Getreideernte - Symbolfoto Imago

Klarheit: Die Ukraine gehört der westlichen Agrar- und Energiebranche

Mitten im weiter andauernden Solidaritäts-Geplärr der Westmedien wird allmählich immer deutlicher sichtbar, was die ach-so-souveräne und ach-so-neutrale Ukraine tatsächlich ist: Gekauft. Sprichwörtlich und physisch gekauft. Das Land. Der Boden. Verkauft wurde sie von den dortigen „Dienern des Volkes“ – an Oligarchen und riesige, agroindustrielle Komplexe vornehmlich aus den USA. Das erklärt viel von dem Solidaritätsgeplärr im Westen.

von Max Erdinger

Einer der Gründe dafür, daß die Grünen in Deutschland so populär geworden sind, liegt unzweifelhaft darin, daß Deutschland ein dekadentes Land geworden ist, in welchem man sich aus Bequemlichkeitsgründen angewöhnt hat, fehlendes Wissen durch eine Haltung zu ersetzen. „Wir“ sind „gemeinsam“ klasse – und das ist unser „neues Miteinander“. „Meinen & Finden“ ist sozusagen Volkssport geworden. Wie einem etwas vorkommt, ist die Nachricht ansich geworden. „Für mich sieht es so aus“. – „Ah, interessant, wie es für dich aussieht“. Deswegen wird auch der Ukrainekrieg vornehmlich aus einer Moralistenperspektive heraus beurteilt und diskutiert. Eine Moral hat man schließlich schneller beinander als die Fakten – und sozial funktioniert Moral als Gemeinsamkeitsklammer besser, als unterschiedliche Wissensstände. Hinter dem gefühlsschwangeren Menschlichkeitsgefasel, das in Deutschland aus Bequemlichkeitsgründen so populär geworden ist, lassen sich tatsächliche Interessenslagen gut verstecken. Ich bin okay, du bist okay – und wenn du nicht so „argumentierst“ wie ich – dann bist du nicht okay, weil ich nämlich okay bin. So ungefähr läuft das in Deutschland inzwischen wieder. Früher: „Der Führer ist der Größte!“ – „Ist er nicht!“ – „Ich rufe die Gestapo an, du Defätist!“. Die Grünen in NRW wollen inzwischen Meldestellen für ungewolltes Bürgerverhalten, das „unter der Strafbarkeitsgrenze liegt“. Zur prophylaktischen Beobachtung.  Gestapo, Stasi, Grüne – alles deutsch. Aber zurück in die Ukraine.

Nach dem Putsch

Ziemlich bald nach dem US-geführten und von der EU untersützten Staatsstreich gegen den gewählten ukrainischen Präsidenten Janukowytch zum Jahreswechsel 2013/2014 fing der Ausverkauf  ukrainischen Grund- und Bodens an. Es war nur eine Frage, wie man das hinbekommt im Angesichte eines ukrainischen Gesetzes, das den Verkauf von ukrainischen Böden an Ausländer verbietet. Eine Möglichkeit war, ukrainische Agrarholdings zu gründen, Aktiengesellschaften und dergleichen, die es westlichen Geldgebern ermöglichten, dick einzusteigen und auf diese Weise an die Profite aus den ukrainischen Böden zu kommen. Eine andere Möglichkeit ist das „Land-Leasing“ in der Ukraine mit Vertragslaufzeiten bis zu 50 Jahren.

Die Ukraine galt seit jeher als die Kornkammer der Sowjetunion und war auch wegen ihres enormen Vorkommens an Schwarzerde als besonders fruchtbar und produktiv bekannt. 32 Millionen Hektar Anbaufläche gibt es in der Ukraine. Das ist mehr als doppelt so viel landwirtschaftlich nutzbare Fläche wie in Deutschland. Ukrainische und ausländische Agrarholdings kontrollieren bereits die Hälfte des ukrainischen Agrarlandes. Es geht um etwa 17 Millionen Hektar. Gerade von der Möglichkeit des Land-Leasings haben ukrainische Oligarchen und deren westliche Finanziers, aber auch westliche, börsennotierte Agrarunternehmen sowie nichtwestliche Staaten regen Gebrauch gemacht.

Immerhin ist die Ukraine auch im Krieg noch der der fünftgrößte Weizenexporteur der Welt. Die Landwirtschaft trägt zu 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Bereits im Jahr 2013 schätzte die US-Agrarbehörde, daß die Ukraine nach den USA zum zweitgrößten Getreideexporteur der Welt werden könnte.  Tatsächlich war der Aufstieg der ukrainischen Landwirtschaft in den vergangenen 20 Jahren spektakulär, nachdem als Folge der Mißwirtschaft auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das erste Jahrzehnt als „souveräne neutrale Nation“ dazu geführt hatte, daß im Jahr 2000 die Erträge nicht einmal mehr zur Ernährung von 44 Millionen Ukrainern ausreichten.

Große US-Agrarfirmen sind seit Jahren geschäftlich in der Ukraine engagiert. Darunter befinden sich – wegen seines Geschäfts mit gentechnisch verändertem Saatgut – der kritisch beäugte Konzern Monsanto, das Agrarunternehmen Cargill und der Chemiekonzern DuPont. Größter Investor in ukrainischen Grund & Boden ist der US-amerikanische Pensionsfonds NCH Capital. Er hat 450.000 Hektar gepachtet. Das bekannteste europäische Unternehmen dürfte der schweizerische Rohstoffkonzern GlencoreXstrata sein – mit 80.000 Hektar unter Vertrag. Außerdem gibt es noch Investoren aus Russland – 250.000 Hektar, und Saudi-Arabien  mit 33.000 Hektar. Alles in allem lassen sich Ost und West in der Landwirtschaft der Ukraine nicht mehr so leicht trennen. Und wie ABBA einst schon sang: The Winner takes it all. Ist Russland der Gewinner, haben ukrainische Holdings, die an westlichen Börsen notiert sind, schlechte Karten. Sie gehören teilweise westlichen Anlegern – und wenn die ihre Investitionen verlieren würden, dann wäre das eine menschliche Tragödie für die armen Ukrainer, die so heldenhaft die westlichen Werte und unsere Demokratie verteidigen. Sarkasmus Off.

2015 rechnete man noch damit, daß die Marktkonzentration im Saatgutbereich weiter zunehmen wird. Damals bereits lagen 60 Prozent des Marktes bei den vier großen Konzernen Bayer/Monsanto, Corteva, BASF und Syngenta/Chem-China. Marktführer im Bereich der neuen Gentechnik ist die Corteva-Gruppe gewesen, die aus dem Zusammenschluss der Konzerne Dow AgroSciences und DuPont/Pioneer entstanden war. Finanztechnisch betreut wurden diese vier Riesenkonzerne von Vanguard und von BlackRock. Kein Wunder, daß ein deutscher „Oppositionsführer“ namens Friedrich Merz die Moralkarte zieht, um der deutschen „Kriegsmüdigkeit“ nicht minder stark entgegenzuwirken, als die von Transatlantikern aufgebaute grünfeministische Außenministrtierende oder die wehrtechnisch engagierte Frau Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie alle haben keine Interessen in der Ukraine, sondern sind bloß todtraurig wegen der armen ukrainischen „die Menschen“, die dem bösen Herrn Putin völlig arglos in die Hände gefallen sind, weil der sich einfach nicht behrrschen kann in seiner toxisch maskulinen Bösartigkeit, mit welcher er seinen eigenen imperialen Gelüsten anheimgefallen ist.

Aber gut, Landwirtschaft ist nicht alles neben der ganzen ukrainischen Demokratie, der europäischen Freiheit, der verteidigungswürdigen – und den Menschenrechten, den ganz vorzüglichen. Es gibt auch noch seltene Rohstoffe und auch – man glaubt es kaum – Energiekonzerne in der Ukraine.

Bidens Burisma-Energiesprößling

Es ist nun schon eine alte Geschichte, aber man kann sie sich gar nicht oft ins Gedächtnis zurückrufen angesichts des Kriegs. Hunter Biden, ein Sohn des damaligen US-Vizepräsident und vermeintlichen US-Präsidenten von heute, wurde für die Rechtsabteilung der privaten Firma Burisma zuständig – dem damals angeblich größten unabhängigen Gasversorger der Ukraine. Der heute 52-Jährige war nach Angaben des Unternehmens seit April 2014 als einer der Direktoren tätig. Auch ein früherer Mitbewohner des Stiefsohns von US-Außenminister John Kerry „arbeitete“ dort als Direktor. Sowohl Joe Biden als auch John Kerry waren als US-Regierungsmitglieder tief in die politischen Vorgänge der Ukraine verstrickt.

Die Linken-Abgeordnete Dağdelen im Jahr 2015:  „Offenbar geht es bei dem Konflikt in der Ukraine von Seiten der USA in erster Linie um eine handfeste Auseinandersetzung um Ressourcen und Kapital. In jedem Fall ist Joe Biden für weitere Vermittlungsbemühungen diskreditiert„. Sie meinte amerikanische Vermittlungsbemühungen im Krieg der ukrainischen Regierung gegen jene russischen Landsleute im Donbass, die damals lediglich auf den ihnen zugesicherten Autonomiestatus pochten und damals bereits von den Westmedien als „Separatisten“ diffamiert wurden, was sie 2015 gar nicht gewesen sind. Ausgerechnet der heutige, vermeintliche US-Präsident Biden redet im Jahr 2022 von „Unterstützung“ für die Ukraine. Dabei geht es um die Wahrung westlicher Interessen allgemein- und amerikanische im Besonderen. Die Ukrainer – also das Volk –  sind dem Westen und den USA so egal wie eh und je. Daher die Zweckmäßigkeit des Moralistengeplärrs in der ganzen westlichen Welt. Ausgerechnet die USA samt NATO: Moralisten. Da lachen ja die Hühner. Die in Serbien, im Kosovo, im Irak und in Syrien lachen am lautesten.

Diese exzessiv betriebene Moralisiererei im Westen dient lediglich der Verschleierung dessen, worum es in der Ukraine wirklich geht: Um westliche Wirtschaftsinteressen, Sicherung von getätigten Investitionen. Gleichzeitig werden russische Devisenreserven im Westen eingefroren, russische Guthaben bei westlichen Banken und russischer Immobilienbesitz beschlagnahmt, russische Dirigenten und Sängerinnen gefeuert, russische Ladenbesitzer drangsaliert und die Kinder von Russen in der Schule gemobbt. „Russischer Zupfkuchen“ heißt jetzt „Kiewer Zupfkuchen“. Alles Moral! Und was für eine!

Kein Gas mehr aus dem Osten?

Die Vereinigten Staaten, heißt es,  seien inzwischen zum weltgrößten Exporteur von Flüssigerdgas (LNG) geworden. Die amerikanische „Energy Information Administration“ (EIA) beruft sich auf Daten der NGO Cedigaz. Demnach seien die amerikanischen Flüssiggasausfuhren in der ersten Jahreshälfte um zwölf Prozent auf durchschnittlich 11,2 Milliarden Kubikfuß pro Tag (bcfd) im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2021 gestiegen. Von Anfang Januar bis Ende Mai dieses Jahres seien etwa 71 Prozent dieser Exporte an die EU und Großbritannien gegangen.

Nachdem es wegen der Reparatur der berüchtigten Siemens-Gasturbine in Kanada zu Lieferengpässen via Nord-Stream 1 gekommen war, hieß es in Deutschland, die Reparatur sei nur eine vorgeschobene Notwendigkeit. Russland wolle die Deutschen wegen ihrer Sanktionen „erpressen“. Die überholte Turbine kam jedoch aus Kanada zurück, wurde auch wieder eingesetzt, einige Tage lang floß das Gas wieder ganz normal – und jetzt wurde die Liefermenge via Nord Stream 1 erneut auf lediglich 20 Prozent der üblichen Menge gedrosselt. Gazprom nennt weitere Wartungsarbeiten als Grund. Dasselbe Spiel nochmal: In Deutschland heißt es, jetzt könne man ja sehen, daß die Russen Falschspieler und „Erpresser“ seien. Und wieder ist es eine Falschverdächtigung im amerikanischen Interesse.

Die „Berliner Zeitung“ meldete heute, am 27. Juli: „Der russische Energiekonzern Gazprom hat nach Angaben des Pipelinebetreibers Eugas am Mittwoch deutlich mehr Kapazität bei der Transgas-Leitung durch die Slowakei gebucht als in den vergangenen Tagen. Transgas ist eine Verlängerung der Sojus-Pipeline, welche Erdgas aus Russland über die Ukraine, Tschechien und der Slowakei nach Österreich und Deutschland transportiert. Im slowakischen Grenzort Veľké Kapušany, dem Startpunkt des slowakischen Abschnitts, wurde die Durchleitung von 68,6 Millionen Kubikmeter Gas angemeldet. Am Vortag waren es 36,8 Millionen Kubikmeter.“ – Also doch weitere Wartungsarbeiten an Nord Stream 1. Also doch eine weitere Diffamierung Russland seitens der Westmedien und der deutschen „Volksvertretung“. Sie sollen amerikanisches Flüssiggas kaufen müssen!

Es ist nicht Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine, daß die Mitgliedsländer der EU, ihre Gas- und Öleinkäufe aus Russland zu verringern oder ganz einzustellen zu versuchen, sondern Folge eines amerikanischen Diktats! Deutschland beabsichtigt nicht nur, die Einfuhr amerikanischen LNGs weiter zu erhöhen, sondern auch mehrere Terminals zu bauen, über die das Gas angelandet und dann verteilt werden kann. Zu exorbitant höheren Kosten für die deutschen Verbraucher und trotz exorbitant höherer „Umweltschädlichkeit“.

So funktioniert die „Verarschung“ des westlichen Souveräns: Ein dreckiger Wirtschaftskrieg wird propagandistisch über die Medien hinter der rührseligen Geschichte vom bösen Aggressor und dem armen unschuldigen Opfer versteckt. MIt nichts kennt sich der „menschlich“ gewordene Westmensch besser aus, als mit der „richtigen Moral“. Die hat er auch am leichtesten. Sich Hintergrundinformationen zu beschaffen – wozu? Die Unterscheidung von Gut & Böse reicht doch!?

Es ist so: Genau die ach-so-souveräne und ach-so-neutrale Ukraine, die seit 1991 alle Zeit der Welt gehabt hätte, sich aufgrund ihres natürlichen Reichtums zur Schweiz Osteuropas zu mausern – hätte sie stolz auf ihrer neutralen Souveränität zum Wohle des ukrainischen Volks bestanden -, wurde von Kleptokraten an den Westen verkauft, um das etwas verkürzt auszudrücken. Die Idee, daß sich die Ukraine auch noch in einen hochmunitionierten Aufmarschplatz gegen Russland verwandeln ließe, war dann der westlichen Gier und Arroganz zuviel. Obwohl es im Westen als gesichert galt, mit der ukrainischen Armee außerhalb der NATO eine De-Facto-NATO-Armee geschaffen zu haben, die jeder durchschnittlichen NATO-Armee überlegen ist, stellt sich nun heraus, daß es nichts werden wird mit einem „Sieg der Ukraine“ im Krieg gegen Russland. Es wird also auch nichts aus den langfristigen Plänen werden, Russland in drei Teile zu zerschlagen, die dann wiederum aufeinander losgehetzt und ausgenommen werden könnten wie zuvor schon die Ukraine. Das ist eine Kränkung. Um das Scheitern dieses durch und durch amoralischen Plans zu verschleiern, müssen im Westen möglichst alle das Narrativ vom bösen Putin und der „vergewaltigten Ukraine“ fressen. Wer die mediale Nahrungsaufnahme verweigert, ist eben „Putinversteher“, „Russenfreund“ – und was-weiß-ich noch alles. Moralisch minderwertig auf jeden Fall. Der bequeme deutsche Moralist läßt sich eben auch gern hinters Licht führen, wenn es seiner Eigenwahrnehmung schmeichelt. Was zählt da schon eine bezahlbare und sichere Energieversorgung? – Na eben.

 

Themen

AfD
Strompreise (Bild: shutterstock.com/Von andriano.cz)
Brisant
Corona
Deutschland
Gender
Aktuelles
Islam
Brisant
Klima
Linke Nummern
Medienkritik
Migration
Satire
Ukraine
Wahlkampf
Wirtschaft