Wolfgang Schäuble (Bild: shutterstock.com/Von Alexandros Michailidis)

Schäuble traf sich im Urlaub mit Chaos-Punkern: Sozialarbeitergequatsche auf Sylt

Nachdem er zuerst als Innen-und Finanzminister die meisten katastrophalen Entscheidungen der Merkel-Kabinette mitverursacht oder zumindest mitgetragen hat und anschließend als Bundestagspräsident den Grüßaugust des deutschen Politbetriebs gab, entdeckt Wolfgang Schäuble nun kurz vor seinem 80. Geburtstag sein Herz für soziale Außenseiter. Konkret geht es dabei um die sogenannten „Punks” – jene faktischen Vollasozialen, die mit der Einführung des Neun-Euro-Tickets im Juni über die Nordseeinsel Sylt hergefallen waren.

Wie Schäuble nun gegenüber dem „Tagesspiegel” erklärte, habe er während seines Sylt-Urlaubs Anfang August die E-Mail eines Mannes aus dem „Punk-Camp” in Westerland erhalten. Sehr zur Überraschung des Absenders habe er diesem daraufhin seine Handy-Nummer gegeben und ein „Gespräch” mit ihm angeboten – allerdings unter der Voraussetzung, dass dieser  „keine Brüllszenen“ mache.

„Kontrovers debattiert“

Nachdem die Punks dies in Vollversammlung besprochen und Schäubles Bedingungen akzeptiert hatten, kam es dann zu dem gewünschten Gespräch. Bei „Kaffee, Milch, Wasser, Apfelsaft“ habe man dann „eineinhalb Stunden kontrovers debattiert“, führte Schäuble weiter aus – mit spürbarer Genugtuung für seinen so großherzigen Milieu-Shift, keine Berührungsängste mit Hauswand- und Brunnenurinierern, Vollbesoffenen und müllhinterlassenden versifften selbstgewählten Wohlstandsaußenseitern gezeigt zu haben.

Wie aus ihren „Aktionen” hervorging, die sie während ihrer dank 9-Euro-Prekariatsbahncard ermöglichten Schreckensherrschaft auf Sylt veranstalteten, nahmen die Punks gegenüber Schäuble dann vor allem Anstoß daran, dass Sylt vorwiegend von „Reichen” bewohnt oder besucht werde. Dazu zählen sie jedoch anscheinend jeden, der irgendeiner beruflichen oder geschäftlichen Tätigkeit erfolgreich nachgeht. So wurde dort etwa eine Rossmann-Filiale regelrecht belagert. Etliche Westerländer Geschäftsleute klagten wochenlang über permanente Verunreinigungen durch Kot und Urin, Lärmbelästigungen sowie die Folgen von exzessive Alkoholkonsum.

Selbstentblödung des einst zweiten Mannes im Staat 

Diese und viele andere Vorfälle, die Sylt in Atem hielten, bis die letzten 20 Punks ihr Camp vor dem Rathaus auf Westerland dann schließlich erst am vergangenen Mittwoch (!) freiwillig verließen (wohl temperaturbedingt) – jedoch nicht, ohne dass zuvor die Landespolizei angefordert werden musste -, hielten Schäuble nicht von seiner freimütigen Gesprächsbereitschaft ab.

Auch weitere Details dieses Selbstentblödungsdialogs des einst zweiten Mannes im Staate wurden bekannt: Seine Diskussionspartner hätten ihm mitgeteilt, dass sie die Kurtaxe nicht zahlen wollten, wobei Schäuble jedoch nicht zustimmte. Dafür bot er den „Punks” allen Ernstes an, ihnen einen Aushilfsjob zu vermitteln, wenn sie Geldsorgen hätten. Erwartungsgemäß stieß das Angebot auf geringe Resonanz – wie er selbst einräumte. So ging man dann ergebnislos auseinander. Bei den Punks hinterließ der Ex-Minister aber offenbar einen positiven Eindruck. Laut einem Bericht der Sylter Rundschau verabschiedeten sie ihn mit „Wolle, Wolle, Wolle“-Sprechchören.

Kein Dialog mit Impfgegnern und Grundrechtsdemonstranten, aber mit dem Bodensatz 

Was Schäuble sich von dieser Farce versprach, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Auf jeden Fall beweist diese einmal mehr die selbstgefällige Naivität von Politikern, die ihre sozialromantische Vorstellung von „Volksnähe“ ohne vermeintliche Berührungsängste vor sich und ihrem Gewissen in die Tat umsetzen.

Respekt und Größe hätte Schäuble eher bewiesen, wenn er einmal das Gespräch mit Corona-Demonstranten, „Querdenkern” oder Impfgegnern gesucht hätte; doch dafür ist sich der Herr natürlich zu fein. Lieber setzt er sich im Sylter Luxusurlaub mit dem selbstgewählten Bodensatz  an den Tisch. Damit ist über „demokratische” Authentizität dann auch schon alles gesagt. (DM)

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