Nur vom Feinsten und "Nachhaltigsten": RBB-Krisengespräche auf noblem Landgut (Symbolbild:Pixabay)

Die Dekadenz setzt sich fort: RBB-Führungsetage tagt zu Sparmaßnahmen – in „klimapositivem“ Luxusressort

Sparen will gelernt sein, und aller Anfang ist schwer- unter diesem Motto könnte man die Bemühungen des zur ARD gehörenden RBB verbuchen. Man könnte aber auch konstatieren: Bei den öffentlich-rechtlichen ist Hopfen und Malz verloren, sie lernen es einfach nicht – und gehören deshalb aufgelöst und ersatzlos abgeschafft. In Berlin bzw. Potsdam, beim RBB, insbesondere. Denn obwohl der Sender seit Monaten von einem Skandal zum nächsten taumelt und das ohnehin schwindende Vertrauen in den mit über 8 Milliarden Euro Gebühren zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch zusätzlich erschüttert hat, steckt die barocke Prunksucht offenbar so tief in den Genen der führenden Mitarbeiter, dass sie jeden Warnschuss überhören.

Ausgerechnet eine Tagung darüber, wie 41 Millionen Euro eingespart werden können, versammelte sich die Führungsriege sich ironischerweise in einem Luxushotel bei Nauen im Havelland. Die eigenen, ebenfalls wahrlich nicht gerade bescheiden ausgestatteten Räumlichkeiten des Senders, hielt man dem noblen Zweck des Treffens offenbar nicht für angemessen. Der opulente Tagungsort der hohen Gäste stellt sich denn im Netz auch als das „nachhaltigste Hotel Deutschlands“ vor. 2017 und 2021 sogar zum zweiten Mal, sei man gar als „grünstes Hotel Europas“ ausgezeichnet worden. Das Landgut sei „klimapositiv“. Entsprechend kann man dort also sogar „klimapositiv tagen“, indem ein „ökologischer Fußabdruck“ der konferierenden ermittelt wird – besonders interessant für jene gebührenfinanzierten Absahner, die ohnehin auf großem Fuß leben. Hierzu werden, wie das Hotel akribisch erläutert, „alle Verbräuche der Veranstaltung von den Betriebskosten, Heizkosten, Papierverbrauch und Food & Beverage, Übernachtung etc. umfassend ermittelt und ein Fachunternehmen errechnet daraus den CO2 Verbrauch“.

Sparstimmung bei Fasanenbrust und Wolfsbarsch

Ob der RBB, der diesen Tagungsort wählte, von diesem rundum-sorglos-Klimapaket (das vor allem der Gewissenserleichterung durch all-inklusive-Ablasshandel dienen soll) Gebrauch gemacht hat oder ob es gar der Anlass dafür war, diesen Ort für die Sparkonferenz zu wählen, ist nicht bekannt. Sicher ist jedenfalls, dass die „harten” Entscheidungen, die man zweifellos treffen oder zumindest nach außen verkünden wollte, durch die Gewissheit emotional erleichtert wurden, dass man sich auf einem Landgut aufhält, das, nach eigenen Angaben, die Möglichkeit zum „entschleunigen, entspannen, wohlfühlen“ bietet. Dafür werden dann bis zu 220 Euro alleine pro Übernachtung und weitere 74 Euro (pro Person) für den Tagungsraum berechnet.

Um sich so richtig in Sparstimmung zu versetzen, kehrte man zuvor aber noch zum Abendessen ein – allerdings nicht bei McDonalds zum Sparmenü, sondern im edlen „Restaurant Seeterrassen“, wo, laut „Bild”-Recherche, unter anderem geschmorte Hirschkeule, Fasanenbrust oder Wolfsbarsch im Wirsingmantel auf der Speisekarte stehen. Auf Anfrage erklärte der Sprecher von RBB-Intendantin Katrin Vernau: „Das Abendessen zahlt die Intendantin aus eigener Tasche.“ Wohlgemerkt: Die eigene Tasche, die dank üppigster Bezüge aus Gebührengeldern satt gespeist wird.

Neue Intendantin, neue Bescheidenheit? Von wegen…

Die eigene Belegschaft ist irritiert. Christoph Hölscher, den Vertreter der 1.400 freien Mitarbeiter des Senders, kann diese Versicherung nicht beschwichtigen: „Wir haben unsere Klausuren immer kostenbewusst in RBB-Räumen abgehalten. Ob das Bio-Hotel ein notwendiger und angemessener Rahmen ist, um womöglich über drastische Kürzungen im Programm und bei den Einkünften freier Mitarbeiter zu beraten, möchten wir nicht beurteilen“, ließ er verlauten. Die bisherigen Erkenntnisse über Sparpotentiale beim RBB fallen indes übersichtlich aus: Bei den 2.000 festangestellten Mitarbeitern will die Intendantin erst gar nicht ansetzen. Stattdessen müsse man überlegen, ob „weiter rund um die Uhr gesendet” werden müsse. Man sollte meinen, dass einem diese Idee auch in der Senderzentrale gekommen wäre.

Allerdings hat Vernau, die die Nachfolge ihrer skandalumwitterten Vorgängerin Patricia Schlesinger angetreten hatte, auch nicht gezögert, sich, zusätzlich zu ihrem Gehalt von immerhin 295.000 Euro noch einen Mietkostenzuschuss von rund 1.000 Euro pro Monat zu sichern. Und erst am Donnerstag hatte der Rundfunkrat des Senders die juristische Direktorin Susann Lange entlassen, weil gegen sie wegen Beihilfe zur Untreue ermittelt wird. Mit angesichts dieser Zustände wohl zu erwartenden weiteren Tagungen, egal wie luxuriös und nachhaltig durchgeführt, dürfte es also nicht getan sein. Am besten wäre die komplette Abwicklung des RBB, um diesen Sumpf aus dummdreister Gebührenverschwendung endgültig trocken zu legen. (DM)

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