Raketenstart - Symbolfoto:Von 3Dsculptor/shutterstock

Ukrainekrieg: Russische Raketentreffer in Polen?

Warschau – In einem polnischen Dorf nahe der ukrainischen Grenze soll es einen Raketentreffer mit zwei Toten gegeben haben. Aus der Ukraine wird behauptet, es handele sich um eine russische Rakete. Festzustehen scheint lediglich, daß es eine oder mehrere Explosionen gegeben hat. Die russische Regierung weist alle Beschuldigungen kategorisch zurück.

Daß es sich um russische Raketentreffer gehandelt habe, wurde in Polen zunächst nur von lokalen Medien behauptet. Die polnische Regierung berief dennoch den nationalen Sicherheitsrat ein und versetzte Teile der Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft. Außerdem wolle man die Inanspruchnahme von Artikel 4 des Nato-Vertrags prüfen, hieß es in Warschau. Diesem Artikel zufolge haben sich die Mitglieder des NATO-„Verteidigungs“-Bündnisses umgehend zu einer Sitzung zu versammeln, wenn sich ein Mitglied bedroht sieht.

Selbst in Washington wurde jedoch der Ball erst einmal flach gehalten. Es sei bisher nicht klar, was da im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet passiert sei. Inzwischen heißt es aus den USA, die Explosionen seien vermutlich durch zwei fehlgeleitete ukrainische Luftabwehrraketen verursacht worden. Dennoch „informiert“ die deutsche „BILD“-Zeitung ihre Leser ganz anders.

BILD knallhart gelogen Polen Rakete
Nach amerikanischen Angaben „knallhart gelogen“ – „BILD“ Dir „Deine“ Meinung – Screenshot Twitter

Polnische Massenmedien und Beamte begehen über den angeblichen Einschlag ‚russischer‘ Raketen in Przewodów eine absichtliche Provokation, um die Situation zu eskalieren.“, hieß es unterdessen aus Russland. Es seien gar keine Ziele im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet beschossen worden. Das polnische Außenministerium bestätigte am späten Abend jedoch, daß die eingeschlagene Rakete in Russland hergestellt worden sei, was aber nichts bedeuten muß, da sich solche Raketen im Besitz sowohl der ukrainischen als auch der russischen Armee befinden.

Der ukrainische Präsidentendarsteller Selenskyj jedoch will es besser wissen. Er bezeichnete die Explosionen als „Angriff auf die kollektive Sicherheit der Euro-Atlantischen Region“ und als „Eskalation„. Der „Terror der russischen Armee“ müsse gestoppt werden, so Selenskyj.

Der Experte

Ein unvoreingenommener „Experte“ hingegen nahm etwas Abstand und stellte in Rechnung, daß es historisch betrachtet nicht unüblich sei, sich mit zielgerichteten Falschbeschuldigungen gegen den Feind militärischen Beistand von außen zu erschleichen. Die These von fehlgeleiteten ukrainischen Luftabwehrraketen sei noch die plausibelste. Die wären nämlich mindestens bereits 30 – 35  Jahre alt, wenn sie noch aus sowjetischer Produktion stammen. Außerdem gebe es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem westlichen Frust über das ukrainische Verzocken von Finanzhilfen per Spekulation mit Kryptowährungen und ein wachsendes Mißtrauen gegenüber den Meldungen aus der Ukraine selbst. Selenskyj hatte bereits mit seiner Forderung nach einem nuklearen Präventivschlag der NATO gegen russische Ziele für hochgezogene Augenbrauen gesorgt. Wenn es jemanden gebe, der zum gegenwärtigen Zeitpunkt Honig aus einem russischen Raketenangriff auf Polen zu saugen hofft, dann sei das Selenskyj, der dabei sei, sich sämtliche Sympathien im Westen zu verscherzen. Zahlreiche Regierungschefs in Westeuropa stünden zudem unter erheblichem Druck ihrer Landsleute wegen der Folgen der von ihnen verhängten Sanktionen gegen Russland. Es herrsche inzwischen eine gewisse Kriegsmüdigkeit im Westen und das Bild des ukrainischen Unschuldslamms lasse sich medial immer schlechter vermitteln.  Daß es sich im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet um Raketentreffer aus Russland handele, könne Selenskyj daher „so passen“. In seiner Lage wären die „gerade noch rechtzeitig gekommen“.

Im Übrigen sei es so, daß nicht „die Ukraine“ unter dem Krieg leidet, sondern „die Ukrainer“, also die dortige Bevölkerung. Dieses Leiden lasse sich erheblich verkürzen, wenn man jegliche Unterstützung für den US-amerikanischen „Prokönig“ in Kiew umgehend einstelle und ihn auf diese Weise zur Kapitulation zwänge. Der Ukrainekrieg habe seine Ursachen schließlich nicht allein in Russland, und innerhalb der NATO selbst bestehe wegen des Anschlags auf Nordstream 1&2 erheblicher Klärungsbedarf hinsichtlich gewisser Freund-Feind-Fragen.  Beim Ukrainekrieg handele es sich zudem um eine weiteres Beispiel aus einer inzwischen langen Reihe militärischer Fehlspekulationen in den USA, so der unvoreingenommene „Experte“,  – und bei Selenskyj um ein weiteres Beispiel für jene Reihe „heißer Kartoffeln“, die von den USA im Fall des Mißerfolgs seit jeher fallen gelassen würden. Nachdem nun die „Midterms“ in den USA gelaufen seien, gebe es für die dortige  Regierung auch keinen propagandistischen Grund mehr, am Ukrainekrieg festzuhalten. Im Sinne der Ukrainer – nicht „der Ukraine“ – sei es vermutlich das Vernünftigste, durch die Einstellung jeglicher Unterstützung für das ukrainische Regime die Kapitulation zu erzwingen und Selenskyj „seinen“ Ukrainern sozusagen „zum Fraß vorzuwerfen“.

Krisensitzung findet statt

Neuesten Meldungen zufolge kommt die NATO aber „nach dem mutmaßlichen Raketeneinschlag in Polen“ am Mittwoch tatsächlich zu einer Krisensitzung zusammen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg werde das Treffen leiten, um die Geschehnisse in Ostpolen zu erörtern, teilte die NATO-Presseabteilung mit. Der Termin ist für 10 Uhr angesetzt. Man rechnet offenbar mit gut zwei Stunden, um sich zu verständigen, denn für 12.30 Uhr wurde bereits eine Pressekonferenz von Stoltenberg angekündigt.  (RB)

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