Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Antreten zum Maulschellieren!

Deutschland morgens um halb zehn: Zeit für ein Frühstückchen. Zeit für Knoppers? – Nein, Zeit für den Wunsch, die ersten Maulschellen zu verteilen. Wie’s kommt? – Die Startseite des Browsers zeigt einem die ersten Maulschellierungswürdigen des Tages mit einer Zusammenstellung von Lesetipps. Der „Spiegel“ als Volksgerichtshof, bei der „taz“ meint jemand etwas, die Lebenshilfe für den Tag kommt vom Deutschlandfunk, weiblichen Seelenstriptease gibt es bei „vice“, bei „t-online“ will einer brav Nord Stream 2 geschlossen halten – und dann noch die Werbeanzeigen dazu. Man fragt sich, wozu man den ersten Kaffee des Tages überhaupt noch braucht, wenn einen schon die Startseite des Browsers auf 180 bringt.

+++ Werbung: „Future is an attitude“. Die Ingolstädter wieder. Genauer: Die Audi-Schleimer im Anus des Zeitgeistes. Die Autos so widerlich wie ihre pimperlwichtigen Käufer, diese unterbelichteten Dilettanten. Audis – das sind diese untersteuernden Kisten mit einer Megatonne Gewicht vor der Vorderachse, deren Blinker nicht nur blinkt, sondern so eine Wischbewegung macht. Andere Autofahrer wollen nach links abbiegen, der Audifahrer will „ernsthaft nach links abbiegen“. „Aus Ideen entsteht Zukunft – Future is an attitude“. Das Audi-Motto: Zukunft ist Haltungssache. Danke, Audi. Wenn ich Ratschläge von geistig Behinderten brauche, gebe ich mir die Energiespartipps der Grünen. Zukunft ist eben nicht Haltungssache, weil Haltung eine Gegenwartssache ist. Zukunft ist nicht Gegenwart. Zukunft kommt auch ohne Ideen ganz automatisch. Den Ideologen gehört die Zukunft, oder was? – Das wäre das Maximaldesaster, keine Verheißung. Spekulieren kann man darüber, wie es in der Zukunft wohl zugehen wird. Wenn Zukunft Haltungssache wäre, dann könntet ihr versuchen, euren geschissenen „Audi RS-e-tron GT“, diese Parodie auf einen Sportwagen – wieso überhaupt noch „Sport“-Wagen in der Haltungszukunft? – an irgendwelche bitterarmen Grünenfans zu verkaufen, die mangels Strom verlaust, ungeduscht und müffelnd um ein wärmendes Lagerfeuer herumsitzen.

Und überhaupt: Euer lächerlicher „Sportwagen“ wiegt 2.420 Kilogramm. Das sind satte 200 Kilogramm mehr, als eine herkömmliche, fette S-Klasse von Mercedes mit einem V8-Verbrenner wiegt. Irre sportlich, das. Das sind Sportwagen: –> Opel Speedster turbo, 930 kg. –> Lotus Elise: 924 bis 931 Kilogramm. –> Lancia Stratos: 980 Kilogramm. Der Gewichtsunterschied zwischen diesen drei Sportwagen und eurem „Sportwagen“ beträgt sage und schreibe einen kompletten BMW M3 E 30. Und dann geht eure elektrische Blödmannskiste mit ihren knapp 2,5 Tonnen Gewicht dennoch in 3,3 Sekunden von Null auf Hundert? Das ist perfekt für eure Pimperlwichtigkunden in der Gegenwart. Da kann der reiche Dilettant recht „sportlich“ geradeaus von der Ampel wegfahren. Schnell bewegte Masse hat die Tendenz, sich ungern aus der Bahn bringen zu lassen. Die ist am liebsten geradeaus unterwegs. „Sportwagen Audi RS e-tron GT“: Möge der vierfach beringte Haltungssportfahrer vor kurvenreichen Paßstraßen verschont bleiben, die er in sportlicher Manier zu bewältigen gedenkt, Gott des Breitgummis und des Rollwiderstands. Euer „Audi RS e-tron GT“ ist nichts anderes, als eine rollende Ricarda Lang beim Leichtathletik-Sportfest.

„Aus Ideen entsteht Zukunft“? – Es ist eine verdammt schlechte Idee und verheißt daher nichts Gutes für die Zukunft, einen  elektrischen „Sportwagen“ mit knapp 2,5 Tonnen Gewicht zu bauen, dem in absehbarer Zeit der Strom ausgehen wird. In Großbritannien ist das Laden elektrischer „Sportwagen“ zu gewissen Tageszeiten bereits verboten. Und die Physik läßt sich sowieso nicht mit „Future is an attitude“ und einer aus schlechten Ideen entstandenen Zukunft austricksen. Je höher das Gewicht der zu beschleunigenden Masse, desto höher der nötige Energiebedarf. Ob diese Energie elektrisch daherkommt oder flüssig, ist völlig wumpe. Sie wird benötigt. Macht euch doch endlich ehrlich mit eurer Werbung: „Ihr seid heute blöd. In der Zukunft werdet ihr noch blöder sein. Wir bauen den ‚Sportwagen‘ für euch Idioten. Wenn ihr euch auf dem Weg zur Paßhöhe des Stilfser Jochs von einem ´78er Porsche turbo verblasen lassen müsst, dann gilt: „Gelassene Wurschtigkeit ist die Zukunft – für 150.000 Euro“. Und dann ist diese Lächerlichkeit auf Rädern nach einem Jahr und vielleicht 30.000 Kilometern Laufleistung höchstens noch für 70.000 Euro weiterzuverkaufen, – wenn überhaupt. Wie sagt man in eurer Branche? – Ihr habt ja wohl ein Rad ab? Hängt es bei den Vertragshändlern einfach als großes Plakat in die Ausstellungsräume: „Sie & Wir gemeinsam – haben wir nicht alle ein bißchen das Rad ab? +++

Ganz schlechte Idee: Audi für die „Zukunft“ – Screenshot Medien-Mainstream

+++ In der „Spiegel“ – Rubrik „Job & Karriere“ die folgende Schlagzeile, um Appetit aufs Weiterlesen zu bekommen in Dummdeutschland morgens um halb zehn. Erstmal ein Knoppers besorgen: „Hilfe, mein Traumjob macht mich fertig„. Teaser: „Naime liebt ihren Beruf, aber es gibt ein Problem: Es sind einfach zu wenig Kollegen da. Die Arbeit häuft sich, Besserung ist nicht in Sicht. Und jetzt?„.  Der bescheidwissende Lebenshelfende beim „Spiegel“ heißt Bernd Slaghuis. Zuerst einmal aber die fertiggemachte Naime: „Naime, 43 Jahre, fragt: »Ich liebe meinen Job und das Team sehr und habe eine verantwortungsvolle Aufgabe. Doch seit einigen Monaten wird es wirklich viel. Einige Stellen im Team sind nicht besetzt, ich mache gefühlt den Job von zweien. Ich denke auch am Wochenende ständig an die Arbeit, kann nicht mehr gut einschlafen und bin chronisch müde. Wie schaffe ich Abstand?“ – Aus! Aus! Aus! Ich will gar nicht wissen, was der gütige Papa Slaghuis zu antworten hat. Was will eine 43-jährige Frau mit Job & Karriere, wenn sie seelischen Beistand braucht, weil es ihr auf der Arbeit zu viel wird? Wo bin ich gelandet? Früher konnten sogar 20-Jährige selber entscheiden, was sie tun wollen, wenn sie unzufrieden gewesen sind mit ihrer beruflichen Situation. Keine hat einen gütigen Papa Slaghuis beim „Spiegel“ gebraucht, der ihre „Probleme“ für sie löst. Aber das paßt in eine Zeit, in der eine junge Frau in den sozialen Netzwerken fragte, ob man die Luft in den Autoreifen einmal im Jahr komplett erneuern müsse, weil sie eventuell schlecht geworden sein könnte – und sich für den Expertenrat bedankte, daß in den Winterreifen nur haltbare Winterluft sein müsse und in den Sommerreifen haltbare Sommerluft, sowie, daß man die Luft nicht jedes Jahr komplett wechseln muß. Wozu selber denken in der „sozial gerechten Gesellschaft“ der „die Menschen“, wenn man seine eigene Denkfaulheit auch dadurch überwinden kann, daß man andere „solidarisch“ für sich denken läßt? – „Du bist doch blöd wie zehn Meter Feldweg!“, wäre die einzig ehrliche Antwort auf die Frage der luftbesorgten Jungmaid gewesen. Kann das noch wahr sein? – „Zwar glaube ich, daß Luft im Reifen eben Luft im Reifen ist. Entweder man hat eine oder man hat keine. Aber ich bin mir nicht sicher. Ich frage lieber jemanden, der sich damit auskennt“. – Die Folge: Diese unsägliche „Experten“-Epidemie, in welcher einem bald  irgendein „Experte“ wortreich erklären wird, weshalb man immer in die Schüssel – und nie daneben kacken soll. +++

„Crybaby“ – Foto: Imago

+++ Weil ich schon gerade dabei bin: „InFranken.de“ meldet, daß ein Restaurantgast mit seiner ungehobelten und barschen Art eine 22-jährige Bedienung zum Weinen gebracht habe. Die Restaurantbetreiberin habe daraufhin eine Tafel vor das Restaurant gestellt und mit Kreide darauf geschrieben: „Bitte seien Sie nett zu unserer Bedienung! Noch immer sind Kellner schwerer zu bekommen als Gäste!“. Ein Bild dieser Tafel sei in den sozialen Netzwerken „viral“ gegangen, „hunderttausend“ Kommentare habe es gegeben. An alle Kommentatoren: Geht zur Bank, heult denen was vor – und fleht sie um einen Kredit für einen „Audi RS e-tron GT“ an, damit sich die zeitgeistigen Audianer:innen in Ingolstadt nichts antun wegen stockender Verkaufszahlen in der menschlichen Gesellschaft. Ein kleiner Tipp noch für „InFranken.de“. Macht doch mal eine Schlagzeile wie die hier: „Tierschützer schockiert: Schleimschnecke schleimt nicht.“ +++

Defekt: Schleimschnecke schleimt nicht – Foto: Imago

+++ Unter „Rauchen, Pupsen, Lügen“ ist bei der „taz“ die folgende Schlagzeilen rubriziert: „Wir brauchen Tabus“. Ausgerechnet in der „taz“ wird beklagt, daß das Private leider allzu oft in der Öffentlichkeit ausgelebt wird. Den Christopher-Street-Day haben sie nicht gemeint. Allerdings habe man bereits eine Kioskbesitzerin dabei beobachtet, daß sie sich einen Pickel zwischen den Möpsen ausdrückt und sich nicht einmal dafür geniert, beobachtet worden zu sein. Na ja, Tabubruch eben. Aber das tollste Beispiel: Wenn die WG eine lautstarke Party feiert in der Nacht um 2 Uhr, obwohl in den umliegenden Wohnungen Babies schlafen sollen oder Leute wohnen, die in aller Herrgottsfrüh aufstehen müssen, um zur Arbeit zu gehen, dann soll es ein Tabu sein, sofort die Polizei zu rufen. Das ist nämlich scheißdrecks-spießbürgerlich. Besser wäre, sich erst einmal anzukleiden, die eigene Wohnung zu verlassen und bei der ausgelassen feiernden Gesellschaft drei Stockwerke tiefer mit der Bitte vorzusprechen, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Einfach die Polizei anzurufen sei „voll uncool“, auch dann, wenn man die Polizei als „Freund & Helfer“ begreift. „Voll uncool“ zu sein, ist ein Tabu, das beachtet werden sollte, meint die linke Schreibse in der „taz“. Einspruch! „Voll uncool“ ist es, in einem Mietshaus nachts um 2 Uhr Remmidemmi zu machen, so, als wäre man mit seinen Gästen und der ganzen Feierlaune weit weg auf einem anderen Planeten. Mit der Polizei kommt so eine Bande von lärmenden Egozentrikern sogar noch gut weg. Wer etwas auf sich hält, der hat für solche Fälle seine private Schlägertruppe, die den Egozentrikern die Bedeutung des Adjektivs „asozial“ einbläut. Anruf genügt. +++

Party in Indien 10./11. Jahrhundert – Foto: Imago

+++ In den Leseempfehlungen der Browser-Startseite kommt „Billy Gates‘ wöchentliche Pharmapostille“ aka „Der Spiegel“ heute gleich zwei Mal vor. Hätten sie dort den Relotius noch, wäre es wahrscheinlich dreimal gewesen. „Empörung über Grundgesetz-Kommentator »Maaßen hat sich vom demokratischen Diskurs verabschiedet« – CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen darf sich in einem Grundgesetz-Kommentar zum Asylgrundrecht äußern. Juristen und Verbände sind entsetzt – und fordern den Verlag C.H. Beck auf, die Zusammenarbeit zu beenden.“ – Ein inexistenter Experte meinte, allein wegen der Schlagzeile „Maaßen hat sich vom demokratischen Diskurs verabschiedet“ möge man sich bei „Billy Gates‘ wöchentlicher Pharmapostille“ und den „Juristen“ schon einmal mit „Verbänden“ eindecken, da sie im Rahmen der befürchteten „Volksaufstände“ gegen die Diktatur der „Demokratieschwafler“ benötigt werden könnten. +++

 

„Verbände“ – Foto: Imago

+++ „Die Deutsche Bahn hat große Ambitionen. Doch derzeit ist die Lage so desaströs wie selten zuvor. Das liegt an politischen Fehlern und einem hochkomplexen System.„, heißt es im Wirtschaftsteil der „FAZ“. Ein inexistenter Experte für Ambition & Transport meinte, es sei immer ratsam, zuerst einmal ambitioniert die desaströse Lage zu bereinigen und die politischen Fehler im hochkomplexen System zu berichtigen – und danach erst große Ambitionen zu haben. Wenn die Züge wieder pünktlich und zuverlässig führen, könne man sich bei der Deutschen Bahn immer noch großambitioniert der Rettung von Planet, Menschheit und Weltklima widmen.  +++

Die Großambition bei der DB in Duisburg – Foto: Imago

+++ Keine Leseempfehlungen für den Tag auf der Startseite des Browsers gab es zur Entwicklung in der Angelegenheit „FBI-Überfall auf Donald Trump“ (läuft übrigens ganz gut für „Trump vs. DOJ“); über die nahende Niederlage der ukrainischen Armee; den Beschuß des AKW Saporoschje durch ukrainische Truppen; die deutliche Distanzierung Serbiens von der EU; den neuerlichen Besuch des strohblonden Boris Johnson in der Ukraine und seine „Anweisung“ an Selenskyj, keinesfalls aufzugeben; die Wassernot in Chile dank der Lithium-Förderung für den „Spochtwagen Audi RS e-tron GT“;  den Hick-Hack um die Gasumlage samt Uniper/Fortum – und was die FDP in Gestalt von Philipp Rösler damit zu tun hat; die niedrigsten Zustimmungswerte für einen US-Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten; den Mord an Darja Dugina – und natürlich schon wieder keine Leseempfehlung für „Erdingers Absacker“. Was die Startserite seines Browsers angeht, kommt sich meinereiner allmählich vor wie die AfD in den Talkshows der ach-so-unabhänigen „Öffentlich-Rechtlichen“.

Deutschlands Glaubwürdigkeit in der westlichen Welt ist nach der Zögerlichkeit bei Waffenlieferungen und Sanktionen ohnehin ramponiert. Nord Stream 2 wäre der Todesstoß. Längst ist die Pipeline zum Symbol für deutsche Heuchelei geworden.„, meint dafür Luis Reiß bei „t-online“ und verteidigt das Geschlossenhalten von Nord-Stream 2. Was ist schon eine ganze Wirtschaftsnation mit ihrer energieintensiven Produktion und allem, was daran hängt, gegen die legendäre „deutsche Glaubwürdigkeit“? – Ein Vogelschiß. Deutschland 2022: Eine veritable Irrenanstalt.  +++

Die legendären drei Affen – Foto: Imago

 

 

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