Georg Pazderski knöpft sich kriegsgeilen Hofreiter vor

Anton Hofreiter (Foto: Imago)
Anton Hofreiter (Foto: Imago)

Georg Pazderski, stellvertretender Bundessprecher der AfD und ehemaliger Oberst in der Bundeswehr, nimmt als „Person vom Fach“ zu dem Kriegsgeheul und den immer lauter werdenden Forderung nach „schweren Waffen“ – wie sie von Gestalten wie Anton Hofreiter kommen, Stellung. 

„Immer wieder wird der Ruf – auch hier in den Facebook-Kommentaren – nach „schweren Waffen“ für die Ukraine laut. Zuletzt von Grüner Seite, von Hofreiter, Roth und Strack-Zimmerman. Ernsthaft auseinandergesetzt mit dieser Forderung haben sich die meisten jedoch nicht. Es hat den Anschein, dass viele diese Forderung stellen, weil sie glauben, mit der Lieferung „schwerer Waffen“ könnte man das Problem lösen, vor allem aber beruhigt es das eigene Gewissen, da man ja das vermeintlich Richtige fordert. Dringt man jedoch tiefer in die Materie ein, wird es deutlich komplizierter.

Ich wage zu behaupten, dass viele die diese Forderung jetzt aufstellen nicht einmal genau wissen, was „schwere Waffen“ eigentlich sind. Ist die „Schwere“ abhängig vom Gewicht, vom Kaliber, von der Reichweite der Waffen, von der Panzerung, von der Reichweite der Fahrzeuge oder gar allem zusammen? Zudem stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, jetzt solche Waffen an die Ukraine zu liefern und wie lange würde es voraussichtlich dauern, bis diese so zum Einsatz kommen, dass sie auch wirkungsvoll eingesetzt werden könnten?

Vorweg: Wenn es sich um gepanzerte Transportfahrzeuge, wie die Transportpanzer M113, Fuchs o.ä. oder um russisches Großgerät handelt, an dem die Ukrainer ausgebildet sind, gibt es relativ geringe Ausbildungsprobleme und eine Lieferung würde vermutlich sofort den Ukrainern nutzen. Sobald es sich allerdings um komplexe Waffensysteme handelt, mit denen die Ukrainer nicht vertraut sind, wie z.B. dem Leopard 1 oder Schützenpanzer Marder, wird es deutlich komplizierter.
Um diese Waffen effizient einsetzen zu können, müssen die Besatzung, bestehend aus Kommandant, Richtschütze, Kraftfahrer und im Kampfpanzer auch dem Ladeschützen, ausgebildet sein und harmonieren, um das Waffensystem richtig zu bedienen und im besten Falle zu beherrschen. Um laden, zielen und treffen zu können, sowohl gegen Erd- und Luftfeind, um Störungen beseitigen, das Gerät warten und ggfs. instandsetzen zu können, sowohl Waffe als auch Fahrzeug und den Panzer in jedem Gelände und bei jedem Wetter fahren zu können, ist eine umfassende Ausbildung aller Besatzungsmitglieder erforderlich. Ohne an den Fahrzeugen und am Gerät ausgebildete Elektroniker, Kfz- und Waffenmechaniker wird das Großgerät zur Einmal- oder gar zur Wegwerfwaffe. Sobald nämlich Störungen auftreten oder das Fahrzeug ausgefallen ist, muss es stehengelassen und aufgegeben werden. Das kann nicht im Interesse der Ukrainer und derjenigen sein, die unbedingt helfen wollen.

Bei diesen aufgezeigten Herausforderungen wurde noch nicht über das harmonische Zusammenwirken der Besatzung gesprochen, das auszubildende taktische Verhalten, wie z.B. der Schützenpanzer Marder oder Leopard 1 im Gefecht – auch im Verbund und im Gefecht der verbundenen Waffen – am effizientesten eingesetzt werden. Jeder, der eine Ausbildung an einem Kampfpanzer Leopard 1, 2 oder Schützenpanzer Marder erfahren hat, weiß, wie komplex und deshalb kompliziert die Systeme sind und sein können, und dass sie einen erheblichen Ausbildungsaufwand benötigen. Um noch ein weiteres Problem aufzuzeigen: Neben den Technikern würden für die gelieferten Fahrzeuge jegliche Ersatzteile fehlen, da keine Ersatzteilbestände vorhanden sind. Schon der Ausfall eines kleinen entscheidenden Teils, könnte den Stillstand und die Nichtmehr-Nutzung des Fahrzeuges bedeuten.
Darüberhinaus dürfte auch die Munitionsversorgung sowohl für Leopard 1 und Marder ebenfalls ein erhebliches Problem darstellen. Allein am Schützenpanzer Marder werden im Kampf 1.250 Schuß 20mm-Munition und 5.600 Schuss 7,62mm-Munition mitgeführt. Die Munitionsbestände der Bundeswehr sind aber laut offiziellen Angaben aktuell auf einem Tiefststand. Ehrlicherweise muss die Frage gestellt werden, wäre Deutschland überhaupt in der Lage eine ausreichende Munitionsversorgung für die gelieferten „schweren Waffen“ zu gewährleisten?

Der Verfasser war 2 Jahre Panzergrenadier-Zugführer (Marder), fast 5 Jahre Chef einer Panzergrenadier-Kompanie (Marder) und 2 Jahre Bataillonskommandeur eines Panzergrenadierbataillons (Marder). Ich war Schießlehrer für Handwaffen, Panzerabwehrhandwaffen und den Schützenpanzer Marder (20 mm). In meiner Laufbahn habe ich Tausende Soldaten, darunter Kompaniechefs, Zugführer, viele Kommandanten, Richtschützen, Kraftfahrer und Infanteristen/Panzergrenadiere ausgebildet. Ich kenne die Tücken und die Schwierigkeiten bei der Ausbildung und beim Einsatz dieses komplexen Geräts. Und — am Gerät ausgebildet zu sein bedeutet noch lange nicht, dass man es beherrscht.“ Facebook-Kommentar von Georg Pazderski

Ebenfalls kritisiert Sahra Wagenknecht das grüne Kriegsgeschrei von Anton Hofreiter und schreibt:

Screenshot

Auch die Vollblut-Emanze Alice Schwarzer fragt in einem Beitrag zum Ukraine-Russlandkonflikt: Warum müssen täglich mehr Menschen sterben und Städte zerstört werden – wenn ein Kompromiss unvermeidlich ist? Warum wird der nicht jetzt gemacht?