Nicht Pro-Russisch, sondern Pro-Deutsch!

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In verschiedenen Leserkommentaren werde ich dafür kritisiert, in meinen Texten zum Ukraine-Krieg eine Pro-Russische Tendenz zu betreiben. Richtig an dieser Kritik ist, dass ich nicht bereit bin, in den ohrenbetäubenden Chor der neuen Russenfeindschaft einzustimmen.
Von Wolfgang Hübner
Diese geradezu blindwütige Feinderklärung hat in erheblichem Maße Motive, die nicht in der Empörung über die russische Invasion in der Ukraine liegen, sondern in dem Hass des die öffentliche Meinungsbildung dominierenden linksliberal-libertären Milieus im Westen auf einen Staat mit einem eher konservativen Verständnis von Kultur und Gesellschaft sowie einem Präsidenten, der nicht vor dem Westen kuscht.
Deutschland und weite Teile des Westens stellen das genaue Gegenteil davon dar. Ich gehören nicht zu denen, die das gut, sondern die das vielmehr verhängnisvoll und selbstzerstörerisch finden. Das ist ein nicht unbedeutender Grund für meine Haltung, keine Feindparolen mit denjenigen zu teilen, die in fast allen politischen Problemen in Deutschland nicht nur meine Gegner, ja Feinde sind.
Ein weiterer Grund für die Verweigerung der derzeit vorherrschenden bedingungslosen Ukraine-Begeisterung ist jedoch die umfassende Kenntnis der Vorgeschichte des Krieges und dessen nicht zu überschätzende geopolitische Bedeutung. Es gibt starke Indizien dafür, dass sich nach Beendigung der Kampfhandlungen noch erweisen wird, warum Russland und Präsident Putin diese schwere und folgenreiche Entscheidung getroffen haben. Aus Willkür oder Leichtsinn jedenfalls sicher nicht.
Es ist nicht antiamerikanisch, der wahrscheinlich durch eine Wahlmanipulation an die Macht gelangte Biden-Machtgruppe zu unterstellen, in der Ukraine antirussische Interessen verfolgt zu haben und das noch immer zum blutigen Schaden der Ukraine zu tun. Pro-Amerikanisch hat nichts mit blinder Gefolgschaft zu tun und bezieht sich ohnehin auf die Sympathie mit dem Volk der der USA. Ebenso heißt Pro-Russisch nicht zugleich Pro-Putin oder wer auch immer im Kreml das Sagen hat. Es ist vielmehr Sympathie mit einer Kultur und Gesellschaft, die Deutschland in mancherlei Weise näher ist, als dies unser Machtkomplex wünscht.
Der entscheidende Grund für meine Haltung im Ukraine-Krieg ist allerdings die absolute Priorität des deutschen Interesses. Und die erste Feststellung muss deshalb sein: Es ist nicht unser Krieg! Das soll niemanden hindern, Sympathien mit einer der Kriegsparteien zu haben. Aber es soll absolut daran hindern, mit Waffenlieferungen und Sanktionen einseitig in den Konflikt einzugreifen.
Beides liegt nicht im deutschen Interesse, wohlweislich verstanden als fundamentales Interesse der 80 Millionen Deutschen. Sondern Waffenlieferungen und Sanktionen schaden diesen Interessen, im Extremfall gefährdet sie sogar die Existenz Deutschlands. Die Mitgliedschaft in der NATO, in der EU und auch das Bündnis mit den USA gebieten es nicht, die eigenen deutschen Interessen zu missachten. Die jetzige Regierung in Berlin tut das aber mit Einverständnis der CDU/CSU.
In diesem Sinne schreibe ich zum Ukraine-Krieg: Nicht Pro-Russisch, sondern Pro-Deutsch!