthale, Agrarexpertin der Hilfsorganisation Oxfam dem RND. „Die Menschen dort haben keine Reserven mehr“, so Wiggerthale weiter.

„Steigende Lebensmittelpreise werden in vielen Regionen zu mehr Hunger führen.“

Auch der Chef des Agrarhändlers Baywa, Klaus Josef Lutz, rechnet vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges mit weiter stark steigenden Lebensmittelpreisen in Deutschland. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir um 15 bis 20 Prozent höhere Lebensmittelpreise sehen“, sagte er den Sendern RTL und n-tv. Er warnte aber natürlich vor „Panikmache“.

Die Lebensmittelversorgung in Deutschland sehe er nicht in Gefahr. Allerdings gibt es laut Lutz ein „Verteilungsproblem“. So hält er gerade durch die Störung der Lieferketten die Versorgung des afrikanischen Kontinents mit Weizen für gefährdet.

Wird vielleicht ein Atomkrieg die Hungerkatastrophe abkürzen?

Das Bundeskanzleramt erwartet als Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine unter anderem steigende Flüchtlingszahlen auch in Deutschland, höhere Gaspreise, aber keine unmittelbare Kriegsgefahr für die NATO-Länder. Das geht aus einem internen Bericht Stand Montag hervor, über den die „Welt“ (Donnerstagausgabe) berichtet. „Derzeit gibt es keine Hinweise auf einen Angriff Putins auf das NATO-Bündnisgebiet“, fassen die Experten ihre Lage-Einschätzung zusammen.

Gemäß des Bündnisvertrags würde ein Angriff auf ein NATO-Land als Angriff auf die gesamte NATO gesehen. „Deutschland steht zur Beistandspflicht der NATO“, heißt es. Nach den Erwartungen im Kanzleramt werden die meisten Menschen nach Polen fliehen, ein kleinerer Teil nach Ungarn, in die Slowakei, Rumänien oder in die Republik Moldau.

„Viele werden auch nach Deutschland fliehen. Die Zahlen steigen täglich“, so die Lagebeurteilung. Als Reaktion Russlands auf die verhängten Sanktionen werden Preissteigerungen bei Gas erwartet.

Bislang seien die Preise infolge der höheren Weltmarktpreise durch die Pandemie gestiegen. „Der derzeitige Konflikt könnte dies noch weiterantreiben“, lautet die Prognose. In dem Bericht wird eingeräumt: „Im Gasbereich existiert derzeit noch keine strategische Reserve, denn die Gasmärkte sind liberalisiert.“

Zu den Alternativen für russisches Gas heißt es: „Die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke kann nicht die Antwort auf eine Energiekrise sein.“ Man halte am Atomausstieg fest. Anders sieht es bei der Kohle aus.

Dort sei der Ausstieg 2030 ein Ziel, das von der Versorgungssicherheit abhänge. „Das gilt weiter“, so die Kanzleramts-Experten.

Irgendwie klingt das so, als ob die Verantwortlichen für diese globale Krise froh sind, mit Putin nun einen Schwarzen Peter gefunden zu haben, dem sie alles in die Schuhe schieben können. Vielleicht ist man ja auch deshalb so kriegsgeil? (Mit Material von dts)

 

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