Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Herr Ichmich Mirmein und das „Wir“

++++ Eigentlich wollte ich heute Vormittag einen Artikel über die sinnbildliche Schlinge schreiben, die sich allmählich um den Hals von Hunter Biden zuzieht. Es gibt nämlich Neuigkeiten aus Arizona und aus Pennsylvania, die aufhorchen lassen. Es ist noch nicht ausgemacht, daß die Republikaner nur die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben werden, sondern das könnte durchaus auch noch der Senat werden. So leicht wie 2020 lassen sich Kari Lake in Arizona und Dr. Oz in Pennsylvania nicht über den Tisch ziehen. Dann wird es richtig eng für den Biden-Clan und seine Verbündeten.Das wiederum hätte auswirkungen in Deutschland.

Aber dann kam mir etwas anders dazwischen. Ein Artikel über die großen Gefahren der anstehenden Cannabislegalisierung. An dem habe ich mich dann abgearbeitet. Aber beschäftigt hat mich die Frage nach den Ursachen solcher Artikel den ganzen Nachmittag. An der Cannabislegalisierung hängt die nicht.

Das ist nämlich eine interessante Frage: Wo läßt sie sich überall sehen, diese Bereitschaft, Fakten zu verdrehen oder unter den Tisch fallen zu lassen, um sich mit seiner Absicht per „gleichberechtigte Meinung“ durchzumogeln? – Eigentlich überall. Es stellt sich also die Frage nach der Sinnhaftigkeit des ach-so-löblichen „gesellschaftlichen Diskurses“, wenn Wahrheit lediglich noch das sein soll, was sich über den Versuch ergibt, eine Mehrheit zu generieren, die dann „demokratisch“ darüber bestimmt, was kollektiv als Wahrheit begriffen zu werden hat. Mehrheit ist aber kein Faktor von Wahrheit. Auch eine demokratische Mehrheit ist kein Faktor von Wahrheit. Propaganda wird auch nicht betrieben, um Wahrheit zu streuen, sondern um Mehrheiten zu generieren.

In der Demokratie braucht man Mehrheiten, um etwas durchzusetzen, ganz egal, ob es mit der Wahrheit etwas zu tun hat oder nicht. Genau betrachtet ist der Zwang zur demokratischen Entscheidungsfindung sogar ein idealer Nährboden für Propaganda. Mit genau jener Propaganda, für welche die Demokratie den idealen Nährboden abgibt, läßt sich die Demokratie auch abschaffen. Das ist das, was zur Zeit zu beobachten ist mit der propagandistischen Installierung von Narrativen und ihren dazugehörigen „Experten“ als den „eigeninteressierten Zeugen der gewünschten Wahrheit“. Was nun jeweils die Wahrheit zu einem bestimmten Sachverhalt ist, läßt sich bisweilen schwer feststellen. Im Vorteil ist auf jeden Fall, wer in der jeweiligen Sache mehr weiß als seine Gegner. Sehr viel leichter, als die Wahrheit festzustellen, ist es eigentlich in jedem Fall, nachzuweisen, was unwahr ist. Das geht meistens schon mit der Logik nach dem „Wenn-dann-Verfahren“. Wenn wahr sein soll, daß dieses … – dann kann nicht wahr sein, daß jenes … . Die absichtslos betriebene Suche nach der Wahrheit als einem Synyonym für Realität nur um der Realitätserkenntnis wegen vermittels der Nutzung von Logik & Verstand sind der natürliche Feind eines jeden Ideologen. Der will nicht wissen, was wahr ist, sondern der will, daß als wahr gelten soll, daß … .

Der Ideologe hat eine von vornherein feststehende Absicht, wenn er etwas als wahr behauptet. Und so war es eben mit diesem Artikel zur Gefährlichkeit einer Cannabislegalisierung. Viel Absicht, viel Meinung, kaum Realitätsliebe. Das – und nichts anderes! – ist es im Kern allen Redens heutzutage, was „uns“, also der deutschen Nation, das Genick brechen wird. Mich nervt das extrem. Ich hatte mich zur Cannabislegalisierung bereits vorher in einem langen Artikel geäußert. Ich kenne mich bei dem Thema aus und habe nicht gelogen. Und dennoch ging wieder dieses „Mehrheit-Wahrheits-Spielchen“ los.

Da sagte ich mir: „Wenn du willst, daß sich die Wahrheit durchsetzt, dann wirst du eben nicht darum herumkommen, das Mehrheits-Spielchen mitzumachen – und wirst jedem dieser Anti-Cannabislegalisierungs-Meinungsstückchen die Realität gegenüberstellen, auch wenn es eigentlich überflüssig wäre und ermüdend ist“. Da mache ich nicht mit. Von wegen: „Ich stelle einem fundierten Artikel zwei unfundierte entgegen. Dann haben die zwei unfundierten Artikel die Mehrheit – und damit gilt dann als beschlossen, daß wahr zu sein hat, daß …“. – Am Arsch die Räuber. So nicht.

Mir ist völlig egal, ob jemand kifft oder nicht. Und ich sehe nicht, daß die Legalisierung einem Zwang zum kollektiven Kiffen gleichkommt, so nach dem Motto: „Jetzt ist es erlaubt. Jetzt müssen wir aber auch. Und zwar gründlich so, daß wir alle gleich bis zur Bewußtlosigkeit ‚dichtgekifft‘ sind. Die Legalisierung wird uns alle umbringen. Mamaaa! Schütze mich vor dieser gräßlichen Legalisierung!“. Als ob niemand dringender Schutz vor etwas gebrauchen könnte, als eben Schutz vor der Cannabislegalisierung. Diese völlig nutzlosen Debatten machen mich schon rasend wegen der Zeit, die dafür verplempert wird. Die Zeit drängt nämlich. Da hätten ganz andere Debatten geführt zu werden, zum Beispiel die um Subversion als Taktik im Kampf gegen diejenigen, die einen in ihrem Eigeninteresse die ganze Zeit ausrechnen und durchkalkulieren anhand der daten, die sie permanent einsammeln und auswerten.. Sich unberechenbar zu machen wäre eine hervorragende Strategie, um jedem anderen einen Strich durch sein absichtengeleitetes Kalkül zu ziehen. Aber diskutiere mal mit einem Anti-Cannabislegalisierer über die der Subversion inhärenten Möglichkeiten. Aussichtslos.

Herr Ichmich Mirmein

Der Stand des Volksvertreters ist ein respektserheischender. Und den Volksvertretern gegenüber gilt noch immer diese unausgesprochene Unterstellung, daß sie besonders edlen Gemüts sein müssen, da sie ja andernfalls nicht die zur Volksvertretung Berufenen sein könnten. Soooo verkehrt kann es doch gar nicht laufen!? -Ha-ha-ha! Der Wunsch ist des Menschen Himmelreich. Inzwischen sind ja viele „die Menschen“ aus meiner Generation, die sogenannten Boomer, und sogar auch Jüngere in höchste Ämter gewählt worden – und bei Gott: Wenn jemand weiß, in welchem Land und mit welchen Gewißheiten „wir Boomer“ in der Schule und unter den Freunden aufgewachsen sind, wer man selber ist und mit welchen Irrtümern man selbst gekämpft hat, welche Selbstbilder dabei draufgegangen sind, wie das schmerzhaft gewesen ist in seiner Unerläßlichkeit hinsichtlich der eigenen Menschwerdung, dann müsste man, um zu unterstellen, daß mit den heutigen Volksvertretern alles in Butter ist, zugleich unterstellen, daß sie sich spätestens im Alter von vierzig Jahren genau demselben oder wenigstens einem ähnlich schmerzhaften Neufindungsprozess unterzogen haben müssten, an welchem man selbst schier zerbrochen ist. Das unterstelle ich aber nicht.

Die Generation von uns (westdeutschen) „Boomern“ hat mehrheitlich einen ziemlich egozentrischen Bezug zu „Ich“ und „Wir“. Meine Rechte, meine Karriere, meine Schläue, meine Absichten, meine Narrative, meine Meinung. Nicht ich passe mich an das „Wir“ an, sondern ich fordere vom „Wir“, daß es sich meinen Präferenzen anpaßt. Daß das nicht schön ist, weiß ich selber. Aber ich muß ja nicht zugeben, daß ich so bin. Ich kann ja eine Meinung äußern, die der andere für kleidsam halten muß, wenn er nicht selber blöd dastehen will. Wozu gibt es schließlich jenen sich verengenden Meinungskorridor, an dessen engster Stelle ich meine eigenen Präferenzen noch immer durchsetzen kann? Was interessiert mich der verengte Meinungskorridor, solange es für mich noch zum Wohlstand reicht?

Glaubt aus meiner Generation der Boomer wirklich eine nennenswerte Zahl, daß die Politiker und Volksvertreter aus derselben Generation, aufgewachsen im selben Land mit denselben medial kolportierten Gewißheiten, grundsätzlich anders ticken als er selbst? – Wenn ja: Wie das denn? Wenn nein: Woher dann die Empörung über diese Regierung? Boomer, wenn du zu deinen Lebzeiten noch etwas ändern willst, dann fasst du dich am besten an der eigenen Nase und empfiehlst den Jüngeren dringend, es dir gleichzutun. Für Volk & Regierung gilt: Wie’s G’scherr, so auch der Herr.

Allmähliche Boomer-Vermischung

Die deutsche Wiedervereinigung ist jetzt über dreißig Jahre her. Da vermischt sich das allmählich. Es ist doch ein Wahnsinn, wenn man sich anschaut, was eine Frau Göring-Eckardt den lieben langen Tag, dauerverliebt in die eigene Hochmoral, recht salbungsvoll verbalsekretiert einerseits – und wenn man dem gegenüberstellt andererseits, wie sie und der evangelische Herr Thies Gundlach als Gründer eines privaten Seenotrettungsdienstes es hinbekommen haben, staatliche Millionenförderung abzugreifen, während Grüne regieren, die „garantiert“ scharf wie Lumpi darauf sind, ganz genau zu überprüfen, ob der Zaster für die verdiente Parteifreundin mit nicht einem Cent zu etwas anderem dient, als der Menschenfischerei im Mare Mediterraneum. Ha-ha-ha! Meine Meinung, meine Moral – was gibt es Nützlicheres? – Für mich! Sind die Grünen so begnadete Windradaufsterller und Photovoltaik-Pflasterer, weil sie vor lauter Edelmut die ganze Welt und ihr Klima retten wollen? – Ganz bestimmt. Ein pseudo – oder fassadenpolitisches Programm, von dem der Grüne formidabel lebt, ist das ganz bestimmt … äh … NICHT! Um Gottes Willen, nicht daß mir hier noch jemand unterstellt, ich würde jemanden verleumden.

Gegen die Verleumdung muß man auch ganz unbedingt sein. Beseelt sein muß man von seinem Hass auf die Verleumdung. Wegen der eigenen Rechtschaffenheit. Was ist die „Deutsche Umwelthilfe“ (DUH)? Das ist eine Vereinigung von Altruisten, die der deutschen Umwelt helfen wollen. Deswegen heißt sie doch auch so, die „Deutsche Umwelthilfe“. Aus keinem anderen Grund! Besonders das „Deutsch“ vor „Umwelthilfe“ ist von einer kalkulatorischen Eleganz, daß einem der Atem stockt. Soll mir keiner behaupten, der Herr Resch und die Seinen hätten zuvörderst an sich selbst gedacht, als ihnen die geniale Idee mit der „Deutschen Umwelthilfe“ gekommen ist. Wie sagt die liebe Umwelt? –  „DUH? – Dort werden Sie geholfen.“ – Das Fundament für ein 100 Meter hohes Windrad besteht übrigens aus etwa 1.600 m³ Beton. Die Betonherstellung wiederum ist gar nicht gut für das liebe Weltklima. So ein Fundament hilft auch nicht gut gegen die beklagenswerte Bodenversiegelung. Schließlich macht es nicht weniger Regen. Vielleicht sollte man noch ein paar hundert Betonfundamente für Windräder unsichtbar im Boden des Ahrtals versenken, damit die nächste Flut nicht wieder nur halbe Sachen macht. Im Ahrtal stehen nach dem Motto „und dann kam der Mensch“ noch viel zu viele intakte Häuser herum. Das muß einer bedauern, der Vaterlandsliebe schon immer zum Kotzen fand.

Jetzt ist es ja auch so: Boomer gibt es viele. Die kommen allmählich alle ins Rentenalter. Und dann jammern sie herum, weil das Rentenniveau so schändlich niedrig ist. Warum ist es niedrig? Weil die Boomer es vorgezogen haben, sich statt zwei bis drei Kindern lieber zwei bis drei Autos zuzulegen und auf die Seychellen in den Urlaub zu fliegen. Wenn jetzt zu wenig Junge da sind im umlagefinanzierten System, die ihnen stattliche Renten zahlen würden – wer ist dann schuld? – Die Politik der Vorboomer. Die Vorboomer hätten den Boomern schließlich sagen können, daß „keine Kinder“ gleichbedeutend ist mit „wenig Rente“. Woher hätten sie es denn wissen sollen bei aller Freiheit zur höchst individuellen Lebensplanung? Frau Boomer kann ihre Lebenszeit schließlich auch nicht mit Kind & Familie verplempern. Wo wäre denn da die Selbstverwirklichung geblieben? Was ist das überhaupt, diese Selbstverwirklichung? Selbstverwirklichung ist, wenn es in einer Familie nicht mehr nur einen, sondern zwei Erwachsene gibt, die dem Staat jene Steuern erwirtschaften, die er dann für die Kinder anderer Leute überall auf der Welt zum Fenster rauswerfen darf. Wegen der Menschlichkeit, dem Weltklima und allen diesen feinen Sachen.

Langer Rede kurzer Sinn: Jede Gesellschaft führt die Debatten, zu denen sie noch imstande ist. Hierzulande wird es sich wohl bald ganz ausdebattiert haben. Endlich braucht sich dann niemand mehr seinen eigenen Kopf zu zerbrechen. Und das Cannabis lassen wir uns lieber auch weiterhin verbieten, weil: Viel zu gefährlich. Da könnte unsere beispielhafte Gesellschaft, für die uns die ganze Welt bewundert, womöglich noch Schaden nehmen. Wehret den Anfängen! Wir sind doch erst am Anfang, oder? – Ganz bestimmt. +++

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