Bundeskanzler Olaf Scholz waehred der Sommerpressekonferenz in der Bundespressekonferenz in Berlin am 11. August 2022. (Foto: Imago)

Maulkorb-Journalisten huldigen Scholz

Wer sich über den Zustand des deutschen politischen Journalismus informieren will, muss sich nicht durch mehr oder weniger tiefschürfende Analysen mühen: Ein Bild von der gestrigen Veranstaltung der Bundespressekonferenz mit Kanzler Scholz reicht dafür.
Von Wolfgang Hübner
Auf diesem Bild sieht man den unmaskierten Hamburger Schlumpf, vor ihm die erlesene Schar der Berliner Presse- und Medienkorrespondenten – allesamt mit Maske, die in diesem Fall besser als Maulkorb zu bezeichnen ist. Dabei gibt es überhaupt keine Pflicht für die Journalisten, zu den Pressekonferenzen mit Maske zu erscheinen. Wichtiger ist jedoch, dass ihr geradezu devotes „Befragen“ des Politikers von ihrer Unfähigkeit und Unwillen zeugt, Scholz auch nur ansatzweise in Bedrängnis zu bringen.
Dass genau dazu jede Menge Gründe bestehen, braucht hier nicht näher ausgeführt zu werden: Inflation, Ukraine-Krieg, Russland-Sanktionen, China-Beziehungen, Corona usw. Scholz hatte so aber leichtes Spiel, sich mit politischen Phrasen, seinem schon üblichen Kitsch vom „Unterhaken“ gegen die künftigen Krisen und auch mit zynischen Flapsigkeiten zu behaupten. Offenbar waren alle in der maskierten Bundespressekonferenz dazu bereit, den Kanzler so einfach davonkommen zu lassen. Hätte es eine solche Veranstaltung in Moskau mit Putin gegeben, würden sich die Berichte hierzulande überschlagen, wie undemokratisch, wie regimefromm es doch in Russland zugehe.
Fast ausnahmslos befinden sich unter den zugelassenen Journalisten der Bundespressekonferenz Frauen und Männer mit einem, oft sogar mehreren Studienabschlüssen. Etliche haben professionelle Journalistenschulen absolviert. Es sind also gebildete Leute, die vor Scholz oder einem anderen Regierungsmitglied sitzen. Doch Bildung schützt vor Feigheit und Opportunismus keineswegs. Zudem hoffen nicht wenige der gestrigen Teilnehmer insgeheim auf eine bestens bezahlte Position als Pressesprecher der politisch Mächtigen.
Von all diesen Mitgliedern der Bundespressekonferenz ist eines gewiss nicht zu erhoffen: Dass sie sich als Wahrer und Verteidiger der sogenannten „Vierten Gewalt“, also des unabhängigen kritischen Journalismus, verstehen und verhalten. Die gestern vor Scholz saßen, waren nicht mehr als kastrierte Dackel des deutschen Machtblocks.

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