Bild: Screenshot VHS Germering / Handzettel

Volkshochschule veranstaltet Hetzkampagne gegen die AfD

Die Volkshochschule Germering lud in der vergangenen Woche zu einem Vortrag unter dem Motto „Wie wird man zum Putin, zum Querdenker, zum AfD – Unterstützer?“ ein. Was das Thema vermuten ließ, bestätigte sich dann Vorort: Der parteipolitisch und weltanschaulich neutrale Anspruch der VHS wurde ins Gegenteil verkehrt. Stattgefunden hatte eine mit Steuergeld finanzierte Hetzveranstaltung.

Volkshochschulen (VHS) in Deutschland verstehen sich als „gemeinnützige Einrichtung zur Erwachsenen- und Weiterbildung“ und finanzieren sich in der Regel durch Zuschüsse des Landes, der jeweiligen Gemeinde, des Landkreises, aus Fördermittel des Bundes, der Bundesagentur für Arbeit, Projektzuschüsse aus dem Europäischen Sozialfonds oder der Bezirksregierungen, sowie durch Einnahmen aus Teilnehmerentgelten und – sehr übersichtlich – durch Spenden. Kurzum: aus dem Geld des Steuerzahlers.

Wie ein Banner trägt die VHS den sich aus dem öffentlichen Auftrag der Volkshochschulen ergebenden  Anspruch – festgehalten in nahezu jedem VHS-Leitbild und im sogenannten „Beutelbacher Konsens“ vereinbart – ein parteipolitisch und weltanschaulich neutraler Ort in der Kommune zu sein, vor sich her.

Auf diesen Anspruch scheint jedoch die Volkshochschule Germering geradezu zu „pfeifen“.

Am vergangenen Mittwoch fand in den Räumlichkeiten der VHS Germering eine Veranstaltung unter dem Motto „Wie wird man zum Putin, zum Querdenker, zum AfD – Unterstützer?“ Für 10 Euro Teilnahmegebühr und mit vorheriger Anmeldung sollten dann von 18:00 bis 20:00 Uhr nachfolgende Themen erörtert werden:

„Welche Menschen sind besonders empfänglich für diese Ideen? Und welche nicht – was kann man von ihnen lernen? Wir schauen uns die Persönlichkeitsstrukturen beider an. Wir analysieren ihre Umwelt (Eltern, Schule, Beruf, Freunde, usw.) und den Einfluss, den sie ausübt. Sie erfahren, wie man dem Gedankengut der „Putinmenschen“ widersteht und wie man mit diesen Menschen umgeht, bzw. ob es kluge Gegenargumente gibt“.

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Screenshot VHS Germering

Leitung und Dozent der Veranstaltung: Joachim Giesen. Giesen selbst preist sich auf seiner Homepage unter anderem als „Coach, Seminarentwickler und Seminarleiter, sowie als Persönlichkeits-Trainer“ an. Zufälliger Weise ist Giesen zudem Beisitzer in der VHS Germering und wirbt dort nach Leibeskräften für seine Person. Giesen glänzt indes nicht nur durch eine fulminante Selbstdarstellungsleistung. Der „Manipulationsabwehr“-Profi ließ – wie Teilnehmer (*Namen sind der Redaktion bekannt) seiner Veranstaltung vor Ort erfahren mussten – jegliche gebotene Zurückhaltung bei der Positionierung in politischen Auseinandersetzungen fahren.

Ein Erlebnisbericht der besonderen Art

„Der Dozent stellte die Frage in den Raum, was ein Nazi, Querdenker , Putin und AfD Anhänger ist. Was sie kennzeichnet und was sie gemeinsam haben. Er stellte Behauptungen auf, die er als definitiv belegte Fakten verkaufte , ließ Gegenargumente nicht zu. Diffamierte die Gegenargumente als typische Masche von Querdenkern. Putin stellte er als Bestie dar, die die Ukraine vereinnahmen und vernichten will. Er akzeptierte die Erwähnung der Vorgeschichte des Krieges nicht. Schuld sei der, der den Krieg beginnt.

Ich verwies auf den Vortrag von Prof. Krone-Schmalz. Ebenfalls schob er den Tschetschenien Krieg Putin in die Schuhe. Ich las ihm dann die geschichtlich belegten Tatsachen vor. Woraufhin er abwinkte und dies als typische Masche der Querdenker abtat.

Er beleidigte Diskutanten und forderte sie mehrfach auf, den Vortrag zu verlassen. Bis auf drei Zuhörer, wären das alle gewesen. Einige gingen jedoch in der Tat vorzeitig. Er versuchte krampfhaft die familiäre Geschichte, die Freunde, die Bildung und so weiter, ins Feld zu führen, um zu belegen, wie man zum Querdenker wird. Die Bemerkung, wenn es früher nicht schon Querdenker gegeben hätte, würden wir wahrscheinlich heute noch denken, dass die Erde eine Scheibe ist, ignorierte er vollkommen. Letztendlich gab er seine Auffassung als Maßstab aller Dinge vor, es sei ja schließlich auch die allgemeine und offizielle Meinung und beleidigte und diffamierte alle Anwesenden, die ihm Paroli boten.

Zur AfD verlas Giesen lediglich einige Zitate von Petry, Meuthen und Höcke, jeweils komplett aus dem Zusammenhang gerissen und bemerkte, dass man mehr zu dieser rechten Partei nicht sagen müsse. Die Zitate würden ja alles belegen.

Wir empfanden es als verwerflich, dass die VHS, mit offensichtlichem Bildungsauftrag, dazu bereit ist, einer derartig undifferenzierte, in Teilen komplett falsche Meinungsmache anzuordnen. Was geschieht, wenn nicht so viele kritische Zuhörer dabei sind . Allein das Wording, die Darstellung von Putin, erinnert stark an die Methoden von 1933. Eine weitere Teilnehmerin  stellte fest, dass sie Situation an den Roman und Film „Die Welle“ erinnere. Die Veranstaltung diene gefühlt dazu, getarnt über die VHS, die Masse aufzuhetzen.“

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Handzettel (Autor: Joachim Giesen)

Seine Veranstaltung, die ob der politischen Stoßrichtung keine Zweifel offenließ, bespielte Giesen mit Handzetteln und mehrseitigem „Aufklärungsmaterial“, die mutmaßlich aus seiner Feder stammen.

Nicht mit dem VHS-Auftrag vereinbar

Peter Banholzer, Stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverband Fürstenfeldbruck, wertete nach Rückfrage von Jouwatch die Germeringer VHS-Veranstaltung als „Framing pur“. Einmal mehr werde versucht, all das was in den Mainstreammedien negativ konnotiert sei, auf die AFD zu übertragen. Unabhängig von Putins Angriffskrieg sei auch die Diffamierung der sog. Querdenker ein Unding, zumal sich immer mehr herausstellt, dass viele Narrative zu Corona nicht haltbar seien und die Gefährlichkeit der Impfung immer weniger geleugnet werden könne. „Die Tatsache, dass solche Beiträge von Volkshochschulen und im konkreten Fall auch noch von einem Beisitzer der VHS Germering abgehalten werden, ist aus unserer Sicht ein Skandal. Eine politische Neutralität ist hier ziemlich eindeutig nicht gegeben und wohl kaum mit dem Auftrag einer VHS vereinbar“, so Banholzer.

Es ist davon auszugehen, dass es sich bei der Veranstaltung in Germering nicht um eine singuläre Darbietung handelt und es in den rund 900 Volkshochschulen in Deutschland zu ganz ähnlichen Missachtungen des originären Auftrags innerhalb der, mit Steuergeld finanzierten Einrichtungen kommt.

Sollten Sie auf derartige Veranstaltungen aufmerksam geworden sein, nimmt die Jouwatch-Redaktion unter redaktion@journalistenwatch.com gerne dementsprechende Hinweise entgegen.

Eine Stellungnahme, um die Jouwatch beim Bundesverband der Landesverbände der Volkshochschulen, dem Deutschen Volkshochschul-Verband e. V. (DVV) – Präsidentin des DVV ist aktuell die ehemalige Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer – anfragt, wird nach Eingang nachveröffentlicht. (SB)

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