Der symbiotische Planet – eröffnete eine neue Sicht auf das Leben

Charles Darwins Evolutionstheorie hat der modernen Biologie ihr Fundament gegeben, und doch ist sie in mancher Hinsicht unvollständig. So steht im Hauptwerk „Ursprung der Arten“ nur wenig über eben den Ursprung neuer Arten. Darwin und seine Nachfolger haben überzeugend dargelegt, wie vererbte Variationen der natürlichen Selektion unterliegen, aber die Frage, wie veränderte Organismenformen überhaupt entstehen, haben sie unbeantwortet gelassen.

Noch immer wird die Evolution des Lebens auf unserem Planeten sehr einseitig auf die von Darwin beschriebenen Mechanismen von Mutation und Selektion im Kampf ums Dasein“ reduziert. In „Der symbiotische Planet“ … [Deutschlandfunk] zeigt Lynn Margulis (* 5.3.1938 – † 22.11.2011) die andere Seite der Evolution auf und belegt, dass mehrzelliges, „höheres“ Leben einst vor Milliarden Jahren nicht im Krieg aller gegen alle, sondern nur durch Kooperation und Symbiose der frühen Organismen entstand.

Es gibt keine egoistischen Gene.

Weil dies zwar nicht Charles Darwins Theorie, aber den neuen darwinistischen Vorstellungen von „egoistischen Genen“ zuwiderlief, dauerte es Jahrzehnte, bis Lynn Margulis‘ Entdeckungen in Teilen als Fakten anerkannt wurden. Ihr mit großem Enthusiasmus geschriebenes Buch ist auch der persönlich autobiografische Bericht einer außergewöhnlichen Forscherin, die lange um ihre akademische Anerkennung kämpfen musste.

Lynn Margulis zufolge ist Symbiose – das Zusammenleben verschiedener Arten in engstem physischen Kontakt – von entscheidender Bedeutung für den Ursprung evolutionärer Innovationen. 1967 erschien der Aufsatz von Lynn Sagan (Mädchenname) „On the origin of mitosing cells“. Die Arbeit war von zahlreichen Publikationsorganen zurückgewiesen worden, ehe sie schließlich vom Journal of Theoretical Biology angenommen wurde. Mit Glück hatte der Abdruck ihrer Arbeit in einer der wichtigsten Biologie Institutionen wenig zu tun, sowas findet man eher beim Online Roulette.

Eine streitbare Person

Es war ein immenser Kampf um die Anerkennung ihrer Theorie. Ihm folgte 1970 die Buchpublikation „Origin of Eukaryotic Cells“, die den Durchbruch brachte. Über die ganze Spanne der Lebenserscheinungen hinweg – von den Bakterien, den kleinsten Lebensformen, bis zur größten, der Erde selbst – erklärt die Biologin den symbiontischen Ursprung vieler der bedeutendsten Neuerungen in der Geschichte des Lebens. Schon die Zellen, aus denen wir bestehen, begannen als verschiedene Bakterienformen. Die 2011 verstorbene Biologin Margulis richtete den wissenschaftlichen Scheinwerfer auf das uralte und doch oft unterschätzte Phänomen der Symbiose. Ohne das gemeinsame Agieren verschiedenartiger Lebewesen zum beidseitigen Vorteil wäre die Entstehung von Arten überhaupt nicht möglich gewesen, erklärt sie. „Symbiosen sind wie Lichtblitze der Evolution.“

Heute hat ihre Theorie Eingang in alle Lehrbücher und viele Schulbücher gefunden. Sie gilt als gesichert und fundiert und dies ist vor allem Lynn Margulis zu verdanken. Margulis erhielt für ihre Forschungen die National Medal of Science , die Darwin-Wallace Medal der Linnean Society, London, und den William Procter Prize for Scientific Achievement. Sie wurde nicht nur Mitglied der US-amerikanischen, sondern auch der Russischen Akademie der Wissenschaften, in die außer ihr bisher nur drei andere US-Amerikaner aufgenommen wurden. Margulis belegte in den letzten Jahren einige ziemlich einhellig als eher abwegig anzusehende Hypothesen im Zusammenhang mit dem Immunsystem.

Unter anderem äußerte sie Zweifel daran, dass Aids vorwiegend auf eine Virusinfektion zurückzuführen sei. Sie erklärt, das Ökosystem Erde sei ein sich selbst regulierendes Gesamtkunstwerk Millionen verbunden lebender Arten. Neben verständlichen mikrobiologischen Erläuterungen ihrer Theorie übt Margulis in diesem, 1998 verfassten und 2017 auf Deutsch erschienen, Buch auch harsche Kritik am realen Wissenschaftsbetrieb, sowie an irrigen Vorstellungen von „feindlichen“ Viren. Diesen Aspekt sollte die Wissenschaft, gerade in Corona – Zeiten, zwingend in ihre Überlegungen aufnehmen.

Weitere Wissenschaftler äußern Kritik

Zumindest dann, wenn sich jetzt selbst Größen wie Dietrich Grönemeyer, Professor, Bestsellerautor und Arzt, dessen Bruder Flugzeuge im Bauch hat, bei Twitter folgende Fragen stellen:

„Warum werden wir immer wieder krank? Was war mit den drei ersten Impfungen? Hm, merkwürdig. Aufgeklärt sind wir alle nicht. Wenn wir uns als Ärzte nicht drum bemühen, passiert es auf keinen Fall im politischen Raum, sondern wir werden nur … ja … aufgefordert. Es wird uns befohlen, bestimmte Dinge zu tun, über die wir gar nicht wissen, ob sie wirken. Ich bin zutiefst erschüttert. Das muss sich ändern. Und wir als Ärzte, wir als Therapeuten, wir als Krankenschwestern, Pfleger und alle anderen Berufe. Wir sind gefragt. Die Politik versagt an dieser Stelle. Leider.“

Ein Mediziner, dem es scheinbar am gesunden Menschenverstand fehlt?
Prof. Grönemeyer schiebt den schwarzen Peter auf fehlende Daten und eine Politik, die versagt hätte. Das ist zutreffend, trotzdem ist es vielen Menschen in Deutschland gelungen, eine Suchmaschine zu bedienen, um längst zu wissen, dass unzureichend/e Daten erhoben wurden. Genau hier schließt das Buch von Lynn Margulis an: Es reicht nicht, sich der jeweiligen, entsprechenden Gesinnung anzuschließen. Auch nicht für Mediziner.

Margulis erzählt in dem Buch zwei Geschichten: ihren persönlichen Weg als Wissenschaftlerin durch festgefahrene Bildungsinstitutionen und das schwierige Ringen um die Anerkennung ihrer revolutionären Theorie – sowie die Geschichte der Evolution des Lebens auf unserem Planeten. „Der Symbiotische Planet“ macht Lust, sich mehr mit beteiligten Mikroorganismen und insbesondere Viren zu beschäftigen und motiviert dazu, offen auf Fragestellungen zuzugehen, bestehende Dogmen zu hinterfragen und abzuräumen, was nach der Aussage von Herrn Prof. Dietrich Grönemeyer-mehr als angebracht erscheint.

Buchtip: Lynn Margulis • Der symbiotische Planet oder Wie die Evolution wirklich verlief

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