Tödliche Bedrohung Hepatitis bei Kindern: Ist der Lockdown schuld?

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Nach Angaben der WHO mehren sich weltweit die Fälle von schweren Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern. Bisher wurden 169 Fälle bestätigt, ein Todesfall ist zu beklagen, 17 Kinder benötigen eine Lebertransplantation. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus und vermuten als Grund für die Häufung Lockdown und Kontaktbeschränkungen. Die Maßnahmen haben das Immunsystem geschwächt, so die Annahme. 

Dutzende mysteriöser Hepatitis-Fälle bei Kindern könnten nur „die Spitze des Eisbergs“ sein, warnen britische Experten inmitten wachsender Besorgnis über den mysteriösen globalen Ausbruch, seit Ende März der erste Fall in Schottland entdeckt wurde. Inzwischen haben zwölf Länder innerhalb den vergangenen Wochen Fälle von Hepatitis unbekannter Herkunft gemeldet, darunter sind 114 Kinder in Großbritannien und 11 in den USA.

Für Großbritannien heißt das, in drei Monaten wurden so viele Fälle entdeckt, wie sonst in einem ganzen Jahr. „Ich denke, es gibt noch mehr Fälle da draußen. 17 Transplantationen ist eine ziemlich hohe Zahl für die Anzahl der Fälle, die wir entdeckt haben“, erklärt Professor Simon Taylor-Robinson, ein Hepatologe vom Imperial College London.

Gesundheitsexperten gehen davon aus, daß die Krankheit durch ein Adenovirus ausgelöst werden könnte, daß normalerweise einen gewöhnlichen Schnupfen auslöst. Durch die Regierungen verhängte Lockdowns und Kontaktbeschränkungen könnten möglicherweise die Immunität von Kindern geschwächt und sie anfälliger für das Virus gemacht haben, oder es könnte sich um eine mutierte Version handeln, so ihre Vermutung. Die Covid-Impfung wird als Grund ausgeschlossen, da so gut wie alle Kinder wegen ihres jungen Alters nicht geimpft sind, heißt es.

Wahrscheinlicher sei, daß die Kinder, die meist unter fünf Jahre alt sind, in „prägenden“ Jahren keinen gewöhnlichen Infektionen und den saisonalen Adenoviren ausgesetzt waren und sich so ihr Immunsystem nicht normal entwickeln konnte.

Das bedeute, daß sie möglicherweise einem höheren Risiko ausgesetzt sind, an Hepatitis zu erkranken, da ihre Immunantwort auf das Virus schwächer ist, meint Professor Taylor-Robinson.

Virologen befürchten, daß die tatsächliche Zahl tatsächlich viel höher sein könnte, da viele Eltern die Warnzeichen nicht kennen würden, weil viele Symptome auch anders gedeutet werden könnten. Die typische Gelbfärbung der Haut oder der Augen, ein verräterisches Zeichen einer Lebererkrankung – wurde bei weniger als der Hälfte der kranken Kinder festgestellt. Andere Symptome wie Übelkeit, Durchfall, Lethargie und Magenschmerzen werden meist auf andere Krankheiten wie Lebensmittelvergiftung oder Norovirus zurückgeführt. Die Lebererkrankung wurde bisher in 12 verschiedenen Ländern entdeckt, darunter die USA, Irland und Spanien, aus Deutschland wurde bisher kein Fall gemeldet. (MS)