Puh, ist die Arbeit anstrengend...: Deutsche Arbeitnehmerin (Symbolbild:Imago)

4-Tage-Woche und Work-Life-Balance, während Deutschland Richtung Abgrund rast

Wie wohlstandsdegeneriert und ubiquitärverfettet dieses Deutschland immer noch ist und wie „reich“ – zumindest in der Vorstellung seines Elitennachwuchses – , zeigt eine Umfrage, die die Versicherung HDI unter Beschäftigten in Auftrag gegeben hat, in der es um die Wunscharbeitszeiten geht: Demnach ist den meisten Arbeitnehmern in Deutschland offenbar die „Work-Life-Balance“, also eine möglichst ideale mentale und physische „Ausgewogenheit“ zwischen Privat- und Berufsleben, am wichtigsten.

Die Feelgood- und Komfortzone Arbeitsplatz, der in Deutschland das gewichen ist, was früher einmal als Maloche galt, ist vor allem den zartbesaiteten, in Watte gepackt aufgewachsenen Vertretern der jüngeren Generation – Beschäftigte unter 40 Jahren –  mit ihrer historisch beispiellosen Anspruchshaltung am wichtigsten. Drei Vierteil von Ihnen „wünschen” sich eine kürzere Arbeitszeit. Von den Vollzeitbeschäftigten aller Altersstufen sind es immerhin 48 Prozent.

Aufschlussreiche Resultate

Ein weiteres aufschlussreiches Resultat der Umfrage, über die die „Welt“ berichtet: 76 Prozent der Befragten wollen die Vier-Tage-Woche; dafür allerdings auf Geld zu verzichten wollen nur 14 Prozent der Befragten. 56 Prozent bekunden, dass sie schnellstmöglich die Arbeit an den Nagel hängen würden, wäre sie nicht finanziell nicht auf ihren Job angewiesen.

Anscheinend haben diejenigen, die sich in diesen Tagen eines sicheren Arbeitsplatzes glücklich schätzen können, den Schuss noch nicht gehört und realisieren nicht, dass die Frage längst nicht mehr ist, wie lange und wie Arbeit „gestaltet“ sein sollte, sondern ob es überhaupt noch sichere Jobs gibt.

Wohlfeiles Genöle

Eine völlig aus der Zeit gefallene Debatte um „flexible“ Arbeitszeiten oder 35- bzw. 30-Stunden-Woche, an die das wohlfeile Genöle erinnert, mutet umso bizarrer an in Tagen, da einerseits arbeitenden Menschen immer weniger zum Leben bleibt.

Andererseits schieben Sozialstaats-Günstlinge und künftige „Bürgergeld“-Bezieher eine ruhige Kugel, frei von Sanktionen. Gefordert wird nicht mehr, nur noch gefördert – und in der sozialen Hängematte haben sie die Frage nach „Work-Life-Balance” zugunsten der letzteren Komponente für sich beantwortet – auf Kosten der Allgemeinheit.

Anstrengendes Tagewerk

Firmen gehen in nie gesehener Zahl und Geschwindigkeit über den Jordan,  in Deutschland , diesem Habitat verhaltensauffälliger Privilegierter und zunehmender Prekarisierter, die berührungsfrei nebeneinander existieren – doch Deutschlands Beschäftigte finden ihr Tagewerk zu anstrengend?

Das erinnert an die Feiernden im Salon auf dem Oberdeck der Titanic, die zu Kammermusik an ihrem Brandy nuckelten, während draußen schon alles am Absaufen war. Tatsächlich sind solche Umfrageresultate nur mit dem riesigen und zunehmenden Anteil des öffentlichen Dienstes an der Gesamtbeschäftigung zu erklären: Wer krisensicher-staatsapanagiert als Lehrer, Richter oder Verwaltungsangestellter sein Dasein und Auskommen fristet, kann natürlich trefflich über neue „Arbeitszeitmodelle“ nachdenken… (DM)

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