In Erwartung des Gegenschlags

Für etliche ausländische Söldner, die sich aufgemacht hatten, die Ukraine im Kampf gegen Russland zu unterstützen, war die Reise nach Lemberg eine Reise in den Tod. Die treffsicheren russischen Raketen, die dort ein Ausbildungslager zerstörten, sollten eine deutliche Warnung für allerlei Männer sein, die das ultimative militärische Abenteuer suchen.

Von Wolfgang Hübner

In Deutschland freuen sich die konformistischen Medien derweil daran, dass die westlichen Sanktionen unter der russischen Bevölkerung für Verdruss sorgen. Es kann keinen Zweifel geben, dass dies der Fall ist. Einmal mehr wird der Masse der normalen Menschen eines betroffenen Staates die Hauptlast von Maßnahmen aufgedrückt, die, wie Peter Scholl-Latour einst richtig erkannte, noch nie ein Regime zu Fall gebracht haben.

Es spricht wenig dafür, dass es diesmal anders ausgeht. Die Russen in Moskau, St. Petersburg oder Krasnojarsk werden schimpfen und murren, aber sie werden mitten in einem Krieg mit russischen Soldaten in der Ukraine wahrscheinlich Putin nicht stürzen. Zumal dieser einen großen Trumpf noch gar nicht ausgespielt hat, nämlich den Gegenschlag mit russischen Sanktionen gegenüber dem Westen. Doch Mitte der Woche soll bekannt werden, wie der Gegenschlag aussieht und wen er am härtesten treffen wird. Fest steht jetzt schon: Die USA kann er nicht erschüttern.

Das sieht bei Deutschland ganz anders aus. Eine starke Verminderung der russischen Gasversorgung oder gar ein totaler Lieferstopp wäre für die deutsche Industrie und Verbraucher katastrophal. Zwar ist bei der umfassenden, von den Medien stündlich geförderten Verblödung in Deutschland nicht auszuschließen, dass es zu großen Protestkundgebungen mit ukrainischen Nationalfarben gegen den Sanktionsterror der Russen kommen wird. Doch wird dabei nur heiße Luft abgelassen, die energetisch ungebräuchlich ist und das Gas vom Feind nicht ersetzt.

Die ach so aufgeklärte höhere oder auch nur dauerverblendete deutsche Mittelschicht, fast alle Unternehmensmanager inbegriffen, will lieber auf der moralisch „richtigen“ Seite sein, als den Realitäten ins Auge zu blicken. Wenn das schief geht, wird es sehr ungemütlich in Deutschland und EU-Europa. Es droht eine spannende Woche.

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