Mit dem E-Auto "unterwegs" (Foto: Scharfsinn/Shutterstock)

Hohe Strompreise: E-Autowende endlich vor dem Aus?

15 Millionen Elektroautos bis 2030 sollen die deutschen Straßen erobern. Mindestens 50 neue Gaskraftwerke sollten dafür gebaut werden. So der Traum der Bundesregierung. Doch auch in diesem Punkt sieht die Realität anders aus. Wo soll der Strom herkommen und ist er überhaupt noch bezahlbar? Ein weiteres Unterfangen, daß an den tatsächlichen Gegebenheiten zu Scheitern droht. So könnte das Lieblingsprojekt der Politik durch ihr eigenes Handeln ein schnelles Ende finden. 

Nicht nur Benzin- und Dieselpreise steigen durch die selbstgemachte Energiekrise ständig, auch der Strom wird immer teurer. Auch der drittgrößte Anbieter des Landes, Ladesäulenbetreiber Allego erhöht seine Tarife. Innerhalb von drei Wochen sogar zum zweiten Mal – von 43 Cent auf 47 Cent und nun 60 Cent pro Kilowattstunde Ladestrom. Zuvor hatten EnBW und Eon an der Preisschraube gedreht. E-Autobesitzer müssen sich trotz anderslautenden Versprechen auf weitere Preissteigerungen gefasst machen. Kein Anbieter könne sich den massiv gestiegenen Beschaffungspreisen langfristig, erklärt eine Sprecherin des Energiekonzerns Eon.

Der Strompreis an der Ladesäule steigt sogar schneller as der an der Zapfsäule: Während ein Liter Super derzeit etwa 50 Prozent mehr kostet als Anfang vergangenen Jahres, beträgt der Aufschlag für eine Kilowattstunde Strom im selben Zeitraum 76,2 Prozent. Die Berliner Zeitung rechnet sich die Lage schön. Noch gäbe es einen Preisvorteil gegenüber dem Benziner: Bei 1,90€ für einen Liter Superbenzin könne man mit dem Auto für 19 Euro 100 Kilometer fahren, mit dem E-Auto koste dieselbe Strecke 12 Euro. Wie lange noch, fragt sie sich folgerichtig.

„Die Strompreisexplosion könnte zu einer akuten Gefahr für die Verkehrswende werden“, fürchtet Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive Management an der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. Wird der Stromer im Verbrauch teurer als Benziner oder Diesel, werde sich kaum noch jemand ein Elektroauto kaufen.

Doch geht es nach dem Willen der Bundesregierung sollen in 8 Jahren 15 Millionen E-Autos durch Deutschland rollen – 18-mal mehr als heute. Wo soll der Strom dafür herkommen, wenn Kohle- und Atomkraftwerke abgeschaltet werden und Gas als sogenannte Brückentechnologie bewußt vom Markt genommen wird. Noch im Februar gingen die Bundesregierung und die bundeseigene Deutsche Energie-Agentur von einem zusätzlichen Bedarf an einer Gesamtkapazität von 20 bis 30 Gigawatt aus. Dafür hätten bis 2030 mindestens 50 neue Gaskraftwerke gebaut werden müssen. Andere Rechnungen sprechen sogar von einem doppelten Bedarf. Illusorisch in einem Land, das für einen nicht funktionierenden Großlfughafen 14 Jahre benötigt.

Mit Brett vor dem Kopf bastelt man EU-weit weiter an dem Aus für die verhassten aber mittlerweile nachhaltigen und sauberen Benziner und Diesel. Noch in diesem Jahr sollen neue EU-Vorschriften verabschiedet werden, die die Auspuffemissionen bis 2035 auf Null setzen. Dann ist es da, das langersehnte Verbot für Verbrennungsmotoren.

In Brüssel bereitet man sich darauf vor, ab diesem Datum „umweltschädlichen Autos“ die Einfahrt in die Stadt zu verwehren. Zig-Tausende von Ladestationen sollen bisdahin die Bürgersteige säumen und „für das vorbeifahrende Auge so zur Routine werden wie Laternenpfähle oder Bushaltestellen“, berichtet Politico. Konkret bedeute das laut der Autoindustrie-Lobbygruppe ACEA bis 2030 6,8 Millionen öffentliche Ladestationen in der gesamten EU. Bisher sind es weniger als 300.000.

Brüssel startete 2020 mit 200 Ladepunkten. Bis 2035 sollen es insgesamt 11.000 werden. Richtlinien für Firmenwagen und Subventionsprogramme sollen den Wandel weiter vorantreiben, wünscht sich Jochen De Smet, Präsident des Verbandes EV Belgien: „Bis 2030 gehen wir in Belgien auf 2 Millionen Elektrofahrzeuge zu, und wir werden jedes Jahr 20.000 bis 30.000 neue Ladepunkte benötigen“, meint er. Brüssel kämpft derweil noch mit ein paar kleinen praktischen Problemen bei der Umsetzung: Das Stromnetz der Stadt basiert auf 230-Volt-Kabeln – unzureichend für Schnellladung, die die moderneren 400 Volt erfordert, weiß De Smet. Ladepunkten wie PP003301, die von TotalEnergies betrieben werden, sind leider nicht mit allen E-Automodellen kompatibel. Wer z.B. einen Renault Zoe fährt hat erstmal Pech gehabt.

Die ambitionierten Pläne des städtische Netzbetreiber Fluvius das Netz bis Ende des Jahrzehnts zu modernisieren stehen auf wackeligen Füßen. In der kurzen Zeit werde es nicht möglich sein, alle Straßen aufzureißen, um bestehende Stromanschlüsse zu modernisieren, weissagt Politico. Darüber hinaus ist in der belgische Hauptstadt ein Streit entbrannt, wie E-Autobesitzer dazu gebracht werden könne, den Ladeplatz zügig wieder frei zu machen. Von einer zusätzlichen Parkgebühr ist die Rede, um so den Nutzer dazu zu bringen, den Ladeplatz zu räumen – ein Aufladen über Nacht soll so unmöglich gemacht werden. (MS)

 

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