Prof. Dr. Christian Stöcker , Medienwissenschaftler und (dennoch) SPIEGEL-Kolumnist - Foto: Imago

Im „Spiegel“: Stöcker sieht Petro-Männchen

Eine der bauernschlausten Figuren beim Relotiusblättchen in Hamburg ist der Kognitionspsychologe Christian Stöcker. Er hat dort eine Kolumne. In regelmäßigen Abständen berichtet er den Konsumenten der von Gates gekauften Impf-& Spritzenpostille von den Erscheinungen, die ihn im Traum heimsuchen. Zuletzt sorgte das „Petro-Männchen“ für einen unruhigen Schlaf bei Christian Stöcker. 

von Max Erdinger

Bevor ich mich lange damit aufhalte, eigene Worte zu finden dafür, was „Kognitionspsychologie“ sein soll, nehme ich lieber die Definition von Wikipedia: „Gegenstand der Kognitionspsychologie sind die auf komplexe Weise organisierten psychischen Mechanismen des menschlichen Denkens.“ – Das menschliche Denken: Es gibt nur eines. Warum? Weil die lieben „die Menschen“ alle gleich sind und aufgrund ihrer immer gleichen Psyche auch alle denselben Mechanismen gehorchen. Wenn man die „komplexe Weise“ einmal durchschaut hat, in der die „psychischen Mechanismen des menschlichen Universaldenkens (one denk fits all – ODFA)“ – Obacht! – „organisiert“ sind, macht einem keiner mehr ein X für ein U vor.

Der Kognitionspsychologe mit seinen Gewißheiten wäre dabei selbst ein hochinteressantes Studienobjekt. Wovon muß er ausgegangen sein, bevor er sich entschloß, Kognitionspsychologe zu werden? Was würde passieren, wenn sich ein Kognitionspsychologe mit den „komplex organisierten psychischen Mechanismen des menschlichen Denkens“ im Schädel-Inneren eines Sozialpsychologen beschäftigt, der davon überzeugt ist, er sei intelligenter als der Kognitionspsychologe?  Gibt es zwei identische Kognitionspsychologen? Um es kurz zu machen: Sowohl die Kognitionspsychologie als auch die Sozialpsychologie sind ideologiegetriebene Versuche, den einzelnen Menschen zu schubladisieren. Es handelt sich um Derivate des „wissenschaftlichen“ Marxismus-Leninismus. Sowohl der Kognitionspsychologe als auch der Sozialpsychologe ist ein Kontrollfreak, der jeden „verstehen“ will, weil er es nicht aushalten kann, ihn einfach sein zu lassen wie er ist und ihn vorbehaltlos zu akzeptieren als einen, den er im Zweifelsfall eben nicht versteht. Die Kognitionspsychologie wie auch die Sozialpsychologie sind im Grunde zwei Voodoo-Wissenschaften. Eigentlich sind es „Selbstermächtigungswissenschaften“. Mit dem Fortgang ihrer „Forschungen“ erheben sich die „Wissenschaftler“ selbst immer höher über den Gegenstand ihrer „Forschung“. Sie fangen an, sich einzubilden, sie hätten „Herrschaftswissen“. Wenn eine gewisse Höhe im „Herrschaftswissen“ erst einmal erreicht ist, fangen sie an, anderen Leuten zu erklären, wer sie sind. Weil sich die über sich selbst kein zutreffendes Urteil erlauben können. Sie sind schließlich weder Kognitions- noch Sozialpsychologen.  Da beißt sich die Katze einfach in den eigenen Schwanz. Man redet nicht umsonst von der „Wissenschaftsgläubigkeit“. Und umsonst gibt es auch nicht seit Ewigkeiten jenes Spottlied, bei dem alle Strophen losgehen mit: „Die Wissenschaft hat festgestellt, daß …“.

Stöcker ist einer, der recht bauernschlau erkannt hat, daß er streng wissenschaftlich gar nichts mehr zu liefern braucht in diesen Zeiten, um dennoch etwas zu behaupten. Weil die Zeiten wiederum so sind, daß er allein schon wegen der epidemisch grassierenden Wissenschaftsgläubigkeit mit der Behauptung durchkommt, da es sich bei seiner Person um einen Wissenschaftler handelt, seien seine Äußerungen nichts als reine „Erkenntnis & Wahrheit“ – und daß er sie aus reiner Philanthropie mit den „dümmeren“ Menschen zu deren Wohl & Frommen teilen will.  Fest steht wohl, daß der Kognitionspsychologe als Kontrollfreak sich für so gut „versteckt“ hinter „die Wissenschaft“ hält, daß er auch glaubt, seine Postulate dürften von niemandem dennoch identifiziert werden als Äußerungen, die allein seinen persönlichen Präferenzen geschuldet sind.

Mach`s griffig, Psycho!

Die Familie der Schubladisierten ist inzwischen groß. Es gibt die Rechtspopulisten, die Querdenker, die Klima- und die Coronaleugner, die Ewiggestrigen, die Sexisten, Chauvinisten und Rassisten, die Xenophoben, die Islamophoben und die Homophoben – allesamt keine „die Menschen“. Wäre es anders, hätte man die folgenden Formulierungen irgendwo schon einmal gehört oder gelesen: Die coronaleugnenden Menschen, die rechtspopulistischen Menschen, die chauvinistischen Menschen – usw.usf. Hat man aber nicht. Das neueste Familienmitglied hat Psycho-Stöcker den Schubladisierten gerade gebracht wie der Storch das Neugeborene: Das „Petro-Männchen„. Sehr griffige Bezeichnung, prägt sich schnell ein. Sogar beim dümmsten aller Asphaltkleberlein.

Originell war das nicht, weil das Etikettieren Andersdenkender durch linksdrehende Menschensocken längst eine altbekannte Masche ist, um sich die linke Diskurshoheit als Wortführer der „die Menschen“ zu sichern, so nach dem Motto: „Wir“ – das bin ich, euer Wortführer – und ihr. „Gemeinsam & zusammen“ sind wir (unterschiedslos – har-har-har) „die Menschen“. Im aktuellen Fall will der Stöcker-Psycho mit seiner Kolumne beim Relotiusblättchen sagen: Lasset uns gemeinsam & zusammen herabschauen auf das neueste Mitglied der schubladisierten Un(ter)menschen. Es hat ab sofort gefälligst auf den Namen „Petro-Männchen“ zu hören. So, jetzt alle gemeinsam & zusammen: Petro-Männchen, Petro-Männchen, Petro-Männchen …  – bravo! Das klappt ja. Was sind „wir“ gemeinsam & zusammen, ich, der Psycho-Stöcker und ihr? Klüger, besser, schöner, gescheiter und informierter sind wir als das „Petro-Männchen“. Was sagen wir also? – „Pfui, Petro-Männchen, pfui Petro-Männchen“!

Ganz ehrlich: Zu Zeiten, als die liebe Gesellschaft noch nicht östrogenal zerebralverseucht und durchfeminisiert gewesen ist, hätte man den Psycho-Stöcker für seine bauernschlaue Kolumne im Relotiusblättchen – juristisch folgenlos – als einen „hinterhältigen Rattenfänger“ bezeichnet. Aber heute sind wir gottlob femizivilisiert. Gut für den Psycho-Stöcker, weil er deshalb unbehelligt subversiv weitermarodieren darf. Was hat er sich also wieder aus seinen Kognitionspsychogriffeln gesaugt? – Das hier: „Klimakrise in den USA – Petro-Männchen blenden die Wirklichkeit aus„. Die kognitionspsychologisch recht bauernschlau transportierte, eigentliche Behauptung: Ich, der Psycho-Stöcker, weiß, was Wirklichkeit ist. Die „Petro-Männchen“ haben absolut keine Ahnung. Weil die nicht wissen, wie sie ticken. Das weiß nämlich ich. Weil ich der Kognitionspsycho bin – und die nicht. Ätschi! Was Wirklichkeit ist, hängt davon ab, wie einer tickt.

Und weiter geht’s: „In den meisten Industrieländern fürchten die Menschen die Klimakrise.“ – brave „die Menschen“ in den meisten Industrieländern, direkt vorbildlich. „Fürchtet euch nicht!“ ist schließlich ewiggestriger christlicher Scheiß, fast eine Aufforderung zur Renitenz schon. „Aus dem Rahmen fallen vor allem die USA – auf den ersten Blick. Der zweite offenbart die psychologisch-politische Kluft im Land.“ – Die Offenbarung. Stöcker der Erleuchtete erkennt sie als Erster. Die Offenbarung lag verborgen in der psychologisch-politischen Kluft. Kluft, klafft, gekläfft.

Bis hierhin waren das nur Rubrizierung, Schlagzeile und Teaser. Darunter gibt es das „Symbolbild eines Klimawandelleugners“ zu sehen. Ein dicker, alter und weißer Mann mit Doppelkinn, kahler Schädel, steht im Anzug zwischen ein paar Häusern bis Brusthöhe im Wasser und stopft sich die Zeigefinger in die Ohren. Er erinnert an ein besonders feistes, dummes und weißes „Schweinchen Dick“. In der Tat ein „Symbolbild“ – und zwar eines, das die Assoziation symbolisiert, von welcher der Psycho-Stöcker gern hätte, daß man sein „Petro-Männchen“ damit identifiziert und so im Gedächtnis behält. Als „dumme Sau“ sozusagen. Der Stöcker kennt sich schließlich aus mit den „komplexen Mechanismen in der Psyche des menschlichen Denkens“ – oder so ähnlich. Erklärend steht hinter „Symbolbild eines Klimawandelleugners“: „Psychoanalytiker sprechen in den USA von »Petro-Maskulinität«, die »Aspekte von Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Klimawandelleugnung« umfasse„. Die ehrliche Version: Geistig Gesunde sprechen in den USA vom gesunden Menschenverstand, von Folgeaspekten einer dem Antirassismus inhärenten Verlogenheit und Bigotterie, der allgemeinen feministischen Verblödung und den fehlenden Beweisen für die Behauptung einer Menschengemachtheit des Klimawandels. Die ehrliche Version eignet sich halt nicht, um danach vom „Petro-Männchen“ weiterzuschwadronieren. Übrigens: Psychoanalytiker – da gibt es auch solche und solche. Der Kognitionspsycho: Wichtig ist ja nicht, was ich behaupte, sondern wichtig ist, daß es so beim Adressaten meiner Rede ankommt, wie ich das will. Wozu bin ich schließlich Kognitionspsycho geworden? – Doch nicht, um niemanden so lange das Hirn zu waschen bis er mir gefällt!

Mehrheit ist kein Faktor von Wahrheit

Tatsächlich landete der Klimawandel bei der Frage, ob man etwas als »große Bedrohung, kleinere Bedrohung oder keine Bedrohung« für das eigene Land einschätze, in den meisten der untersuchten Länder auf Platz eins oder zwei. In Deutschland etwa nannten 73 Prozent der Befragten den Klimawandel als große Bedrohung, knapp davor landete, mit 75 Prozent, Desinformation im Internet.“ – So groß kann die Angst vor Desinformatiom in Internet nicht gewesen sein, weil „SPIEGEL“-Online sonst längst den Betrieb hätte einstellen müssen. Was mit der Befragung herausgefunden wurde, war auch nicht, was die Leute als große, kleine oder keine Bedrohung einschätzen, sondern überprüft wurde, ob die entsprechende Propaganda gefruchtet hat. Abgesehen davon ist der Klimawandel keine große, keine kleine oder gar keine Bedrohung, sondern er ist einfach Realität. Mit der muß umgegangen werden. Um den Klimawandel geht es aber im Grunde gar nicht. Die eigentliche Frage war ja die, ob sich der agierende Mensch selbst als große, kleine oder keine Bedrohung bezüglich des Klimawandels begreift. Anders ergäbe ja auch die pejorative Bezeichnung bestimmter Zeitgenossen als „Petro-Männchen“ keinen Sinn, weil damit kein Ziel verfolgt werden würde. Hinsichtlich eines unbeeinflußbaren Klimawandels wäre die Existenz resp. die Nichtexistenz eines „Petro-Männchens“ von keinerlei Relevanz.

Aber so arbeitet der Kognitionspsycho: Nicht mit präzisen Begriffen, sondern mit Insinuationen. Solange „Klimawandel“ dank der Propaganda automatisch als „menschengemachter Klimawandel“ begriffen wird, kann er sich das „menschengemacht“ vor „Klimawandel“ schenken und sich darauf verlassen, daß der Adressat seiner Rede an „Menschengemachtheit“ denkt, wenn er „Klimawandel“ hört. Analog verhält es sich bei seinem Gebrauch der Wörter „Rassismus“, „Frauenfeindlichkeit“ und „Klimawandelleugnung“. Er verläßt sich darauf, daß „Antirassismus“ selbst nicht als eine Sonderform von Rassismus verstanden wird, daß Antifeminismus als „Frauenfeindlichkeit“ rezipiert wird, und daß „Klimawandelleugnung“ als zutreffender Ersatz für „Skepsis der Behauptung von anthropogenen Ursachen des Klimawandels gegenüber“ begriffen wird. Der linke Kognitionspsycho ist einfach ein bauernschlauer Demagoge im Dienste seiner eigenen ideologischen Präferenzen.

Steile These des Kognitionspsychos

Zwischenüberschrift: „Weniger als ein Viertel der Republikaner lebt in der Realität“ – das ist sooo lächerlich! Und noch lächerlicher ist, daß dem Kognitionspsycho nicht aufgefallen zu sein scheint, wie lächerlich das ist. Ausgerechnet im dummdeutschen Relotiusblättchen attestiert der linke Kognitionspsycho anderen Leuten, sie lebten nicht in der Realität. Noch besser: Er versteckt sich hinter den Behauptungen irgendwelcher „Psychoanalytiker“ und „Umfrageinstituten“ aus den USA, damit hernach niemand behaupten kann, er, der Stöcker, hätte selbst etwas behauptet. Und damit es recht nach „fundiert“ und „Wissenschaft“ aussieht, kennt er auch noch die „wissenschaftlichen Zahlen“ dazu: Weniger als ein Viertel. Sapperlott, wie raffiniert.

Wenn ich heute bei den Republikanern eine Umfrage machen würde, um herauszufinden, wieviele US-Demokraten ihrer Meinung nach „nicht in der Realität“ leben, käme ich wahrscheinlich bei 100 Prozent heraus. „Hundert Prozent der US-Demokraten leben nicht in der Realität“. Warum nicht? Weil sie nicht wahrhaben wollen, was ihnen nicht gefällt. Seattle, San Francisco, Philadelphia, New York – alles demokratisch regierte Städte. Das Desaster ist überall dasselbe. Man kann es in der Realität sehen! Das heißt, man könnte, wenn man nicht US-Demokrat wäre und es deshalb nicht sehen will. Aber allesamt sind sie stöckersche „Petro-Männchen“, diese Republikaner. Nicht so die Demokraten. Es ist nur noch grotesk. Meine Güte, was muß dem Kognitionspsycho gewaltig einer abgegangen sein, als er zum ersten Mal den Begriff „Petro-Männchen“ gelesen hatte. Er beruft sich übrigens auf das „US-Umfrageinstitut Pew“. Dabei ist die Meinungsforschung an sich mindestens so interessensanfällig wie die Kognitionspsychologie oder die Sozialpsychologie.

Psycho-Stöcker jedoch ungeniert über eine „separate Auswertung“ der Umfragedaten von Pew: „Darin wurde auch die politische Ausrichtung der Befragten berücksichtigt. Das Ergebnis: eine krasse, klaffende Kluft. Sie wird viele vermutlich nicht überraschen, aber ihr Ausmaß ist dennoch erschreckend. Unter den Befragten in den USA, die die Demokraten unterstützen oder ihnen zuneigen, halten 78 Prozent den Klimawandel für eine große Bedrohung. Unter den Fans und Sympathisanten der Republikaner dagegen sind es nur 23 Prozent. Weniger als ein Viertel.“ Um das einmal sarkastisch so zu formulieren: Als einen Ausweis überragenden Realitätssinnes bei den Republikanern im Gegensatz zu den Demokraten will das der Psycho-Stöcker nicht verstanden wissen. Weil 78 Prozent der zum Klimawandel Befragten entsetzlich taube Nüsse sind, unterstützen sie auch die US-Demokraten? – Kommt überhaupt nicht in Frage.  Aber wie gesagt: Um den Klimawandel als solchen ging es ja auch nicht, sondern um die angeblichen Bedrohungen eines „menschengemachten“ Klimawandels. Auf den Glauben an die Menschengemachtheit kommt es an, nicht auf den an die Bedrohungen durch den Klimawandel. Der Mensch soll sich ändern (lassen) müssen, nicht das Klima.

Michael Klonovsky hat das genial auf den Punkt gebracht, als er anmerkte: „Und wenn Sie schließlich eines Tages verarmt, kollektiviert, zensiert, überwacht und Ihrer individuellen Freiheit beraubt in einem ökosozialistischen Maßnahmenstaat leben, aber das Klima sich immer noch munter wandelt, werden Sie feststellen, daß das Ihr geringstes Problem ist.“ – Das nenne ich Realitätssinn! Endstand: Klonovsky 10 : 0 Stöcker.

Da man aber bekanntlich an jedem Übel auch das Gute erkennen soll: Im Zuge der Sanktionen gegen Russland werden die Ressourcen zur Papierherstellung knapp. Vielleicht kommt es ja noch dazu, daß dem Hamburger Relotiusblättchen das Papier ausgeht, auf dem der Kognitionspsycho seine Kolumnen unters Volk bringt. Hinsichtlich der geistigen Volksgesundung wäre das ein überaus positiver Effekt der Wirtschaftssanktionen.

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