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Ich glaube, mein Hamster bohnert: Acht (8!) Mäuse sollen beweisen, wie gut die neuen Omikron BA.4/BA.5-Impfstoffe wirken

Die an Omikron BA.1 angepassten Impfstoffe sollen ab dem 5. September in Deutschland ausgeliefert werden. Später im Herbst folgen an BA.5 angepasste Booster. Die Daten zu den aktualisierten Boostern sind jedoch begrenzt, die Auswirkungen, die sie haben werden, sind unklar. Daten aus Tierversuchen sollen die Wirksamkeit belegen. Im Juni präsentierte der Pharmakonzern Pfizer auf der FDA-Sitzung in den USA vorläufige Ergebnisse bei acht (8!) Mäusen, denen BA.4/BA.5-Impfstoffe als dritte Dosis verabreicht worden war. Im Vergleich zu den Mäusen, die den ursprünglichen Impfstoff als Auffrischimpfung erhielten, zeigten die Tiere eine erhöhte Reaktion auf alle getesteten Omicron-Varianten: BA.1, BA.2, BA.2.12.1, BA.4 und BA.5. Wieder gibt es für die „angepassten Impfstoffe“ nur eine Notfallzulassung. 

Am Montag ist es soweit. Dann ist der sogenannte Omikron BA.1 Impfstoff und auch der Totimpfstoff von Valneva verfügbar. Später im Herbst folgen an BA.5 angepasste Booster, freut sich die Corona-Impfgemeinschaft. Doch die BA1 Variante zirkuliert laut Science.org nicht mehr, sie wurde im Frühjahr durch die Untervarianten BA.4 und BA.5 abgelöst. Deshalb forderte im Juni die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) die Hersteller auf, einen Booster zu entwickeln, der speziell auf diese beiden Untervarianten abzielt. Die Daten zu den aktualisierten Boostern sind jedoch begrenzt, und die Auswirkungen, die sie haben werden, wenn grünes Licht gegeben wird, sind unklar.

Nicht wenige Wissenschaftler kritisieren die mangelhafte Datenlage der neuen angepassten sogenannten Impfstoffe, die nur als Auffrischung der vorherigen „Impfungen“ dienen sollen. Denn bisher wurden sie nur an Mäusen getestet. Dabei orientiere man sich an den jährliche neu aufgelegten Grippeimpfstoffen, heißt es.

Laut Scienc.org seien Humandaten nur für die auf BA.1 ausgerichteten Booster der Unternehmen verfügbar. Auf einer Sitzung des Impfstoff-Beratungsausschusses der FDA im Juni präsentierten sowohl die Pfizer-BioNTech-Kollaboration als auch Moderna Daten, die zeigten, dass die Impfungen ähnliche Nebenwirkungen wie die ursprünglichen Impfstoffe hatten – einschließlich Schmerzen an der Injektionsstelle und Müdigkeit – und starke Antikörperreaktionen auf induzierten sowohl der ursprüngliche Stamm als auch Omicron BA.1. Von schweren Nebenwirkungen, die nachweislich durch die bisherigen experimentellen mRNA-Impfstoffe verursacht wurden, ist keine Rede. Anscheinend probiert man hier – wie zuvor – gerne den Ernstfall am Menschen.

Für die BA.4/BA.5-Auffrischungsimpfstoffe hätten die Unternehmen Tierdaten vorgelegt. Die Daten seien bisher nicht veröffentlicht worden. Im Juni hätte Pfizer auf der FDA-Sitzung im vorläufige Ergebnisse bei acht Mäusen präsentierte, denen BA.4/BA.5-Impfstoffe als dritte Dosis verabreicht wurden. Im Vergleich zu den Mäusen, die den ursprünglichen Impfstoff als Auffrischimpfung erhielten, zeigten die Tiere eine erhöhte Reaktion auf alle getesteten Omicron-Varianten: BA.1, BA.2, BA.2.12.1, BA.4 und BA.5.

Klinischen Studien für die BA.4/BA.5-Impfstoffe würden im nächsten Monat beginnen werden. Diese Daten Daten sind für die vollständige Zulassung der Impfstoffe Voraussetzung – wieder sind die angepassten Impfstoffe nur mit einer Notfallzulassung auf dem Markt. Vermutlich werden sie die Antikörperspiegel der Empfänger messen, aber nicht die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen Infektionen oder schwere Krankheiten. Solche Versuche sind sehr aufwendig und wurden für das BA.1- Vakzin auch nicht durchgeführt.

Bei der Marktreife orientiert man sich an Influenza-Impfstoffen. Sie werden jedes Frühjahr aktualisiert, um zu versuchen, dem Stamm zu entsprechen, der am wahrscheinlichsten im Herbst und Winter zirkulieren wird. Sie müssenkeinen neuen klinischen Studien unterzogen werden, es sei denn, die Hersteller ändern die Art und Weise, wie sie den Impfstoff herstellen, erheblich. Ein ähnlicher Ansatz für neue COVID-19-Varianten sei sinnvoll, behauptet Leif Erik Sander, Experte für Infektionskrankheiten an der Berliner Universitätsklinik Charité. Die Änderungen an der mRNA sind geringfügig, und die schnellstmögliche Bereitstellung aktualisierter Impfstoffe ist „eine ethische Frage“, wischt Sander etwaige Bedenken beiseite.

Nicht jeder Wissenschaftler ist davon überzeugt, daß die sogenannten Booster-Impfstoffe wirklich nötig snd. Paul Offit, ein Impfstoffforscher am Kinderkrankenhaus von Philadelphia, war eines von zwei Mitgliedern des FDA-Ausschusses, die dagegen gestimmt hatten, Omicron-spezifische Booster herzustellen. Offit bestreitet nicht, dass die neuen Impfstoffe einen gewissen Nutzen haben werden, bezweifelt jedoch, dass sie den Aufwand wert sind. Aktuelle COVID-19-Impfstoffe würden immer noch schwere Verläufe verhindern, glaubt Offit. Wenn das Ziel darin bestehe, Infektionen zu stoppen, werden selbst aktualisierte Impfstoffe kaum Auswirkungen haben, meint er.
Grund dafür sei, daß die Inkubationszeit für COVID-19 – die Zeit zwischen der Ansteckung und der Ansteckung anderer – zu kurz ist. Wenn die Konzentrationen an neutralisierenden Antikörpern nicht bereits hoch sind, hat das Immunsystem keine Zeit, das Virus in den wenigen Tagen zwischen der Exposition und dem Zeitpunkt, an dem jemand genug Virus ausscheidet, um andere zu infizieren, zu erkennen und abzuwehren. Krankheiten wie Masern oder Röteln haben eine 2-wöchige Inkubationszeit, was bedeutet, dass die Immungedächtniszellen einer geimpften Person die Produktion von genügend Antikörpern rechtzeitig hochfahren können, um zu verhindern, dass sie sie weitergeben. Aus diesem Grund können Impfstoffe gegen Masern und Röteln die Ausbreitung dieser Krankheiten stoppen, sagt Offit, während im Fall von COVID-19 „selbst wenn 100 % der Bevölkerung geimpft wären und sich das Virus überhaupt nicht entwickelt hätte, Impfstoffe kaum helfen würden, die Übertragung zu stoppen“. (MS)

 

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