Kohle (Bild: shutterstock.com/Illustration-Anbieter)
Kohle (Bild: shutterstock.com/Illustration-Anbieter)

Europa holt sich Kohle aus der ganzen Welt, um die von Russland hinterlassene Lücke zu füllen

Europäischen Kohleverbraucher wollen russische Kohle durch Lieferungen aus der ganzen Welt ersetzen. Der Import von Kohle ist um mehr als ein Drittel angestiegen.

Ein Beitrag von Blackout News

In der ersten Hälfte dieses Jahres strömte Kohle in die Region Antwerpen-Rotterdam-Amsterdam (ARA), ein riesiger Verkehrsknotenpunkt für Energie und Rohstoffe. Die Importe sind laut Kpler im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 % auf 26,9 Millionen Tonnen anstiegen. (bloomberg, 05.07.2022).

Dies hat dazu beigetragen, dass sich die ARA-Kohlebestände von einem Fünfjahrestief im ersten Quartal auf fast 6,6 Millionen Tonnen verdoppelt haben. Laut Kpler nähern sich die Lagerbestände nun dem Rekordniveau von 2019. Auf der anderen Seite trägt die Flut der Importe zu einer erheblichen Überlastung der Häfen bei.

Russisches Gas und Kohle soll durch andere Quellen ersetzt werden

Die Verschiffungen steigen sprunghaft an, da die Region nach dem Einmarsch Moskaus in der Ukraine um Ersatz für ihre Einkäufe bemüht ist, so Matthew Boyle, leitender Analyst für Trockenmassen, Gas und LNG bei Kpler Insight.

Die Importe sind nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine sprunghaft angestiegen. Russische fossile Energien sollen möglichst schnell durch andere Quellen ersetzt werden, so Matthew Boyle, leitender Analyst für Trockenmassen, Gas und LNG bei Kpler Insight. Die fehlende russische Kohle und das fehlende russische Gas sorgen für eine Knappheit in der europäischen Energieversorgung.

Um die Lücke zu schließen, wird mehr Kohle aus den USA, Kolumbien und Australien geliefert – Länder, die in der Regel hochwertiges Material mit hohem Heizwert produzieren, das bei der Verbrennung mehr Wärme und Energie freisetzt.

Der Wettbewerb um einen Brennstoff, den viele der Vergangenheit angehören lassen wollen, eskaliert, da Stromerzeuger in ganz Asien und Europa versuchen, sich angesichts der Energieknappheit zusätzliche Lieferungen zu sichern. In Deutschland und Österreich werden als Reaktion auf die russischen Gaslieferungen stillgelegte Kohlekraftwerke wieder in Betrieb genommen. Auch Japan und Südkorea stocken ihren Brennstoff Vorrat auf.

Die sich verschärfende weltweite Brennstoffknappheit hat die Preise in die Höhe getrieben

Australische Exporteure, darunter die in Sydney ansässige Whitehaven Coal Ltd., haben Lieferanfragen aus vielen europäischen Ländern erhalten. Zudem hat das Unternehmen 70.000 Tonnen Kohle in einem staatlichen Hilfspaket der Ukraine angeboten. Die hohe Nachfrage treibt die Preise für Kohle in Europa in die Höhe.

Die großen Preisunterschiede zwischen Europa und Australien haben es für die Händler rentabel gemacht, Kohle aus dem asiatisch-pazifischen Raum zu importieren, selbst wenn man die hohen Transportkosten für die längere Reise berücksichtigt. Ein Teil der minderwertigen indonesischen Kohle hat ebenfalls den Weg nach Europa gefunden, obwohl sie laut Kpler wahrscheinlich mit US-amerikanischem Material mit höherem Heizwert gemischt wurde.

Der starke Zustrom von Kohletransporten verschärft die Engpässe in den Häfen

„Wir sehen eine sehr hohe Überlastung der wichtigsten europäischen Häfen“, sagte Abhinav Gupta, ein Analyst für die Trockenmassenschifffahrt bei Braemar. Am 29. Juni lagen 71 Massengutfrachter vor Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam vor Anker, das Dreifache des Fünfjahresdurchschnitts von 24 Schiffen zu dieser Jahreszeit.

Die derzeitige Wartezeit für Kohleschiffe beträgt laut Kpler etwa 10 Tage, wobei der niedrige Wasserstand des Rheins ebenfalls zu Verzögerungen beiträgt. Man geht davon aus, dass sich diese Wartezeit bis Mitte Juli auf etwa acht Tage verkürzen wird.

Die Kohleterminals sind derzeit voll ausgelastet, und der Transport großer Mengen des Brennstoffs ins Landesinnere „ist in den letzten Wochen zu einer Herausforderung geworden“, so der Rotterdamer Hafen. Die Situation wurde durch einen Mangel an Lastkähnen erschwert, da viele Schiffe mit ukrainischen Eisenerz- und Getreideexporten ausgelastet sind.

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