Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Die Westwert-Hitparade

Schönen Guten Abend, liebe Zuhörer:innen und Zuhörende da draußen an den Geräten, wo Ihr auch gerade seid. Ob im Führerhaus eines von Klebsitzern blockierten Bananenlasters oder im E-Auto neben der defekten Ladesäule, ob zuhause in der trauten Gemeinsamkeit mit euren lieben Hinübergeschlechtlichen oder auf dem Weg zum Friedhof, um das Grab eurer verblichenen Impfgeilisten zu pflegen: Heute gibt es wieder die Hitparade der zehn populärsten Westwert-Hits. Unser Motto wie immer: Von einem westwertbedrohenden Putin lassen wir uns die gute Laune nicht verderben. Wir hören uns nach der Werbung.

Werbung: – „Haben Sie auch manchmal das nagende Gefühl, Sie seien Ihren Zähnen etwas schuldig geblieben? Das muß nicht sein. Machen Sie es wie Elvira: Meißeln Sie die fiese Plaque mit dem Pressluft-Zahnhammer von „Denta Rock“ aus Ihrem Leben. Es ist Ihr Leben. Fünfzig Jahre wissenschaftlicher Zahnbürstenforschung haben gezeigt: Am Preßluft-Zahnhammer von „Denta Rock“ führt keine herkömmliche Zahnbürste vorbei.“ – Werbungsende

So, liebe Freunde, und schon geht`s los mit der Nummer 10 in der Westwert-Hitparade: „Baby, you can’t drive my car“ von den Empty Batteries. Letzte Woche noch auf Platz 8. Gerade erst haben sie ihren neuen Hit herausgebracht: „My car is on fire“. Eine total heiße Nummer. Ich nehme an, die werden wir nächste Woche bereits unter den Top-Ten haben. Auf Platz 9 diese Woche: Klausi Schwab & the Empty Wallets mit „Everything belongs to us, nothing belongs to you“. Ein Evergreen, seit einem guten Jahr dabei. Auf Platz 8 hält sich wacker: „Bribe me ‚til I drop“ von Greedy Wolodymyr. Mit weiter steigenden Verkaufszahlen auf dem Weg nach ganz oben: Die deutsche Newcomerband Schwere Waffen mit „Grüne lügen nicht“. Eine besinnliche Ballerlade auf Platz 7. Die untere Hälfte unserer Westwert-Hitparade führen diese Woche an auf Platz 6 die Liberal Abortionists mit „Kill my baby one more time“. Auf Platz 5, mit absteigender Tendenz: Die Munich Burgermeisters mit „Kick Out The Russian Conductor“. Ebenfalls mit absteigender Tendenz die Social Democrats mit ihrem Hit „Homeless Kevin“. Letzte Woche noch auf Platz 3, diese Woche schon auf 4: „Pretty Ricarda“ von den Blinded Weightwatchers. Vom Spitzenplatz der vergangenen Woche abgestürzt und nur noch auf Platz 3: Der Titel „Sonnenblumenöl“ von den Sanctionary Inflationists. Auf Platz 2 unverändert die französische Formation „Autorité électorale“ mit ihrem Titel „Arnaqueur“. Und – tada! – auf Platz 1 diese Woche: Die Lieblingsband der Deutschen, die St. Petersburger Formation Putinstein mit ihrem Hit „Panische Gartenzwerge“.

Westliche Werte

Es wäre schon ein Jammer, wenn uns unsere westlichen Werte abhanden kämen. Allein die Freiheit schon. Wenn es sie nicht mehr gäbe, verlören Politiker die Freiheit, uns anzulügen, daß die Schwarte kracht. Versprechen müssten eingehalten werden. Die Medien würden wahrheitsgetreu berichten müssen. Frauen würden wieder Kinder bekommen. Totale Unfreiheit. Die Schulen müssten sich wieder um die Bildung kümmern. Der Fiskus müsste sich zurückhalten, was entsetzliche Auswirkungen auf das Gemeinwohl hätte. In den sozialen Netzwerken würde jeder schreiben, was er wirklich denkt, die ganze freiheitliche Zensur wäre weg. Ohne Freiheit, wer sollte dann noch den dringenden Kampf gegen rechts führen? Auch international, meine ich. Wenn es die Freiheit zum Kampf gegen rechts nicht mehr gäbe, wer würde dann die Asow-Brigaden in der Ukraine, Aidar und die tapferen Ukrainer in ihrem Abwehrkampf gegen rechts unterstützen? Nein, nein – unsere Freiheit lassen wir uns nicht so einfach klauen von diesem Putin.

Die Pressefreiheit, ganz wichtig! In der Presse muß man schreiben können, was man will. Das ist Pressefreiheit. Der „Spiegel“ zum Beispiel: Hat ein Video im O-Ton gebracht. Interview mit einer Zivilistin aus Mariupol. Hat natürlich kein Mensch verstanden, weswegen sie es beim „Spiegel“ freundlicherweise übersetzt haben, damit jeder freiheitlich Bescheid weiß, was die Frau gesagt hat. Entsetzliche Geschichten über die Russen. Das ist Pressefreiheit. Bis in den UN-Sicherheitsrat hat es der „Spiegel“ geschafft mit dieser Geschichte. Der hat sich dann mit der Frage beschäftigt, ob es mit der Pressefreiheit noch vereinbar sei, eine Übersetzung zu liefern, in der das genaue Gegenteil dessen behauptet wird, was die Frau tatsächlich gesagt hatte, nämlich, daß ihre eigenen Ukrainer absolute Bestien seien, vor denen man sich zu Tode fürchten muß.

Spiegel Relotius
Pressefreiheit – Screenshot Facebook

Aber die Pressefreiheit gilt natürlich auch für das Relotiusblättchen aus Hamburg. Als die Sache mit der gefälschten Übersetzung und der 180°- Grad Drehung der Geschichte aufgeflogen war, sprach man beim „Spiegel“ total pressefreiheitlich von „nachträglich festgestellte inhaltliche Unstimmigkeit“, derentwegen man das Video samt Übersetzung „vorübergehend von der Seite genommen“ habe. Das ist doch schön, daß das im Rahmen der Pressefreiheit möglich ist, solche bedauerlichen Irrtümer auch einzuräumen. Daß es der Sachverhalt bis in den UN-Sicherheitsrat geschafft hatte, muß man nicht erwähnen, wenn man nicht will. Pressefreiheit ist ein westlicher Wert. Total westlich. Vierte Gewalt ist eine total westliche Erfindung, ehrlich. Narrative zu erfinden, Freunde, das sind westliche Werte. Das lassen wir uns von einem Putin nicht nehmen. Der will nämlich unsere freiheitlichen Ländern erobern.

Glaubensfreiheit

Alles, alles darf man im Rahmen der westlichen Werte glauben, ganz egal was. Außer ein paar bestimmte unfreiheitliche Sachen, die man nicht glauben darf. Wo kämen wir da hin? Daß einem die Medien nur noch Scheißdreck erzählen, darf man nicht glauben. Eiszeit kommt, Heißzeit kommt, sozial konstruierte Geschlechter, schwangere Männer, aussterbende Eisbären, Killerviren, menschengemachtes Wetter, Power sucht Frau, Impfstoff geil – alles von „die Wissenschaft“ bestätigt. Das ist „die Wissenschaft“ für „die Menschen“. Das darf man nicht einfach nicht glauben. Wegen der Glaubensfreiheit. Man muß es glauben, weil die Glaubensfreiheit sonst völlig umsonst ein westlicher Wert wäre und in Glaubnixfreiheit umbenannt werden müsste. Nichts zu glauben, ist aber kein Wert, wenn es doch „die Wissenschaft“ gibt, die glaubwürdige, weil unbestechliche. Kein Wunder, daß der Putin keine Ahnung von den westlichen Werten hat und uns einfach erobern will. Der versteht von gar nichts irgendwas. Bei seinem Hilfsputin in Ungarn ist es nicht viel besser. Das dürfen wir glauben. Und daß bei Wahlen niemand falsch auszählen würde, das müssen wir glauben, damit mit den westlichen Werten alles in Ordnung bleibt. Wenn nicht, könnten wir uns ja gleich von so einem Westwertignoranten erobern lassen, der Wahlen fälscht, daß selbst der notorisch westwertfeindliche Russe kotzt.

Westlicher Wert: Thüringen im Februar  2020 – Ministerpräsidentenwahl. Einwandfrei gelaufen, nichts zu meckern an der Durchführung, alles gesetzeskonform, Ergebnis astrein. Das Ergebnis hat niemand bestritten. Gepasst hat es halt nicht. Und deswegen wurde das Ergebnis korrigiert. Das ist ein westlicher Wert, daß man über alles reden kann und korrekt zustande gekommene Fehler einfach für unverzeihlich erklärt, um eine einwandfrei gelaufene Wahl einzukassieren. Diese Flexibilität ansich ist ein westlicher Wert. Das muß man glauben. Nicht glauben darf man das nicht so einfach, ohne sich einen Antidemokraten schimpfen zu lassen, dem westliche Werte egal sind. Da muß man schon aufpassen. Westliche Werte muß man auch ein bißchen schützen wollen, damit sie nicht den Bach runtergehen oder einfach erobert werden.

Der Westwert-Wolodymyr

Der Westwert-Wolodymyr verteidigt unsere westlichen Werte allerweil in der Ukraine. Zu größtem Dank sind wir ihm verpflichtet. Der Westwert-Wolodymyr kennt den Unterschied zwischen einem fiesen Oligarchen und einem edlen Philanthropen. Der Oligarch ist einer, der Leute schmiert, der Philanthrop ist einer, der ihre Arbeit mit einer Spende unterstützt. Dieses Wissen ist ein westlicher Wert. Wie die Ehrlichkeit. Deswegen sage ich auch: Ohne unsere westlichen Werte ist alles nichts. Ehrlich, so ist es. Wie gut, daß sich bei uns im Wertewesten niemand in die eigene Tasche lügt und daß uns der Westwert-Wolodymyr gegen die Mächte der Finsternis verteidigt.

Heiliger Wolodymyr 2
Der heilige Westwert-Wolodymyr – Screenshot Facebook

Jedenfalls habe ich mir gedacht, weil das Sonderangebot ein westlicher Wert ist, kaufe ich mir meinen eigenen Wolodymyr, wenn es ihn ausnahmsweise schon einmal so günstig gibt, daß er auch für den Normal-Westwertler käuflich wird. 15 Dollar für einen Westwert-Wolodymyr sind ein Schnäppchen. Jeden Abend zünde ich ihn an und spreche ein Gebet für ihn. Wenn er ein bißchen geschmolzen ist, knete ich aus dem weichen Wachs kleine Wolodymyr-Zäpfchen. Die verteile ich an diese widerwärtigen Putinisten und sage ihnen, sie sollen sich die wo hinstecken, damit wenigstens ihr Schließmuskel in den Himmel kommt. Manchmal verprügele ich auch die Kinder von Russen. Das ist auch ein westlicher Wert. Morgen will ich an einer dieser überaus populären Pilgerreisen nach Kiew teilnehmen. Hoffentlich ist der Zug nicht schon voll. In Kiew ist nämlich das Zentrum meiner geliebten westlichen Werte.

 

 

 

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