Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Elon und die woken Musketiere

Da kauft dieser Elon Musk einfach so „Twitter“ für umgerechnet 44 Mrd. Euro, wird so zum Chief-Twit (Eigenbezeichnung Musk), schmeißt als nächstes das ganze Zensorenpack aus der Chefetage raus, schafft den lebenslangen Twitter-Ban ab, stellt gelöschte Accounts wieder her, Donald Trump kommt anscheinend zu Twitter zurück – und der woke Mainstream beißt wie tollwütig um sich. Dabei soll er bei Twitter gar nicht zensiert werden. Es sollen bloß Andersdenkende ebenfalls ihre Meinung sagen dürfen. Das packt der woke Mainstream nicht und nicht und nicht. Was bedeutet das?

 

Elon Musk machte sich mit dem Kauf von Twitter um das verdient, was Amerika im Grunde ausmacht. Das 1st Amendment ist sozusagen der Stoff, aus dem die Idee von der Neuen Welt besteht: Die Meinungs- und Redefreiheit. Daß Musk sich den Erhalt der Meinungsfreiheit umgerechnet 44 Mrd. Euro hat kosten lassen, darf man bezweifeln. Das ist wahrscheinlich nur ein Nebeneffekt seiner wahren Absichten. Über die läßt sich spekulieren. Musk ist kein Heiliger, sondern Geschäftsmann. Ich habe keine Ahnung, worin er den geschäftlichen Gewinn sieht, die Meinungsfreiheit zu retten. Wahrscheinlich ist, daß es sich um eine geschäftliche Entscheidung handelte, weniger um eine politische. Sie als politisch zu verkaufen, bringt natürlich Ruhm und Ehre mit sich. Ein Mitnahmeeffekt auf jeden Fall.

Wer nichts gegen den Kauf der „Washington Post“ durch Jeff Bezos hatte, Zuckerberg duldet, die IT-Tyrannen bei Google mit ihrer Macht darüber, wer mit seinen Ansichten im Internet Geld verdienen darf und wer nicht, wer bisher nichts an der „wpp“ herumzumeckern hatte, immerhin die größte Medienholding der Welt, wem die Medienbeteiligungen und Medienbesitze der SPD egal waren, das RND, die Funke-Mediengruppe, Bertelsmann und Springer – der braucht sich jetzt nicht lamentierend aus dem Fenster zu lehnen, um darüber zu jammern, daß sich ein einzelner Multimilliardär „Twitter“ gekauft hat. Immerhin will der Krösus doch allem Anschein nach die Meinungsfreiheit, diese Essenz des Westens, reetablieren. Da könnte man als woker Schreihals ruhig erst einmal die Füße stillhalten und abwarten, was passiert, ehe man zu keifen anfängt. Aber nein, der woke Mainstream keift lieber sofort und entlarvt sich dadurch immer deutlicher. Es ist nachgerade amüsant, zu beobachten, wie sich die Gegenwarts-Totalitaristen mit zunehmender Frequenz ins eigene Knie schießen. Wie abgehoben sie sind, läßt sich daran erkennen, daß sich offenbar keiner der Schreihälse nach dem Besitzwechsel bei „Twitter“ überlegt, daß nicht als Argument durchgehen könnte, was als solches gedacht war, weil nicht alle so blöd sind, wie es der woke Mainstream bräuchte, um unwidersprochen totalitär zu bleiben. Da sind Leute dabei, die politischen Parteien vorsitzen oder sonst irgendwelche hohen Posten bekleiden.

Das Gekeife

Jan Philipp Albrecht, grüner Politfunktionär, prognostizierte das baldige Ende von Twitter. Erster Fehler: Das „Wir“ in seinem entsprechenden Tweet. „Wir verfolgen eine weitere Geschichtsstunde darüber, wie schnell große zivilisatorische Errungenschaften zerstört werden können, wenn man bösen, narzisstischen und inkompeteten Menschen die Macht dazu gibt.“ Meinereiner – also nicht „wir“ – verfolgt hier etwas ganz anderes. Nämlich eine Geschichtsstunde darüber, wie sich ein Politiker als anmaßende Labertasche entlarvt, die unfähig ist, zu erkennen, was eine Projektion ist. Wer ist inkompetent: Albrecht oder Musk? Klarer Fall: Eher Albrecht als Musk. Es sei denn, Inkompetenz wäre die Voraussetzung dafür, zum reichsten Menschen der Welt zu werden. Dann wäre es Musk. Und nur dann. Bewiesen ist nämlich nicht, daß er inkompetent ist, sondern daß er der Reichste ist. Das ist bewiesen. Was muß sich dieser Albrecht also gedacht haben, als er von Musks Inkompetenz daherschwadronierte? Daß er, der Grüne Albrecht, besonders glaubwürdig sei? Auf das schmale Brett musste er auch erst einmal kommen. Hat er gedacht, daß Grüne besonders gut über die Inkompetenz anderer Leute urteilen können? Irgendetwas muß er sich doch gedacht haben, bevor er seinen Tweet absetzte? Ob er wohl selbst ein böser Narzisst ist, dem es völlig verwehrt ist, sich selbst richtig einzuschätzen? Das könnte sein. In einem öffentlichen Amt hätte er dann allerdings überhaupt nichts verloren. Böse, narzisstische Menschen, die inkompetent sind – und das ausgerechnet als Äußerung von einem Grünen. Geht’s noch?

Die Elternbeirats- und SPD-Vorsitzende Esken, Saskia, hat ihren Abschied von Twitter verkündet. Das war ein Schritt von bemerkenswertem Realitätssinn. Schließlich mußte sie seit Freitag damit rechnen, daß die substantiierten Widerreden auf ihr Gemeine & Gefinde nicht mehr gelöscht werden würden. Wer sich dem Widerspruch kluger Köpfe lieber nicht aussetzen will, der verläßt Twitter tatsächlich am besten. Kevin Kühnert soll auch gegangen sein und noch etliche andere. Dem Vernehmen nach wollen sie sich nun bei „Mastodon“ sammeln, um sich von deren Zensoren vor Andersdenkenden in Schutz nehmen zu lassen.

Georg Restle von der ARD will noch ein Weilchen bei Twitter ausharren, um sich anzuschauen, wie die woke Diskurshegemonie kollabiert. Die Zeiten des geschützten Monolog-Raumes bei Twitter sind auch für ihn vorbei. Es ist eine ganze Armee von Schreihälsen, die sich wegen der neuen Eigentumsverhältnisse bei Twitter schier nicht mehr einkriegt.  Zum Schreien komisch: Der ORF präsentierte einen „Experten“ zum Thema Musk & Twitter. Wie hieß er? – Lobo, Sascha. Da hätten sie sich auch einen Lobo, Tommy suchen können.

Was bedeutet das alles?

Das bedeutet, daß wir es in Politik und Medien mit Leuten zu tun haben, die gar nicht daran denken, sich mit Widerspruch auseinanderzusetzen. Die tragen ihre demokratischen Parolen bloß wie eine Monstranz vor sich her, auf daß man nicht erkenne, wessen Geistes Kind sie tatsächlich sind. Es wurde ja auch bisher nicht die Haßrede zensiert, sondern die Rede, die sie hassen. Wenn es die „richtigen“ Hasser & Hetzer gewesen sind, dann blieben die durchaus unbehelligt von der Zensur. Wer sich heute vor lauter Wut über Musks Großeinkauf in den eigenen Allerwertesten beißen könnte, läßt sich im Augenblick wieder in den ZDF-Nachrichten sehen. Stichwahl in Brasilien zwischen dem bisherigen Präsidenten Bolsonaro und seinem Widersacher Lula. Der Ton beim ZDF ist gesetzt: der „rechtsextreme Bolsonaro“ einerseits – und der „Sozialist Lula“ andererseits. Freilich ließe sich das auch anders ausdrücken, wenn man schon nicht einfach nur „Bolsonaro“ und „Lula“ sagen will. Der „unbescholtene Bolsonaro“ und der „vorbestrafte Lula“. Das ginge auch. Und es wäre nicht gelogen.

Hier einmal ein paar Screenshots von dem, was man bei „Mastodon“ so ziemlich als erstes zu lesen bekommt, wenn man sich dort anmeldet. Allen denjengien, denen es bei Twitter jetzt „zu heiß“ geworden ist, wird es in ihrem neuen „geschützten Raum“ vermutlich gefallen.

Mastodon 1
Denunzieren & petzen: Mastodon – Screenshot Twitter
Mastodon 2
Denunzieren & petzen: Mastodon – Screenshot Twitter

So bizarr das auch ist: Man kann Elon Musk nur wünschen, daß die Masse der bislang Drangsalierten, Entmündigten, Gesperrten und Blockierten, Heruntergeregelten, Unsichtbaren und an ihrer freien Meinungsäußerung Gehinderten bei Twitter so groß gewesen ist, daß die wahre öffentliche Meinung endlich nicht mehr nur in Ausschnitten, sondern vollumfänglich sichtbar wird, wenn die alle wieder aus der Versenkung auftauchen. Möge es für die „Midterms“ noch etwas nützen. Möge es auch ein Schlaglicht auf die Erbarmungswürdigkeit der Zustände bei Facebook oder bei YouTube werfen, auf die Google-Diktatoren und alles das, was die Zensoren anderswo in seiner Jämmerlichkeit als „die Realität“ übrig gelassen haben. Möge Zuckerberg endlich gar pleite gehen. An der freien Rede für jedermann hat in der Demokratie gefälligst kein Weg vorbeizuführen. Daß die allein ihrem Umfang nach im digitalen Zeitalter unvergleichlich viel größer ist als in vordigitalen Zeiten, ändert daran grundsätzlich nichts. Daß es das Regieren nicht unbedingt leichter macht, auch nicht. Dann muß die Regierungskunst eben mit der Zeit gehen, anstatt die Demokratie der eigenen Bequemlichkeit zu opfern.  Anstatt über Zensur nachzudenken, könnte es sich allerdings lohnen, über eine Klarnamenpflicht nachzudenken, schon, um einer Verfälschung der öffentlichen Meinung durch Bots entgegenzutreten. Der Bot ist kein Demokrat.

Wenn sich allerdings durch die Übernahme von Twitter durch Elon Musk kein grundsätzliches Umdenken in Sachen Meinungsfreiheit einstellt, sondern im Gegenzug neue Drangsale Einzug halten, die jeder demokratischen und rechtsstaatlichen Verfassung Spott & Hohn sprechen, dann wird wohl nicht ausbleiben können, was besser ausbleiben würde, nämlich, daß sich der Souverän überlegt, wozu Forken und Dreschflegel früher gelegentlich auch außerhalb der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Wenn sich der woke Mainstream auch weiterhin der ergebnisoffenen Debatte verweigert und seine Herrschaft per Zensur sichern will, dann muß er, wenn das argumentativ nicht möglich ist, eben auf andere Weise besiegt werden. Besiegt werden muß er auf jeden Fall. Good luck, Elon Musk!

 

 

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