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„Vox Populi, Vox Dei“: Musk erlässt Generalamnestie auf Twitter

„Volkes Stimme (ist) Gottes Stimme“, teilte Twitter-Besitzer Elon Musk kurz und bündig auf lateinisch mit und kündigte an, alle gesperrten Twitter-Konten im Laufe der nächsten Woche wieder frei zuschalten.

Wie schon zuvor im Fall Donald Trump ließ Elon Musk seine Twitter-Gemeinde über die Generalamnestie abstimmen. Das Ergebnis in beiden Fällen eindeutig – die Mehrheit stimmte für die Meinungsfreiheit. „Die Menschen haben gesprochen. Die Amnestie beginnt nächste Woche. „Vox Populi, Vox Dei“, kommentierte Musk knapp. Einzige Einschränkung –  die mundtot gemachten Account-Besitzer dürfen nicht gegen geltendes Gesetz verstoßen oder Spam-Nachrichten verbreitet haben.

Mehr als drei Millionen Nutzer hatten an Musk´s Befragung teilgenommen. Bei Ablauf der Umfrage am Donnerstagabend stimmten über 72 Prozent für die Entsperrung der zensierten Konten.

Schon in der vergangenen Woche hatte Musk nach einer Umfrage mit der Konto-Freischaltung des verhassten Ex-Präsidenten Donald Trump ein Zeichen gesetzt. Donald Trump wieder auf Twitter – ein linker wahr gewordener Albtraum. Ende Oktober hatte der milliardenschwere Tesla-Chef den Kurznachrichtendienst Twitter für rund 44 Milliarden Dollar gekauft. Seither räumt er auf: „Je mehr ich lerne, desto schlimmer wird es. Die Welt sollte die Wahrheit darüber erfahren, was bei Twitter passiert ist. Transparenz wird das Vertrauen der Menschen gewinnen“, teilte er noch gestern mit. 

Mit der Freischaltung von gesperrten Accounts kommt die evangelische Kirche so garnicht zurecht: „Wenn das „Volk“ spricht, spricht noch lange nicht Gott“, belehrt Citykirchen-Pfarrer in Schweinfurt Heiko Kuschel seine Schäfchen in einem ellenlangen Kommentar über die „aus christlicher Sicht sehr fragwürdige Formulierung“, die Elon Musk bemühte. Der evangelische City-Kirchenmann ist sich nicht zu schade, auch noch den linksextremen „Faktenchecken-Blog“ namens „Volksverpetzer“ als Beleg für die Ungeheuerlichkeit von Musk´s Maßnahme heranzuziehen.

Die Vorstellung von der Macht der öffentlichen Meinung als etwas Göttlichem findet sich bei bei vielen Philosophen der Antike. Schon Seneca der Ältere formulierte in lateinischer Sprache: crede mihi, sacra populi lingua est „… glaube mir, die Sprache des Volkes ist heilig“.

Die Sentenz „Vox Populi, Vox Dei“ stammt aus einem Brief Alkuins an Karl den Großen (um 798) mit politischen Ratschlägen als neunter Ratschlag: Nec audiendi qui solent dicere: ‚Vox populi, vox Dei‘, cum tumultuositas vulgi semper insanię proxima sit, zu Deutsch: „Auf diejenigen muss man nicht hören, die zu sagen pflegen, ‚Volkes Stimme, Gottes Stimme‘, da die Lärmsucht des Pöbels immer dem Wahnsinn sehr nahe kommt“, wobei im Allgemeinen nur der Anfang gängig geblieben ist. (MS)

 

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