Geduldsfaden gerissen - (Symbolbold:Shutterstock)

Billiges Maulheldentum: Die „I stand with“- Pandemie

Nachbarn denunzieren, Andersdenkende blockieren, den schwerstkriminellen Original Oberukrainer unterstützen – und saublöd in der Gegend „herumstanden“: „I stand with …“ (Zutreffendes einfügen) ist das Bekenntnis derer, die sogar beim Idiotentest durchfallen. Eine Standpauke.

von Max Erdinger

„#Freiheit, # Frauenrechte, # Humanismus und #Aufklärung gelten für die ganze Welt. I stand with the women of Iran. Free Iran! # Diktaturen haben keine #Existenzberechtigung“ – Ein deutscher Text im Jahre 2022.

Offensichtlich gelten Freiheit, Frauenrechte, Humanismus und Aufklärung eben nicht für die ganze Welt. Diktaturen brauchen ebenso offensichtlich auch keine Existenzberechtigung, um dennoch zu existieren. Und die „westliche Welt“ ist – wie sich gerade eindrücklich zeigt – auch nicht dazu in der Lage, ihre behaupteten „Werte“ auf der ganzen Welt durchzusetzen, ohne dabei einen Weltenbrand zu riskieren. Den wiederum übrigens für nichts, da sie selbst größte Schwierigkeiten dabei hat, mit ihren „aufklärerischen Werten“ zu leben, sondern stattdessen mißliebige Ansichten lieber zensiert und Dissidenten drangsaliert. Die westliche Welt in ihrer ganzen Bigotterie „standet“ mal mit diesen, mal mit jenen, pinselt sich selbst recht eitel den Bauch dafür und kommt sich großartig vor. Während sie mit den Frauen im Iran oder mit den Ukrainern „standet“, das „Weltklima schützt“ und aus sagenhaft „menschlichen Gesellschaften“ besteht, spielt sie Fußball auf tausenden Bauarbeiterleichen in Katar, hofiert die Saudis und hält in Sachen Aserbeidschan/Armenien brav die Klappe.

Die westliche Welt mit ihrer moralischen Selbstüberhöhung und ihrer Arroganz samt ihren „Werten“ ist für den ganzen Rest der Welt nichts weiter als die Pest. Was den Iran betrifft: Die Ayatollahs dort kamen 1979 nicht wie aus heiterem Himmel über die Perser. Es waren die heute so genannten Iraner, die sie dringend im Land – und den Schah weghaben wollten. Deutsche Volksweisheit, heute vergessen: Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür.

Sollte es dem Westen mit seinen behaupteten Werten tatsächlich gelingen, die ganze Welt in Schutt und Asche zu legen – und danach sieht es momentan stark aus – dann gilt folgendes: In den Ruinen sind die verstrahlten Überlebenden als Allerletztes an Freiheit, Frauenrechten, Humanismus und Aufklärung interessiert. Die Arroganz hinter dem Export des abgrundtief verlogenen, westlichen „Werteuniversalismus“ ist aufs Ganze gesehen sehr viel empörender und sehr viel gefährlicher als die Tatsache, daß iranische Frauen nach anderen Regeln als westliche Frauen zu leben haben. Im Übrigen denkt meinereiner angesichts einer Frau v.d. Leyen, einer Frau Merkel, einer Frau Baerbock, einer Frau Strack-Zimmermann, einer Frau Lang, einer Kopftuch-Frau Claudia Roth im Iran, einer Frau Pelosi, einer Frau Clinton und tausend anderer solcher „wertewestlichen“ Weibspersonen gar nicht daran, mit den Frauen im Iran zu „standen“ und ihnen ihre Kartoffeln aus dem Feuer zu holen. Entweder schaffen sie es selbst, sich durchzusetzen – oder sie schaffen es eben nicht.

Es gibt innerhalb der iranischen Weiblichkeit auch Frauen, die ihre Töchter selbst in der regional gültigen Kleiderordnung unterrichten. Es gibt nicht den geringsten Grund für die Annahme, daß es den Iranern insgesamt „besser gehen“ würde, wenn sie nicht von den Ayatollahs, sondern von Frau Merkel, Frau Ardern, Frau Giffey, Frau Truss oder Frau Baerbock regiert werden würden. Das Drangsal wäre eben ein anderes. Abgesehen davon stünde es um den „Wertewesten“ selbst wahrscheinlich sehr viel besser, wenn er sich nicht dem ubiquitären Minnesang auf Frauen wie den oben genannten verschrieben hätte, um sich als nächstes wie zum Spott von den Angebeteten und den um sie herumscharwenzelnden Beischlafbettlern und lila Pudeln in Grund und Boden regieren zu lassen. I stand with reality, not with bigotry. Iranian women stand with themselves. – Peace!

Wo „stande“ ich vernünftigerweise?

„Ich stande mit Deutschland“. Das ist das Land mit der größten Relevanz für mein Leben. Das heißt, wenn hierzulande Frauen gegen eine islamische Kleiderordnung protestieren, dann unterstütze ich sie womöglich dabei. Wenn sie das im Iran tun, dann nicht. Wenn hier in Deutschland Schwule an Baukränen aufgeknüpft werden würden, dann würde ich sehr dagegen „standen“, daß das passiert. Wenn ich das im Iran sehe, dann denke ich mir meinen Teil dazu, halte aber meinen Mund. Der Überzeugung, daß das richtig ist, bin ich selbst noch nicht lange. „Westlicher Werteimperialismus“ – wenn es denn wenigstens ein solcher wäre!

Es ist der Ukrainekrieg, der meine Sicht auf diesen „westlichen Werteimperialismus“ verändert hat. Die Welt müsste schon nicht am amerikanischen oder dem deutschen Wesen genesen, wenn es nach objektiven Kriterien tatsächlich das beste Wesen der Welt wäre. Aber das ist es ja noch nicht einmal. Das deutsche Werte-Geschwafel ist nichts weiter als das Maulheldentum derer, die selbst nicht mehr wissen, wer sie sind. Je suis dieser, je suis jener. Deswegen stellen sie sich mal hier dazu, dann dort – und dort „standen“ sie dann so lange, bis ihnen langweilig wird. Dann „standen“ sie sich wieder woanders auf. Nur bei sich selbst „standen“ sie nie. Täten sie es, dann müssten sie schon längst vom Gestank ihrer eigenen Dämlichkeit in Ohnmacht gefallen sein.

Hierzulande gilt als vertretbarer Standpunkt, daß das Kopftuch der Muslima ein Zeichen ihrer persönlichen Entscheidungsfreiheit sein kann. In demselben Land gilt allerdings auch, daß man anstandshalber mit den „Women Of Iran“ zu „standen“ habe, ganz so, als ob es dort nur diese eine Sorte von „women“ gebe. Und mit den USA „standen wir“. Das ist ein Land, in dem geistig behinderte Straftäter hingerichtet werden. Oder Leute, die zum Zeitpunkt der Begehung ihrer Straftat minderjährig gewesen sind.  Mit dem schwerstkriminellen Oberukrainer „standet“ der hochanständige deutsche „Sich-selbst-in-die-Tasche-Lüger“ sowieso, diesem gekauften Despoten, der jede Friedensverhandlung mit Russland per Dekret verboten hat. Und das, obwohl ein deutscher Altkanzler, Gerhard Schröder, auf der Kill-Liste von „Myrotvorets“ steht, einer ukrainischen Geheimdienst-Liste von „Feinden der Ukraine“, die zu „eliminieren“ sind. Darunter auch Gonzalo Lira, Roger Waters, Clayton Morris, ein 13-jähriges Mädchen aus dem Donbass – und möglicherweise auch ich selbst.

„I stand with Ukraine“, gatzt der hirntote Deutsche in der Gegend umeinander, fühlt sich wie das Vorbild der ganzen Welt, hochanständig und ganz irre „menschlich“, und bekommt noch nicht einmal mit, wie verpeilt es ist, mit der Ukraine zu „standen“ anstatt – wenn schon –  mit den „Ukrainians“, die – in den USA noch nicht einmal bestritten – von einem hochkorrupten „Präsidenten“  für Millionen von Dollar auf seinem eigenen Konto einerseits – und für die geopolitischen Interessen der USA andererseits verraten und verkauft werden. US-Senator Lindsey Graham: „Wir werden kämpfen bis zum letzten Ukrainer“. „Der Ukrainer“ – Leibeigener von US-Geostrategen? Augenzeugenberichten zufolge halten sich US-Militärs im Offizierscasino von Kaiserslautern derweilen den Bauch vor Lachen über die Berichterstattung zum Anschlag auf Nordstream 1&2 in den deutschen „Qualitätsmedien“. Die „standen“ übrigens auch mit der Ukraine und den „Women of Iran“.

Unterdessen in Coburg: Ein missionarischer Spraydosen-Pädagoge

In Coburg sorgt allerweil ein Graffiti für Aufsehen. Ein Sprayer namens Alex hatte es an einer Unterführung am Judenberg angebracht. Ein zweigeteiltes Gesicht. Linke Gesichtshälfte: Hitler. – Rechte Gesichtshälfte: Putin. Text: „Geschichte wiederholt sich?“ – Allerdings wiederholt sie sich. Exakt dieser Sprayer legt das nahe. „InFranken.de“ berichtet über das lokale Aufregerchen.  Lange habe er sich das überlegt, heißt es über den Sprayer. Befragt worden ist er auch. „Mit seinem Motiv wolle er Menschen zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit dem Thema anregen, erzählt er gegenüber inFranken.de.“, heißt es in der Meldung.

Wie der selbsternannte Spraydosen-Pädagoge auf die Idee gekommen ist, ausgerechnet er selbst sei dazu berufen, Andere zum Nachdenken anzuregen, müsste einem ein Mysterium bleiben, wenn einem nicht klar wäre, daß es perfekt zur Wahnvorstellung beispielsweise einer Ricarda Lang paßt, sie sei erstens dafür qualifiziert und zweitens auch noch dazu berufen, Leuten die Welt zu erklären, die ihr selbst in jeder Hinsicht haushoch überlegen sind. Das deutsche Gutmenschen-Klugscheißertum in seiner ganzen eingebildeten Moral und seiner bodenlosen, völlig ignoranten Arroganz bei komplett fehlender Selbsterkenntnis ist es, was schlimmer ist als Pest & Cholera zusammengenommen.

Die Idee für das Graffiti sei ihm aus gegebenem Anlass gekommen. „Der Auslöser war ganz klar der Einmarsch der Russen in die Ukraine und der zur Begründung herangezogene Sprech, dass Russland sich von Neonazis bedroht fühle und sich ja nur verteidige“, erklärt Sprayer Alex. Gleich zu Beginn des Krieges, kurz nachdem die russischen Truppen in die Ukraine einmarschiert waren, seien zudem schon erste Visualisierungen von Putin aufgetaucht, die ihn mit Scheitel und Schnauzer zeigten, erinnert er sich – als Putler oder „Hitlin“ eben.“ – Der Spraydosen-Heini weiß also noch nicht einmal, wann der Ukrainekrieg wirklich losgegangen ist. „Gleich zu Beginn des Krieges“ – das war 2014, nicht 2022. „Das hab ich mir schon lange überlegt und viel darüber nachgedacht, das war ja keine Hau-Ruck-Aktion“, betont Alex.“ – Es ist so: Wenn sich der gutmenschelnde Alex in seiner ganzen Spraydosen-Ignoranz nicht so lang überlegt hätte, wie er das mit dem Sprayen macht, hätte er die Zeit nutzen können, sich zu überlegen, ob es überhaupt das Richtige ist, was er sich da überlegt. Aber Gott bewahre, daß ein hypermoralistischer Ignoranten-Gutmensch deutscher Proveninenz Zweifel an seiner scheuklappenartigen Weltsicht entwickelt. Wozu etwas über den Ukrainekrieg und seine lange Vorgeschichte wissen, wenn man auch recht bequem und selbstgerecht etwas Kleidsames dazu meinen kann?

„Zeitgeist“ im Quadrat: Liane Bednarz

Die deutsche Journalistin, Juristin und Publizistin Liane Bednarz sorgte kürzlich mit einem Tweet für allerlei Rummel in den sozialen Netzwerken. Sie „standet“ mit der Ukraine – sowas von –  das hat der Mensch noch nicht gesehen. Lieber würde sie den Atomtod sterben, zwitscherte sie, als sich zu unterwerfen. Um wen ging es? Ausschließlich um Liane Bednarz und ihre hochmoralische Meinung – um nichts sonst. Das allerdings war dringend mitteilungsbedürftig. Wahrscheinlich hatte sie sich bloß nicht überlegt, daß die personenbezogene Atombombe noch nicht erfunden worden ist, die sie sich schadensfrei für alle anderen auf den Kopf fallen lassen könnte, um sich in ihrem ganzen Edelmut nicht „unterwerfen“ zu müssen. Sie scheint tatsächlich in dem Wahn gefangen zu sein, sie sei ohne Putin niemandem unterworfen. Letztlich plauderte sie bloß ihre Unterwerfungspräferenzen aus. Sie unterwirft sich eben lieber der verbrecherischen US-Geopolitik, dem WEF und dem Diktat der grünen Deutschland-Deindustrialisierer.

Eine Frau wie Liane Bednarz erhebt in Deutschland den Anspruch, für besonders edel & klug gehalten zu werden. Nicht, daß es etwas damit zu tun hätte, aber erwähnen will ich es hier trotzdem: Die Frau ist extrem blond.

Jedenfalls hat sie einen veritablen „Shitstorm“ generiert und verbale Dresche von Links und von Rechts bezogen. Glaubt irgendwer, sie hätte sich auch nur mit einem Gegenargument auseinandergesetzt – und wenn es das gewesen wäre, daß andere Leute lieber nicht den Atomtod sterben würden und daß sie sich das auch für ihre eigenen Kinder nicht wünschen? – Pustekuchen. Das einzige, was dieser „Shitstorm“ bewirkte, war, daß sich La Bednarz  hernach angepisst fühlte von Leuten, die sie vorher hoch geschätzt hatte. – „Ich. Fühle. Mich.“ & „Gefällt mir“ – das deutsche Desaster bei „gefühlten Temperaturen“ im dringend zu rettenden Weltklima.

Vorläufige Erkenntnis

Ganz egal, was die nächste Zukunft an unvorstellbaren Verheerungen bringen wird, – eines steht jetzt schon fest: Die deutsche Medien- & Massendemokratie hat sich als dysfunktional entlarvt. Mit einer Demokratie hat das alles längst nichts mehr zu tun. Mit einer souveränen Nation und urteilsfähigen Bürgern sowieso nicht. Hierzulande sappen Millionen von Hirngewaschenen wie Zerebralzombies den Medienparolen hinterher und verbieten sich selbst jeden eigenständigen Gedanken. Das Fragezeichen hinter seinem „Geschichte wiederholt sich“ hätte sich der Spraydosen-Schlaumeier von Coburg sparen können. Der hätte sich sein Graffiti sinnvollerweise am besten ins eigene Gesicht gesprüht. Das ist wieder einmal der Urgrund für den Untergang: Die selbstherrliche und saumäßig bequeme Rechthaberei in der Realitätsverleugnung. Das Leben in einer ausgedachten Welt. Anders ausgedrückt: „I stand with Scheißdreck!

 

 

 

 

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