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Schlesinger – ein Normalsterblicher in der „City of London“

Es gibt immer neue Vorwürfe über das Wirken von RBB-Intendant Schlesinger. Diesmal geht es um eine dreitägige Reise nach London. spiegel.de schrieb am 10.08.2022: „Auf dem Programm stand offenbar der Besuch eines glamourösen Charity-Events, dem sogenannten Sheriff’s Ball. In der Beschreibung der Veranstaltung heißt es: »Dieser unterhaltsame Abend mit Essen und Trinken umfasst einen Empfang mit Drinks in der Alten Bibliothek, ein Drei-Gänge-Menü mit Wein in der Großen Halle sowie Tanz zu einer Live-Band und eine Benefizauktion«. Veranstaltungsort war die Guildhall in der City of London, Sitz der dortigen Bezirksverwaltung“.

Von Thomas Schlawig

City of London??? Welchen Bezug hat Schlesinger zur City of London? Zur Erklärung:

Mitten in London liegt die reichste Quadratmeile der Welt. Der Vatikan des Kapitals. Die exterritoriale Weltmacht City of London birgt viele Geheimnisse. Die Bank of England als private Zentralbank, die unbegrenzt britische Pfund drucken kann. Einen enormen Reichtum von Familien, der in zahlreichen Entwicklungsländern als privaten Überseebesitzungen zusammengerafft wurde. Und die Realität eines unantastbaren Steuerparadieses, das sich über mehrere Kontinente erstreckt.[1]

Diesen Ort kann ein Normalsterblicher überhaupt nicht betreten. Gestützt auf die enorme Kapital- Akkumulation hat sie über die Jahrhunderte einen besonderen Status mit Steuerfreiheit vom Vereinigten Königreich behauptet. Nirgendwo anders ist das Schlagwort so berechtigt wie in der City: Geld regiert die Welt.

Englands mächtigste Finanz-und Wirtschaftsinstitutionen befinden sich hier: Reiche Banken wie die 1811 gegründete weltgrößte Privatbank N.M. Rothschild & Sons mit der Adresse New Court, St. Swithin’s Lane; die 1694 gegründete, 1946 verstaatlichte und seit 1998 wieder im privaten Eigentum stehende Zentralbank „Bank of England“ (BoE) in der Threadneedle Street; die Londoner Aktienbörse – seit 2004 am Paternoster Square unweit der St. Paul’s Cathedral. Unzählige andere – auch ausländische – Banken, Investmentgesellschaften, Versicherungen und internationale Handelskonzerne haben gleichfalls hier eine Adresse. Auch wenn es nur eines von vielen Firmenschildern an bescheiden kleinen Häusern ist. Wie in Steuerparadiesen ebenso üblich. Etwa 14 Prozent des britischen Bruttoinlandsproduktes werden hier steuerschonend erwirtschaftet. Das hier veranlagte Privatvermögen macht über fünf Billionen Euro aus.

Die City ist das dunkle Herz Großbritanniens, der Ort, an dem die Demokratie schon bei der Geburt gestorben ist. Die größte, aber geheimste Macht der Welt. Das Zentrum des globalen Finanzwesens. Ohne EU-Mitgliedschaft und mit eigenen Gesetzen.

Wenn sich die Königin von England in die City zu einem Besuch begibt, wird sie vom Lord Mayor an der Temple Bar, dem symbolischen Tor der Stadt, abgeholt. Sie verneigt sich und bittet um Erlaubnis, seinen privaten, souveränen Staat betreten zu dürfen. Er gewährt ihr den Eintritt, indem er ihr das Staatsschwert überreicht. Bei solchen Staatsbesuchen überstrahlt der Lord Mayor in seiner Robe und Kette und seine mittelalterlich gekleidete Umgebung die königliche Gesellschaft, deren Kleidung sich auf die einfache Dienstuniform beschränken muss. 

Der Lord Mayor geleitet die Königin in seine Stadt. Er ist hier der König und führt immer den Weg an. Die Queen bleibt immer ein oder zwei Schritte dahinter. Eine Demonstration der wahren Machtverhältnisse.

Mit etwa 2,589 km² ist die „City“ der flächenmäßig kleinste und am wenigsten bevölkerte Stadtteil Londons. In den es täglich rund 500.000 Beschäftigte zieht – Banker, Rechtsanwälte, Steuer – und Vermögensberater Die Enklave agiert ohne Kontrollen und ohne Grenzen, nur dem Credo des Profits unterworfen.

Hier laufen die Fäden eines ganzen Netzes von „tax havens“ zusammen: Der sieben britischen Übersee-Territorien Anguilla, Bermudas, British Virgin Islands, Cayman Islands, Gibraltar, Montserrat, Turks & Caicos Islands; und der drei „Kronbesitzungen“ Jersey, Guernsey und Isle of Man, die der City gehören. Seit der Offshore-Leaks-Affäre weiß man, dass in der City of London ein Drittel bis die Hälfte des globalen Offshore-Kapitals gebunkert ist, das insgesamt zwischen 21 und 32 Billionen Dollar ausmacht und nur geringfügig oder gar nicht besteuert wird. Zusätzlich dürften in und über all diese Steueroasen jährlich bis zu 1,6 Billionen Dollar Fluchtkapital fließen.

Innerhalb des Senders stellt man sich nun nachträglich die Frage, welchen dienstlichen Anlass es eigentlich für die mutmaßlich vom Rundfunk Berlin-Brandenburg organisierte Reise gab und wer sie bezahlte. Aus dem Umfeld der Intendantin heißt es, ihr Ehemann habe seinen Anteil an den Reisekosten selbst bezahlt. Schlesinger selbst reagierte nicht auf eine Anfrage. [2]

Trotzdem muß die Frage gestellt werden, welche Verbindungen hat Schlesinger zur „City of London“ hat, welche ihr überhaupt den Zutritt erlauben?

“Mir ist es egal, welche Marionette auf dem Thron von England sitzt und ein Imperium regiert, wo die Sonne nie untergeht. Der Mann, der die Geldmenge Britanniens kontrolliert, kontrolliert das Britische Imperium, und ich bin der Mann, der die Geldmenge Britanniens kontrolliert.“  Nathan Mayer Rothschild (1777-1836)

[1] https://docplayer.org/82079745-Die-weltmacht-city-of-london-und-ihre-unglaublichen-geheimnisse.html

[2]  https://www.spiegel.de/wirtschaft/patricia-schlesinger-wochenendtrip-der-scheidenden-rbb-intendantin-nach-london-wirft-neue-fragen-auf-a-4e3c5183-6e29-4482-8882-4dbd6409ca10

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