Georg Diez (2007) - NIcht mehr viel übrig vom zuversichtlichen Systembüttel - Foto: Imago

Deutschlandfunk Kultur: Propagandageschütz der Ineptokratie

Georg Diez hat bei „Deutschlandfunk Kultur“ einen Kommentar hinterlassen, über dem ein ganz übles Gerüchlein in der Luft wabert. Es ging ihm um die jüngste AfD-Demo in Berlin. Die hat dem Sprößling vom alten Diez nicht gefallen. Zeit für etwas Frischeduft beim ranzig müffelnden Deutschlandfunk. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Frischefrühling, Eisbonbon und Flieder sind die Düfte, mit denen meinereiner in regelmäßigen Abständen seinen Monitor besprüht, während er den Kommentar vom Diezen Georg zur jüngsten AfD-Demo in Berlin liest. So schlimm ist der, daß es dem Aufrechten das Augenlicht trübt während seine Nasenflügel krampfen.

Autoritäre Bewegungen in Europa„, heißt die Rubrik beim Deutschlandfunk. Wahrscheinlich hat der Diezen Georg auf dem Fitnesstrainer gesessen, als ihm sein Kommentar eingefallen ist. Seine Schlagzeile: „Wir müssen über Faschismus reden„. Worum ging es nochmal? – Ach ja, um die AfD-Demo in Berlin. Wahrscheinlich „müssen wir“, wenn es nach dem Diez geht, immer über Faschismus reden. Beim Bäcker, beim Metzger, beim autofahren – einfach immer. Wenn in Deutschland etwas überall und jederzeit geht, dann ist es, über den Faschismus reden zu müssen. Leichtes Spiel für den Georg vom Deutschlandfunk. Über den Faschismus reden zu müssen, ist hochdemokratisch in der Medien- & Massendemokratie, weil jedes x-beliebige Meinerlein & Finderlein mitreden müssen darf, wenn es nur das Wort schon einmal gehört – und dann „richtig“ konnotiert hat.

Wir müssen, wir brauchen und wir dürfen nicht. Immer, wenn eine Schlagzeile mit „wir müssen“ losgeht, weiß der geübte deutsche Medienkonsument inzwischen, was das ankündigt: Den Monolog eines Schlaumeiers, der gar nicht daran denkt, zu diskutieren und möglichen Widerspruch zu dulden. „Wir müssen“ heißt immer „ihr müsst“. Dem alten Diez sein Georg muß nicht über Faschismus reden. Der erzählt bloß allen Anderen, was für gräßliche Faschisten sie sind. Wenn er seinen ersten Buchstaben getippt hat, ist er vermutlich schon von sich selbst überwältigt und sagt sich: So, jetzt habe ich wieder ein Zeichen gesetzt. Die „Wir-müssen-Zeichensetzer“ sind ganz falsche Fuffziger. Der Zeichensetzer setzt nämlich immer den Anderen ein Zeichen. Das kann er sich erlauben, meint er, weil es niemanden gibt, der ihm selbst eines setzen könnte. Der Zeichensetzer weiß schon alles. Deswegen kann er ja Zeichen setzen. Trotzdem, Diez, – das wäre raffinierter gegangen. „Wie dringend müssen wir über Faschismus reden?“. Das wäre die „bessere“ Formulierung gewesen. Sie klingt weniger apodiktisch als dieses „wir müssen“. Hinter dem „wie“ versteckt sich der autoritäre Klugscheißer recht bauernschlau und rechnet damit, es würde ihm jemand die eigenkonstruierte Aura des demütigen Ratlosen als authentisch abnehmen.

Aber nun zum Kommentar des Sprößlings vom alten Diez. Ist ein rechtschaffener Mann, der alte Diez.

Gemeine & Gefinde

Auf der AfD-Demo werden Passanten angepöbelt und Hände zum Hitlergruß erhoben. In Schweden legte das rechte Lager zu, in Italien hat eine Mussolini-Nostalgikerin die Wahl gewonnen. Hier kippt gerade etwas, meint Journalist Georg Diez.“ Das, was hier kippt, wird den Diez mit auskippen. Aber abgesehen davon ist es noch so ein Zeichen der ubiquitären Verlogenheit, daß man zu lesen bekommt, dieser oder jener meine etwas. Meistens ist es so: Dieser oder jener war der Ansicht, es sei nützlich für ihn, zu behaupten, er meine dieses oder jenes. Für Diez ist es zweifellos nützlich, nichts anderes zu meinen und zu finden, als ihm der eng gewordene Korridor der erlaubten Meinung zugesteht. Andernfalls würden weder die „Zeit“ noch „Deutschlandfunk Kultur“ sein Gemeine & Gefinde veröffentlichen. So ist das inzwischen, wenn man sich einen ersten Überblick verschafft über denjenigen, der hier etwas zu meinen und zu finden behauptet: Man sieht nach, in welchen Publikationen sein Name auftaucht.

Aber gut, was ist dieses „etwas“ genau, das der behaupteten Meinung von Georg Diez nach kippt? – Es ist die phantastische Welt derjenigen, die seit über hundert Jahren jeder gegenwärtigen Generation die Lebensfreude vergällt haben mit ihrem missionarischen Wahn von der „besseren Zukunft“ für die „künftigen Generationen“. Planet, Menschheit und Weltklima bei tausend verschiedenen Gerechtigkeiten. Eine besser als die andere. Abgesehen davon: Ich habe auf der Demo niemanden gesehen, der die Hand zum Hitlergruß erhoben hätte. Wahrscheinlich herrschte wieder nur die Meinung, es sei nützlich, so etwas zu behaupten beim Deutschlandfunk. Und selbst, wenn es einige Wenige getan hätten: Die Demo hatte um die 10.000 Teilnehmer. Es wären deutlich mehr gewesen, wären nicht just an diesem Tag – Malheur, Malheur! – die Fernverkehrszüge in Norddeutschland wegen Sabotage ausgefallen. Das BKA zieht Staatssabotage in Erwägung. Wenn man also schon etwas über Hitlergrüße schreiben zu sollen glaubte, dann hätte man auch schreiben können, daß mehr als 99,9 Prozent der 10.000 Demo-Teilnehmer ihre Hände nicht zum Hitlergruß erhoben hatten. Es wäre halt der Absicht nicht dienlich gewesen. Als ob die Absichten von Diez interessant wären.

Lange war der Faschismus vor allem in den Geschichtsbüchern daheim, Mussolini, Hitler, furchtsam verwahrt, sorgsam abgeschlossen, die Gegenwart schien immunisiert. Irrtum: Seit einer ganzen Weile nun und sehr massiv in diesen Tagen ist der Faschismus wieder da. Er ist zum Beispiel auf den Straßen unterwegs – am vergangenen Wochenende in Berlin etwa, wo Tausende liefen und riefen: ‚Unser Land zuerst‘.“ Jessers, die Bundeswehr: „Wir. Dienen. Deutschland.“ – Für den Diez alles olivgrüne Faschisten wahrscheinlich. Der Amtseid von Kanzler und Ministern: Nur vom deutschen Volk schwören sie, Schaden abzuwehren und seinen Nutzen zu mehren. Ein „faschistischer“ Amtseid. Der ehemalige Bundesgrenzschutz – eine „faschistische“ Erfindung. Jeder Patriot ein „Faschist“. Und 10.000 Demo-Teilnehmer nichts anderes als 10.000 Mussolinis und Hitlers im Geiste. Die „Zeit“, wo man dem alten Diez seinen Georg recht liebhat, ist ein linkes bis linksextremistisches Haltungsblättchen. Mussolini, der alte Faschist: „Der Sozialismus ist mir in die Knochen eingraviert“. Die Nazis: National-Sozialisten. Der Kommentator Georg hätte sich beim Deutschlandfunk und den dortigen „Faschisten“ besser nicht so weit aus dem Fenster gelehnt.

Gerade hat die AfD ihr Ergebnis bei der Landtagswahl in Niedersachsen fast verdoppelt, auf elf Prozent nun. In Italien hat vor ein paar Wochen die Mussolini-Nostalgikerin Giorgia Meloni die Wahl gewonnen, kurz zuvor hat in Schweden die Partei der Schwedendemokraten massiv zugelegt und kontrolliert, wer die Regierung führt.“ – das nennt sich Wahlergebnis, Georg. In der Demokratie gibt es Wahlergebnisse. Stelle dir das mal vor, alter Stalin-Nostalgiker. Unglaublich, oder?

Hier kippt gerade etwas – und was wir erleben, unterscheidet sich von dem, was noch vor einiger Zeit als autoritäre oder rechtspopulistische Tendenzen bezeichnet wurde.„. Wir erleben gar nichts. Jedenfalls nicht dasselbe. Der Diez ist es, der anderen Leuten erzählen will, was sie erlebt zu haben haben. Es gab eine Demonstration gegen eine in jeder Hinsicht  anmaßende, inkompetente und verantwortungslose Bundesregierung. Oder gegen das, was immer noch als eine solche gilt, obwohl da inzwischen berechtigte Zweifel bestehen.

Dazu die Attacken auf die Medien. In Schweden war es ein Vertreter der Schwedendemokraten, der sich darauf freute, „Journalisten-Rugby“ zu spielen. In Berlin formten sich immer wieder empörte Gruppen um Journalistinnen und Journalisten, die hier nur ihren Job machten.“ – und schon gelogen. Daß sich der Schwedendemokrat auf „Journalisten-Rugby“ freut, ist deswegen so, weil diese Journalisten ihren Job eben nicht machen – und zu allem Überfluß darauf pochen, daß sie ihn doch machen. Es hat schon seinen Grund, warum bei einer siegreichen Revolution als erstes immer die Sendeanstalten und Redaktionen besetzt werden. Die Redaktion des Deutschlandfunks z.B. wäre ein ganz heißer Kandidat. Mit deinen „Faschisten“ ist es so, Georg vom alten Diez: Das sind Demokraten, denen es bis Oberkante Unterlippe steht, sich von Typen wie dir noch länger am Nasenring durch die Arena ziehen zu lassen.

Diese Demokraten bei der Demo in Berlin haben bemerkt, daß du einer derjenigen bist, die mit Eifer daran arbeiten, die Demokratie in eine stocktotalitäre Gesinnungsdiktatur zu verwandeln. Und du täuschst dich nicht, wenn du unterstellst, daß du bei denjenigen sein wirst, die dafür ihr Fett noch abkriegen werden. In Deutschland steht zum dritten Mal binnen eines einzigen Jahrhunderts wieder einmal eine „-ifizierung“ an. Dieses Mal ist es eine Entrotgrünifizierung. „Wir“ werden das schon noch hinbekommen mit der Demokratie in Deutschland. Es muß ja nicht unbedingt eine Medien- & Massendemokratie sein. Eine solche fährt sich nämlich gerade selbst gegen die Wand. Demokratie gibt es in mehrerlei Erscheinungsformen. Das, was deinereiner sich hierzulande noch als „Demokratie“ schönreden will, ist längst keine mehr. Das ist eine Ineptokratie, Georg.

Damit, und auch das wurde in Berlin sichtbar, entziehen sich viele dieser Menschen dem Gespräch, sie weichen zurück in die Bastionen ihres eigenen Wahns. Das Völkische, das Rassistische, das Ausgrenzende sind verschiedene Varianten dieses Wahns. Gefährlich sind sie alle.“ – ach? Ist das so, ja? Nein, so ist es nicht. Es entziehen sich eben nicht viele dieser Menschen dem Gespräch, sondern sie bekommen das Maul verboten – und zwar von den Jakobinern deiner Couleur. Weil das schon so lange so geht, und weil es immer heftiger wird, Georg, haben diese Menschen beschlossen, auf Leute wie dich und deren Meinung künftig zu verzichten. Nach Jahrzehnten haben sie die Sinnlosigkeit erkannt, das Gespräch mit jemandem zu suchen, der nie argumentiert, sondern immer nur Etiketten klebt, so, wie in deinem Kommentar gerade: „Faschisten“.

Die wahren „Faschisten“

Die schlimmsten „Faschisten“, Georg, sind hierzulande samt und sonders Leute deiner Couleur. Überhebliche Bessermenschen, die sich gern als Herrenmenschen bezeichnen würden, wenn der Begriff nicht schon historisch kontaminiert wäre. Was allerdings nichts daran ändert, daß sie sich insgeheim dennoch als Herrenmenschen begreifen, dazu berufen, „voranzugehen“ – und zwar „weltweit voranzugehen“ – und allen Anderen die Fähigkeit abzusprechen, sich selbst ein zutreffendes Bild zu machen. Es sind Leute deiner Couleur, Georg, die Skeptiker als Leugner diffamieren und ihnen psychische Erkrankungen andichten, indem sie sie als Homophobe, Xenophobe, Islamophobe und Sonstwie-Phobe bezeichnen. Es sind Leute deiner Couleur, die den Schwachsinn von „die Wissenschaft hat festgestellt“ daherlabern und darauf pochen, jeder habe an die Existenz einer Entität namens „die Wissenschaft“ nach eurer Definition von Wissenschaft zu glauben. Es sind Faschisten deiner Couleur, Georg, die der Allgemeinheit ständig falsche Glaubenskenntnisse abpressen wollen. Du und die Deinen, Georg – Ihr seid die „Faschisten“, sonst niemand.

Wo die Demokratie Vertrauen fordert und fördert, regiert im Faschismus das Misstrauen.“ – falsch! Die Demokratie lebt eben nicht vom Vertrauen, sondern vom Mißtrauen, von der Gewaltenteilung und von der gegenseitigen Kontrolle der Gewalten untereinander. Schluß mit diesem „Ich bin ok- du bist ok – Heiti-Teiti“! „Es ist eine Politik der Verachtung und des Verdachts, eine Doktrin der Angst und der Ausgrenzung.“ – ganz genau das ist es, wofür deinereiner steht wie kein Zweiter. Es gibt inzwischen wahnsinnig viele „Diezens“ in dieser Republik, die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als ihre eigene Schlechtigkeit auf andere Leute zu projizieren, auf daß nur ja kein Stäubchen ihre eitle Selbstwahrnehmung beschmutze. „Kommt zur Angst die Not, Krieg, Rezession, Inflation, Energiepreisschock, Pandemie, dann wird es gefährlich.“ – das mag sein. Aber wenn es gefährlich wird, dann für Leute wie dich, Georg. Leider muß ich anfügen: Endlich. – Pfffft! – Spraydose leer.

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