Au weia: Robert Habeck - Foto: Imago

Habeck in Bayreuth: Der scheinheilige Robert

Robert Habeck war in Bayreuth. Nach einem „Bürgerdialog“ stand ihm der Sinn. Ob er sich eine Wagner-Oper angesehen hat, weiß ich nicht. Anton Hofreiter sowie die beiden grünen Walküren Claudia und Ricarda haben sich recht sachverständig geopfert für ein imageförderndes Foto im feierlichen Fummel auf dem „roten Teppich“. Wenn es ihnen nicht gelungen ist, sich vor Aufführungsbeginn noch durch ein Toilettenfenster ins Freie zu retten, werden sie dem grünen Robert schon erzählt haben, wie erbaulich das Ganze gewesen ist. Vielleicht waren die Walküren ja tapfer und haben den Preis für die Fotos stoisch abgeritten auf den Holzbänken im Bayreuther Festspielhaus. Wagners Pathos macht eben „Aua!“ am Allerwertesten. Die unbequemen Holzbänke im Bayreuther Festspielhaus verzeit meinereiner dem alten Wagner angesichts des Publikums dort noch am ehesten.

von Max Erdinger

Hier geht es aber nicht um den Wagner und die Walküren mit dem wallenden Haar (Rheingold: „Waga! Woge, du Welle! Walla zur Wiege! Wagalaweia! Wallala Weiala weia!“), sondern um den grünen Wirtschaftsrobert und seinen hübschen Bürgerdialog, der mehr so die Form eines gräßlichen Würgerdialogs angenommen hätte, wenn der grüne Superminister für Wirtschaft & Klima keine Wagalaweia-Bodyguards in Oberfranken dabei gehabt hätte, die ihn vor dem rustikalen Volkszorn der Eingeborenen abgeschirmt hätten. Das will etwas heißen. Bayreuth ist eine Beamtenstadt par excellence.

Jedenfalls sah sich der grüne Buwiklimi einem ohrenbetäubenden Gepfeife und einem Geschrei ausgesetzt, daß er zuerst gar nicht zu Wort kam. Ein besonders Frecher schrie sogar das häßliche Wort „Kriegstreiber!“ in Richtung Rednerbühne. Unerhört! Der grüne Robert schaute richtig verdutzt aus der Wäsche. Wahrscheinlich glaubt er den Umfragen, in denen es heißt, er sei neben Puffmutter Layla der Beliebteste in ganz Deutschland – und Wunschkanzler der gecancelten Bürger, während Walküre Ricarda die beleibteste ist. So viel steht fest: In Bayreuth ist die entsprechende Umfrage nicht gemacht worden.

Aber der grüne Robert drang dann doch noch durch zu den Bürgern. Ein Dialog wurde es zwar nicht gerade, aber so ein Monolog hat ja auch schon etwas. Faszinierend ist auf jeden Fall, von welchen Phrasen der grüne Robert weiß, daß er sie zur Anwendung bringen muß, damit die Würgerbürger von dem Verdacht wieder abrücken, sie könnten sich in ihrem Staatswesen sehr grundsätzlich getäuscht haben. Die „Welt“ hat seinen mordsdemokratischen Seim löblicherweise dokumentiert.

Der grüne Seim

Habecks Seim, gegeben zu Bayreuth, nacherzählt von der Tageszeitung „Die Welt“, einem Produkt des formidablen Springer-Verlags: „Er versucht es auf typische Habeck-Art, bietet das Gespräch an, fordert zum Dialog auf, doch er dringt nicht durch. ‚Halten wir den Raum der Demokratie offen, auch gegen die Lautstärke‘, appelliert er, doch es geht in ‚Lügner‘- und ‚Hau-ab‘-Rufen unter.“ – Ah jessers, den „Raum der Demokratie“ offenhalten. Ausgerechnet der Habeck. Den „Raum der Demokratie offenhalten“. Es war genau dieser Habeck, der vor etwa vier Jahren in einem Interview mit dem deutschen Größtphilosophen Richard David Precht die Lahmarschigkeit demokratischer Entscheidungsfindungen beklagte, weil die mit der Rasanz der Entwicklung nicht Schritt halten können, um praktisch im selben Atemzug die diesbezügliche Effizienz des chinesischen Systems zu lobpreisen. Die chinesische KP entscheidet schnell, so der grüne Demokratenrobert vor vier Jahren. Und das Beste seiner Ansicht nach: Wenn die Fehler machen, werden sie trotzdem nicht abgewählt. In Bayreuth wollte er jetzt aber – weil es glänzt wie das Rheingold – den Wagalaweia-Raum der Demokratie offenhalten. Wer Robert glaubt, er sei geläutert, der ist am Unverstand gescheitert.

Jedenfalls kam der grüne Wirtschafts- & Klimarobert, dem allmählich aufzugehen schien, daß er mit den Sanktionen gegen Russland hauptsächlich seine eigenen Popularitätswerte sanktioniert hatte, auf den „völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“ zu sprechen, ohne sich von der Tatsache irritieren zu lassen, daß damit jeder Krieg als völkerrechtswidrig zu bezeichnen sein müsste, da schließlich jeder Krieg mit einem Angriff losgeht. „Völkerrechtswidriger Angriffskrieg“ hat etwas von „vorgeburtlicher Schwangerschaft“. Das zu berücksichtigen, ist aber wahrscheinlich zu viel verlangt vom grünen Robert, wenn er gerade einen Cancelbürgermonolog halten muß. Habeck: „Wenn da hinten gerufen wird ‚Kriegstreiber‘, dann ist das eine kategoriale Verwechselung von Ursache und Wirkung, von Schuld und Unschuld! Es gibt einen Kriegstreiber in Europa, aber das ist Putin, es sind nicht diejenigen, die die Menschen in ihrem Kampf für Freiheit unterstützen.“ – Und da waren sie wieder, diese „die Menschen“. Die in „Europa“. Ist er Europabeauftragter, der grüne Robert? Ist er womöglich zuständig für alle „die Menschen“ vom Atlantik bis zum Ural? Das wäre nämlich Europa West bis Ost. Lampedusa Süd bis Nordkap Nord, auch. Na egal, seine Parteikollegin, die feministisch außenministrierende Annalena, bräuchte er jedenfalls nicht zu fragen. Die hält „Lampe Dusa“ vermutlich ohnehin für einen Eingerichtungsstand … Einrichtungsgegenstand von IKEA.

Der grüne Zuständigkeitsrobert

„Europa“ geht den grünen Robert eigentlich nichts an. Dafür ist er nicht zuständig. Er ist Wirtschaftsminister von Deutschland. Zuletzt hält er sich noch für den grünen Friedens- und Freiheitsstifter bei den Space Warriors und glaubt, daß die Deutschen für seinen Wahn von der Weltraumgerechtigkeit Not zu leiden hätten. Die Ukraine ist zwar Europa, Osteuropa genauer gesagt, aber weder in der EU noch in der NATO. Russland auch nicht. Zwar wär‘ Bescheidenheit die Zier, doch weiter kommt der Robert ohne ihr. Denkt er. Außerdem denkt er, es müsse ihm jeder den Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Kindergartenschnack von der Schuld und der Unschuld im Ukrainekrieg abnehmen und daß es in der Ukraine um die Freiheit der „die Menschen“ dort ginge. Im Grunde spuckt der grüne Robert damit jedem ins Gesicht, der sich im Wagalaweia-Raum der Demokratie, dem offenzuhaltenden, selber ein historisch zutreffendes Bild von den Ursachen des Ukrainekriegs gemacht hat, ohne sich dabei auf die Märchen von des Roberts grünaffinen, öffentlich-rechtlichen Volksverblödern zu verlassen.

Wir sind – und das unterscheidet uns in Europa – bis auf wenige Menschen ein starkes Land mit einer starken demokratischen Mitte, wir sind in der Lage mit der Kraft der Argumente zu einer Einigung zu finden. Die breite Mehrheit der Bevölkerung steht entschlossen und geschlossen“, meinte der grüne Bundeswirtschafts- und Weltklimababeck noch, anmerken zu sollen. Ausgerechnet er, der Obergrüne, gibt sich als Lordsiegelbewahrer des Arguments. Als ob nicht schon längst jeder wüßte, wofür die Grünen tatsächlich die Lordsiegelbewahrer sind: Für Argumentsverweigerung, die doktrinäre Klugscheißerei an der Realität vorbei, das selbsternannte Bessermenschen- und Volkspädagogentum, die Etikettierung Andersdenkender als „Verfassungsfeinde“ und „Rechtsextreme“ – und die Lordsiegelbewahrer des Betrugs am Souverän. Man erinnere sich nur an den Wahlkampf des vergangenen Jahres. Grüne mit Friedenstaube auf Plakat: „Keine Rüstungsexporte in Kriegs- und Krisengebiete!“ Außerdem: „Wir sind bereit, weil ihr es seid.“ Wahrheit: Wählerverarschung – „Waffen, Waffen und nochmal Waffen“ (Hofreiter) – „Keine Kriegsmüdigkeit!“ (Baerbock).

Das mit der „breiten Mehrheit der Bevölkerung“ stimmt allerdings fast. Aber eben nur fast. Richtig wäre im Angesichte des grünen Roberts zu Bayreuth – und unter Berücksichtigung dessen, wie und warum er überhaupt seinen Würgermonolog dort halten konnte – die Feststellung gewesen, daß die Mehrheit der Bevölkerung entschlossen und geschlossen „total breit“ gewesen sein muß, als sie sich den grünen Robert und seine Ampelkollegen als „Volksvertretung“ hat unterjubeln lassen. Diese Figuren vertreten kein Volk, noch nicht einmal eine Bevölkerung, sondern sie vertreten die globalistische Verelendungs-Agenda gänzlich Ungewählter. Traumhaft wäre, wenn die „breite Mehrheit der Bevölkerung“ endlich „entschlossen und geschlossen“ gegen solche Figuren wie den grünen Wirtschafts- und Wetterrobert und dessen impertinente, parasitäre Märchenerzählerbande stehen würde. Tatsächlich wäre es gut, wenn „wir“ wirklich eine „starke demokratische Mitte“ hätten. Haben wir aber nicht. Und weil wir sie nicht haben, hat der grüne Robert freie Hand, seinen untertänigen Cancelbürgern hypnotisch den Illusions-Seim in die Gehörgänge hineinzuschmeicheln, wie Ka die Schlange im Dschungelbuch dem Mogli das Vertrauen. Filmzitat: „Traaaue mir!“ – Nix gibt’s. Wer dem grünen Pack vertraut, der hat sein Haus auf Sand gebaut.

Die philanthropische Bundesregierung in ihrer Güte

Und dann das hier: „Die Bundesregierung werde alles tun, um den Menschen bei der Bewältigung der dramatisch gestiegenen Energiekosten zu helfen.“ – Natürlich wird sie das. Die Leute im Ahrtal wissen, wie dankbar man sein muß für die Versprechnungen der so überaus hilfreichen Bundesregierung. – ‚Worüber wir nicht diskutieren sollten, ist, ob wir uns einem diktatorischen Regime und einem völkerrechtswidrigen Krieg in Europa unterwerfen‘, fordert er. ‚Wenn wir das täten, sind wir nicht die richtige Bundesregierung dafür‘. Er freue sich ‚trotz des Lärms, ich würde sagen, sogar wegen dem Lärm‘ auf die Fragen der Bürger.“ – Die ganze grüne Robertshybris zusammengefasst in einem Absatz. Die Bundesregierung sucht sich seiner behaupteten Ansicht nach selber aus, für wen sie die Bundesregierung sein will und für wen nicht. Die Bundesregierung ist aber nicht dazu da, den „die Menschen“ bei der Bewältigung der von ihr selbst geschaffenen Existenzkrisen zu helfen, sondern dazu, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und seinen Nutzen zu mehren. Es gibt überhaupt keinen Kredit für den grünen Robert dafür, daß er den Souverän erst unter einem Misthaufen begräbt, um als nächstes Dank und Lobpreis dafür zu erwarten, daß „die Bundesregierung“ mit dem Geld der vom Mist Verschütteten einen Teil des Misthaufens „selbst“ wieder wegschaufeln will.

Die grüne Diskussionserlaubnis

Worüber wir nicht diskutieren sollten„: Das könnte dem grünen Wirtschaftskompetenzdarsteller und Märchenonkel so passen, daß er sich aussuchen darf, worüber „wir“ nicht diskutieren sollten. Natürlich sollten „wir“ aufhören, uns einem „diktatorischen Regime“ zu unterwerfen – und zwar seinem umd dem seiner doktrinären und stocktotalitären Gesinnungsgenossen vom grünen „Verband für Lügen, Verstiegenheiten und Weltfremdheiten aller Art“. Da gibt es gar keine Fragen mehr, auf die der grüne Robert sich noch zu freuen hätte. Ausgefragt! Auf den Kopf gefallen müsste jeder sein, der einem Grünen noch Fragen stellt. Weil er vorher schon wissen kann, daß die Antwort mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit gelogen sein wird. Das nennt sich Empirie. Uralte Volksweisheit: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er mal die Wahrheit spricht“. Logischer Umkehrschluß: Wer jemandem glaubt, der dauernd lügt, kann nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Ergo: Die Grünen hätten es bis zum St. Nimmerleinstag verschissen zu haben bei jedem potentiellen Fragensteller. Es gibt keine Fragen mehr, die man einem Grünen stellen könnte. Es ist bereits alles geklärt.

Aber es scheint dann trotz des lauten Protests gegen Habeck doch noch zu so einer Art Bürgerdialog gekomen zu sein. In der „Welt“ steht: „Eine weitere Fragestellerin, nach eigener Auskunft Parteifreundin von Habeck, sind die Proteste peinlich: ‚Ich möchte mich für diese Stadt entschuldigen, ich bin geschockt.‘ Sie bekommt dafür Applaus, doch der Lärm ist lauter.“ Das muß man sich vorstellen: Eine Parteikollegin vom grünen Wirtschaftsrobert ist dermaßen abgehoben, daß sie glaubt, sie müsse sich im Namen von ganz Bayreuth (74.000 Einwohner) beim grünen Robert entschuldigen – und daß ihr das gut zu Gesicht stünde. Grüner wirds nicht mehr. So viel steht fest: In Bayreuth wurde die Umfrage nicht gemacht, derzufolge der pseudomoralistische Wirtschafts- und Illusionshabeck der Deutschen liebster Bundeskanzler wäre.

Der Abschuß zum Abschluß

Wie ging die Sache aus in Bayreuth? – So: „Auch der Wirtschaftsminister merkt, dass er hier längst nicht jeden für sich gewinnen kann. ‚Ich nehme nicht an, dass Sie meine Antworten komplett überzeugt haben‘, sagt Habeck zum Abschluss. Dennoch sei der Abend ‚besser gelaufen, als ich am Anfang gedacht habe‘. Er schließt mit dem typischen Habeck-Pathos. ‚Dass Sie geblieben sind, trotz des Tinnitus im Ohr, damit haben Sie einen Dienst am Diskurs und an der Demokratie geleistet‘, sagt er. Der Applaus vor der Bühne geht im Pfeifkonzert unter.“ – Und das ist in der Kurzform die Botschaft, die während der Wagner-Festspiele aus der Wagalaweia-Beamtenstadt Bayreuth an Robert Grün geschickt wurde: Verpisst Euch! Wenn es schon in Bayreuth so weit ist, dann brauche ich gar nicht mehr darüber zu spekulieren, wie das in der klassischen Arbeiterstadt Nürnberg (530.000 Einwohner) neunzig Kilometer weiter südlich gelaufen wäre. Habeck hätte flüchten müssen.

Themen

AfD
Strompreise (Bild: shutterstock.com/Von andriano.cz)
Brisant
Corona
Deutschland
Gender
Aktuelles
Islam
Brisant
Klima
Linke Nummern
Medienkritik
Migration
Satire
Ukraine
Wahlkampf
Wirtschaft