Deutschland, das war´s: Niedrigste Geburtenrate weltweit, Abtreibungen, Hunderttausende verlassen das Land

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Das sogenannte Geburtendefizit hat einen neuen Höchststand erreicht. Dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ( BiB) zufolge ist die Geburtenbilanz in Deutschland seit nunmehr 50 Jahren in Folge negativ.  Seitdem übersteigt die jährliche Zahl der Todesfälle die der Geburten.

Im vergangenen Jahr vermeldete das BiB in einem Demografiebericht für die Bundesregierung, daß „kein anderes Land der Welt über einen so langen Zeitraum derart niedrige Geburtenziffern“ – nämlich seit 1975 fast 40 Jahre lang im Durchschnitt weniger als 1,5 Kinder pro Frau zu verzeichnen hatte. Den fast 796.000 Neugeborenen standen 2021 rund 1.024.000 Todesfälle gegenüber – ein Geburtendefizit von 228.000. Wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) mitteilte, ist dies der höchste Wert seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Als Hauptgründe gelten die Verbreitung der Antibabypille, der Wertewandel in den Jahren um 1968 und die zunehmende Alterung der Bevölkerung. Die gestiegene Lebenserwartung und das Nachrücken großer Jahrgänge in ein höheres Alter ließen die Zahl älterer Menschen steigen, was auch die – dank massiver Zuwanderung – leicht steigende Geburtenrate nicht ausgleichen könne, berichtet die Welt. Die sogenannte Corona-Sterblichkeit habe den Trend verstärkt, sei aber laut BiB „nicht maßgeblich“.

Knapp eine Million Deutsche machen die Augen auf und verlassen das Land

Seit den 80er-Jahren sehen Hunderttausende Deutsche keine Zukunft mehr im eigenen Land und wandern aus. Alleine zwischen 2005 und 2020 verließen 728.000 mehr Deutsche dauerhaft die Bundesrepublik, als wiederkamen.

Dass die Bevölkerung seit 1972 trotz Geburtendefizits und starker Abwanderung von Deutschen um mehr als vier Millionen zugenommen hat, ist laut dem Bundesinstitut auf die Einwanderung von Ausländern zurückzuführen.

Der leichte Weg zum Schwangerschaftsabbruch tut sein Übriges. In Deutschland wird laut Welt jede neunte Schwangerschaft durch Abtreibung beendet. 2020 kamen laut Destatis auf rund 773.000 Geburten rund 100.000 Abtreibungen. Zwanzig Jahre zuvor waren es noch 135.000 getötete Kinder auf 767.000 geborene Kinder, was die Welt als Trendwende interpretiert. Medizinische Indikationen oder Sexualdelikte spielen beim Abbruch kaum eine Rolle, so bleibt also nur eine Erklärung: die Schwangerschaft passt halt gerade nicht in den Lebensentwurf.

„Hurra“ – Es gibt Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten

Doch es gibt „Hoffnung“: Deutschland wird nicht untergehen, voraussichtlich nur eine andere Bevölkerung haben – dank der im internationalen Vergleich „sehr starken Zuwanderung“.

Dank der allseits befürworteten Einwanderungspolitik von Angela Merkel gibt es seit dem zurückliegenden Jahrzehnt wieder „leicht steigende“ Geburtenzahlen. Laut BiB wird „das Fertilitätsgeschehen seit 2014 auch verstärkt durch Geburten in Familien, die als Geflüchtete nach Deutschland zugewandert sind, beeinflusst“. Der starke Zuzug „von weiblichen Schutzsuchenden im Jahr 2015 und 2016 aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika, also Regionen, die eine hohe Geburtenhäufigkeit aufweisen“, sei „zum großen Teil für den Anstieg der Geburtenzahlen in Deutschland verantwortlich“, erklärt das Institut in seinem Bericht.

Frauen aus Syrien, Afghanistan, dem Kosovo und dem Irak hätten „im Zeitraum 2015 bis 2016 mit durchschnittlich 3,5 bis 4,6 Kindern je Frau eine auffallend höhere Geburtenziffer als die durchschnittliche Geburtenziffer aller ausländischen Frauen (2,1)“. Staatsangehörige mit deutschem Pass kommen auf durchschnittlich 1,4 Kinder. EU-weit liegt die Geburtenziffer bei 1,53 Kindern pro Frau. (MS)