Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: „Kollektiver Zusammenbruch der geistigen Gesundheit“

Die finnische Friedensaktivistin Ulla Klötzer hat dem „multipolar-magazin“ ein sehr aufschlußreiches Interview gegeben. Anfang der 1990er Jahre war Ulla Klötzer Vizevorsitzende der finnischen Grünen unter dem Vorsitz von Pekka Haavisto. Heute schämt sie sich dafür.

Ulla Klötzer – Screenshot „multipolar-magazin“

Der Grüne Pekka Haavisto ist seit 2019 finnischer Außenminister und die treibende Kraft hinter dem den NATO-Beitritt Finnlands. Der Ukrainekrieg ist ein wesentliches Thema des Interviews. Auszüge:

  1. Annalena Baerbock gehört zu jenen Grünen, die längst alle ihre Ideale und Versprechen aufgegeben haben, um an die Macht zu kommen. Das gilt auch für die finnischen Grünen. Ich bin den Grünen einst beigetreten, weil mir die Themen „Frieden“, „Atomkraft“ und „EU-Kritik“ wichtig waren – das ist inzwischen alles weg.“ – Mein Reden: Die deutschen Grünen sind inzwischen keine deutsche Partei im Sinne von „politische Partei“ mehr, sondern eine Ansammlung von Funktionären, die ganz anderen Prioritäten folgt als der Volksvertretung im Interesse der Deutschen. Ich halte die Grünen für absolut gekauft, erworben vom Meistbietenden. Salopp ausgedrückt: Ich halte die Grünen für eine „Partei“ in der jeder Funktionär seine eigene Großmutter verkaufen würde, wenn es seinem persönlichen Fortkommen dient. Sie unterscheiden sich in nichts mehr von den anderen Altparteien, deren Funktionäre ich schon viel länger für Verkäufer von Großmüttern halte.

Zum Krieg

Frau Klötzers Beurteilung der tieferen Ursachen für den Ukrainekrieg deckt sich mit den Aussagen vieler kluger Köpfe auch im Westen, die sich, anders als die Massen, nicht mit wohlfeilen Schlagworten wie „Putins Angriffskrieg“, „russischer Imperialismus“ oder „russische Aggression“ abspeisen lassen. Die Vorgeschichte des Ukrainekrieges will ich hier deshalb nicht zum x-ten Male ausrollen.

  1. Satanisch ist der Plan hinter dem Krieg für mich deshalb, weil die Vereinbarungen von Minsk wegen der westlichen Länder nicht verwirklicht wurden. Der Kompromissvorschlag des französischen Präsidenten Macron wurde von den NATO-Staaten abgelehnt, die Zusagen der italienischen Regierung vom April, bei der Lösung des Konflikts behilflich zu sein, lösten sich ebenfalls in Luft auf. Auch die Situationsanalyse des Papstes wird nicht ernst genommen. Jamie Shea, ein hochrangiger NATO-Beamter von 1980 bis 2018, jetzt aktive graue Eminenz, ermutigte im März 2022 unter der Überschrift „Entwicklung der Strategie zur Abschreckung Russlands und zur Schwächung Putins“ die USA und die NATO dazu, Abkommen mit Russland zu brechen. Das betrifft etwa die Zusage an Moskau von 1997, keine nennenswerten Kampftruppen oder Atomwaffen zu stationieren oder militärische Infrastruktur auf dem Territorium seiner neuen Mitgliedsstaaten in Osteuropa aufzubauen. Übrigens: Von den USA aus gesehen liegt Finnland in Osteuropa.

Frau Klötzer zu der Frage, ob sie glaubt, daß die USA an einer friedlichen Einigung in der Ukraine interessiert sind …

  1. Im Mai stellte die New York Times genau diese Frage, nämlich, ob die Vereinigten Staaten überhaupt versuchen würden, den Konflikt durch eine Einigung zu beenden, die eine souveräne Ukraine und irgendeine Form von amerikanisch-russischen Beziehungen ermöglichen würde. Oder sei es der Hauptzweck der Vereinigten Staaten, Russland dauerhaft zu schwächen? Anstatt eine Einigung herbeizuführen, wird die NATO nun global. Sie verstärkt die Beziehungen zu ihren asiatisch-pazifischen Partnern Australien, Japan, der Republik Korea und Neuseeland. Nun ist China als Feind an der Reihe. In den neuen Papieren vom NATO-Gipfel im Juni in Madrid wird China als wachsende Bedrohung erwähnt. (…) In den östlichen Grenzgebieten der NATO werden die Streitkräfte mit hoher Einsatzbereitschaft von 40.000 auf über 300.000 Soldaten ausgeweitet.

Über die finnischen Medien

Daß wir es mit einer medial gesteuerten, kollektiven westlichen Gehirnerweichung zu tun haben, habe ich selbst immer und immer wieder behauptet. Das scheint in Finnland nicht anders zu sein.

  1. Die Berichterstattung über den Krieg ist auch bei uns in Finnland keine echte Berichterstattung. Die Presseberichte wiederholen nur, was die Regierungen den Mainstream-Medien vorgeben, was sie berichten sollen. Ich lese oder höre kaum mehr Mainstream-Medien.

Allerdings scheint die Meinungsfreiheit in Finnland immerhin noch so weit hochgehalten zu werden, daß Frau Klötzers eigene Artikel und Leserbriefe abgedruckt werden. Sie sagt, bestimmte Zeitungen schmückten sich damit, gelegentlich auch konträre Ansichten abzudrucken. Sie nennt die auflagenstärkste schwedischsprachige Tageszeitung Finnlands, das „Hufvudstadsbladet“, sowie die in Oulu erscheinende „Kaleva“.

„YIe“ ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk Finnlands. Dort wurden Umfrageergebnisse veröffentlicht zum finnischen NATO Beitritt.

  1. Nun, das mit den Umfrageergebnissen ist so eine Sache. Graham Wood zeigt auf, dass zum Beispiel Yle über Umfragen berichtet, die von Yle selbst gesponstert wurden. Angeblich zeigen die Umfragen eine Unterstützung der Bevölkerung für die NATO-Mitgliedschaft. Wood hegt allerdings Zweifel an der Objektivität der Umfragen und an der Berichterstattung. Er weist zudem darauf hin, dass Yle selbst berichtet hat, dass einer ihrer Journalisten hinter jener Bürgerinitiative im Parlament steht, die eine NATO-Mitgliedschaft fordert.

Graham Wood ist sozialwissenschaftlicher Dozent an der Universität Helsinki. Er vertritt die Ansicht, daß die Finnen vergessen zu haben scheinen, wie gut Finnland nach dem Zweiten Weltkrieg – und trotz seiner vorherigen Allianz mit Nazideutschland – mit Stalin, Chruschtschow und Kossygin zurechtgekommen ist. Die Sowjetführer hätten eine wesentlich größere Bedrohung für die finnische Souveränität dargestellt als aktuell Wladimir Putin.

Zur Energiekrise

  1. Lord Ismay, der erste Generalsekretär der NATO, sagte ja einst: ‚Der Zweck der NATO ist es, die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten‘. Die Energiekrise wird vor allem die deutsche Industrie treffen, also sieht man, dass die NATO die Deutschen tatsächlich unten hält. Im Übrigen werden nicht nur die Energiepreise steigen – sondern alle Preise.

In diesem Zusammenhang verweise auf die folgende Seite: Fortum. „Fortum“ heißt der finnische Energiekonzern, in dessen Mehrheitsbesitz sich „Uniper“ befindet, jener deutsche Gasversorger, dessen Insolvenz nun über eine „Gasumlage“ vermieden werden soll. Im Aufsichtsrat von  „Fortum“ sitzt seit 2019 der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Die auf der oben verlinkten Seite gelisteten Daten kommen mir extrem merkwürdig vor, wenn man die z.T. prognostizierte Ergebnisentwicklung bis zum Jahr 2024 abgleicht mit der parallel genannten Umsatzentwicklung. Für den Laien sieht es so aus, als würden dort trotz Ergebnissen nahe Null enorme Umsätze prognostiziert.

  1. Die finnische Bevölkerung hat keine Ahnung! Sie ist in den Händen der Mainstream-Medien, die Russland, China und den Rest der Welt außerhalb der NATO und den USA nach US-Wünschen malen.

Das ganze, überaus lesenswerte Interview mit Ulla Klötzer gibt es im „Multipolar-Magazin„. – Empfehlung!

 

 

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