Foto: Maksim Safaniuk/Shutterstock

Firma weg, Frau weg, Haus weg

Vor 20 Jahren galt obige Verlustaufzählung noch als Scherz in der Comedy-Sendung Tagesshow. Pech, wenn einem Betroffenen so viel an Unglück widerfuhr. Bei einer Flasche Bier in der Hand, auf dem Sofa sich gemütlich gemacht, ergötzte man sich mit Schadenfreude am Schicksal anderer. Man war ja nicht betroffen, es betraf ja nur anonyme andere. Doch jetzt, kommen die Einschläge näher und Schützengräben gibt es nicht.

Von Meinrad Müller

Freiberufler, Selbstständige und Unternehmer, die wie das deutsche Wort selbstständig schon sagt, also selbst UND ständig arbeiten, finanzielle Risiken eingehen, bauen darauf, dass zumindest die Rahmenbedingungen stabil sind. Jetzt kommen auch diese Schwerarbeiter in einem erschreckenden Maße unter die Räder. Mit allen Konsequenzen: Firma weg, Frau weg, Haus weg.

Doch was nützten alle Künste der Betriebswirtschaft, der Innovation, des Marketings und der Werbung, wenn andere den Teppich unter den Füßen wegziehen? Die anderen sind jene, die die Blutadern der Energie durchschneiden, Lieferwege zuschütten, Einkäufe verhindern und Kontaktverbote mit langjährigen Kunden verlangen.

Was nützen jährlich Zehntausende neue Betriebswirte, Ingenieure und Marketingfachleute, wenn böse Mächte, anders als es an der UNI erzählt wurde, in die Speichen greifen und das fein austarierte Wunderwerk der Marktwirtschaft zum Stehen bringen? Marktwirtschaft funktioniert wie ein fein austariertes Uhrwerk: Fehlt ein Zahnrädchen, ja, dann stehen alle Räder still. Nicht ein „starker Arm“, wie es ehedem hieß, führte zum Stillstand, sondern politische und ideologische Federstriche am grünen Tisch.

Honorige Firmen, oft seit 200 Jahren existent, gehen pleite. Gehen wir davon aus, dass in diesen Betrieben nicht nur Dumme wirtschaften. Es sind oft die Klügsten, die in langen Auswahlverfahren an die richtige Stelle gesetzt wurden. Ziel eines jeden Unternehmens, das wird oft vergessen, ist nicht nur die Amortisation des eingesetzten Kapitals, sondern der Lebenserhalt des Unternehmens. Jeder Betrieb will leben, lange leben wie eine kraftvolle Eiche. „Läuft der Laden“ erst einmal rund, dann können auch die Arbeitnehmer guten Mutes sich trauen, ihr Häuschen langfristig zu finanzieren.

Kundenvertrauen aufzubauen, einen Markennamen zu schaffen, der zum Alltagswort wird, ist eine größere Kunst, als Gesetze zu entwickeln und diese dann mit staatlicher Gewalt durchzusetzen. Staatsdiener mit krisenfestem Einkommen sind persönlich kaum betroffen, wenn Zehntausende Firmen und somit Arbeitsplätze verschwinden. Die „Besoldung“ läuft ungetrübt weiter.

Einen aktuellen und traurigen Einblick, eine Chronologie des Firmensterbens, stellt der Journalist Egon W. Kreutzer tagtäglich auf seiner Internetseite zusammen. Es tut einem das Herz weh zu sehen, dass die Einschläge, die außerhalb der Einflussmöglichkeit der Betriebe liegen, niederprasseln wie Höllenfeuer. Produkte, die wir einst liebten, verschwinden aus dem Regal.

Firmenschließungen, der Todesmarsch der deutschen Wirtschaft:

https://egon-w-kreutzer.de/jobwunder-deutschland-2

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