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Ärzte schießen gegen Lauterbach: „Kein Covid-19 mehr – nur noch ‚Omikronitis‘“ – Es ist vorbei

Das wird dem Panik-Minister aber gar nicht gefallen: Lungenfacharzt Professor Thomas Voshaar will zurück „zur Vernunft, den Fakten, zurück ins Leben“. Die Zeiten der Pandemie sind vorbei. Für ihn steht fest: „Für einen schweren Herbst mag es viele Gründe geben. Aber Corona wird sicher nicht dazu gehören“. Unterstützung bekommt er von zehn Kollegen.

Tagtäglich ist der Pneumologe mit den Folgen der nunmehr seit drei Jahren ausgerufenen Pandemie konfrontiert. Er sieht im Gegensatz zu Gesundheitsminister Lauterbach keinen Grund mehr für Panik oder gar Maßnahmen: „Die Pandemie als große Bedrohung mit schweren Krankheitsbildern und Todesfällen liegt hinter uns. Reine Covid-Patienten sehen wir schon seit Monaten nicht mehr in den Krankenhäusern. Das ist der Grund, warum wir uns jetzt mit einer Neubewertung gemeldet haben. Wir haben eine schwere Zeit überstanden, mit Impfungen, die unabdingbar waren, und dem Schutz der vulnerablen Gruppen. Alles in allem ist das in Deutschland gut gelaufen. Die gegenwärtige Konfusion, dieses Durcheinandergerede der Warner, der düsteren Propheten und der Letzte-Wahrheit-Wisser rührt daher, dass die Dinge sich gewandelt haben, und das zum Guten. Alles, was vor einem Jahr noch richtig war, erübrigt sich nun“, meint  der Chefarzt der Lungenklinik Bethanien in Moers (NRW) und Präsident des Verbands Pneumologischer Kliniken in einem Interview mit der Welt. Für ihn gibt es kein Covid-19 mehr, nur noch „Omikronitis“ in Form einer grassierenden Sommergrippe.

„Covid-19 ist eine Erkrankung, die wir definiert haben als gefährliche Lungenentzündung mit Gefäßbeteiligung. Dieses Krankheitsbild haben wir unter dem Wuhan-Virus und seinen Varianten Beta, Gamma und Delta gesehen. Seit Omikron gibt es das aber praktisch nicht mehr. Wir haben es monatelang nicht mehr gesehen, und ich kenne keinen befreundeten oder bekannten Arzt in irgendeinem Krankenhaus von München bis Flensburg, der auf Nachfrage sagt, dass auf seiner Station ein Covid-19-Patient liegt“, erklärt der 62-jährige Lungenspezialist.

Er verweist auf das alte Problem: Die sogenannten Omicron-Patienten, die die Krankenhäuser derzeit „füllen“, sind wegen anderer teils schwerer Erkrankungen eingeliefert worden und nur nebenbei positiv getestet worden. Sie als Corona-Patienten aufzunehmen hat – immer noch – massive finanzielle Vorteile für die Krankenhäuser. Bis vor kurzem habe es noch 7000 Euro pro Patient gegeben und das in einer Situation, in der die Krankenhäuser insgesamt etwa 13 Prozent schlechter belegt waren als vor der Pandemie, weiß Professor Voshaar.

Natürlich gibt es viele Infizierte in den Krankenhäusern, so der Pneumologie: „Bei einer Inzidenz von 600 bildet die Situation in den Kliniken natürlich den Infektionsstatus der Bevölkerung ab. Der größte Teil ist zwar mit Sars-Cov-2 infiziert, kommt aber in die Klinik wegen der Dinge, wegen der man sonst ins Krankenhaus kommt. Wegen Herzinfarkten, Schwangerschaften, Hüft-Operationen“, stellt er klar.

Intensivmediziner, die sich zu Wort melden und von einer großen Zahl von Covid-Patienten auf ihren Stationen sprechen, meinten in Wahrheit Patienten, die dort mit der Infektion liegen und nicht wegen ihr. „Es gibt also keine Belastung der Intensivstationen durch Covid-19-Patienten. Aus den Meldezahlen geht immer noch nicht hervor, wie viele Patienten nur infiziert sind und bei wie vielen es sich um Covid-19-Kranke handelt. Ein Skandal, und es ist hanebüchen, wie die Wahrheit derzeit entstellt wird. Es ist an der Zeit, den Alarm- und Panik- und Sorgenmodus zu verlassen zugunsten einer rationalen Betrachtung“, fordert Voshaar.

Die Symptome, die momentan viele in die Teststationen treiben kämen nicht von Corona, sondern von unspezifischen Infekten, in früheren Zeiten wurden diese Infekte „Sommergrippe“ genannt, erklärt der Pneumologe.

In dieser Situation seien ständiges Testen und Quarantäne sinnlos, die allgemeine Maskenpflicht hält er für nicht mehr notwendig, sie sei nicht mehr zu begründen. Auch die vierte und fünfte Impfung sieht er skeptisch. Wie in Großbritannien könne man auch in Deutschland davon ausgehen, daß 99 Prozent der Bevölkerung inzwischen Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Diese natürliche Immunität gewinne immer mehr an Stabilität, man könne „sehr zuversichtlich in den Herbst gehen“. Außerdem habe sich Omikron von den ursprünglichen Varianten so weit entfernt, dass immunologisch gesehen nur noch eine kleine Restähnlichkeit bestehe und die Impfung nicht mehr im gleichen Ausmaß schützen kann, meint Voshaar weiter.

Für ihn ist „Long-Covid“ ein „Totschlagargument, denn keiner wüßte, was dagegen wirklich hilft. Deswegen gebe es keinen Grund ein ganzes Land weiter unter die Maßnahmen zu zwingen.

Genauso deutlich wird er, als es um die einrichtungsbezogene Impfpflicht geht, für ihn ist sie „absoluter Nonsens“: „Es soll ja der Schutz der Menschen gesichert werden, die sich uns als Patienten anvertrauen. Wenn aber die Impfung kaum Effekt auf die Übertragung hat, gibt es doch überhaupt keinen Grund dafür. Gäbe es eine Impfung, die die Übertragung relevant reduziert, müsste man die Sache neu überdenken“, findet der Lungenfacharzt. Es sei Zeit, die ständige Panikmache zu beenden und zur Vernunft zurückzukehren. Die sei in der Vergangenheit immer zu kurz gekommen, schließt er das Interview. (MS)

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