Der Wirtschafts- & Sanktionsminister - Foto: Von Markus Wissmann/Shutterstock

Gas bald unter sozialistischer Kontrolle

Verstaatlichung der Gasnetze. Das ist der nächste Plan, den der grüne Wirtschaftsminister aus dem Hut zaubert. Durch die Leitungen soll zukünftig „grüner“ Wasserstoff fließen. Nur blöd, daß die gesamte Wasserstoffindustrie mit einem Fuß bereits in Amerika steht, denn auch in diesem Bereich hat die Bundesregierung die Entwicklung völlig verschlafen. Droht jetzt die komplette Abhängigkeit von den amerikanischen „Freunden“?

Der Bund will nach Angaben der Welt eine nationale Leitungsgesellschaft unter staatlicher Beteiligung gründen. Mit diesem tiefen staatlichen und bisher einzigartigen Eingriff in die Wasserstoffwirtschaft will der Bund selbst Eigentümer werden. Das geht aus dem Entwurf zur „Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie“ (NWS) hervor.  Eine Wasserstoffnetzgesellschaft mit staatlicher Beteiligung soll gegründet werden. In welcher Höhe sich der Staat beteiligen will, ist noch offen. Fest steht aber bereits, daß die Gesellschaft eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft spielen soll. „Mittelfristig“ soll sie die „die bisherigen Wasserstoffleitungen sowie umzunutzende Erdgasleitungen erwerben“.

Es geht dabei um nicht weniger als praktisch alle Gasleitungen, das Fernleitungsnetz von 40.000 Kilometer Länge sowie Teile des 470.000 Kilometer langen Verteilernetzes in den Regionen und Kommunen, also praktisch das gesamte Netz, daß dann unter staatlicher Kontrolle stehen sollen. Der volkswirtschaftliche Wert dieses Rückgrats der deutschen Energieversorgung werde auf mehr als 270 Milliarden Euro taxiert, heißt es in der Welt.

Die Branche selbst warnt vor einem Irrweg.

Geht es nach der Bundesregierung ist Deutschland bis 2045 vollständig dekarbonisiert. Hinter den Plänen steckt der für die Energiewende zuständige Staatssekretär Patrick Graichen, einst Chef der privaten Denkfabrik Agora Energiewende. Er will Gas- und auch Ölheizungen so schnell wie möglich durch strombetriebene Wärmepumpen ersetzen. Graichens Ex-Arbeitgeber Agora Energiewende bereitet offenbar im Hintergrund bereits eine Wärme-Studie in ausgewählten Kommunen und Städten vor. Eingeweihten zufolge ist das Ziel bereits gesteckt:  Mehr als die Hälfte der Gasverteilnetze seien bald überflüssig, weil dank Wärmepumpen-Revolution weniger Gas verheizt wird und auch die Industrie ihre Prozesswärme mit strombetriebenen Großwärmepumpen erzeugen soll.

Damit der Plan bereits 2027 aufgeht, soll „ein Startnetz von mehr als 1800 Kilometern in Deutschland und 4500 Kilometern europaweit entstehen“. Das grüne Tabu der Klimaschützer vom „blauen Wasserstoff“ soll dafür fallen, denn auf die Schnelle wird dahin nicht genug „grüner Wasserstoff“ zur Verfügung stehen. Übergangsweise will man den „blauen Wasserstoff“ erlauben, der durch das chemische „Cracken“ von Erdgas entsteht. Das dabei anfallende CO2 soll unterirdisch eingelagert werden.

Bei den Gas-Unternehmen wird Kritik laut: Die Branche fürchtet, daß künftig der Staat auch planwirtschaftlich darüber befinden kann, wer künftig mit Wasserstoff beliefert werden darf. „Wir sehen den Vorschlag zur Schaffung einer Wasserstoffnetzgesellschaft mit staatlicher Beteiligung sehr kritisch“, warnt Barbara Fischer, Sprecherin der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas). Es sei „nicht nachvollziehbar, warum das Wirtschaftsministerium jetzt ohne Not eine Verstaatlichung vorschlägt“, erklärt Fischer gegenüber der Welt. Ein schneller, volkswirtschaftlich sinnvoller Aufbau der Wasserstofftransportinfrastruktur unter Nutzung der bestehenden Erdgasleistungen könne so nicht gelingen, glaubt sie.

Während Habeck sich mit den Leitungen beschäftigt, schaffen die Amerikaner in diesen Tagen Tatsachen. Die amerikanische Regierung hat mit ihrem Inflation Reduction Act (IRA) beschlossen, die Wasserstoff-Industrie ab 1.Januar kommenden Jahres mit über 50 Milliarden Dollar zu fördern. Entwickelt von deutschen Ingenieuren geht die neue Technologie der Wasserstoffherstellung damit in die Hände der Amerikaner über, die den Unternehmen eine gesicherte Vergütung für eine Laufzeit von zehn Jahren gewährt.

Die Amerikaner haben die Chance der Technik gesehen, die bereits in Australien, China, Japan und auch in Prenzlau in der Uckermark, wo seit elf Jahren das erste Wasserstoff-Wind-Biogas-Hybridkraftwerk Deutschlands läuft, Realität ist und schnell und unbürokratisch gehandelt. „Wenn Deutschland nicht rasch handelt, geht die gesamte Technologie in die USA, weil dort der Markt ist“, weiß Werner Diwald, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands (DWV) Diwald. „Wir reden von einer Million Arbeitsplätzen in Deutschland, bei einem Jahresumsatz von 800 Milliarden Euro.“ Die gesamte Industrie werde am Ende dahin ziehen, wo die Energie produziert wird.

„Wir haben Informationen von ersten Unternehmen, die ihre Planungen für Europa gestoppt haben und in die USA gehen wollen,“ erklärt Diwald. Es gehe um Tage: Der Wettlauf beginne jetzt, erklärt er. „Wir brauchen keine extra EU-Regulierung, es gibt die entsprechende Verordnung bereits. Die Bundesregierung muss lediglich zwei Verordnungen erlassen. Diese könnten noch in diesem Jahr kommen“ so Diwald.

Die Infrastruktur für Importe aus Nachbarländer sei vorhanden, die bestehenden Pipelines könnten genutzt werden grünen Wasserstoff in gigantischem Ausmaß zu transportieren.

Bereits seit zwei Jahren versuche die Branche, der Bundesregierung die Dringlichkeit zu erklären, sich stößt sie dort auf taube Ohren. Die Bundesregierung sei der Überzeugung, man kann die gesamte Energie mit Strom und Kupferplatten erzeugen, sagt Diwald. Statt auf eigene Innovationen zu setzen, kaufe sie lieber teures Flüssiggas (LNG) aus Katar über amerikanische Zwischenhändler ein. Die verrückte Welt des Robert Habeck, der am Ende Herrscher über ein gigantisches Gasnetz sein könnte, aber den grünen Wasserstoff zu unvorhersehbaren Preisen aus Amerika einkaufen muß. (MS)

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