Alter weißer Mann - made in Germany

Der Dauerausnahmezustand und die Jugend

Dem aufmerksamen Beobachter der Zeitgeschichte entgeht nicht, dass wir in einer Phase der massiven historischen Transformation leben, und deren Inbegriff lautet „Untergang des Westens“. Es werden immer mehr, denen das ins Auge springt. Zu denen, die die ersten Anzeichen bemerkten, gehörten Friedrich Nietzsche und Oswald Spengler. Zu den modernen Autoren gehören zum Beispiel Peter Scholl-Latour oder Douglas Murray, aber es werden immer mehr, die diese Vorgänge in ihrer gesamten zunehmenden Wucht klar erkennen.

Von Alkis Fischer

Dabei bin ich selbst kein Anhänger irgendeiner Strippenziehertheorie, denn solche Prozesse hat es in der Geschichte immer schon gegeben, sowohl in der Form plötzlichen unerklärlichen Aufblühens einer kulturellen Epoche als auch des ebenso unerklärlichen Zusammenbruchs. Ich glaube nicht, dass Menschen geschichtliche Umbrüche gezielt „machen“ können. Diejenigen Kreise, die oft als Strippenzieher gehandelt werden, wie die Finanzbranche, die Pharmaindustrie, die sogenannten „Philanthropen“ etc. sind eher Trittbrettfahrer, aber keine Steuerleute. Die Historiker streiten immer noch, was die Ursache für das Ende der Antike war. Tatsache ist, dass auf die griechisch-römische Antike Jahrhunderte der kulturellen Finsternis folgten, aus der sich erst ab dem 11. Jhd. langsam eine neue Blüte erhob.

Die Schubkräfte der Geschichte sind anonym, aber durchaus als Kräfte zu betrachten. Was wir derzeit erleben, ist von einer geradezu gespenstischen Koordiniertheit des Angriffs auf unser westliches gesellschaftliches Ordnungssystem, das durch die Konzepte der Nationalstaatlichkeit, Freiheitlichkeit, ziviler Gesellschaft, Liberalismus (im Sinne der englischen Aufklärung), Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gekennzeichnet ist. Gegen dieses Ordnungssystem richtet sich seit über 180 Jahren ein Angriff im Namen des Antikapitalismus bzw. Kommunismus. Dieser Angriff eskalierte und mündete in den Kalten Krieg, der wiederum im Zerfall der Sowjetunion endete. Die klassische kommunistische Idee starb. Doch nach kurzer Zeit traten schon Erben auf den Plan, die den Angriff weiterführten, wobei die Leiche des Kommunismus gefleddert und angereichert wurde mit dem Thema Umwelt: Der Linksgrünismus.

Der klassische Kommunismus war eine Utopie des irdischen Paradieses, von dem nur leider keiner sagen konnte, wie es nach der Vollendung des Zerstörungswerks an den davon befallenen Kulturen aussehen sollte. Sein Nachfolger, der Linksgrünismus, operiert dagegen vorrangig mit einer anderen Manipulationsmethode: Der Angst.

Während der Kommunismus mit einer zwar weltfremden, aber dennoch elaborierten Theorie unterfüttert war, reicht im Linksgrünismus die richtige Gesinnung aus. Der klassische Kommunist war erfüllt vom Bewusstsein, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, im Kopf des Linksgrünisten herrscht stattdessen ein Brei aus Weltuntergangsangst und humanitärer Gesinnung, angereichert mit nationalem Selbsthass.

Für die Generation derjenigen, die noch ohne Internet und Smartphone, dafür mit Büchern und klassischer Bildung aufgewachsen sind, gibt das Anlass zum Kopfschütteln.

Aber was ist mit einer Generation, deren Bewusstsein von morgens bis abends mit Unsinn vermüllt wird, und die systematisch daran gehindert wird, Orientierungsstrukturen und Zuversicht gegenüber der Welt aufzubauen?

Der woke Linksgrünismus offenbart hier eine geradezu eiserne Konsequenz:

Das ganze Getue um Queer und Trans, möglichst schon in der Kita, zielt auf die Verhinderung des Aufbaus einer stabilen geschlechtlichen Identität. Der allgemeine Zustand der jungen „Männer“ als auch der jungen Frauen ist auf je eigene Weise überwiegend verheerend. Die Männer weichgespült und unerwachsen, die Frauen fordernd und voller Selbstüberschätzung.

Die Familie ist das klassische linke Feindbild. Warum? Weil es das bürgerliche Bollwerk, die Gegensphäre gegen die staatliche Sphäre darstellt, und das ist den linken Totalitaristen seit Marx ein Dorn im Auge. Die Zersetzungsstrategie läuft über die Propaganda „alternativer Lebensformen“ wie Homoehe, Transfamilien etc., begleitet von Maßnahmen wie „Kinderrechte“, welche kaum verstellt ein Vehikel  darstellen für Eingriffsrechte des Staates gegenüber den Eltern.

Der nächste Punkt ist die Verteufelung jeglicher Neigung, sich mit seiner Nationalität, noch mit seiner Herkunft zu identifizieren. Was natürlich nur für die Angehörigen westlicher Gesellschaften gilt, während man vor fremden niederkniet. Nationalstaatlichkeit ist ein weiteres umfassendes Angriffsziel des Linksgrünismus, die lieber von Kategorien wie „die Menschheit“ und irgendwas mit „gemeinsam“ phantasieren. Dazu gehört die schleichende Abschaffung des Geschichtsunterrichts, der sich hierzulande ohnehin zunehmend konzentriert auf jene 12 Jahre. Die Deutschen stehen allerdings damit gar nicht mehr so allein, wie man lange dachte. Denn auch unsere westeuropäischen Nachbarn zerren zunehmend ihre historischen Sünden ans Licht, wälzen sich in historischer Schuld und reißen ihre Heroen vom Sockel. Kolonialismus, Sklaverei, Rassismus und Völkermord. Die eigene Vergangenheit ist schlecht. Die eigene Nation ist schlecht. Weißsein ist schlecht. Der weiße Mann, der keine 8% der Weltbevölkerung ausmacht, trägt ewig und unaustilgbar an seiner Schuld. Er der ewige Täter, der Rest der Welt ist Opfer.

Und wie es auch um die nationale Identität bestellt ist, so auch um die kulturelle. Es darf keine geben. Man darf sie nicht wahrnehmen. Ein Jakob Augstein erkennt nur unter deutscher Kultur nur Gartenzwerge und Currywurst. Das ist im Falle Deutschlands besonders grotesk, denn viele der wichtigsten Entdeckungen und Erfindungen überhaupt, die die ganze Welt umgekrempelt haben, stammen aus Deutschland bzw. wurden hier gestartet. Ich nenne mal folgende: Das heliozentrische Weltbild, der Buchdruck, die Reformation, die Idee der Menschenwürde, die Genetik, der Benzinmotor, das Auto, der Elektromotor, die Virologie, der Kunstdünger, die Quantenphysik, der Computer, und das sind nur einige. Derweil beglückwünscht der Bundespräsident die Muslime hierzulande zum Fastenbrechen, während man Weihnachtsmärkte in „Wintermärkte“ umbenennt, um niemanden „zu beleidigen“. Doch bevor ich in einen Rant über die seltsame Kombination von Genie und völliger Blödheit bei den Deutschen ausbreche, komme ich lieber wieder zum Thema zurück. Denn auch über einem möglichen Stolz über die kulturellen Leistungen der eigenen Nation liegt ein komplettes Tabu.

Es geht hier darum, dass die derzeitige Jugend in einer Atmosphäre aufwächst, in der alles dagegen spricht, dass sie eine stabile und gesunde Orientierung ausbildet, weil so ziemlich alle gesellschaftlichen Institutionen, die dafür zuständig wären, ideologisch korrumpiert sind.

Dasselbe gilt für die Religion. Religion ist ein ambivalentes Terrain, und die Kirchen sind nicht zu Unrecht seit Jahrhunderten in der Kritik, aber dennoch bildeten sie bis vor einigen Jahrzehnten immerhin einen gewissen Widerpart gegen säkulare politische Ideologien und gegen die Verführbarkeit gegenüber utopistischen Versprechungen. Doch damit ist es inzwischen auch komplett vorbei. Die beiden großen Kirchen in Deutschland sind kaum noch mehr als weitere NGOs des woken grünen Zeitgeistes mit ein bisschen religiöser Verbrämung. Wer da meint, er könnte spirituelle Orientierung finden in der gegenwärtigen Kirche, dürfte dabei einfach nur ins Leere stürzen. Kirchengebäude erwecken zunehmend den Eindruck von Grabmälern vergangener Zeiten, aus denen der Geist ausgezogen ist.

Weltuntergangsangst. Seit über 40 Jahren testen die Grünen hier das Einschüchterungspotential von Weltuntergangsprophetien und sind dabei erfolgreich bei den Religionen in die Schule gegangen. Denn die haben Erfahrung. Mit der Klimapanik haben sie endlich einen richtigen Knaller hervorgebracht, nachdem Waldsterben, Ozonloch, stummer Frühling, Umkippen der Meere etc. nie so richtig gezündet hatten. Doch mit Klimapanik, die mittlerweile als Dauerfeuer über alle Kanäle von sogenannten Autoritäten, also Politik, Medien, Kirchen, „die Wissenschaft“, Schule bis hin zu den eigenen Eltern in die Ohren der zum Urteil noch unfähigen Jugend geblasen wird, haben sie einen richtigen Angstmacher in die Köpfe gebracht. Interviews mit Louisa Neubauer, Carla Reemtsma, Carla Hinrichs (Pressesprecherin von Letzte Generation) offenbaren einen Abgrund an Zukunftspanik. Das Gefühl eines übergesetzlichen Notstands bestimmt dauerhaft das Lebensgefühl.

Corona ist eine weitere Weltuntergangsstory, der angeblich nur mit massiven Eingriffen in unser persönliches Leben begegnet werden konnte. Ein heute 12-Jähriger hat den größeren Teil seines bewussten Lebens in einer Atmosphäre der wissenschaftlich verbürgten Weltuntergangsbedrohung verbracht, davon einen guten Teil mit einer Maske im Gesicht. Für alte Säcke wie unsereinen ist das ein vorübergehendes Ärgernis, das nach Abschaffung der Maßnahme komplett vergessen ist außer dem Gedächtnis die Visage von Karl („die Zahnfee“) Lauterbach.

Für einen 12-Jährigen dürfte das eine Erfahrung sein, die Einfluss hat auf sein gesamtes Weltverhältnis. Aus dem Nachbarn wurde eine Bedrohung und der Staat wurde von einem fernen Verwaltungsorgan zu einer aktiven Schutzmacht.

So geht es weiter.

Erwachsene mit einer gewissen Bildung können dieses Chaos mit anderen Standards und Maßstäben vergleichen, aber die junge Generation kann das nicht, wenn ihnen nicht kompetente Erwachsene – im besten Fall die Eltern – beistehen. Die Lehrer tun es üblicherweise nicht, denn die sind tendenziell eher selbst Transmissionsriemen der linksgrünen Agenda.

Diese Generation ist nicht beneidenswert. Man enthält ihr ein Aufwachsen in Selbstvertrauen und Zuversicht in die Zukunft vor. Und das geht überwiegend auf das Konto der linksgrünen Akteure bzw. den Agenturen von deren Mentalität.

Aber es gibt dabei einen Aspekt, der bedenklicher ist als individuelle existentielle Verunsicherung. Im Zuge des jahrelangen, künstlich geschürten Dauer-Ausnahmezustands schwindet die Wertschätzung für die essentiellen Grundlagen unserer westlichen Gesellschaft, nämlich Selbstverantwortung, Meinungsfreiheit, Selbstbestimmung, freier Mobilität, Individualismus, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Schlimmer noch: Diese Wertschätzung wird erst gar nicht mehr vermittelt und stabil in den Köpfen verankert.

Vielmehr wurden sie in einer zermürbenden Dauer-Panik-Kampagne seitens der Politik von Grundrechten und Grundpfeilern unseres Gesellschaftsverständnisses zu Optionen herabgestuft, die nur noch bei Windstille „gewährt“ werden.  Also im (aus staatlicher Sicht) möglichst nicht mehr eintretenden Fall einer Nicht-Ausnahme-Situation. Man rückt sie in den Ruch des Egoismus, des Unsolidarischen, oder erklärt  sie gar im woken Delirium zu einer dezidiert „weißen“ Praxis, und diese Zuschreibung reicht mittlerweile, um einen vernichtenden Verdacht gegen sie in den Raum zu stellen.

Die junge Generation ist in diese Konzepte nicht mehr stabil sozialisiert und zeigt wenig Ehrgeiz, dafür einzutreten. Stattdessen wird sie sediert mit Versprechen des Schutzes ihrer Sicherheit, der Gesundheit, des Klimas, der persönlichen Daten, sowie der Bekämpfung von Kinderpornografie und organisierter Kriminalität, des Schutzes vor Hassrede, Fake News und Schwulenfeindlichkeit und das ganze andere verlogene Programm. Alles natürlich von höchster Dringlichkeit. Da müssen die Grundrechte wie Privatheit und Meinungsfreiheit schon mal zurückstehen.

Doch damit ist das Ende besiegelt.

Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit werden nicht garantiert durch die bloße Existenz  von Gesetzen oder Gerichten. Sie werden garantiert durch die lebendige Mentalität derjenigen, die sie repräsentieren.

Durch die Vertreter des Volkes in den Institutionen, für die der Geist des Grundgesetzes sowie die Würde des Amtes und der Institution höher steht als persönliche oder parteiliche Interessen. Diese Mentalität ist in Exekutive und Judikative bis ins Bundesverfassungsgericht hinein massiv im Schwinden begriffen.

Durch eine kritische Öffentlichkeit, sprich eine unabhängige vierte Gewalt. Die Idee der Presse in einer Demokratie besteht in ihrer Aufgabe, die Regierung kritisch zu begleiten, und zwar nicht als ein eigenes verfassungsmäßiges Organ, sondern aus dem Volk heraus, als die Regierten. Das ist kein Zeitvertreib und keine Dekoration, sondern eine fundamentale Funktion und ein ernstzunehmender Auftrag. Der Kollaps der ehemaligen Flaggschiffe der deutschen Medienlandschaft einschließlich des ÖRR und ihr Absturz zu inoffiziellen Regierungssprechern, selbst angemaßten Volkserziehern und Wächtern der linken Diskurshoheit kann nur kompletten Schläfern über die letzten Jahre entgangen sein.

Und zuletzt durch den lebendigen Geist der individuellen Freiheit und Demokratie im Volk selbst. Die Suspension von Grundrechten wie Versammlungsfreiheit, Mobilität, Demonstrationsrecht, Schutz der Privatsphäre, der Meinungsfreiheit und noch mehr – all dies unter dem Vorwand des Schutzes „vulnerabler Gruppen“ und unter Aufhebung des Prinzips der Selbstverantwortung im Bereich des Gesundheitsschutzes: Das ist ein übler Präzedenzfall, der vermutlich in den Köpfen der heranreifenden Bürger weit massiveren Schaden hinterlässt als bei denen, die in einer Atmosphäre aufwachsen konnten, in der so etwas für den Staat ein absolutes Tabu darstellte. Der Widerstand gegen diese staatlichen Übergriffe jedenfalls ist auffallend gering. Man überlässt es dem Staat, das Verhältnis zum Bürger nach Gutdünken, also nach Gutsherrenart, selbst zu definieren. Eine Übergriffigkeit wird nicht beanstandet. Gleichzeitig hätschelt die Regierung die kleinen Rebellen von Fridays for Future. Lehrer und Eltern schicken die Schüler zum Rebellieren auf die Straße. Die Politik empfängt die „Rebellen“ in UNO-Versammlungen und im Kanzleramt.

Es ist das Gesamtbild dieser Entwicklungen, das einen erschreckt. Dabei ist die Aufzählung ist nicht einmal abgeschlossen. Tatsächlich beobachten wir die Zerstörung auch wirklich ALLER Pfeiler der Identitätsstiftung und –stabilisierung in unserer Gesellschaft.

Und diese Generation wird die Steuerung unserer Gesellschaft in wenigen Jahren übernehmen.

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