Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: EU-Überraschung – Korruption!

Man darf alles, nur erwischen lassen darf man sich nicht. Wer gegen diesen Grundsatz verstößt, ist dran.

Die belgische Justiz liess die griechische EU-Vizepräsidentin Eva Kaili unter dem Verdacht festnehmen, dass sie sich von Katar bestechen ließ. Momentan muß man allerdings noch annehmen, daß an den Vorwürfen nichts dran ist und daß Frau Kaili unschuldig sein könnte. Das ist wegen der Unschuldsvermutung so, die für manche Leute noch zu gelten hat. In Deutschland ist die unbestechliche Frau Innenministerin bekanntlich dabei, auf ihrem Weg „nach vorn“ in eine „bessere Zukunft“ die Unschuldsvermutung in eine Schuldvermutung umzuwandeln, um angebliche Verfassungsfeinde problemlos aus dem öffentlichen Dienst entfernen zu können. Die in Frage kommenden Beschuldigten hätten künftig nachzuweisen, daß sie nicht verfassungsfeindlich eingestellt sind. Niemand müsste ihnen die Verfassungsfeindlichkeit erst umständlich nachweisen. Für Frau Kaili gilt allerdings die Unschuldsvermutung noch, weswegen man nicht einfach schreiben kann, sie gelte so lange als korrupt, bis sie nachgewiesen hat, daß sie es nicht ist. Ob sich Frau Faeser jemals überlegt hat, daß man sie selbst als Verfassungsfeindin bezeichnen könnte, um sie zu entlassen, wenn ihre Änderung im Beamtenrecht durchkommt? Also technisch vielleicht nicht, aber der Logik nach? Was da alles möglich werden würde! Man könnte behaupten, Boris Becker stamme von Idi Amin ab bis er bewiesen hat, daß das nicht stimmt. Aber einerlei: Die EU untersteht nicht dem faesrigen Innenministerium in der Republik der Deutschen Demokraten, weswegen für Frau Eva Kaili momentan zu gelten hat, daß sie vermutlich nicht korrupt ist. Auch wenn es in Anbetracht der wertewestlichen Gesamtlage von Politik & Lobbyismus wenig Veranlassung gibt für eine solche Annahme.

Eva Kaili
Frau Eva Kaili (44), Sozialdemokratin & EU-Vizepräsidentin, vermutlich nicht korrupt – Screenshot SRF

Wenn Frau Kaili vermutlich nicht korrupt ist, dann stimmt vermutlich auch, was sie am 21. November im EU-Parlament zu den Korruptionsvorwürfen gegen Katar äußerte. Sie wetterte gegen alle, die Katar & Korruption unter einen Hut stecken wollten, obwohl zu diesem Zeitpunkt jene FIFA-Funktionäre bereits der Korruption überführt worden waren, die im Jahr 2010 die WM an Katar vergeben hatten. Vor gut drei Wochen noch hatte Frau Kaili behauptet, Katar sei ein „Vorreiter bei den Arbeitsrechten“ und daß sich das Land geöffnet habe. Sie schimpfte alle, die jeden der Korruption bezichtigten, der auch nur mit den Katarern spreche.

Frau Kaili ist schon lange auf der politischen Bühne unterwegs. 2002 wurde sie Mitglied im Stadtrat von Thessaloniki, später dannn war sie jüngste Abgeordnete in der griechischen Nationalversammlung und seit 2014 ist sie im EU-Parlament gewesen. Das Relotiusblättchen aus Hamburg nannte sie 2011 bereits eine „Weitsichtige“. Da fragt man sich unwillkürlich, ab wann man beim Relotiusblättchen weitsichtig vorhersehen konnte, daß man eines Tages über 5 Mio. Dollar von der Bill- & Melinda-Gates-Stiftung erhalten würde, um unabhängig über die Gefährlichkeit von Impfstoffen zu berichten. Experten für Weitsicht eben, diese Spiegelanten aus Hamburg. Wegen der Unschuldsvermutung, die auch für den Lügner gilt, darf ich daher behaupten, daß es noch nie Zweifel an der messerscharfen Weitsicht des SPIEGEL gegeben hat.

Wie es die Weitsicht will, wurde am Freitag auch ein italienischer Politik-Berater festgenommen, mit dem Frau Laili rein zufällig liiert ist, was die Unschuldsvermutung nur weiter erhärtet, weil eine doppelte Unschuldvermutung mehr wert ist als eine einfache. Hier zeigt sich auch schön der Unterschied zwischen „Berater“ und „Brater“, wenn es um die Unschuldsvermutung geht. Der eine berät und der andere brät. Der italienische Politik-Berater  wird seiner vermuteten Unschuld wegen in der Presse nicht namentlich genannt, der Sternekoch als Würstchenbrater für den reussischen Terror-Prinzen und dessen Truppen aber schon. Gottlob gilt die Unschuldsvermutung gleichermaßen für namentlich Unbekannte wie auch für die namentlich Bekannten. Weswegen es auch nichts ausmacht, daß das Relotiusblättchen auf dem Titel seiner aktuellen Ausgabe auf jene Augenbalken verzichtet, die sonst jeder messerstechende Maghrebiner, Afghane und Subsaharant verpasst bekommt.

SPIEGEL Titel Staatsstreich
Aktueller SPIEGEL Titel – Screenshot SPIEGEL-Archiv

Sei es wie es sei: Die festgenommene und wahrscheinlich unschuldige EU-Vizepräsidentin Eva Kaili steht nun unter Druck. Wenn es analog zur Unschuldsvermutung kein Undruck ist. Die deutsche Parlamentsvizende Nicola Beer hofft, daß Frau Kaili ihren Posten aufgibt. Frau Beer ist von der FDP und sieht längst nicht so gut aus wie Frau Kaili. Außerdem ist sie 8 Jahre älter. Die Innenministerin mit der fortschrittlichen Schuldvermutung aus der Republik der Deutschen Demokraten ist übrigens blond. Aber das hat alles nichts zu bedeuten. Beim Geschlecht und bei der Haarfarbe gilt die Unschuldsvermutung ganz besonders. Also bei einem der beiden Geschlechter. Mehr als zwei gibt es ja auch nicht. Deswegen kann die Frau Beer vermutlich auch nichts dafür, daß sie behauptete, Frau Kaili habe das Vertrauen ins EU-Parlament erschüttert. Sie scheint davon ausgegangen zu sein, daß es da noch etwas zu erschüttern gegeben hat. So eine Unschuldsvermutung ist schon praktisch. Der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament muß man das mit der Unschuldsvermutung vermutlich noch einmal genau erklären. Die hat nämlich Frau Kailis Mitgliedschaft trotz aller Vermutung jetzt schon suspendiert. Und die griechischen Pasoken haben sie gleich ausgeschlossen. Geht man so mit einer Unschuldsvermutung um? – Da wird eine Nachschulung fällig. Die Frau Faeser hält die besser nicht. Daß sie blond ist, ändert an dieser Feststellung gar nichts.

Weder blind noch blond ist jedenfalls der ungarische Regierungssprecher Zoltan Kovacs. Der twitterte, daß er sich jetzt schon auf die Äußerungen von den antikorruptionsaffinen Damen und Herren im EU-Parlament freue und nannte beispielhafte Namen, wie z.B. Katharina Barley, Guy Verhofstadt und andere Antikorruptionsprediger, die sich zum Fall der mutmaßlich unschuldigen Frau Eva Kaili noch nicht geäußert zu haben scheinen.

Zoltan Kovacs
Kovacs-Tweet – Screenshot SRF

Und weil das mit der Unschuldsvermutung eine so formidable Sache ist – hier noch ein vermutlich unschuldiges Bildchen der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit dem Pfizer-CEO Albert Bourla. Wenn ich das Bild richtig interpretiere, dann springt ihnen die Freude angesichts ihrer gemeinsamen Ablehnung jedweder Korruption förmlich aus den Augen.  Na, wo ist es denn, das Bildchen, auf dem Bourla und von der Leyen bei einem inniglichen Begrüßungsbussi zu sehen sind? Sakra, jetzt finde ich das nicht mehr. Das wird doch nicht von jemandem in aller Unschuld aus dem Internet getilgt worden sein? Das Bild mit den geschwärzen Protokollseiten zum Pfizer-Deal der EU-Kommissionspräsidentin wäre jetzt nicht das, welches ich in aller Unschuld herzeigen wollte. Na, da werde ich wohl mit diesem hier vorlieb nehmen müssen. Frau von der Leyen mit ihrem Ehemann Heiko bei einem Tänzchen unter dem Motto „The Roaring Twenties“.

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Das Ehepaar von der Leyen beim Tänzchen – Foto: Imago

Heiko von der Leyen hat in Stanford studiert und wurde 2002 an der Medizinischen Hochschule Hannover zum außerplanmäßigen Professor für Innere Medizin und experimentelle Kardiologie ernannt. Seit September 2020 ist er Medizinischer Direktor beim amerikanischen Biopharma-Unternehmen „Orgenesis“, das sich auf die Entwicklung von Zell- und Gentherapien spezialisiert hat. Wegen der ganzen  Unschuldsvermutung allüberall möchte ich deshalb ausdrücklich darauf hinweisen, daß experimentelle Kardiologie, Myokarditis, mRNA-Impfungen, Eheschließungen, Übersterblichkeit, außerordentliche Professur, Pfizer, Bourla und geschwärzte Verhandlungsprotokolle sehr unschuldsvermutlich in keinem wie auch immer gearteten Verdachts-Zusammenhang zueinander stehen. Die vermutlich unschuldige Frau Eva Kaili von den griechischen Pasoken ist ganz bestimmt so ein Einzelfall, wie wir ihn schon von Einmann kennen. Und überhaupt: Es lege mir niemand etwas in den Mund, das ich nicht behauptet habe.

Weil: Daß Korruption total unüblich ist im Wertewesten, kann man schon daran erkennen, daß die Korruption in der Ukraine bis vergangenes Jahr noch heftig kritisiert worden ist. Ein Korrupter würde die Korruption niemals kritisieren, oder? Wenn es die Unschuldsvermutung nicht gäbe, müsste man auch annehmen, daß Elon Musk selber korrupt ist. Es lebe die Unschuldsvermutung!

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