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Armut für alle – Ludwig Erhard und die Grünen

Schweißgebadet wachte ich aus einem Albtraum auf. Ich hatte geträumt, dass eine übergroße Gesichtswarze – den Umriss des Gesichts hatte ich noch nicht voll erkannt – plötzlich beim Duschen hautnah hinter mir stand. Der Schleier des Traumes entwich nur ganz langsam; ein klareres Bild stellte sich jetzt ein und nach dem ersten Schock erkannte ich das Gesicht von – Claudia Roth. Das Wasser tröpfelte nur noch kalt aus der Dusche und mir wurde schlagartig die Bedeutung dieser schrecklichen Erscheinung klar. Ich hatte eines der schlimmsten Nachkriegsverbrechen begangen: Ich hatte mein Maximum von fünf Minuten beim Duschen überschritten.

von Backfist

Wir schreiben das Jahr 2022. Es ist Sommer. Seltsam, der Traum wollte mir den ganzen Tag lang nicht aus den Gedanken weichen. Ich bin jung und phantasievoll genug, die nächsten zwanzig Jahre vor meinem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Ich bin aber auch alt genug, bin erfahren genug, die letzten siebzig Jahre, teils erlebt, teils aus der Geschichte gelernt, ebenfalls retrospektiv Revue passieren zu lassen.

Wohin gehen wir, woher kommen wir? Zeit, nachzudenken und sich die große Entwicklungslinie unseres Landes einmal vor Augen zu halten. Langsam und mit Bedacht. Wer regiert uns, wie lauten die Ziele der heute zum Regieren legitimierten Politiker? Wer sind sie? Im Unterschied dazu: Wer regierte die Deutschen früher einmal? Kurzum: Befinden wir uns mitten im Abstieg, spüren es vielleicht schon subkutan aber merken es doch irgendwie noch nicht so richtig?

Wie den Albtraum vom Duschen kann ich es manchmal nicht fassen, in welcher Rekordgeschwindigkeit wir uns dem Abgrund zu bewegen und das alles erscheint fast schon normal, gewohnt, man findet die Duschdiskussion erst einmal unpassend, peinlich gar, für eine führende Industrienation völlig unangemessen aber dann findet man sich damit ab. Heute wird kürzeres Duschen empfohlen, morgen vielleicht kürzeres Atmen oder wird übermorgen schon die Schuhcreme rationiert? Was geschieht hier eigentlich im Schnelldurchlauf?

Deutschland ist die viertstärkste Industrienation. Der Weg dahin führte über die Trümmerlandschaften der unmittelbaren Nachkriegszeit, viele Millionen vertriebene Deutsche kamen aus Not und Gefahr, die in die Regionen des späteren Westdeutschlands drängten. Über die Trümmerlandschaften zur Währungsreform, zu den ersten Bundestagswahlen 1949 und dem beginnenden Wiederaufbau, der von beeindruckenden Wachstumsraten der wiedererstarkenden Industrie und endlosen innovativen Produktionsleistungen des deutschen Erfindungsreichtums gekennzeichnet war.

Eine prägende Erscheinung, ja geradezu die Verkörperung des Aufschwungs und damit des Lebenswillens der Nachkriegsdeutschen war der Herr mit der Zigarre und dem akkuraten Seitenscheitel. Seine in sich ruhende, fast barocke Erscheinung ließ keinen Zweifel daran, dass der Wohlstand, der sich nach den Jahren der Entbehrung und des Wiederaufbaus eingestellt hatte, an ihm nicht spurlos vorübergegangen war.

Er hatte 1925 promoviert, das Thema seiner Arbeit über die Werttheorie lautete „Wesen und Inhalt der Werteinheit“.

Ludwig Erhard gilt als der Vater der „Sozialen Marktwirtschaft“ und war von 1949 bis 1963 Bundesminister für Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland. Der promovierte Ökonom war anschließend von 1963 bis 1966 zweiter Bundeskanzler der BRD.

Sein 1957 erschienenes Buch „Wohlstand für alle“ enthielt die wirtschaftspolitischen Überzeugungen, die seine Politik maßgeblich geprägt hatten. Leitend war das Ziel, breiten gesellschaftlichen Schichten in Deutschland zu Wohlstand zu verhelfen. Freier Wettbewerb, die Dynamik des freien Marktes, ein starker Mittelstand und ein nicht dirigistischer Staat, der letztlich nur die Rahmenbedingungen für die Ökonomie setzt, waren seine Grundüberzeugungen. Man möchte ergänzen, dass all dies nicht ohne die deutschen Sekundärtugenden Fleiß, Ehrgeiz und Erfindungsgeist möglich gewesen wäre.

Der Erfolg gab ihm Recht. Bereits im Jahr 1958 hatte die deutsche Industrieproduktion die britische deutlich überholt, das deutsche „Wirtschaftswunder“ eilte von Rekord zu Rekord, bald war man die Wirtschaftsmacht Nummer eins in Europa.

Der Rest ist – aus heutiger Sicht – fast schon Geschichte. Geschichte des Exportweltmeisters, dessen hochwertige Fahrzeuge, Maschinen und Markenartikel in der gesamten Welt begehrt waren.

Sie haben sich nicht geirrt. Ich schreibe die letzten Sätze in der Vergangenheitsform.

Statt des promovierten Ökonomen Ludwig Erhard, der sich an Wachstumsraten, außenwirtschaftlichen Erfolgen, einem rasanten Wiederaufbau und allem, was das Wunder der Wirtschaft beflügeln sollte, orientierte, ist heute ein Kinderbuchautor unser Wirtschaftsminister.

Wir sind beim Albtraum, der täglichen Duschzeit und damit bei Robert Habeck, dem populärsten deutschen Politiker angekommen.

Es geht nicht mehr um Wohlstand für alle, eine prosperierende Industrie, ein Land mit gesichertem Energiemix und guten Aussichten an der Spitze der wirtschaftlich führenden Nationen. Im Grundsatzprogramm der Grünen steht es auf Seite 34: „Es gilt das Primat der Politik, auch gegenüber Wirtschaft und Kapital“. Der Weg in die staatsgeprägte DDR 2.0 ist also das Ziel. Und Putin kann rein gar nichts für dieses selbstgemachte Desaster. Das Primat der Politik definieren heute die neuen grünen Primaten der Politik.

Aber der Weg dahin, beziehungsweise in eine „dekarbonisierte Wirtschaft“, in die uns der Kinderbuchautor und Wirtschaftsminister Robert Habeck weist, ist steinig. Der Weg in die Armut für alle beginnt mit Einschränkungen im privatesten Bereich. Ganz Deutschland diskutiert im Auftrag der Grünen und verstärkt durch die ihnen hörigen Massenmedien die Länge der Duschzeit und die Höhe der Raumtemperaturen im kommenden Winter. Es ist nicht nur eines der wichtigsten Themen des deutschen Wirtschaftsministers neben dem verzweifelten Versuch zur Beschaffung von Erdgas, es ist auch sehr praktisch, denn damit bekämpften wir nicht nur Putin, sondern retten auch noch das Klima. Geklärt werden muss noch, wer das alles im grünen Überwachungsstaat kontrollieren wird. Claudia kann es ja nicht alleine machen.

Geht das alles noch unwürdiger, noch übergriffiger, geht es noch peinlicher? Es geht. Lustvoll verkündet die abgebrochene Theologiestudentin Göring-Eckardt, dass zahlreiche weitere Einschränkungen im Herbst auf uns zukommen sollen.
Und (fast) keiner widerspricht. Es bleibt einer schrillen Adelstante vorbehalten, darauf hinzuweisen, dass sich mit dieser wirtschaftspolitischen Diktion offensichtlich der historische Kreis zurück zum Morgenthauplan schließen soll.

Hätten Sie es geglaubt, in welchem Tempo der Abstieg voranschreitet? Bitte beamen Sie sich einmal um ein paar Jahre zurück und versetzen Sie sich in eine Zeit vor der völligen Hegemonie der grünen Orwellianer. Es muss ja nicht ganz so weit zurück bis zu Ludwig Erhard sein….

Hätte ich Ihnen diese Diskursschwerpunkte, dieses Panoptikum von intelligenzabstinenten Politikprimaten, dieses peinliche inhaltliche Downsizing der herrschenden politischen Klasse und ihrer jeweils neuesten salatkommunistischen Gassenhauer zur Zerstörung einer ehemaligen wirtschaftlichen Weltmacht damals angekündigt, Sie hätten mich für einen durchgeknallten Verschwörungstheoretiker gehalten und mir wahrscheinlich empfohlen, erstmal eine kalte Dusche zu nehmen.

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