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Long-Covid: Alles Einbildung?

Hilfe! 17 Millionen Menschen leiden in Europa unter Long-Covid-Symptomen, schlagzeilt der Blätterwald. Alles halb so schlimm, meint ein Neurologe aus Essen. Er behauptet: „Long Covid ist vor allem Kopfsache“.

Erschöpfung,Depressionen, Kurzatmigkeit, Verlust des Geschmacks-und Geruchsinns, darunter leiden laut WHO angeblich Millionen Europäer nach ihrer überstandenen Covid-Infektion. „Sie dürfen nicht weiter im Stillen leiden. Regierungen und Gesundheitspartner müssen zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden“, fordert der europäische Regionaldirektor der WHO Hans Kluge. Und auch Corona-Papst Karl Lauterbach sieht wieder schwarz für den Herbst und für seine Schäfchen: Viele 20- bis 50-Jährige würden im Herbst, bei steigenden Corona Fallzahlen, eine Entzündung ihres Gehirngewebes als Folge von #LongCovid erleben“, weissagt der Minister nach seinem Blick in die Glaskugel auf Twitter. Seine Angst- und Panikvorhersagen verfangen immer noch bei vielen Menschen. Vor allem das weibliche Geschlecht schenkt ihnen offenbar Glauben. Nach Angaben der WHO seien Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Diese Erfahrung bestätigt Prof. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Neurologie an der Uniklinik Essen.  Für ihn sind solche immer wieder medial verbreiteten Horror-Meldungen geradezu gefährlich: „Die Folgen der Erkrankung werden für politische Zwecke dramatisiert. Das Problem: Je mehr über Langzeitschäden geredet wird, desto häufiger tauchen sie auch auf.“

In einer aktuellen Studie mit 171 Patienten konnte die Uniklinik Essen belegen, daß das Nervensystem keinen Schaden durch eine Corona-Infektion nimmt. Bedeutet: Die anhaltenden Symptome sind vor allem eins: eine Kopfgeburt. Etwa 10 Prozent der Corona-Infizierten würden nach ihrer Infektion weiter über wochen- und monatelange Beschwerden klagen, berichtet Prof. Christoph Kleinschnitz der Bild-Zeitung. Besonders Frauen, die zuvor schon anfällig für psychiatrische Erkrankungen wie z.B. Depression, Angststörung oder posttraumatische Belastungsstörung waren, würden leiden. Auch das Bildungsniveau spiele eine Rolle: „Wir haben auch beobachtet, dass vor allem Personen mit höherem Bildungsniveau unter den anhaltenden Symptomen leiden“, weiß der Neurologe.

Offenbar wollen die Betroffenen einfach nicht glauben, daß es vorbei ist. Die Rede ist von Symptomen, „die mehr als vier Wochen nach Ansteckung mit dem Corona-Virus fortbestehen, sich verschlechtern oder neu auftreten“, so die Bild. Zu ihnen zählen neben u.a. Müdigkeit, Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen sowie Muskelschwäche und -schmerzen.

Entwarnung für die bevorstehende Lauterbachsche Gehirn-Entzündung: „Bei anderen Erkrankungen, etwa Multiple Sklerose, kann man im Gehirn eindeutig einen Entzündungsherd feststellen. Bei Long-Covid sind die Befunde in den meisten Fällen unauffällig. Wir schlussfolgern daraus: Long-Covid hat viel mehr mit der Psyche zu tun, als mit dem Virus“, erklärt Professor Christoph Kleinschnitz. Bei 86 Prozent der Personen war die neurologische Untersuchung komplett unauffällig. Ein Zusammenhang zwischen der akuten Corona-Infektion und dem Auftreten von Langzeitfolgen ließ sich nur in rund zwei Prozent der Fälle herstellen.

Für Kleinschnitz ist das eine gute Nachricht: Ein Großteil der Infizierten habe keine langanhaltenden Symptome nach der Genesung. „Wir glauben, dass psychologische Mechanismen für die Entstehung des Long-Covid-Syndroms wichtig sind. Wenn die Krankheitsverarbeitung im Gehirn nicht richtig funktioniert und ein Patient anfällig für Ängste oder Depressionen ist, kann er das Risiko, das für ihn durch eine Erkrankung entsteht, nicht richtig einschätzen. Dadurch kann er sich langfristig schlapp und müde fühlen, obwohl es ihm körperlich eigentlich gut gehen könnte“, so der Essener Professor. Er gehe davon aus, daß die anhaltenden Symptome in den meisten Fällen von allein Verschwinden: „Wer Bedenken hat, sollte die Beschwerden beim Arzt abklären lassen. Werden keine neurologischen Ursachen gefunden, kann zusammen mit Fachärzten an der Krankheitsverarbeitung gearbeitet werden“, was wohl nichts anderes heißt als: „Suchen sie einen Psychologen auf“.

Übrigens: Jedes Jahr erleiden allein in Deutschland rund 270 000 Menschen einen Schlaganfall. Es wird geschätzt, dass etwa es bei etwa 70.000 erneut zu einem Schlaganfall kommt. Schlaganfälle zählen zu den häufigsten Todesursachen und sind Hauptursache für dauerhafte körperliche, seelische und geistige Behinderungen. (MS)

 

 

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Karl Lauterbach (Bild: shutterstock.com/Juergen Nowak)
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