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Zustand der Schulen wirft katastrophales Licht auf deutsche Bildungspolitik

Bildung hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Man hat sich viel Gedanken dazu gemacht. Reformen und Lehrplanentwürfe, Studien und viele Sonntagsreden sind das Ergebnis. Doch der wahre Zustand unsres Bildungssystems ist besorgniserregend.

Von Hans-Peter Hörner

Denn bei all den in sich wunderbar logischen und häufig vielleicht auch gut gemeinten Theorieimplantaten wird übersehen, dass Schule mit Menschen, Orten und mit Infrastruktur zu tun hat. Bildung wäre der berühmte „leere Wahn“, wenn es nicht Orte der Wissensvermittlung und pädagogische Fachkräfte gäbe. Und Schüler natürlich. An letzteren herrscht aktuell kein Mangel, die Zahlen steigen wieder. Das ist sicher auch der kriminellen Migrationspolitik Merkels geschuldet, aber sei`s drum: Tatsachen zählen.

„Zur Schule“, sagt der emeritierte Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Uni Köln, Peter J. Brenner, „gehören nicht nur die spektakulären Tests mit den großen Schlagzeilen. Zur Schule gehört ebenso der Alltag im Klassenzimmer, im Lehrerzimmer und auf dem Pausenhof; […] Zur Schule gehört schließlich auch das fürsorgliche Handeln der politischen Akteure, die Ganztagsschulen oder Vorschulen einrichten, um die „soziale Herkunft“ zu neutralisieren und jedem die gleiche Bildungschance zu geben.“ Genau dies aber scheint nicht mehr auf der Agenda verantwortlicher Politiker zu stehen. Das zumindest suggeriert stellvertretend für einen Großteil der deutschen Unterrichtsgebäude der Zustand der größten Grundschule Berlins. Ausgerechnet in der rot-grün regierten Bundeshauptstadt wurden kürzlich Teilbereiche der Anna-Lindh-Schule wegen Schimmelbefalls gesperrt. Die Presse meldet, dass eine Grundsanierung etwa 60 Millionen Euro kosten würde. Dabei wurde die denkmalgeschützte Schule aus den 1950iger Jahren erst in den Jahren 2020 und 2021 mit 5,3 Millionen Euro saniert. Gut, dieser Irrsinn verwundert nicht, denn Berlin gilt seit dem Mauerbau und dem Flughafenprojekt Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ ohnehin als Taka-Tuka-Stadt in der deutschen Schildbürgerrepublik. Trotzdem wirft der vermeintliche „Einzelfall“ ein grelles Licht auf den katastrophalen Zustand unserer Schulen.

Der desolate bautechnische Zustand deutscher Lehranstalten wird seit 2013 kontinuierlich festgestellt. Im August 2020 berichtete die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): „Steigende Investitionsbedarfe haben den Investitionsrückstand bei den Schulen in Deutschland wieder auf nunmehr 44,2 Mrd. EUR wachsen lassen (2018: 42,8 Mrd. EUR). Obwohl die Kommunen zuletzt 9,8 Mrd. EUR in die Schulen investieren wollten und damit doppelt so viel wie noch im Jahr 2015, halten ihre Investitionsplanungen mit den wachsenden Bedarfen nicht Schritt.“ Dabei stellt der Bund den Ländern immerhin satte Finanzmittel zur Verfügung, obwohl die Förderung der Sanierung und des Baus von Schulen Aufgabe der sechzehn Landesregierungen ist. Das bildungspolitische Kooperationsverbot von Bund und Ländern wurde durch die Einführung des Artikels 104 c GG 2019 teilweise aufgehoben. Der vom Bund zur Verfügung gestellte Förderungsfonds umfasste 2020 jedenfalls ein Volumen von 3,5 Milliarden Euro.

Da will es so gar nicht ins eingangs von Peter Brenner beschworene Bild des fürsorglichen Handelns der politischen Akteure passen, wenn jüngst der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, der Presse mitteilen musste, dass die Mehrheit der Bundesländer die Gelder für den Kauf von Luftfiltern an deutschen Schulen nicht abgerufen habe. „Nur wenige Bundesländer haben in der Corona-Pandemie flächendeckend in Luftfilter investiert“, sagt Beckmann und ergänzt: „Das ist ein weiteres Versäumnis, dass sich jetzt doppelt rächt und das wieder die Kinder und Jugendlichen und das Fachpersonal in den Bildungseinrichtungen vor Ort trifft, wenn etwa das vorgegebene Lüften in Schulen alle 20 Minuten die einzige Lösung bleibt, was wiederum die Heizkosten zusätzlich treibt.“

Mangelnde Energieeffizienz und marode, kaputtgesparte Gebäude – das ist mittlerweile trauriger deutscher Schulalltag. „Nicht nutzbare Toiletten, schimmelnde Wände und schlecht isolierte Fenster. Die Länder und Kommunen haben jahrelang zu wenig investiert“, berichtet Building Radar in seinem „Schulbau Report 2020“.  Und selbst der PR-Verein Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat völlig recht, wenn er endlich einmal ernsthaft eine Sanierungsoffensive für deutsche Schulgebäude fordert. So geschehen im Februar dieses Jahres. Denn es mangelt in der Tat an Luftfiltern und energietechnisch vernünftiger Wärmedämmung, was den Schimmel wachsen lässt. Laut des oben erwähnten Baureport werden in neu errichteten oder sanierten Schulen „Schadstoffe wie Formaldehyd oder andere organische Stoffe vermutet. Hinzu kommt der […] hohe Anteil von Kohlendioxid durch mangelhafte Lüftung.“

Zustände die die Gewerkschaft GEW bei ihrer Aktion „GEW in Bildung unterwegs“ dokumentierte. Dabei inspizierte Marlis Tepe, die frühere GEW-Vorsitzende, Schulen in ganz Deutschland und erlebte das Ausmaß des Sanierungsstaus: „kaputte Fenster, stinkende Toiletten, 26 Schreibtische für 38 Lehrkräfte. […] Zu den Toiletten oder Turnhallen kommen durch die Coronapandemie nun noch die Luftfilteranlagen neu auf der Bau-Liste hinzu“, wie auf der Homepage der Gewerkschaft im September 2021 zu lesen ist.

Der Forderung der GEW nach einem „Zehn-Jahresprogramm“ für die Modernisierung der Schulen kann man sich nur anschließen. Die ebenfalls geforderte „nationale Kraftanstrengung“ wird ein frommer Wunsch bleiben. Denn die GEW erwähnt schon einmal höchstvorsorglich: „Das Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten aus dem Jahr 2008, bis 2015 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Bildung und Forschung zu investieren, ist bis heute nicht eingelöst.“

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