Sehen wir hier die nächste "Welt"-Chefredaktion von Töpfers Gnaden? (Symbolfoto: Von Red Umbrella and Donkey/Shutterstock)

Queer-Anbiederung der Welt: Der Springer-Verlag macht sich zum „Schwuchtel-Club”

Am Mittwoch dieser Woche hatte eine Gruppe von 120 Wissenschaftlern und Fachärzten einen aufsehenerregenden Gastkommentar in der „Welt” veröffentlicht, in dem sie heftige Kritik an den von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF betriebenen Frühsexualisierung von Kindern übten. Die Vorwürfe konkretisierten sie zusätzlich noch in einem ausführlichen Essay. Darin warfen sie den gebührenfinanzierten Anstalten vor, die Agenda von Queer-und Transorganisationen völlig unkritisch zu übernehmen und damit den unter vielen Jugendlichen grassierenden Drang zur willkürlichen Wahl ihres Geschlechts, einschließlich entsprechender Operationen, Vorschub zu leisten, ohne die katastrophalen Folgen solcher Maßnahmen in den Blick zu nehmen.

Wer bereits positiv überrascht war, dass endlich auch einmal eine Mainstream-Zeitung die wahnhaft propagierte linksradikale Transgenderideologie zum Thema machte und ihre Durchdringung des ÖRR auch noch von fundierter wissenschaftlicher Seite her problematisierte, sah sich schon wenig später jäh enttäuscht: Denn trotz der offensichtlichen großen Zustimmung, auf die der Text bei den Welt-Lesern stieß (wie sich unter anderem an den Kommentaren zeigte), ruderte Mathias Döpfner höchstpersönlich, der Vorstandsvorsitzende des Mutterkonzerns Springer AG, keine 48 Stunden später in einem dramatischen Schritt zurück, tat öffentlich in einem eigenen Gastkommentar Buße und bat die mittlerweile staatstragende Woko-Haram um Vergebung für die Veröffentlichung. Sein Verlag stehe selbstverständlich „für Vielfalt und Freiheit“, was die „Welt“ da abgedruckt habe, sei „schrecklich“ und „in der Sache unterirdisch“, die pauschale Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern sei ebenso verwerflich wie das Festhalten der Autoren an der Ansicht, „dass es nur zwei Geschlechtsidentitäten gibt.“

Gruseliger Kniefall

Was bei Döpfners Kniefall besonders gruselig anmutet: Es war nicht etwa so, dass dieser seiner Redaktion in den Rücken gefallen wäre und so ein Exempel nachträglich praktizierter Zensur statuiert hätte. Sondern, schlimmer noch: Die lautesten Beschwerden über die Veröffentlichung des Wissenschaftler-Kommentars scheinen aus der Redaktion selbst gekommen zu sein. Um die auch dort – bei einer Springer-Zeitung! – inzwischen wohl ebenfalls schon tonangebenden, branchentypischen kultischen Jünger einer penetranten Trans- und Homo-Subkultur zu besänftigen, wälzt sich Döpfner förmlich demütig im Staub und drischt auf den Gastkommentar ein: Wissenschaftlich sei der Text „bestenfalls grob einseitig“, er habe „einen Sound, der für jeden freien toleranten Geist unangenehm ist“ und sei „eine Verletzung und Zumutung“ für alle, „die sich der LGBTIAQ*-Community zugehörig fühlen“ (anscheinend glaubt Döpfner, das träfe auf einen Großteil der „Welt“-Leser zu).

Schließlich kritisiert der Vorstandschef auch noch das Erscheinen des Kommentars „direkt zum Start des Pride Month“ und beklagt wortreich, dass der Springer-Konzern, quasi als Strafe für die Veröffentlichung des Textes, von der diesjährigen „queeren Jobmesse“ Sticks & Stones ausgeschlossen wurde – und das, „obwohl Axel Springer als eines der allerersten Unternehmen diese Messe seit 2010 unterstützt. Obwohl in dem globalen LGBTIAQ*-Netzwerk von Axel Springer mehr als 800 Personen engagiert sind. Obwohl das Unternehmen, wie wenig andere, seit Jahren unterschiedliche sexuelle Identitäten und Lebensformen nicht nur akzeptiert, sondern sogar ausdrücklich fördert. Von Safezones und All-Gender-Toiletten bis hin zu einer zutiefst freiheitlichen Unternehmenskultur.“ Doch damit nicht genug der Affirmative Action und devoten Selbstgeißelung: Indem er dem Veranstalter der Messe eine ausführliche Erwiderung auf den Kommentar anbietet, hofft Döpfner anscheinend, dessen Gunst zurückzuerlangen.

Zumutung für die Leser

Seine Kapitulation ist nicht nur eine Zumutung für den Leser, sondern auch eine Bankrotterklärung des kritischen Journalismus. In einem unsäglichen Eiertanz verteidigt Döpfner einerseits die Meinungsfreiheit, nur um sich dann ihren Gegnern zu unterwerfen und ihrem Befindlichkeitsgejammer nachzugeben. Allerdings verfolgt er diesen Schlingerkurs seit langem. Dies dürfte nicht zuletzt mit Springers Expansion in die USA zu tun haben, wo man im vergangenen Jahr das Nachrichtenunternehmen Politico erwarb. Mit dem Vorstoß in die bereits vollends von der woken Ideologie dominierten US-Medienbranche verzichtet Springer offenbar auf jedes eigenständige Profil. Dafür war Döpfner auch schon Ende 2021 bereit gewesen, seinen höchst erfolgreichen „Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt zu opfern – nachdem ein Artikel über Reichelts tatsächliche oder angebliche Verfehlungen in der „New York Times” wohl als Warnschuss der dortigen progressiven Zeitgeistpresse fungiert hatte, um zu zeigen, welches Verhalten man jenseits des Atlantiks erwartet.

In Deutschland kommt zu alledem dann noch der atavistische, diffuse Erb-Hass
des ebenfalls linksdominierten Medienbetriebs auf Springer hinzu. Weil Döpfner Reichelts Entlassung damals zunächst doch noch bedauert und die Bundesrepublik mit der früheren DDR verglichen hatte, sieht sich Döpfner selbst einem seit Monaten anhaltenden Kesseltreiben ausgesetzt. Diese Woche verkündete er bereits den lange geforderten vorzeitigen Rückzug als Präsident des „Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV)”. Außerdem wird derzeit, dies ein fast schon routinemäßiges Verfahren der reputativen Demontage (außer bei Grünen- und SPD-Politikerinnen, versteht sich!), auch noch seine Doktorarbeit auf Plagiate überprüft. Döpfner sitzt also bereits zwischen allen Stühlen. Unter diesen Umständen wollte er sich jetzt wohl nicht auch noch mit der schier allmächtigen „LGBTIAQ*-Community“ anlegen. Auch wenn er mit diesem jämmerlichen Zickzackkurs riskiert, sich selbst und sein Unternehmen bei seriösen Lesern vollends lächerlich zu machen. (DM)

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