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Kriegsgewinnler?: Ukrainische Tourismusindustrie hofft auf Boom

Während die grüne Außenministerin bei ihrer zweiten Ukraine-Reise „einigermaßen fassungslos“ ausgebrannte Autowracks bestaunt, erhofft sich die Tourismus-Branche des Landes dank des gestiegenen Interesses einen Tourismus-Boom. Die Ukraine arbeitet an einem touristischen Neustart, bei dem auch die Kriegsschauplätze eine Rolle spielen sollen.

Annalena Baerbock macht’s vor. Reisen in Die Ukraine sind jetzt „in“. Zwar zeichnet die Staatliche Agentur für Tourismus­entwicklung in der Ukraine (SATD) ein gutes halbes Jahr nach Kriegsbeginn ein verheerendes Bild von der touristischen Infrastruktur des Landes – viele belebte Ziele seien zerstört – doch Hoffnungslosigkeit ist nicht zu spüren. Im Gegenteil.  sich aber durchaus optimistisch. Erst vor wenigen Wochen zeigt die ukrainische Initiative „Visit Ukraine Today“, wie man aus einem Krieg Kapital schlägt: Sie bietet touristische Touren durch Kiew und andere Städte an. Vor allem die Tour „Mutige Städte“ sorgt für Aufmerksamkeit und Kritik – mit dem Sightseeing-Angebot werden die Schauplätze des Krieges, u.a. Butscha und Irpin, wo mutmaßlich Hunderte Zivilisten vom russischen Militär gefoltert und ermordet worden sein sollen, besichtigt.

Beliebt seien die Touren vor allem bei den Kriegsopfern, den Ukrainern selbst. Ihnen ist schon wieder nach Reisen. Auch aus dem Ausland wie den USA gebe es Buchungen.

Während der Inlandstourismus wieder Fahrt aufnimmt, sei die Zeit für internationalen Tourismus noch nicht reif, meint Mariana Oleskiw, Vorsitzende der SATDOleskiw gegenüber dem RND: „Wir raten Ausländern davon ab, für einen touristischen Aufenthalt in die Ukraine zu kommen. Sicherheit ist das Wichtigste und in einem Land, das sich im Krieg befindet“, erklärt sie.

Die Ukrainer selbst gönnen sich bereits die „kleine Auszeit vom Krieg“: „Der Inlandstourismus erholt sich allmählich“, so Oleskiw. Lokale Reiseagenturen hätten ihre Aktivitäten um bis zu 20 bis 50 Prozent erhöht. Meist handele es sich um Wochenendausflüge in relativ sichere westliche und zentrale Regionen. Diese Reisen sind ihrer Aussage nach weniger Urlaub oder Erholung, sie dienten eher einem „Neustart“.

Die Tourismusbranche der Ukraine erhofft sich dank des Kriegsinteresses in Zukunft vielen Menschen einen „Traumurlaub“ bieten zu können. Im Hintergrund werde schon kräftig an einer langfristigen Strategie gebastelt: „Wir wollen, daß sich die Welt daran erinnert, dass die Ukraine ein großartiges Reiseziel ist“, meint Oleskiw. Sie hofft, dass der Krieg nach Ende sogar mehr Menschen ins Land bringen könnte, schließlich hat das osteuropäische Land neben Blut und Kanonen und viele Kunstschätze zu bieten: „Wir arbeiten derzeit an der Schaffung neuer Routen, die Orte der Erinnerung einschließen, um unseren ausländischen Touristen zu zeigen, was genau in der Ukraine passiert ist“, kündigt Oleskiw an, „damit sie ihren Kindern und Enkeln von unserem Kampf und Sieg erzählen können“, plant Oleskiw die Zukunft.

Wer jetzt schon Die Ukraine mit einer Reise-Buchung unterstützen will, kann sicher sein, daß sein sauer verdientes Geld gut angelegt ist: Bereits jetzt könnten Unterkünfte und Touren gebucht werden, erklärt Oleskiw. Sollten die Reisen nicht wie geplant stattfinden, weil der Krieg noch immer andauere, würde das Geld an „wohltätige Zwecke sowie für die ukrainische Hotellerie gespendet, so die Tourismus-Chefin. (MS)

 

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