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Grünes Licht für Atomkraft jetzt auch von den grünen Wählern!

Wenn es ums Überleben geht, dann scheinen selbst die grünen Wähler von ihrem ideologischen Sockel zu hüpfen:

Eine deutliche Mehrheit der Grünen-Wähler ist für eine Laufzeitverlängerung für die verbleibenden Atomkraftwerke in Deutschland. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA für die „Bild am Sonntag“ hervor. Demnach haben sich 54 Prozent für der Grünen-Wähler für die Laufzeitverlängerung ausgesprochen, um die Energieversorgung unabhängiger von russischem Gas zu machen, dagegen sind 38 Prozent (weiß nicht/kA: acht Prozent).

In der Gesamtbevölkerung sind inzwischen 70 Prozent für die Verlängerung, 20 Prozent dagegen und zehn Prozent unentschlossen. Auch bei den Grünen ist in der vergangenen Woche eine Debatte über eine mögliche Laufzeitverlängerung des AKW Isar 2 ausgebrochen. Grünen-Mitbegründer Daniel Cohn-Bendit sagte der „Bild am Sonntag“ dazu: „Mich schmerzt die Realität, nicht, dass sich die Partei dieser stellt. Die Grünen sind im Moment die rationalste Partei in Deutschland.“ Möglicherweise werde die Atomenergie kurzzeitig verlängert. Aber das sei kein Ausstieg aus dem Ausstieg.

„Atomenergie muss womöglich als schädliche Brückentechnologie angesehen werden.“ Die Atomdebatte scheint den Grünen bislang nicht geschadet zu haben. 37 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Meinung, dass die Grünen in der Ampel den Ton angeben, das ist deutlich mehr als bei der SPD (25 Prozent) und der FDP (20 Prozent).

25 Prozent halten die Grünen für am glaubwürdigsten (SPD: 22 Prozent, FDP: 15 Prozent). Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut INSA 1.002 Personen am 29. Juli.

Selbst die Sprecherin der Grünen Jugend, Sahra-Lee Heinrich, hält einen Streckbetrieb von verbliebenen Atomkraftwerken in Deutschland nun bis ins Frühjahr für möglich, schließt den Betrieb mit neuen Brennelementen darüber hinaus aber natürlich aus. „Eine Laufzeitverlängerung ist mit uns nicht zu machen“, sagte sie dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Sonntagausgaben). „Und eine Laufzeitverlängerung ist das, was über den Streckbetrieb hinausgeht.“

Sie sei nicht notwendig und teuer. „Und die Atomenergie ist eine Hochrisikotechnologie. Was wir brauchen, ist der Ausbau der erneuerbaren Energien.“

Heinrich verwies auf einen Stresstest, den das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat und der die Frage klären soll, ob Deutschland auch unter verschärften Bedingungen bis zum Frühjahr ohne Atomenergie auskäme. Der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte dem „Tagesspiegel“ zuvor gesagt, schon ein Streckbetrieb sei eine Laufzeitverlängerung, weil auch dafür das Atomgesetz geändert werden müsse, das das Auslaufen der letzten drei Atomkraftwerke am 31. Dezember vorsieht. Unter Trittins Federführung hatte die rot-grüne Koalition im Jahr 2002 den ersten Atomausstieg beschlossen.

Er forderte eine Parteitagsentscheidung.

Es wird sogar noch schöner: Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, hat sich in der Atomkraft-Diskussion sogar für den Bau neuer Meiler in Deutschland ausgesprochen. „Wir müssen aber auch eine Debatte über den Bau von neuen Atomkraftwerken führen. Weltweit werden derzeit 50 neue Atomkraftwerke gebaut, die Technik hat sich weiterentwickelt“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben).

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie verwies dabei auch auf die Entscheidung der Europäischen Union, die Atomkraft im Rahmen der Taxonomie als grüne Energie zu kennzeichnen. Zwar müsse der Fokus auf erneuerbaren Energien liegen, diese würden aber nicht ausreichen, um den Gesamtstrombedarf in Deutschland in Zukunft abzudecken, warnte Wolf. Die Verlängerung der derzeit noch aktiven Atomkraftwerke bezeichnete der Gesamtmetall-Chef als „absolut notwendig“.

So könne die Verstromung von Gas reduziert und die Stromversorgung gesichert werden, sollte kein Gas mehr strömen. Sicherheitsbedenken etwa im Hinblick auf eine steigende Zahl von Cyberattacken gegen kritische Infrastruktur wies Wolf zurück: „Die Sicherheitsrisiken können wir absichern, wir haben gute Schutzschirme gegen Cyberangriffe.“ Mit Blick auf den Strombedarf rechne er zwar nicht mit Blackouts, es könne aber zu Versorgungsengpässen kommen, so Wolf.

Das könnte also noch richtig spannend werden. Bis man sich dann aber einig ist und die Grünen zustimmen, ist auch der Winter vorbei. (Mit Material von dts)

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