Strömt herbei, Ihr Massen: "Stresstest" extrem beim ersten 9-Euro-Wochenende (Foto:Imago)

9-Euro-Chaos: Die Deutschen, ein Volk hirnloser Lemminge

Keine fünf Tage nach seiner Einführung hat das Neun-Euro-Ticket genau das Chaos ausgelöst, das von allen erwartet wurde – mit Ausnahme der Bundesregierung, die dieses Volksbeglückungsprojekt unbeirrt durchsetzte. Wer noch einen Beweis für die Unfähigkeit der linksgrünen Politik brauchte – hier wurde er im Zeitraffer geliefert. Denn dass die Deutschen mit Anlauf und zwei Füßen auf jedes angebliche „Schnäppchen” springen, war jedermann klar. Doch genau die Ampelregierung, die zu billiges Reisen als unökologisch verteufelt und noch bis vor kurzem aus Gründen des Infektionsschutzes gegen unnötige Menschenansammlungen appellierte, sorgt nun dafür, dass beides zum Exzess getrieben wird. Immerhin wird ja im Zug Maske getragen, und die Energiekrise ist ja für die Dauer der Zugfahrt mit den neun Euro auch „pauschalverdrängt“. Hauptsache, es wird was „gespart“. Dass die Deutschen so ticken, war indes klar: Wenn die Regierung ihnen anbieten würde, für neun Euro die Klippe runterzuspringen, würde das die große Mehrheit wohl auch machen.

Das lange Pfingstwochenende offenbarte nämlich genau das, wovor früh gewarnt worden war: Vielerorts wurden die Bahnhöfe überrannt, es kam zu weitaus mehr Verspätungen als ohnehin schon üblich, heillos überfüllte Züge mussten geräumt werden. In Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein vermeldete die Bahn gar via Twitter: „Mitfahrt kann nicht garantiert werden. Fahrradmitnahme nicht möglich.“ In Bremen musste ein überfüllter Zug einen langen Zwischenstopp einlegen, den Schaffner und sogar Bundespolizisten nutzen, um Passagiere zum Umsteigen zu bewegen. Ähnliches ereignete sich in Berlin, wo ein ebenfalls massiv überladener Zug gestoppt und die Fahrtgäste zum Ausstieg überredet werden mussten. Am Bahnhof wurde den Passagieren gar gedroht: „Steigen Sie freiwillig aus, bitte nutzen Sie die S-Bahn. Wenn nicht genug Leute freiwillig aussteigen, müssen wir den Zug leider teilräumen lassen. Dann entscheidet die Polizei, wer aussteigen muss.“ In Sachsen und Sachsen-Anhalt wurde das Zugpersonal ebenfalls nicht mehr Herr über die Flut von Passagieren.

Nichts geht mehr

„Überfüllte Züge, ungeplante Stopps – willkommen in der ‚Hölle‘ Regionalexpress” titelt der „Tagesspiegel“ und bringt folgende beispielhafte Schilderung: „An der ersten Tür geht schon mal gar nichts, in dem Bereich sind Fahrräder aufgereiht wie im Verkaufsraum eines Großhändlers, dazwischen quetschen sich die Zweirad-Besitzer. Die zweite Tür ist auch aussichtslos, da kippt ein Mann mit seinem Rollkoffer aus Platzmangel fast rückwärts auf den Bahnsteig”. Die apokalyptischen Bilder eines „nachhaltig“ und „umweltfreundlich“ reisenden Prekariats wecken Assoziationen mit „Kraft durch Freude”, Ballermann-Assitourismus und „Blade Runner”. Fast wirkt es so, als ob der deutschen Politik ihr Land noch nicht niveaulos und versifft genug wäre, als genügten die umgekippten Innenstädte und die allgegenwärtige Verwahrlosung des öffentlichen Raums nicht, weshalb die schleichende Annäherung an Drittweltverhältnisse nun auch noch auf Bahngleisen und in Großraumabteilen nachgeführt werden muss.

Vor allem die seit Wochen angedrohte Heimsuchung der Nordseeinsel Sylt hat mit Einführung des Neun-Euro-Tickets buchstäblich Fahrt aufgenommen. „Statt feinen Damen mit Louis Vuitton-Taschen, die durch Westerland flanieren, und eleganten Herren, die mit ihrem Mercedes-Cabrio über die Insel brausen, lümmeln jetzt Punks in Fetzenjeans und Lederjacken auf den beliebten Promenaden herum”, schreibt „Bild„, und fährt fort: „Grölend lassen sie Bierdosen und Kornflaschen kreisen und amüsieren sich beim Ü-Eier Werfen. Und geschäftstüchtig sind die fröhlichen Gesellen auch noch: Auf einem Pappschild vor ihnen steht: ‚Wer glotzt, kann auch spenden!'“ Kaputte Zustände in einem kaputten Land.

Shithole-Impressionen auf Schienen

Die normalen Bahnkunden kehren angesichts dieser Shithole-Impressionen indes ihrem Stammbeförderungsmittel zähneknirschend den Rücken – auch wenn sie das noch mehr kostet: Auf Facebook teilte eine Bahnkundin mit, dass sie wegen der überfüllten Züge auf ein Taxi umgestiegen sei. Zwar habe sie das Chaos geahnt, das Gesehene habe ihre Erwartungen jedoch „beträchtlich“ übertroffen. Ärgerlicher wurde es schon für all die, die trotz Feiertagen pünktlich zur Arbeit kommen mussten oder zu privaten Familientreffen wollten: Sie wurden durch die bahnreisenden Billigheimer vielerorts von beidem abgehalten.

Am Ende bleibt die Frage, was dieser haarsträubende Schwachsinn eigentlich soll. Der Umstieg auf ÖPNV wird durch solche Aktionen eher erschwert als begünstigt, weil sie unweigerlich den Beweis erbringen, dass die Bahn einem solchen Ansturm weder logistisch noch organisatorisch gewachsen ist. Vor allem grüne Politiker hält all dies aber nicht von den üblichen peinlichen Auslassungen ab: Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann verstieg sich zu der absurden Aufforderung an Reisende, „gelassen” zu bleiben und „Rücksicht auf andere” zu nehmen – wobei auch er nicht vergaß darauf hinzuweisen, dass „auch Strecken abseits touristischer Höhepunkte” interessant seien. Und im Bundestag tönte die Grüne Paula Picheotta: „Niemand kommt in diesen Tagen an diesem Neun-Euro-Ticket vorbei. Weil es Realitäten schafft.“ Das gilt leider für alle politischen Fehlentscheidungen der linksgrünen Ampel. (DM)

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